VVB Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen VVB LAUFERSWEILER VERLAG STAUFENBERGRING 15 D-35396 GIESSEN Tel: 0641-5599888 Fax: -5599890 redaktion@doktorverlag.de www.doktorverlag.de VVB LAUFERSWEILER VERLAG édition scientifique 9 7 8 3 8 3 5 9 6 5 1 2 6 ISBN: 978-3-8359-6512-6 V iv ie n S e e g e r g e n . D ü t e m e y e r A lt e r n a t iv e M e d iz in w ä h r e n d d e r S c h w a n g e r s c h a f t Vivien Seeger genannt Dütemeyer Anwendung alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt – Photo cover: © BillionPhotos.com @ fotolia.de VVB VERLAG VVB VVB LAUFERSWEILER VERLAG édition scientifique Motivationsfaktoren und Persönlichkeiten werdender Mütter Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Die rechtliche Verantwortung für den gesamten Inhalt dieses Buches liegt ausschließlich bei den Autoren dieses Werkes. Jede Verwertung ist ohne schriftliche Zustimmung der Autoren oder des Verlages unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme. 1. Auflage 2016 All rights reserved. No part of this publication may be reproduced, stored in a retrieval system, or transmitted, in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopying, recording, or otherwise, without the prior written permission of the Authors or the Publisher. st1 Edition 2016 © 2016 by VVB LAUFERSWEILER VERLAG, Giessen Printed in Germany VVB LAUFERSWEILER VERLAG STAUFENBERGRING 15, D-35396 GIESSEN Tel: 0641-5599888 Fax: 0641-5599890 email: redaktion@doktorverlag.de www.doktorverlag.de édition scientifique Anwendung alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt – Motivationsfaktoren und Persönlichkeiten werdender Mütter INAUGURALDISSERTATION zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgelegt von Vivien Seeger genannt Dütemeyer, geb. Tiedemann aus Berlin Gießen 2015 Aus dem Zentrum für Frauenheilkunde & Geburtshilfe des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen Direktor: Prof. Dr. med. Dr. h. c. H.-R. Tinneberg 1. Gutachter: Prof. Dr. Münstedt 2. Gutachter: Prof. Dr. Dr. Hennig Tag der Disputation: 09. Mai 2016 Inhaltsangabe 1 Einleitung 1 1.1 Grundlegendes über alternative und komplementäre Medizin 2 1.2 Bandbreite alternativer und komplementärer Medizin 4 1.3 Wirksamkeit von alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt 6 1.4 Anwendung von Alternativmedizin während der Schwangerschaft und der Geburt – assoziierte Faktoren und Motivationen 7 1.5 Persönlichkeit und Alternativmedizinnutzung 10 1.6 Eysencksche Persönlichkeitsmodell 11 1.7 Persönlichkeit und Schwangerschaft 13 2 Ziel und Fragestellung 14 3 Material und Methode 16 3.1 Erhebungsbogen 16 3.1.1 Aufbau 16 3.1.2 Verteilung 18 3.1.3 Rücklaufquote 19 3.1.4 Ein- und Ausschlusskriterien 19 3.2 Statistische Auswertung 19 3.2.1 Deskriptivstatistische Datenanalyse 19 3.2.2 Statistische Tests 20 3.2.3 Auswertungsmanual des Eysenck Personality Profilers 22 4 Ergebnisse und Auswertung 24 4.1 Soziodemographische und geburtshilfliche Charakteristika 24 4.2.1 Fragestellung 1 a) und b) FVAKVSG 25 4.2.1.1 Anwendungshäufigkeiten und Nutzungsgründe alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft 25 4.2.1.2 Variable „Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft“ 29 4.2.2 Fragestellung 1 b) Vergleich der drei Beweggründe für die Nutzung alternativer und komplementärer Verfahren während der Schwangerschaft 30 4.3.1 Fragestellung 2 a) FVAKVSG 31 4.3.1.1 Geplante Anwendung und Nutzungsgründe alternativer und komplementärer Medizin während der Geburt 31 4.3.1.2 Variable „Alternativmedizinnutzung während Geburt“ 34 4.3.2 Fragestellung 2 b) Häufung der „weiß ich noch nicht“-Aussagen, Vergleich einzelner Kollektive 35 4.3.3 Fragestellung 2 c) 36 4.3.3.1 Mittelwerte alternativer Verfahrensnutzung während Schwangerschaft und Geburt im Vergleich 36 4.3.3.2 Zusammenhang zwischen Nutzungsschema und –plänen 36 4.4 Fragestellung 3 Determinanten für eine verstärkte Alternativmedizinnutzung während der Schwangerschaft und der Geburt 37 4.4.1 Alter 37 4.4.2 Bildungsgrad 38 4.4.3.1 Geburtsvorbereitungskursteilnahme 40 4.4.3.2 Beziehung zwischen Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Alternativmedizinnutzung konfundiert mit Bildungsgrad? 42 4.4.4 Fehlgeburt 43 4.4.5 Erstgebärende 44 4.4.6 Risikoschwangerschaft 45 4.4.7 Vorherige Anwendung von Alternativmedizin 45 4.4.8 Erinnerung an vorherige Entbindung 46 4.5 Fragestellung 4 Motivationsstruktur und Einstellungen werdender Mütter 47 4.5.1 Fragestellung 4 a) Faktorenanalyse des GS-CAM V.10310 47 4.5.2 Fragestellung 4 b) Korrelation der Aussagen mit der Alternativmedizinnutzung 49 4.6 Fragestellung 5 Ansichten und Wünsche Schwangerer zur Geburt 50 4.6.1 Fragestellung 5 a) Faktoranalyse des Geb-Fra V1 50 4.6.2 Fragestellung 5 b) Ansichten und Wünsche Schwangerer zur Geburt und Korrelation mit Alternativmedizinnutzung 51 4.7 Fragestellung 6 Persönlichkeitsfaktoren und Nutzung alternativer Medizin – der Eysenck Personality Profiler 52 4.7.1 Verteilung auf die Stanine 53 4.7.2 Persönlichkeitsfaktoren und Alternativmedizinnutzung 54 4.7.3 Persönlichkeitsfaktoren und Anwendung spezieller alternativer und komplementärer Verfahren während der Schwangerschaft und der Geburt 56 5 Diskussion 58 5.1 Zusammenfassung 58 5.2 Datenqualität 58 5.2.1 Angewandte Methode (Barth, 1998) 58 5.2.2 Repräsentativität der Ergebnisse 59 5.2.3 Begriffsproblematik „Alternativ- und Komplementärmedizin“ 59 5.2.4 Qualität der Erhebungsbögen GS-CAM V.10310 und Geb-Fra V1 60 5.3 Alternative und komplementäre Medizin während der Schwangerschaft 62 5.3.1 Nutzung alternativer und komplementärer Medizin 62 5.3.2 Anwendungsgebiete alternativer und komplementärer Medizin 63 5.4 Alternative und komplementäre Medizin während der Geburt 64 5.5 Prädiktoren zur Anwendung alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt 67 5.6 Motivationsfaktoren und Ansichten Schwangerer hinsichtlich der Anwendung alternativer und komplementärer Therapien 70 5.7 Alternative und komplementäre Medizin im Zusammenhang mit der Persönlichkeit 74 5.8 Wünsche und Interessen werdender Mütter 76 6 Zusammenfassung 78 7 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 82 7.1 Soziodemographische Charakteristika 82 7.2.1 Angaben zur Schwangerschaft und vorherige Schwangerschaften und Geburten 84 7.2.2.1 Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Bildungsgrad 87 7.2.2.2 Objektive und subjektive Risikoschwangerschaft 87 7.2.2.3 Bewertung der vorherigen Entbindung und Entbindungsart 88 7.2.3 Bildungsgrad und Persönlichkeit 88 7.3 GS-CAM V.10310 90 7.4 Geb-Fra VI 96 8 Literaturverzeichnis 98 9 Anhang 109 10 Ehrenwörtliche Erklärung 123 11 Danksagung 124 1 1 Einleitung Weltweit ist eine zunehmende Akzeptanz und Anwendung von alternativer und komplementärer Medizin zu verzeichnen (Ernst, 2003). Sie wird zur Behandlung und für den Umgang mit Krankheiten sowie aber auch zur Pflege und zum Erhalt der eigenen Gesundheit und des Wohlbefindens genutzt. Dieser Trend zeichnet sich nicht nur generell ab, sondern ist auch während der sensiblen Phase der Schwangerschaft und Geburt zu beobachten (Adams et al., 2011a; Adams et al., 2011b). Alternativmedizin ist, im Gegensatz zu der etablierten und wissenschaftlich verifizierten Medizin eines Landes zu einer bestimmten Epoche, als „Erfahrungsheilkunde“ charakterisiert und hat oftmals einen religiös-mystischen, bzw. schamanistischen und philosophischen Hintergrund (Schweiger, 2003). Das Spektrum der alternativen Medizin hat sich im Laufe der Zeit den medizinischen Erkenntnissen entsprechend gewandelt, so dass wir heute Verfahren zur „Alternativmedizin“ zählen, die früher durchaus fester und offizieller Bestandteil eines medizinischen Systems waren (Jütt, 1996), wie u. a. Kräuter und Heilpflanzen in der Geburtshilfe. Doch auch damals schon wurden Alternativen herangezogen, wenn z. B. Wehemütter, die einstigen Hebammen, bei schwierigen Fällen nicht weiter wussten und Geistliche riefen, die mit religiösen Mitteln Hilfe zu leisten versuchten (Meyers Konversations-Lexikon, 1889). Mit dem Fortschritt der medizinischen Wissenschaft vollzog sich ein Wandel in der Geburtshilfe. Die Anatomie des weiblichen Körpers, genauso wie der Geburtsvorgang an sich, wurde besser verstanden und so verdrängten um 1800 die Ärzte zunehmend die Hebammen, verlagerten Hausgeburten in Entbindungshäuser und führten medizinische Instrumente, wie die Geburtszange, ein (Meyers Konversations-Lexikon, 1889). Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Kaiserschnitt unter Narkose möglich und dank der Hygienevorschriften des Arztes Ignaz Semmelweis konnte das Kindbettfieber eingedämmt werden (Jay, 1999). Etwas später wurde der Mutterschaftspass eingeführt, Richtlinien für die Schwangerschaftsvorsorge erstellt, Risikoschwangerschaften klassifiziert und die Möglichkeiten der Medizin weiterentwickelt, wie z. B. fetales Monitoring vor und während der Geburt, Ultraschalldiagnostiken, Lungenreifeinduktion für Frühgeborene und die Nutzung spezieller Beatmungsgeräte für Neugeborene (Künzel, 1994). Akute Gefahren für Mutter und Kind konnten nunmehr gebannt 2 werden, so dass die perinatale Sterblichkeit von noch etwa 4% im Jahr 1955 auf nur 0,5% heute gesunken ist (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2009). Ebenso fiel die Müttersterblichkeit, im Jahre 1910 starben bei 100.000 Lebendgeburten noch 350 Frauen, auf heute einstellige Zahlen (Welsch et al., 2010). Auch wenn demnach Schwangerschaft und Geburt für Mutter und Kind statistisch gesehen sicher geworden sind, teilen einige Frauen dieses Gefühl nicht und sind eher besorgt über Entwicklungen in der so genannten Schulmedizin (Nordeng & Havnen, 2005). Außerdem ist das Mutterwerden nach wie vor mit Beschwerden, Schmerzen, multifaktoriellen Sorgen und Ängsten verbunden, wo trotz allen medizinischen Fortschritts wenig Abhilfe geschaffen werden kann. So verlagern sich Gedanken und Anforderungen Schwangerer auf Bereiche der Medizin, die sich um ihre Person, der Berücksichtigung ihres seelischen Zustands und der Rückbesinnung auf die Natürlichkeit drehen. Mehr als die heutige Schulmedizin nimmt sich diesen Bedürfnissen speziell die alternative und komplementäre Medizin an, eine Medizin, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts erstmals von der aufgekommenen naturwissen- schaftlichen „Universitätsmedizin“ klar abgrenzte (Bruchhausen & Schott, 2008). Diesem nachgehend beschäftigt sich auch die Wissenschaft mit dem zunehmenden Trend der Alternativmedizinzuwendung und versucht soziodemographische und Motivationsfaktoren, sowie aber auch Persönlichkeitsmerkmale diesbezüglich zu ergründen. Das hilft dieses Phänomen besser zu verstehen und gewonnene Informationen in die Arbeit der Ärzte mit ihren Patienten einfließen zu lassen. 1.1 Grundlegendes über alternative und komplementäre Medizin Die Alternativmedizin umfasst Heilmethoden, die dem Land nicht als Teil seiner Tradition zugeordnet werden können und dort nicht in das vorherrschende Gesundheitssystem integriert sind (WHO, 2000). Wenn auch die Begriffe Alternativ- und Komplementärmedizin häufig synonym verwendet werden, unterscheiden sich die Ansätze darin, dass erstere die so genannte Schulmedizin ersetzen will und letztere diese ergänzen möchte (NCCAM, 2012). In Deutschland wird der Begriff „Komplementärmedizin“ favorisiert, um zu signalisieren, dass solche Methoden keineswegs Alternativen zur Schulmedizin darstellen und auch weil es kaum Anwender gibt, die ausschließlich auf Alternativmedizin zurückgreifen (Bundesministerium für 3 Gesundheit, 2007). Im angloamerikanischen Bereich hat sich der Begriff bzw. die Abkürzung „CAM“ (Complementary and Alternative Medicine) durchgesetzt. Auch werden in diesem Rahmen weitere Begrifflichkeiten wie integrative, traditionelle, natürliche, sanfte und ganzheitliche Medizin verwendet, was teilweise massiv kritisiert wurde, da sie fälschlicherweise eine etablierte, nebenwirkungsfreiere oder schonendere Form der Medizin suggerieren (Noseck, 2007). Charakterisiert wird diese Art von Medizin von der Betrachtung des Menschen in seiner Gesamtheit und der Widmung seiner Individualität von Körper, Geist und Seele. Zahlreiche Menschen bemängeln das Gefühl der Anonymität und Unpersönlichkeit der wissenschaftlichen Medizin und heben positiv hervor, dass Therapeuten der Alternativmedizin sich mehr Zeit nehmen und sie dort eine höhere Zuwendung erfahren (Marstedt, 2003). Auch weicht bei immer mehr Menschen die einstige Euphorie des medizinischen Fortschritts dem Zweifel hinsichtlich der einseitigen „Apparatemedizin“. Diese, von Kritikern auch „Hightech-Medizin“ genannt, suggeriert zwar durch Fortschritte, z. B. in der Transplantationsmedizin oder Gentechnik, eine Besiegbarkeit von Krankheiten, enttäuscht aber chronisch Kranke, denen weiterhin nur begrenzt geholfen werden kann. Bruchhausen und Schott bemerken außerdem in ihrem Buch „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“ (2008), dass „sich bei der Sehnsucht nach therapeutischen Alternativen sicherlich auch virulente Überbleibsel von Traditionen der Religion, Magie (Naturphilosophie) und Volksmedizin bemerkbar“ machen (S. 18, Zeilen 11-13). Im Jahre 2006 wurde erstmals eine alternative Heilmethode in den Katalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Hierbei handelt es sich um Akupunktur bei chronischen Knie- oder Rückenschmerzen. Andere Heilmethoden werden nur in begründeten Ausnahmefällen von den Krankenkassen gezahlt, wodurch Patienten auf deren Kulanz angewiesen sind. Auch wenn es neuerdings Krankenkassen gibt, die sich dem alternativmedizinischen Trend angepasst haben, wie z. B. die Securvita Krankenkasse, die ausdrücklich für Homöopathie und einige traditionell chinesische sowie anthroposophische Therapien die Kosten übernimmt, ist es den Frauen in der Regel selbst überlassen, sich Gedanken über den Nutzen und die Inanspruchnahme dieser Therapien zu machen und sie dementsprechend auch selbst zu finanzieren. 4 Abgesehen von einigen niedrig potenzierten Homöopathika, ist alternative Medizin für jedermann zugänglich und in Drogeriemärkten, Apotheken oder speziellen Einrichtungen für komplementäre Verfahren frei erhältlich. Dies birgt einige Gefahren mit sich, da die „natürliche Medizin“ häufig pauschal mit „nebenwirkungsfrei“ assoziiert wird. Dies war jedoch bislang noch nicht qualitativ ausreichend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, es lassen sich eher Risiken abzeichnen (Ernst, 2002), wie z. B. Infektionsgefahr, kanzerogenes Potential, Organtoxizität und Interaktionen mit anderen Medikamenten (Niggemann & Grüber, 2003). Gesonderte Untersuchungen für die Situation in der Schwangerschaft gibt es kaum. Typische Medikamentenwechselwirkungen der komplementären und alternativen Methoden allgemein sind z. B. die Abschwächung bzw. Aufhebung der Wirkung von Kontrazeptiva bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut oder eine Verschärfung der Eigenschaften von Blutverdünnern unter dem zusätzlichen Einfluss von Ginkgo, was mitunter zu spontanen Blutungen führen kann. Diese möglichen Nebenwirkungen betrachtend, gerade auch bei Schwangeren hinsichtlich der Schädigung des Fetus, wird rechtlich gesehen eine unzureichende Produktprüfung, fehlende Einnahmekontrolle und mangelnde Aufklärung bei Kräutermedikamenten beklagt (Rousseaux & Schachter, 2003). Gesichert wurde außerdem eine 30% niedrigere Schwangerschaftsrate nach einer 12-monatigen Fertilitätsbehandlung bei der gleichzeitigen Anwendung alternativer Medizin (Boivin & Schmidt, 2009). So fordern diverse Studien weitere Forschungen über die Effektivität und Nebenwirkungen alternativer Medizin und auf Grund der gestiegenen Nachfrage, eine vermehrte Auseinandersetzung der Ärzte und Hebammen mit unkonventionellen Methoden und Präparaten (Forster et al., 2006; Skouteris et al., 2008; Kalder et al., 2011). Ein ungenügendes alternativmedizinisches Wissen wurde von deutschen Ärzten und Medizinstudenten bereits beklagt. Laut ihnen sollte dieser Zustand durch einen besseren Zugang zu Informationen und einer Integration des Themas in deren Aus- bzw. Weiterbildung behoben werden (Münstedt et al., 2011). 1.2 Bandbreite alternativer und komplementärer Medizin Alternativmedizinische Diagnostiken und Therapien können in verschiedene Untergruppen eingeteilt werden, wobei die genaue Zuteilung in der Literatur 5 uneinheitlich ist. Dieser Umstand der fehlenden standardisierten Definition macht es problematisch, verschiedene Arbeiten über die Verbreitung alternativer Medizin unter Schwangeren miteinander zu vergleichen und Schlüsse zu ziehen (Kristoffersen et al., 2008; Pallivalappila et al., 2013). In der hier vorliegenden Arbeit wurde sich zur Auflistung und Veranschaulichung der Vielfalt komplementärmedizinischer Verfahren einer Tabelle von Gerhard (1993) aus einer Arbeit über Naturheilverfahren, speziell in der Frauenheilkunde, bedient. Tabelle 1a: Therapeutische Möglichkeiten der Naturheilverfahren und verwandte Methoden (nach Gerhard, 1993) A. Aktive Beteiligung der Patientin 1. Ernährung 2. Bewegung 3. Psychische Stabilisierung (Atemtherapie, Entspannungstechnik, Gestalt-, Kunst-, Musiktherapie, Familien- Gesprächstherapie) 4. 2. und 3.: Yoga, Shiatsu, Qigong, TaiChi 5. Vermeidung schädigender Faktoren 6. Ordnung des sozialen Umfeldes B. Physikalische Therapie 1. Physiotherapie (Bäder, Massagen, Wickel) 2. Bestrahlungen (Magnetfelder, Laser) 3. Farbtherapie/ Lichttherapie 4. Neurotransmitter (Mega-Frequenz Therapie) 5. Akupunktur (Ohr, Körper, Schädel) 6. Neuraltherapie 7. (Fuß-)Reflexzonenmassage 8. Ozon-/ Sauerstofftherapie, HOT 6 Tabelle 1b: Therapeutische Möglichkeiten der Naturheilverfahren und verwandte Methoden (nach Gerhard, 1993), Fortsetzung 9. Bioresonanztherapie 10. Chirotherapie 11. Kraniosakraltherapie 12. Phytotherapie (Deutsch, Chinesisch, Indisch) 13. Orthomolekulare Therapie 14. Mikrobiologische Therapie 15. Enzymtherapie 16. Chelattherapie 17. Organotherapie (Interferon, Xenogene Peptide, Thymusextrakt) 18. Humoraltherapie (Ascher), Schröpfen, Eigenbluttherapie etc. 19. Autohomologe Immuntherapie 20. Homöopathie 21. Bachblüten-, Aromatherapie 1.3 Wirksamkeit von alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt Viele Studien der vergangenen Jahre setzten sich mit der Wirksamkeit spezieller alternativmedizinischer Methoden und Verfahren während der Schwangerschaft und der Geburt auseinander (Simon & Schwartz, 1999; Huntley et al., 2004; Geissbühler et al., 2004; Tiran & Chummun, 2004; Coyle et al., 2005; Hodgson et al., 2007; Tournaire & Theau-Yonneau, 2007; Lim et al., 2009; Smith & Cochrane, 2009, Zhang et al., 2013). Hierbei wurde deutlich, dass v. a. Anwendungen, die den Effekt der Entspannung oder der Angstreduktion und somit auch eine Senkung von Stress und Schmerz hervorrufen, als wirkungsvoll einzustufen sind und mehr in die Schwangerenbetreuung eingebaut werden sollten (Tiran & Chummun, 2004), auch um einer späteren gesundheitlichen 7 Beeinträchtigung durch perinatale Programmierung vorzubeugen (Hodgson et al., 2007). Als effektiv hinsichtlich der Schmerzreduktion speziell während der Geburt, v. a. in der Eröffnungsphase und über den Placeboeffekt hinausreichend, sind Akupressur und sterile Wasserinjektionen anzusehen (Tournaire & Theau-Yonneau, 2007). Auch Massagen während der Geburt haben eine leichte Evidenz erkennen lassen, wobei hierfür und auch für andere schmerzreduzierende, alternative Verfahren, wie Hypnose, Biofeedback, Akupunktur und Atemübungen, durch fehlende qualitativ hochwertige Arbeiten nur schwer Aussagen getroffen werden können (Huntley et al., 2004). Weitere Übersichtsstudien befassten sich u. a. mit der Datenlage hinsichtlich der Anwendung von Akupunktur zur Wehenauslösung (Lim et al., 2009), Hypnose bei Hyperemesis gravidarum bzw. Morgenübelkeit (Simon & Schwartz, 1999), Akupunktur bzw. Akupressur bei Schwangerschaftserbrechen und -übelkeit (Smith & Cochrane, 2009) oder Moxibustion zur Drehung des Kindes aus einer Beckenend- in Schädellage (Coyle et al., 2005; Zhang et al., 2013). Auch wenn eine Notwendigkeit zur Integration alternativer Methoden in die Schulmedizin ausgemacht wurde (Dooley, 2006), kamen genannte Studien durchweg zu dem Schluss, dass eine positive Wirkung der alternativen Therapien erkennbar sei, aber zur konkreten Beurteilung und Etablierung als festen Bestandteil in das bestehende Gesundheitswesen noch weitere randomisierte Arbeiten auf hohem Niveau fehlten. 1.4 Anwendung von Alternativmedizin während der Schwangerschaft und der Geburt – assoziierte Faktoren und Motivationen In Deutschland nutzt trotz unzufriedenstellender Datenlage hinsichtlich einer Effektivität und Sicherheit mittlerweile jede zweite Frau alternative und komplementäre Verfahren während der Schwangerschaft. Während der Geburt greift jede vierte Entbindende zu unkonventionellen Methoden (Kalder et al., 2011). Diese hohe Zahl bei werdenden Müttern könnte u.a. dadurch begründet sein, dass generell gesehen v.a. Frauen zur Anwendung von alternativer Medizin neigen (Bishop 8 & Lewith, 2010). Ein anderer soziodemographischer Faktor, der mit einer verstärkten Nutzung von Alternativmedizin in Zusammenhang steht und nicht nur im Rahmen von Analysen mit Schwangeren sondern auch der Allgemeinbevölkerung detektiert wurde, ist eine bessere Bildung bzw. ein höheres Einkommen (Adams et al. 2009; Bishop & Lewith, 2010). Auch der Faktor „Alter“ stand bereits des Öfteren im Fokus der Wissenschaft und wurde in der kritischen Literaturanalyse von Adams et al. (2009) bei Schwangeren sehr wohl als Prädiktor identifiziert. Hinsichtlich der Normalbevölkerung bleibt die Studienlage allerdings kontrovers (Bishop & Lewith, 2010). Andere assoziierte Faktoren, die mit einer erhöhten Bereitschaft zur Nutzung von Alternativmedizin verbunden sind, sind u.a. eine Neigung zu Spiritualität (Smith et al., 2008) und ein guter familiärer Rückhalt bzw. soziale Unterstützung (Honda & Jacobson, 2005). Als Motivationsfaktoren werden im Alltag und in der Schwangerschaft Angst vor Nebenwirkungen der Schulmedizin bzw. der Glaube, dass Alternativmedizin natürlicher und dementsprechender sicherer sei, angegeben (Vincent & Furnham, 1996; Nordeng & Havnen, 2005; Adams et al., 2009; Bercaw et al., 2010). Alternativmedizin wird generell v.a. für chronische gesundheitliche Probleme und weniger für lebensbedrohliche Zustände angewandt. Diese beinhalten Rückenschmer- zen, Kopfschmerzen, digestive Probleme, Schlaflosigkeit sowie Angstzustände bzw. Unruhe (Eisenberg, 1998). So wundert es nicht, dass auch viele werdende Mütter auf unkonventionelle Verfahren und Mittel zurückgreifen, da Schwangerschaft zwar keine Krankheit darstellt aber tatsächlich doch häufig mit Unpässlichkeiten wie Müdigkeit, Sodbrennen, Rückenschmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlafproblemen, Übelkeit, Wassereinlagerungen, Hitzewallungen, Wadenkrämpfen und Verstopfungen einhergeht. 2009 wiesen 3,4% der Schwangeren zur Geburt einen Gestationsdiabetes auf (Kleinwechter et al., 2009) und etwa 5% der Schwangeren entwickeln eine Präeklampsie, also einen Bluthochdruck mit einer Proteinurie, welches sich zur Eklampsie mit Krampfanfällen oder dem HELLP-Syndrom mit erniedrigten Thrombozyten und erhöhten Leberwerten ausweiten kann und eine akute Gefährdung für Mutter und Kind darstellt (Steldinger et al., 2007). Zu guter Letzt sehen sich Schwangere mit der Geburt konfrontiert, einer Situation, die nur schwer kontrollierbar ist, ab und an mit Komplikationen einhergeht und Schmerzen verursacht. Die daraus 9 resultierenden psychologischen Probleme können mitunter schwerwiegend sein (Hofberg & Ward, 2003). Gerade auch das Gefühl der Unkontrollierbarkeit der Situation spielt eine entscheidende Rolle und stellt einer der Hauptgründe für die Anwendung von Alternativmedizin während der Schwangerschaft und Geburt dar. Denn so zeigten Studien bereits, dass werdende Mütter, ähnlich wie Alternativmedizinanwender generell, zu unkonven- tionellen Mitteln greifen, um die eigene Autonomie wiederzuerlangen sowie eine gewisse Kontrolle über die Behandlung des eigenen Körpers zu haben und sich nicht nur der Schulmedizin ausgeliefert zu fühlen (Astin, 1998; Bishop et al., 2007; Low Dog, 2009; Warriner et al., 2013). Diese Entscheidung beruht in den meisten Fällen auf Eigeninitiative und wird oftmals nicht mit dem behandelnden Arzt abgesprochen. Auf explizites Nachfragen sehen 30,5% der Frauen es als unnötig an, einen Arzt vor der Anwendung alternativer Präparate und Verfahren zu konsultieren (Nordeng & Havnen, 2008). Grund für eine fehlende Kommunikation über alternative Medizin ist u. a., dass die Mehrzahl der Patienten alternative Präparate nicht als Medikamente ansieht und daher bei der Frage nach der Einnahme von Arzneimitteln diese nicht angeben (Hepner et al., 2002). Außerdem glauben viele Patienten, dass Ärzte eine eher kritische Einstellung zur Alternativmedizin haben (Kalder et al., 2011) und dass ihr Arzt negativ auf eine Anwendung unkonventioneller Verfahren und Mittel seitens des Patienten reagieren oder sie tadeln wird, teilweise dadurch begründet, weil sie in dieser Richtung schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben (Shelley et al., 2009). Viele Patienten meinen, dass die Initiative vom Arzt kommen müsse und sie diesen über ihre Nutzung von alternativer Medizin nicht aufklären, sofern sie nicht konkret danach gefragt werden (Shelley et al., 2009). Ärzte hingegen geben an, dass sie in den meisten Fällen ihre Patienten konkret nach alternativen Methoden fragen oder ihnen solche anbieten, auch wenn ihre Patienten dies nicht so empfinden (Furlow et al., 2008), was eine Studie aus Großbritannien bekräftigt, die aufführt, dass 81,3% der Schwangeren eben nicht gefragt wurden (Hall & Jolly, 2013). Darüber hinaus denken Ärzte oft, dass eine fehlende Auskunft seitens ihrer Patienten für eine fehlende Anwendung alternativer Medizin spreche (Shelley et al., 2009). Genannte Kommunikationsprobleme werden auch in der Diskrepanz zwischen den von den Ärzten vorgeschlagenen und als effektiv angesehenen alternativen Therapien und den von den Patienten tatsächlich 10 angewendeten alternativen Methoden deutlich (Furlow et al., 2008). Desweiteren führt dieser Umstand dazu, dass Ärzte keine Möglichkeiten zur Kontrolle, Beratung und Berücksichtigung von Arzneimittelinteraktionen haben (Holst et al., 2009). Viele Ärzte sind der Ansicht, dass auch alternative Medizin evidenzbasiert geprüft und eingesetzt werden sollte (Gaffney & Smith, 2004) und scheuen sich dementsprechend davor ihren Patienten zu Verfahren zu raten deren Wirksamkeit nicht empirisch bestätigt wurde und wo die wissenschaftliche Kenntnis von Neben- und Wechselwirkungen, gerade auch einer Fetotoxizität betreffend, weiterhin unzureichend ist, um besten Wissens und Gewissens für das Wohl ihrer Patienten zu sorgen. 1.5 Persönlichkeit und Alternativmedizinnutzung Die Tatsache der Eigenverantwortlichen Einnahme bzw. eigeninitiierten Anwendung von Alternativmedizin und der bewussten Entscheidung hierzu, lässt vermuten, dass die individuelle Persönlichkeit in diesem Zusammenhang eine größere Rolle spielt als es in der Schulmedizin der Fall ist. So wurden in vorausgehenden Studien innerhalb gesunder Populationen bereits gewisse Charaktereigenschaften aufgedeckt, die mit einer gesteigerten Alternativmedizinanwen- dung einhergehen. Dabei orientierte sich der Großteil der Studien am Big-Five Modell. Dieser setzt sich aus den Faktoren Neurotizismus (emotional, sensibel, ausgeglichen, gelassen), Extraversion (gesellig, selbstbewusst, gesprächig, unternehmungslustig), Verträglichkeit (gutmütig, freundlich, kooperativ), Offenheit für Erfahrungen (erfinderisch, neugierig, kulturell, intellektuell) und Gewissenhaftigkeit (effektiv, organisiert, zuverlässig) zusammen. Besonders der Persönlichkeitsfaktor „Offenheit für Erfahrungen“ ist stark mit der Anwendung von Alternativmedizin, v.a. mit der Neigung eine größere Bandbreite an Verfahren und Methoden im Vergleich zu weniger offenen Charakteren zu nutzen (Honda 1 Jacobson, 2005; Bruce et al., 2008), sowie mit der Konsultierung von Heilpraktikern verbunden (Sirois & Purc-Stephenson, 2008). Während die Studie von Sarris et al. (2011) lediglich bezüglich dieser Eigenschaft einen Zusammenhang mit der Alternativmedizinnutzung aufdecken konnte, stellten andere Analysen eine Korrelation 11 mit dem Faktor „Extraversion“ (Honda & Jacobson, 2005) oder auch „Verträglichkeit“ fest (Sirois & Purc-Stephenson, 2008). 1.6 Eysencksche Persönlichkeitsmodell Das Persönlichkeitsmodell der „Big Five“ basiert auf einem psycholexikalischen Ansatz der Persönlichkeitsforschung und geht von der Grundannahme aus, dass sich in persönlichkeitsbeschreibenden Wörtern die Existenz dieser Eigenschaften wider- spiegelt. Maßgebliche Forscher in diesem Bereich waren Allport und Odbert, Cattell, sowie Costa und McCrae, wobei letztgenannte den entsprechenden Fragebogen zur Messung der fünf Faktoren entwarfen, der nun, ausgebaut und weiterentwickelt, einer der meist beforschten Persönlichkeitsfragebögen darstellt, nämlich den NEO-FFI. Kritiker merken an, dass die menschliche Sprache zwar in ihrer Struktur die Struktur der Persönlichkeit zufriedenstellend repräsentieren sollte, es allerdings bislang kaum Überlegungen zu den biologischen Untermauerungen der Konstrukte gibt und die Vollständigkeit dieses Persönlichkeitsmodells nicht geklärt ist (Saucier & Goldberg, 1998). Einen anderen Ansatz, mehr biologisch und psychologisch orientiert, hat die Persönlichkeitstheorie von Hans Jürgen Eysenck, welche eine weitere herausragende Theorie der Differentiellen und Persönlichkeitspsychologie darstellt. Hans Jürgen Eysenck (1916-1997) war ein anerkannter Professor für Psychologie sowie Leiter der psychologischen Abteilung und später des psychiatrischen Instituts im Maudsley Hospital in London. Er veröffentlichte mehr als 70 Bücher und 700 Arbeiten über wissenschaftliche Themen, wie Verhaltensgenetik und –therapie, Gesundheits- und Parapsychologie, Intelligenz und Persönlichkeit (Amelang et al., 2006). Er entwarf den Eysenck Personality Profiler, ein Persönlichkeitsfragebogen, der nach einer etwa 40 jährigen Forschungsperiode entstand und eine Weiterentwicklung des Eysenck Personality Questionnaire repräsentiert. Die Grundlage der Eysenckschen Persönlichkeitstheorie bilden folgende drei Dimensionen: - Extraversion vs. Introversion - Neurotizismus vs. Stabilität - Psychotizismus vs. Impulskontrolle 12 Nach dem vierstufigen hierarchischen Persönlichkeitsmodell bündeln sich, laut Eysenck, individuell zu beobachtende Verhaltensweisen, also spezifische Reaktionsmuster, welche einen Menschen durch kontinuierliches Auftreten charakterisieren, zu habituell gewordenen Gewohnheiten. Diese wiederum korrelieren miteinander und bilden Faktoren höherer Ordnung, nämlich die Persönlichkeitszüge, auch „Traits“ genannt, welche sich dann in der höchsten Stufe zu den sogenannten „Typen“ oder auch, von Eysenck favorisierten, Persönlichkeitsdimensionen aggregieren (Eysenck et al. 1998). Folgende Abbildung veranschaulicht diese Hierarchie am Beispiel der Persönlichkeitsdimension „Extraversion“. Abb. 1: Hierarchie der Dimension „Extraversion“ (Eysenck, 1995 aus der deutschen Bearbeitung des Eysenck Personality Profilers von Bulheller & Häcker, 1998) Persönlichkeitsdimensionen beschreiben Personen, welche an den Polen der jeweiligen Konstruktbereiche anzutreffen sind, also extreme Werte auf den Skalen aufweisen. Die Mehrzahl der Individuen ist allerdings im mittleren Bereich der Kontinuen angesiedelt. Typisch Extravertierte brauchen Erregung, Parties, Risiken und suchen den sozialen Anschluss. Sie sind impulsiv, lachen viel und neigen zur Unzuverlässigkeit. Introvertierte hingegen sind ruhig und zurückhaltend, präferieren Bücher statt Menschen und sind nicht sehr spontan, halten aber viel von moralischen Grundsätzen. Menschen mit hohen Werten auf der Neurotizismusskala sind vorwiegend ängstlich, besorgt, schwermütig und emotional labil. Einen hohen Wert auf der 13 Psychotizismusskala verzeichnen Einzelgänger, Menschen die ruhelos sind, wenig Einfühlungsvermögen zeigen und anderen gegenüber häufig feindlich gestimmt sind (Eysenck, 1995 aus Eysenck et al. 1998). 1.7 Persönlichkeit und Schwangerschaft Bislang stellten nur wenige Studien Aspekte der Persönlichkeit während der Schwangerschaft in den Mittelpunkt ihrer Forschung. Diese überschaubare Studienlage zeigt u.a., dass eine verstärkte Angst vor der Geburt prä- und postnatal mit der Eigenschaft Neurotizismus verknüpft ist und dieses Auswirkungen auf die Geburtsart, instrumentell assistierte Geburten und Notfälle unter der Geburt hat (Handelzalts et al., 2015). Auch spielt Neurotizismus eine Rolle bei der Entwicklung von einer Wochenbettdepression. Demnach haben laut Iliadis et al. (2015) Schwangere mit neurotizistischen Eigenschaften ein vierfach erhöhtes Risiko depressive Symptome postnatal auszubilden. Weiter ist Neurotizismus mit einer verstärkten Präsenz von somatischen Symptomen während der Schwangerschaft assoziiert, während dies hinsichtlich der Eigenschaft Verträglichkeit der gegensätzliche Fall ist (Puente et al., 2011). Die Betrachtung des Alternativmedizinnutzungsverhaltens der Population von Schwangeren unter Berücksichtigung verknüpfter Persönlichkeitsfaktoren, hat, soweit bekannt, bisher noch nicht stattgefunden. Dabei ist vorstellbar, dass hier möglicherweise andere Persönlichkeitseigenschaften als in der Normalbevölkerung bei der Anwendung von Alternativmedizin eine Rolle spielen. Zumindest dem eysenckschen hierarchischen Persönlichkeitsmodell entsprechend, führt eine Veränderung von Verhaltensweisen über die Modifikation der entsprechenden Gewohnheiten letztendlich zu einer Persönlichkeitsänderung. Betrachtet man nun werdende Mütter, ist es keine Seltenheit, dass diese lange bestehende Gewohnheiten zum Wohle ihres ungeborenen Kindes ablegen und ihr Verhalten ändern. So hören sie auf zu rauchen oder Alkohol zu trinken und versuchen sich gesünder zu ernähren bzw. achten im Allgemeinen verstärkt auf das Wohle ihres Körpers. Daher wurde in dieser Arbeit auf den von Eysenck entworfenen Persönlichkeitsfragebogen zurückgegriffen, der eventuell durch seinen biophysio- logischen Hintergrund sensibler auf Eigenschaftsänderungen eingeht. 14 2 Ziel und Fragestellung In Deutschland existieren wissenschaftliche Arbeiten hinsichtlich des Ausmaßes der Nutzung von Komplementärmedizin während der Schwangerschaft und der Geburt (Beer & Ostermann, 2003; Münstedt et al., 2009a; Münstedt et al., 2009b; Kalder et al., 2011) und es sind bereits Determinanten für die Inanspruchnahme alternativer und komplementärer Medizin in diesem Zusammenhang ermittelt worden (Kalder et al., 2011). Erhebungen zu den Motivationsfaktoren diesbezüglich sind allerdings noch lückenhaft, so dass, neben der Ermittlung der Ausprägung der Alternativmedizin- nutzung und der Anwendungsgründe einzelner Verfahren und Methoden, vor dem Hintergrund der fehlenden Datenlage das Ziel dieser Arbeit war, weitere Motivationsfaktoren aufzudecken. Des Weiteren wurde diese Arbeit initiiert, um zum ersten Mal die Persönlichkeit der Schwangeren im Zusammenhang mit der jeweiligen Alternativmedizinnutzung mit einem allumfassenden Persönlichkeitsfragebogen zu beleuchten, was weltweit so noch nicht durchgeführt wurde. Im Rahmen der umfangreichen Erhebungsstudie sollten zusätzlich Wünsche der Schwangeren rund um die Schwangerschaft und die Geburt erfasst werden, um ein genaueres Bild ihrer Vorstellungen und Bedürfnisse zu erlangen und diese mit der Alternativmedizinnutzung zu vergleichen. So sollen folgende Fragestellungen evaluiert werden: 1. a) Wie viele Frauen nutzen wie häufig alternative Medizin während der Schwangerschaft und welche Methoden bevorzugen sie? b) Was sind ihre Gründe für die jeweilige Alternativmedizinnutzung und wählen sie bewusst bestimmte Methoden bzw. Verfahren für spezielle Anliegen? 2. a) Wie viele Schwangere möchten alternative Medizin während der Geburt nutzen und welche Methoden präferieren sie? b) Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen und ihrer Unentschlossenheit bzw. Offenhaltung hinsichtlich der geplanten Nutzung von alternativen Methoden während der bevorstehenden Entbindung? c) Ist eine Konsistenz der Anwendung und der geplanten Nutzung auszumachen? 15 3. Können bereits erhobene Determinanten für eine verstärkte Alternativmedizinnutzung bzw. für den Wunsch zur Anwendung von Alternativmedizin während der Geburt bestätigt und zusätzliche ermittelt werden? 4. a) Erfüllt der GS-CAM V10130 die Qualitätskriterien eines Fragebogens und lassen sich aus ihm Motivationsfaktoren zur weiteren Datenanalyse extrahieren? b) Gibt es Zusammenhänge zwischen gewissen Ansichten Einstellungen und Meinungen von Schwangeren und der Alternativmedizinnutzung? 5. a) Erfüllt der Geb-Fra V1 die Qualitätskriterien eines Fragebogens und lassen sich aus ihm Faktoren zur weiteren Datenanalyse extrahieren? b) Welche Vorstellungen und Wünsche teilen werdende Mütter bezüglich der bevorstehenden Geburt und inwiefern korrelieren diese mit der Alternativmedizinnutzung? 6. Lassen sich Persönlichkeitseigenschaften mit einer verstärkten Alternativ- medizinnutzung in Zusammenhang bringen? Anspruch dieser Arbeit war es, mit den neuen Erkenntnissen den Ärzten und Hebammen zu helfen, Schwangere individuell und persönlichkeitsorientiert besser zu verstehen und einzuschätzen, um auf deren Bedürfnisse und Anliegen gerade hinsichtlich der Komplementärmedizin in der jeweiligen Situation adäquater eingehen und sie allumfassend beraten und betreuen zu können. 16 3 Material und Methode 3.1 Erhebungsbogen Mittels eines mehrteiligen Erhebungsbogens sollten die Fragestellungen eruiert werden. Eine Testung vorab auf Verständlichkeit erfolgte durch zehn Mitglieder der Universitätsfrauenklinik Gießen, was auf Grund guter Begreiflichkeit der Frageintention zu keiner Veränderung des letztendlichen Erhebungsbogens geführt hat. Die Studie wurde von der Ethik-Kommission des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig- Universität Gießen geprüft und am 11. Februar 2010 unter dem Aktenzeichen 08/10 bewilligt. 3.1.1 Aufbau Der Erhebungsbogen setzte sich aus mehreren Teilen zusammen, wobei alle bis auf den letzten Teil, die deutschsprachige Fassung des neuesten Persönlichkeitsfragebogens von H. J. Eysenck, selbstkonzipiert sind. Die Antworten waren, bis auf die Möglichkeit zur Auflistung weiterer Alternativmedizinmethoden und ihr jeweiliger Anwendungsgrund in Form eines Freitextes, durch eine geschlossene Fragestellung vorgegeben. Diese Art von Antwortcodierung garantiert eine Auswertungsobjektivität, um eine Selbstinter- pretation des Auswerters zu vermeiden. Partie 1: Zunächst wurden rein deskriptivstatistisch die soziodemographischen Daten wie Alter, Beruf, Wohnort etc. erfasst und mit Fragen zur aktuellen Schwangerschaft und etwaigen Komplikationen sowie zu, falls vorhandenen, vorherigen Schwanger- schaften und Geburten ergänzt. Partie 2: Der GS-CAM V.10310 stellt eine Meinungssammlung bezüglich verschiedener Motivationsfaktoren Schwangerer hinsichtlich der Anwendung alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft und der Geburt dar. Auf Grund der zum Zeitpunkt der Konzeption dieser Arbeit fehlenden Existenz validierter Fragebögen zu diesem Thema im Rahmen der Schwangerschaft wurden auf Grundlage des Fragebogens der Studie Kalder et al. (2011) 101 Aussagen konstruiert, 17 auf diese die Teilnehmerin mit Hilfe einer fünfstufigen bipolaren Ratingskala mit den Eckpunkten „trifft gar nicht zu“ und „trifft vollkommen zu“ antworten konnten. Dabei sollten Einstellungen der Teilnehmerinnen wie z. B. zu Religion, Spiritualität, Eigenwahrnehmung oder sozialer Rückhalt bzw. familiäre Unterstützung und Eigenschaften wie Eigenverantwortlichkeit, Ängstlichkeit, Vorfreude und Informationsbedürftigkeit herausgefiltert werden. Dieser Abschnitt in der Form eines Erhebungsbogens hatte das Ziel, neben der Ermittlung tendenzieller Motivations- faktoren, auf interne Konsistenz getestet zu werden und zur Weiterentwicklung eines validierten Fragebogens zu führen. Partie 3: Dieser deskriptivstatistische Teil zur Verwendung alternativer und komplementärer Verfahren in der Schwangerschaft und während der Geburt (FVAKVSG), sollte die konkrete Anwendung alternativmedizinischer Methoden eruieren. Hierfür wurden jeweils elf bzw. neun Anwendungen und Präparate aufgelistet, die folgens Studienlage weitgehend während der Schwangerschaft und der Geburt eingesetzt werden (Adams et al., 2009; Hall & Jolly, 2011; Kalder et al., 2011; Pallivalappila et al., 2013). Die Teilnehmerinnen wurden angehalten mittels einer fünfstufigen Likert-Skala mit den Endpunkten „nie“ und „sehr häufig“ Auskunft über die aktuelle Nutzungshäufigkeit bzw. „auf gar keinen Fall“ und „auf jeden Fall“ über das Nutzungsvorhaben zu geben. Als jeweilige Anwendungsgründe wurden „zur Beeinflussung meiner Stimmungs- und Gefühlssituation“, „zur Unterstützung der Wehentätigkeit während der Geburt“ und „bei Beschwerden und Schmerzen während der Geburt“ vorgegeben. Weiter war es möglich, zu jedem Punkt einen Freitext zu formulieren. Partie 4: Im Geb-Fra V1 folgten anschließend 23 Aussagen zu grundlegenden Vorstellungen rund um die Geburt, eingeschlossen bestimmten Ängsten oder Wünschen seitens der Schwangeren, wobei die Studie von Münstedt et al. (2000) als Orientierung diente. Die Intensität der Zustimmung oder Ablehnung konnte anhand einer vierstufigen Ratingskala mit den Eckpunkten „trifft nicht zu“ und „trifft sehr zu“ zum Ausdruck gebracht werden. Ebenfalls sollte diese Datenerhebung der Prüfung der internen Konsistenz dienen und zur Entwicklung eines letztendlich validierten Fragebogens führen. 18 Partie 5: Den Abschluss bildete die 1998 publizierte deutschsprachige Fassung des Eysenck Personality Profilers. Dieses 176 Items starke, validierte und qualitätsgeprüfte Verfahren stellt eine Weiterentwicklung des Eysenck Personality Questionnaire dar und baut auf einer mehr als 40 jährigen Forschungstradition auf, welche mit Eysencks Publikation „Dimensions of Personality“ 1947 begann (Eysenck et al. 1998). Die mit jeweils „Ja“, „Nein“ oder „Weiß nicht“ zu beantwortenden Fragen wurden genutzt, um die aus drei Dimensionen und 13 Subskalen bestehenden eysenckschen Persönlichkeitseigenschaften der Teilnehmerinnen herauszuarbeiten. 3.1.2 Verteilung Die Erhebungsbögen wurden im Zeitraum April 2010 bis Juni 2011 an verschiedenen unterschiedlichen Orten in und im Umkreis von Gießen, teilweise unter Mithilfe von Ärzten und Hebammen, verteilt. Um eine möglichst breite Vielfalt an Schwangeren zu erreichen, wurden mehrere verschiedene Anlaufpunkte von Schwangeren für die Verteilung der Erhebungsbögen gewählt. So wurden im Universitätsklinikum Gießen Schwangere kurz vor der Entbindung und schulmedizinerfahrene Stationärliegende mit Problemen während der Schwangerschaft, werdende Mütter, die ihre Vorsorge- untersuchungen bei ihrem ansässigen Gynäkologen in der Stadt oder auf dem Land wahrnahmen und Schwangere, die bereits vor der Entbindung im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen oder in der Klinik mit Hebammen in Kontakt waren, kontaktiert, um so eine Heterogenität und Repräsentativität der Stichprobe zu gewährleisten. Demnach wurden 227 Erhebungsbögen in der Uniklinik Gießen, zusätzlich 85 bei dortigen Infoabenden und 19 bei Geburtsvorbereitungskursen ausgegeben. Dazu weitere 47 Erhebungsbögen in der Frauenarztpraxis von Dr. Kraft und 28 in der von Dr. Kamali und Kollegen in Gießen, 30 in der von Dr. Jung- Hoffmann in Friedberg sowie zehn von der Hebamme Hentrich in Herzberg und 22 an Bekannte ausgehändigt. 19 3.1.3 Rücklaufquote Insgesamt kamen von 465 verteilten Erhebungsbögen 229 zurück, was einer Rücklaufquote von 49,2% entsprach. 3.1.4 Ein- und Ausschlusskriterien Hauptkriterium war, die Teilnehmerinnen noch während der Schwangerschaft zu befragen und nicht erst nach der Entbindung. Einziges Ausschlusskriterium stellte Leseunvermögen und unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache dar, da der Erhebungsbogen viele, als Aussagen formulierte, komplexere Sätze enthielt und von der Teilnehmerin zwingend selbstständig und allein ausgefüllt werden sollte. So wurde das Gütekriterium der Durchführungsobjektivität geschützt. Erhebungsbögen, bei denen eine oder mehr Seiten vergessen, was bei 25 der Fall war, oder innerhalb des validierten Eysenck Personality Profiler ganze Seiten mit nur „Ja“, „Nein“ oder „Weiß nicht“ angekreuzt wurden, was auf vier Erhebungsbögen zutraf, wurden im Rahmen einer Gültigkeitsprüfung der teilnehmerabhängigen Antworten auf Grund mangelnder Aussagekraft und Zuverlässigkeit nicht berücksichtigt. Demnach betrug die Analysequote mit 200 auswertbaren Erhebungsbögen 43%. 3.2 Statistische Auswertung Die mit den Erhebungsbögen gewonnenen Daten wurden mit Hilfe des Programms PASW Statistics 18 erfasst und analysiert. Zur graphischen Darstellung wurde ebenso dieses Programm und zusätzlich Microsoft Excel verwendet. 3.2.1 Deskriptivstatistische Datenanalyse Anhand von absoluten und relativen Häufigkeitsberechnungen ließen sich die Verteilungen einzelner Werte beschreiben. Bei intervallskalierten und normalverteilten Variablen wurde das arithmetische Mittel mit der dazugehörigen Standardabweichung berechnet. Bei fehlender Normalverteilung, getestet durch den Kolmogorov-Smirnov- 20 Test (K-S-Test), oder ordinalskalierten Variablen wurde der Median herangezogen, derjenige Punkt der Verteilung unterhalb und oberhalb dessen jeweils die Hälfte der Messwerte liegt. Eine Ausnahme erfolgte hinsichtlich des FVAKVSG, wo trotz Ordinalskala eine Rangliste der alternativen Verfahren und Methoden folgens der Mittelwerte aufgestellt wurde, um eine feinere Abstufung und korrekte Rangfolge zu garantieren. Kreuztabellen veranschaulichen die Beziehungen der Häufigkeits- verteilungen zweier Merkmale untereinander. Die Darstellung der Häufigkeiten erfolgte mittels Balkendiagrammen. Zur graphischen Veranschaulichung von Kreuztabellen, U- Whitney-Tests oder Korrelationen wurden Boxplots herangezogen, wobei Ausreißer gesondert in Punktform dargestellt wurden. Bei letztgenannten kamen zur graphischen Darstellung auch Streudiagramme zum Einsatz. 3.2.2 Statistische Tests 1. U-Test nach Mann & Whitney: Um bei ordinalskalierten Variablen herauszufinden, ob zwei Populationen sich in einem bestimmten Merkmal voneinander unterscheiden, wurde auf den U-Test zurückgegriffen. Bei diesem statistischen Test werden die Rangplätze miteinander verglichen, wobei die Werte unabhängig ihrer Populationszuordnung in eine gemeinsame Rangreihe gebracht werden. Die Nullhypothese lautet: „Die ‚wahren’ mittleren Rangplätze zwischen den beiden Gruppen unterscheiden sich nicht.“, die Alternativhypothese dementsprechend: „Die ‚wahren’ mittleren Rangplätze zwischen den Gruppen unterscheiden sich.“ (Raab- Steiner & Benesch, 2008). Je stärker eine Durchmischung der Rangplätze der beiden Populationen herrscht, desto eher spricht dies für die Nullhypothese. Es wurde ein Signifikanzniveau von 5% gewählt, so dass bei p-Werten ≤0,05 die Nullhypothese abgelehnt und die Alternativhypothese angenommen wurde. 2. Korrelation nach Spearman: Korrelationen werden verwendet, um Merkmals- zusammenhänge aufzuzeigen. Voraussetzung bei der Pearson-Produkt-Moment- Korrelation sind zwei metrische, normalverteilte Variablen, wohingegen bei der Spearman-Rangkorrelation zumindest eine Variable ordinalskaliert sein kann oder beide metrisch, aber nicht normalverteilt. Sind zwei Variablen abhängig voneinander, geht eine höhere Ausprägung der einen Variable mit einer höheren Ausprägung der anderen 21 einher und entspräche einer positiven Korrelation. Folgende Tabelle führt die Interpretation des Korrelationskoeffizienten „r“ auf, der das Ausmaß des Zusammenhangs ausdrückt. Tabelle 2: Interpretation der r-Werte (nach Raab Steiner & Benesch, 2008) Wert Interpretation r ≤ 0,2/ -0,2 sehr geringer Zusammenhang r ≤ 0,5/ -0,5 geringer Zusammenhang r ≤ 0,7/ -0,7 mittlerer Zusammenhang r ≤ 0,9/ -0,9 hoher Zusammenhang r > 0,9/ -0,9 sehr hoher Zusammenhang Ebenfalls wurde ein Signifikanzniveau von 5% gewählt. Um durch multiples Testen in einer Stichprobe einer Alphafehlerkumulierung entgegenzuwirken, wurde im Fall der Korrelationen von Alternativmedizinnutzung und den Items des GS-CAM V.10310 und Geb-Fra V1 eine sequentielle Bonferroni-Korrektur nach Holm eingesetzt. 3. Partialkorrelation: Die Konfundierung von Ergebnissen durch eine Drittvariable wurde mit Hilfe einer Partialkorrelation geprüft und aufgedeckt. Die Berücksichtigung einer möglichen Störvariable fand im Zusammenhang mit dem Zusammenspiel von Persönlichkeitsfaktoren, Alternativmedizinnutzung und soziodemographischen Faktoren, sowie den Variablen Bildungsgrad, Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Alternativmedizinnutzung während der Schwangerschaft bzw. der Geburt Anwendung. 4. Faktoranalyse: Zur Überprüfung der Konstruktvalidität und Erzeugung von aussagekräftigen Merkmalen zur weiteren Datenanalyse, bzw. Bildung von latenten Konstrukten, die Messfehler besser kontrollieren, wurde der GS-CAM V.10310 und Geb-Fra V1 einer explorativen Faktorenanalyse unterzogen. Eine Abschätzung der Eignung bzw. Güte der erhobenen Daten für eine Faktorenanalyse erfolgte vorab durch die Bestimmung der Determinante und den Kaiser-Meyer-Olkin-Index zusammen mit dem Bartlett’s-Test. Bei einer Faktorenanalyse werden durch eine Gruppierung von Variablen, die das Gemeinsame einer bivariaten Korrelation von einzelnen Items darstellen, „künstliche“ Variablen, Faktoren oder Hauptkomponenten genannt, erschaffen und somit die Daten auf das Wesentliche reduziert. Zur Bestimmung der 22 optimalen Zahl der Konstrukte wurde auf einen Scree Plot zurückgegriffen, der den Eigenwerteverlauf der erklärten Varianzen pro Iteminterkorrelation darstellt. Von dem Kaiser-Kriterium hierfür wurde abgesehen, da es tendenziell eine zu große Anzahl von Komponenten extrahiert, was in diesem Fall als problematisch erscheint. Auf Grund einer komplizierten Datenstruktur und einem ungünstigen Verhältnis von Fallzahl zu Itemzahl, wurde, gegeben der zu erwartenden Instabilität der Ergebnisse, die Rotationsmethode Varimax durchgeführt. Durch diese orthogonale Rotation werden die Korrelationen der latenten Konstrukte auf Null gesetzt und keine Messfehlervarianz zugelassen, was die Faktoren so rotiert, dass die Items auf jedem Faktor möglichst hoch bzw. gering laden und entsprechend die Varianz zwischen den Ladungen maximiert werden. Schlussendlich werden die extrahierten Faktoren interpretiert, mit einem Oberbegriff zusammengefasst und als Merkmal benannt. 3.2.3 Auswertungsmanual des Eysenck Personality Profilers Entsprechend des Auswertungsmanuals wurden Fragengruppen gebildet, die für jeweils eine der 13 Subskalen der drei übergeordneten Dimensionen der Persönlichkeitstheorie Eysencks standen, nämlich Extraversion, Neurotizismus und Psychotizismus (siehe Tabelle 3). Dabei muss beachtet werden, dass Eysenck den Konstruktbereich „Neurotizismus“ im Rahmen seiner ersten Version des EPP in „Emotionalität“ und den Konstruktbereich „Psychotizismus“ in „Toughmindedness“ und später in „Risiko- neigung“ umbenannte. Anhand der Auswertungsvorgabe wurden die Antworten nach den Zielitems (=2) und den Nichtzielitems (=0) codiert, wobei die Antwort „weiß nicht“ immer die Wertigkeit „1“ hatte. Nach Addition der Werte für die jeweilige Teilnehmerin, konnte diesen Rohwerten sogenannte Stanine zugeordnet werden, die, den Altersklassen entsprechend, aus Tabellen des Auswertungsmanuals entnommen wurden. Anhand der Stanine erfolgte dann die Interpretation der Subskalen. Eine Gültigkeitsprüfung der teilnehmerbedingten Antworten erfolgte mit Hilfe der Offenheitswerte. Eysenck empfahl ausgefüllte Fragebögen als nicht zuverlässig einzustufen bei einem erzielten Staninewert von 9 auf der Offenheitsskala. Ebenfalls wird angeraten maximal neun mit „weiß nicht“ beantwortete Fragen bzw. Auslassungen zuzulassen, da dieses ähnlich die Profilauswertungen senken kann. 23 Tabelle 3: Itemzuordnung zu den Subskalen Konstruktbereich Items Extraversion aktiv – passiv 13, 16, 31, 52, 53, 74, 86, 99, 114, 133, 154, 167, 174 kontaktfreudig – kontaktscheu 9, 10, 12, 46, 59, 78, 95, 101, 109, 126, 128, 144, 165, 171 selbstbewusst – schüchtern 6, 32, 70, 116, 127, 137, 139, 155, 160, 161, 170 ehrgeizig – anspruchslos 19, 29, 54, 56, 66, 81, 111, 112, 122, 123, 130, 132, 149, 175 Emotionalität unsicher – sicher 3, 5, 20, 44, 45, 80, 83, 91, 102, 146, 159, 163, 164, 176 schwermütig – lebensfroh 15, 17, 65, 75, 79, 87, 89, 92, 108, 115, 125, 129, 140 besorgt – gelassen 2, 11, 14, 21, 28, 30, 40, 43, 60, 120, 131, 138, 169 pedantisch – ungezwungen 1, 8, 18, 57, 58, 68, 69, 71, 150, 151 Risikoneigung spontan – besonnen 25, 33, 34, 36, 48, 63, 73, 76, 90, 97, 106, 136 unzuverlässig – zuverlässig 41, 42, 50, 64, 77, 84, 88, 93, 121, 166 sensationssuchend – gefahrenmeidend 7, 22, 24, 47, 49, 51, 72, 82, 96, 103, 107, 134, 142, 156, 158, 173 widerstandsfähig – empfindsam 4, 26, 27, 38, 85, 98, 110, 143, 168, 172 handelnd – reflektierend 23, 39, 55, 61, 62, 94, 104, 105, 117, 135, 141, 147, 148 Offenheit hohe Offenheit – niedrige Offenheit 35, 37, 67, 100, 113, 118, 119, 124, 145, 152, 153, 157, 162 24 4 Ergebnisse und Auswertung 4.1 Soziodemographische und geburtshilfliche Charakteristika Die wichtigsten Eckdaten der soziodemographischen Charakteristika und bezüglich der Schwangerschaft der 200 Teilnehmerinnen ist in der Tabelle 4 dargestellt. Ausführliche Tabellen mit allen Daten befinden sich im Anhang (Tabellen 7a- 9b). Tabelle 4: soziodemographische Daten (n=200) Alter in Jahren – K-S-Test=nicht normalverteilt Mittelwert Median Spannbreite 30,0 18 - 43 Kinderanzahl (n/ %) – K-S-Test=nicht normalverteilt noch kein Kind 1 Kind 2 Kinder ≥ 3 Kinder 118/ 59,0% 58/ 29,0% 18/ 9,0% 6/ 3,0% Schulabschluss (n/ %) keinen Hauptschule Realschule Abitur Abitur mit abgeschlossenem Studium 3/ 1,5% 21/ 10,5% 74/ 37,0% 47/ 23,5% 55/ 27,5% Schwangerschaftswoche – K-S-Test=nicht normalverteilt Median Spannbreite 32,0 4 - 41 Geburtsvorbereitungskursteilnahme (n/ %) ja nein fehlend 106/ 53,0% 93/ 46,5% 1/ 0,5% Risikoschwangerschaft*1 (n/ %) ja nein 114/ 57,0% 86/ 43,0% *1 tatsächlich zum Zeitpunkt der Befragung bestehende Risikoschwangerschaft (siehe 4.2.2) 25 4.2.1 Fragestellung 1 a) und b) FVAKVSG 4.2.1.1 Anwendungshäufigkeiten und Nutzungsgründe alternativer und komplementärer Medizin während der Schwangerschaft Für die Evaluation der Anwendung von Alternativmedizin während der Schwangerschaft wurden elf verschiedene Methoden mit den jeweiligen Nutzungsgründen („zur Beeinflussung meiner Stimmungs- und Gefühlssituation“, „bei Übelkeit und Beschwerden“, „für das Wohlbefinden und die Entwicklung meines Kindes“) aufgelistet. Die Nutzungshäufigkeit wurde mittels Likert-Skalen ermittelt, deren Ausprägungen Zahlen von „1“ („nie“) bis „5“ („sehr häufig“) zugeordnet wurden. Zusätzlich konnten weitere Beweggründe zur Anwendung der alternativen Methoden frei eingetragen werden. Die prozentuale Verteilung der Anwendungshäufigkeiten und die jeweiligen Nutzungsgründe sind in absteigender Rangfolge folgens der Mittelwerte, mit einem Maximum von 2,85 (SD=1,48) und einem Minimum von 1,40 (SD=0,91), in den Abbildungen 2a und 2b dargestellt. Pflanzliche Ernährungsmittel, wie Tee und Leinsamen, stellten bei den Schwangeren mit Abstand die beliebteste komplementäre und alternative Anwendung dar. Auf Platz zwei und drei folgten pflanzliche Salben und Öle sowie homöopathische Mittel. Den letzten Rangplatz nahm Akupunktur ein. 24 von 200 Teilnehmerinnen griffen während der Schwangerschaft „nie“ auf eins der verschiedenen Verfahren zurück. 26 Abb. 2a: Gestapeltes Balkendiagramm „Anwendungshäufigkeit und Nutzungsgründe alternativmedizinischer Verfahren während Schwangerschaft“, n=200 1 2 3 3,5 1 2,5 7,5 7,5 1 1 3 3,5 1 4 4,5 7,5 3 4,5 4 11 7 9,5 10,5 16 2,5 6 6 7,5 2,5 6 10 8 4,5 6 8,5 8 2 5 12,5 8,5 6,5 7,5 9 17 9,5 15 14,5 22 5,5 7 15,5 14 2,5 11,5 6,5 10 11,5 10,5 7 21 6 5,5 14 18,5 8 10,5 9,5 15,5 11,5 16 21,5 22 6,5 6,5 8,5 10,5 6 3,5 4,5 7 9 9 10,5 15,5 5,5 4,5 8 12,5 7,5 6 6 6 8 4,5 11 11,5 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,29; SD=0,77 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,46; SD=1,00 Beschwerden der Schwangeren, M=1,69; SD=1,12 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,75; SD=1,29 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,22; SD=0,70 Beschwerden der Schwangeren, M=1,54; SD=1,07 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,77; SD=1,35 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,81; SD=1,21 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,49; SD=0,97 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,52; SD=0,94 Beschwerden der Schwangeren, M=1,62; SD=1,12 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,95; SD=1,31 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,27; SD=0,75 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,46; SD=1,07 Beschwerden der Schwangeren, M=1,91; SD=1,29 Anwendung während Schwangerschaft, M=2,05; SD=1,36 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,55; SD=1,08 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,67; SD=1,19 Beschwerden der Schwangeren, M=1,68; SD=1,20 Anwendung während Schwangerschaft, M=2,32; SD=1,39 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,87; SD=1,33 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=2,19; SD=1,46 Beschwerden der Schwangeren, M=2,39; SD=1,42 Anwendung während Schwangerschaft, M=2,85; SD=1,48 H au sm itt el Er nä hr un gs th er ap ie Ph ys io th er ap ie H om öo pa th ie Pf l. Sa lb en , Ö le Pf l. Er nä hr un gs m itt el sehr häufig häufig manchmal selten % 27 Abb. 2b: Gestapeltes Balkendiagramm „Anwendungshäufigkeit und Nutzungsgründe alternativmedizinischer Verfahren während Schwangerschaft“, Fortsetzung, n=200 In Freitextform führten die befragten Frauen weitere Beweggründe zur Nutzung spezieller unkonventioneller Verfahren an und nannten konkrete Beispiele. Pflanzliche Ernährungsmittel (z.B. Tee, Leinsamen): 3x Übelkeit (Kräutertee oder Pfefferminztee), 2x Verstopfungen, 2x Geburtsvorbereitung (Himbeerblättertee), Ödem- behandlung (Brennnesseltee), Erkältung (Kamillentee), Harnwegsinfekt (Kümmeltee), 0,5 2 1 1 1 1,5 0,5 1,5 3 2 2,5 1 1,5 0,5 0,5 4 1,5 0,5 1 3,5 3 3,5 4 6,5 5,5 1,5 3,5 5 5,5 4 5,5 8 7 0,5 2,5 4,5 4,5 1 3,5 6 11 4,5 3,5 8 10 5 5,5 11,5 13 7 8 10,5 13,5 6,5 9 15,5 17,5 2,5 2,5 2,5 5,5 0,5 3,5 4 7,5 3,5 4,5 6 7 5 6 6,5 9 5,5 7 10,5 13,5 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,08; SD=0,43 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,12; SD=0,49 Beschwerden der Schwangeren, M=1,33; SD=0,89 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,40; SD=0,91 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,20; SD=0,68 Beschwerden der Schwangeren, M=1,22; SD=0,70 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,43; SD=0,96 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,48; SD=0,93 Stimmungs-und Gefühlssituation, M=1,24; SD=0,75 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,28; SD=0,76 Beschwerden der Schwangeren, M=1,50; SD=0,98 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,61; SD=1,10 Beschwerden der Schwangeren, M=1,39; SD=0,93 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,48; SD=0,93 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,55; SD=1,03 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,63; SD=1,11 Beschwerden der Schwangeren, M=1,22; SD=0,63 Wohlbefinden und Entwicklung des Kindes, M=1,34; SD=0,79 Stimmungs- und Gefühlssituation, M=1,71; SD=1,13 Anwendung während Schwangerschaft, M=1,68; SD=1,13 A ku pu nk tu r A ro m at he ra pi e K rä ut er m ed ik am en te En ts pa nn un gs üb un ge n W el ln es s, Sa un a sehr häufig häufig manchmal selten %% 28 vorzeitige Wehen, Sodbrennen, Tee als Kaffeeersatz, Kräuter und Gemüse mit wichtigen Inhaltsstoffen für eine gute Entwicklung des Kindes Pflanzliche Salben, Öle und anderes: 20x Schwangerschaftsstreifen, 3x Becken- bodenvorbereitung bzw. Dammmassage, Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Kopf- schmerzen, Neurodermitis, Juckreiz, vorzeitige Wehen, Verspannungen (Lavendelöl), Kreislaufbeschwerden (Rosmarinöl), Ohrenschmerzen (Teebaumöl), Arnicasalbe um Hämathomen nach Anwendung von zentralen Venenzugängen vorzubeugen Homöopathie: 4x Gebärmutterkontraktionen und vorzeitige Wehen, 2x Weiternutzung während Schwangerschaft wegen Grunderkrankungen Morbus Bechterew bzw. Multiple Sklerose, 2x Harnwegsinfekt, Erkältung, Rückenschmerzen, Sodbrennen, Anämie, Kreislaufstörungen, Symphysenschmerz, Schlafprobleme, Wadenkrämpfe, Heu- schnupfen, „Weichmachen des Muttermundes“, „für eine schnelle Geburt“, nach Kaiserschnitt gegen Wundschmerz Physiotherapie (z.B. Beckenbodentraining, Massagen): 8x Rückenschmerzen, 5x Verspannungen, 2x Geburtsvorbereitung, 2x mobil bleiben trotz der ärztlich angeordneten Bettruhe, Kopfschmerzen, Lipolymphödem, „körperliche Verbesserung“ Ernährungstherapie (z.B. spezielle Ernährungspläne): 6x Gestationsdiabetes, Prävention von Gestationsdiabetes, Risikominimierung von z.B. Listerien, Vorbeugung von Gicht und Darmproblemen Sogenannte „Hausmittel“ und anderes: 2x Erkältung, „möglichst leichte Geburt“ „Welche Hausmittel verwenden Sie?“: - Sodbrennen: 15x Milch, 7x Mandeln/Nüsse/Haselnüsse, 3x Haferflocken, Senf, Natron, Joghurt, Käse, Pellkartoffel, rohe Kartoffelschalen, Ingwer, Reiswaffeln - Erkältung: 3x Inhalieren, 3x Zwiebelsäckchen (Ohrenschmerzen), 2x Salzspü- lungen (Halsschmerzen), Hühnersuppe, „selbstgemachter Hustensaft“, Kandis und Zucker als „Hustensaftersatz“, Honig und Rettig (Husten) - Übelkeit: Zwieback, Ingwer, „Massage von Druckpunkten“ in den Armbeugen - weitere Beschwerden: heiße Zitrone (Blasenentzündung), Milchzucker (Ver- stopfungen), Kümmel (Krämpfe), Bauchwickel (Bauchschmerzen), Salzfußbad (Schlafprobleme), Quarkwickel (Knieschmerzen), Joghurttampon (gesunde 29 Scheidenflora), Malzbier (Steigerung der Muttermilchproduktion), Banane (Magnesiumhaushalt), Schokolade (Hormone und Stimmung), Schaukelstuhl im Krankenhaus um das Baby, trotz angeordneter Bettruhe, bewegen zu können. - weitere Hausmittel: 3x kalte Quark- und warme Kartoffelwickel, 3x Zitrone/ zitronenhaltige Lebensmittel, 2x Wechseldusche, 2x geraspelter Ingwer, Butterpflaster, kalte Kompressen, Wadenwickel, Brustwickel, Kirschkernkissen, Moorkissen, Kamillendampfbäder, Rotlicht, Nasendusche, Kneipp’sche Güsse, Heilerde, Schafgarbe, pflanzliche Zusammenstellungen, Zwiebelsaft, Back- pflaumen, Senfkörner, 3x Schüsslersalze (Anmerkung: eher im Bereich der Homöopathie einzuordnen) Verfahren zur Beeinflussung des Wohlbefindens (Wellness, Sauna etc.): Rücken- schmerzen Entspannungsübungen (z.B. Yoga, Tai Chi, Autogenes Training, Muskelrelaxa- tion): 3x Geburtsvorbereitung, 2x Rückenschmerzen, Verspannungen, Migräneanfälle, leichte Fitness, Verbesserung der Atmung und Durchblutung, Entspannung Pflanzliche Kräutermedikamente und Kräuterextrakte: 6x Eisenhaushalt, 2x Erkältung Aromatherapie (Duftstoffe, z.B. Eukalyptus): 3x Kopfschmerzen, 2x Gebärmutter- kontraktionen Akupunktur: 9x Geburtsvorbereitung, 5x Ödeme, 2x Rückenschmerzen, 2x Kopf- schmerzen, 2x „für eine schnelle Geburt“, Wadenkrämpfe, Sodbrennen, vorzeitige Wehen, Karpaltunnelsyndrom, Hypertonie, Harnstau, Verspannungen, Nachbegleitung zur künstlichen Befruchtung, positive Beeinflussung des Darms bei Morbus Crohn. 4.2.1.2 Variable „Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft“ Um verschiedene Merkmale der Teilnehmerinnen, hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Anwendung alternativmedizinischer Verfahren, zu untersuchen, wurden Alternativ- medizinnutzungswerte gebildet. Diese stellen die Mittelwerte der zu dem Zeitpunkt der Befragung vorherrschenden Intensität der Nutzung der elf verschiedenen alternativen 30 und komplementären Verfahren dar, wobei die den Ausprägungen zugeordneten natürlichen Zahlen als Parameter fungierten. Anhand der neu gebildeten Variable „Alternativmedizin während Schwangerschaft“ konnte nun aufgezeigt werden, welche Frau eher mehr oder eher weniger Alternativmedizin anwendete, wobei ein Mittelwert von „1“ der Ausprägung „nie“ und von „4“ der Ausprägung „häufig“ entsprach. Die generelle Alternativmedizinnutzung des Kollektivs zeigt Abbildung 3. Abb. 3: Balkendiagramm „Generelle Alternativmedizinnutzung der Teilnehmerinnen während der Schwangerschaft“, n=200 4.2.2 Fragestellung 1 b) Vergleich der drei Beweggründe für die Nutzung alternativer und komplementärer Verfahren während der Schwangerschaft Beim Vergleich der Mittelwerte der drei Nutzungsgründe fiel auf, dass alternative und komplementäre Verfahren am häufigsten wegen schwangerschaftsspezifischer Beschwerden eingesetzt wurden (M=1,59; SD=0,54), gefolgt von dem Bestreben, das eigene Kind schon im Mutterleib bei dessen Entwicklung und Gesundheit zu unterstützen (M=1,50; SD=0,52) und zuletzt, um sich selbst etwas Gutes zu tun (M=1,43; SD=0,47). Die graphische Darstellung der einzelnen Mittelwerte lässt erkennen, dass die alternativen Methoden ubiquitär eingesetzt wurden, sich die Rangliste der Beweggründe allerdings unterscheiden (Abbildung 4). 24 1 11 8 1010 20 9 5 8 9 1111 7 6 10 5 7 4 4 7 1 3 2 3 1 2 1 0 5 10 15 20 25 ni e 1, 09 1, 18 1, 27 1, 36 1, 45 1, 55 1, 64 1, 73 1, 82 1, 91 se lte n 2, 09 2, 18 2, 27 2, 36 2, 45 2, 55 2, 64 2, 73 2, 82 2, 91 m an ch m al 3, 09 3, 18 3, 27 3, 36 3, 45 3, 55 3, 64 3, 73 3, 82 3, 91 hä uf ig Anzahl der Schwangeren Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft (Mittelwert der 11 Verfahren) 31 Abb. 4: Balkendiagramm „Rangliste der Beweggründe alternativer Verfahren im Vergleich“, n=200 4.3.1 Fragestellung 2 a) FVAKVSG 4.3.1.1 Geplante Anwendung und Nutzungsgründe alternativer und komplementärer Medizin während der Geburt Für die Evaluation der geplanten Anwendung von alternativer und komplementärer Medizin während der Geburt wurden neun verschiedene Methoden mit den jeweiligen Gründen hierfür („zur Beeinflussung meiner Stimmungs- und Gefühlssituation“, „zur Unterstützung der Wehentätigkeit während der Geburt“, „bei Beschwerden und Schmerzen während der Geburt“) aufgelistet. Die Nutzungsvorhaben wurden mittels Likert-Skalen ermittelt, deren Ausprägungen natürliche Zahlen von „1“ („auf gar keinen Fall“) bis „5“ („auf jeden Fall“) zugeordnet wurden. Zusätzlich konnten in Freitextform weitere Beweggründe eingetragen werden. Sehr sicher und „auf jeden Fall“ wollten 40 Frauen, also 20% aller Schwangeren, mindestens eine der vorgegebenen Methoden während der Geburt anwenden. Weitere 81 Schwangere (40,5%) bekannten, dass sie „wahrscheinlich“ mindestens eine unkonventionelle Methode während der Entbindung anwenden wollten. 14 Frauen gaben an, „auf gar keinen Fall“ während der Geburt auch nur eines der aufgeführten Verfahren anwenden zu wollen. Neun von ihnen (64%) vereinte der Wunsch, per 1 1,25 1,5 1,75 2 2,25 2,5 Pf l. Er nä hr un gs m itt el H om öo pa th ie H au sm itt el Pf l. Sa lb en , Ö le Ph ys io th er ap ie Er nä hr un gs th er ap ie K rä ut er m ed ik am en te En ts pa nn un gs üb un g A ku pu nk tu r W el ln es s, Sa un a A ro m at he ra pi e Pf l. Er nä hr un gs m itt el Er nä hr un gs th er ap ie Pf l. Sa lb en , Ö le Ph ys io th er ap ie En ts pa nn un gs üb un g H om öo pa th ie H au sm itt el W el ln es s, Sa un a K rä ut er m ed ik am en te A ro m at he ra pi e A ku pu nk tu r Pf l. Er nä hr un gs m itt el W el ln es s, Sa un a Pf l. Sa lb en , Ö le En ts pa nn un gs üb un g Ph ys io th er ap ie A ro m at he ra pi e H au sm itt el H om öo pa th ie K rä ut er m ed ik am en te Er nä hr un gs th er ap ie A ku pu nk tu r Beschwerden der Schwangeren Wohlbefinden des Kindes Stimmung & Gefühl der Schwangeren selten nie Mittelwert 1,91 1,54 1,22 1,77 1,46 1,34 1,71 1,27 1,22 32 Kaiserschnitt entbinden zu wollen, wobei sieben dieser in der Form entbinden wollenden Frauen eine subjektive als auch objektive Risikoschwangerschaft aufwiesen. Drei der 14 Frauen nutzten auch während der Schwangerschaft keinerlei alternative Medizin. Davon abgesehen ist auffällig, dass bei allen, bei der Geburt zur Anwendung kommen sollender, alternativmedizinischen Verfahren die ablehnende Aussage „auf gar keinen Fall“ (mit einem Maximum von 35%) durchgängig geringe Prozentzahlen aufweist. Die prozentuale Verteilung der Pläne zur Anwendung alternativer und komplementärer Verfahren und die jeweiligen Nutzungsgründe, sind in Form einer Rangliste, basierend auf ihren Mittelwerten, in den Abbildungen 5a und 5b dargestellt. So wurde ersichtlich, dass Geburtshilfen mit Abstand am häufigsten gewünscht waren, darauf folgend die Nutzung von Homöopathie und auf Rangplatz drei die Anwendung von pflanzlichen Salben und Ölen. Die Rangliste hat sich, im Vergleich zu derer bezüglich der Nutzung in der Schwangerschaft, geändert. So steht z. B. die Akupunktur nicht mehr an letzter Stelle, sondern nun im hinteren Mittelfeld. Andersrum rutschten pflanzliche Ernährungsmittel vom ersten Platz bei der Nutzung während der Schwangerschaft auf den fünften Rang bei der Nutzung während der Geburt. Abb. 5a: Gestapeltes Balkendiagramm „Geplante Anwendungen und Nutzungs- gründe alternativmedizinischer Verfahren während Geburt“, n=200 2,5 1,5 2,5 1,5 3 6 6,5 5 6,5 9,5 9,5 9,5 8 9,5 11 8,5 13,5 17 17,5 17,5 14 24 26 27 41,5 44,5 45,5 49,5 28,5 32 34 36,5 36,5 39,5 39 40 28,5 28 25,5 25,5 23,5 19 19 19,5 16,5 11 8,5 10 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Beeinflussung der Stimmung, M=2,46; SD=0,98 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,52; SD=0,93 Beschwerden und Schmerzen, M=2,60; SD=0,96 Anwendung während Geburt, M=2,56;SD=0,90 Beeinflussung der Stimmung, M=2,33; SD=1,14 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,58; SD=1,21 Beschwerden und Schmerzen, M=2,66; SD=1,20 Anwendung während Geburt, M=2,65; SD=1,15 Beeinflussung der Stimmung, M=2,58; SD=1,20 Beschwerden und Schmerzen, M=3,00; SD=1,17 Wehentätigkeitsunterstützung, M=3,03; SD=1,19 Anwendung während Geburt, M=3,09; SD=1,14 Pf l. Sa lb en , Ö le H om öo pa th ie G eb ur ts hi lfe n auf jeden Fall wahrscheinlich weiß ich noch nicht eher nicht % 33 Abb. 5b: Gestapeltes Balkendiagramm „Geplante Anwendungen und Nutzungs- gründe alternativmedizinischer Verfahren während Geburt“, Fortsetzung, n=200 2 3 3 2 1 1 2 3 2 5 5 4,5 3 4 4 4,5 3,5 4 6 5 5,5 6,5 10,5 7,5 2,5 4,5 5 2,5 2,5 5,5 4,5 3,5 5,5 11,5 14,5 10 11 12 12 13 10 13,5 14,5 13,5 29,5 29 28,5 33 37 40,5 41 42 38,5 39 40 42,5 27,5 32 32 38,5 31,5 30,5 31,5 33,5 29 30,5 31 35 30,5 31,5 30 30 32 29 29 31 29 28,5 28,5 28,5 30 22 22,5 22 27,5 26,5 26,5 25,5 27 25 24 23,5 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,16; SD=1,02 Beschwerden und Schmerzen, M=2,17; SD=1,01 Beeinflussung der Stimmung, M=2,31; SD=1,08 Anwendung während Geburt, M=2,20; SD=1,04 Beeinflussung der Stimmung, M=2,22; SD=0,93 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,28; SD=0,92 Beschwerden und Schmerzen, M=2,30; SD=0,92 Anwendung während Geburt, M=2,31; SD=0,91 Beeinflussung der Stimmung, M=2,24; SD=0,97 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,33; SD=0,99 Beschwerden und Schmerzen, M=2,34; SD=0,99 Anwendung während Geburt, M=2,32; SD=0,94 Beeinflussung der Stimmung, M=2,12; SD=1,03 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,41; SD=1,17 Beschwerden und Schmerzen, M=2,50; SD=1,17 Anwendung während Geburt, M=2,47; SD=1,11 Beeinflussung der Stimmung, M=2,36; SD=1,08 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,40; SD=1,12 Beschwerden und Schmerzen, M=2,42; SD=1,12 Anwendung während Geburt, M=2,50; SD=1,08 Beeinflussung der Stimmung, M=2,29; SD=1,11 Wehentätigkeitsunterstützung, M=2,43; SD=1,14 Beschwerden und Schmerzen, M=2,54; SD=1,18 Anwendung während Geburt, M=2,54; SD=1,13 A ro m at he ra pi e K rä ut er m ed ik am en te H au sm itt el A ku pu nk tu r Pf l. Er nä hr un gs m itt el En ts pa nn un gs üb un ge n auf jeden Fall wahrscheinlich weiß ich noch nicht eher nicht % 34 Weitere Nutzungsgründe und konkrete Mittel für die Umsetzung waren: Entspannung (Lavendel- und Heublumensitzbad), Verbesserung der Atmung und Durchblutung (Entspannungsübungen), Schutz vor Dammriss (Mandel- und Weizenkeimöl), Rückenmassagen (pflanzliche Öle) und Vorbeugung von Ödemen (Akupunktur und pflanzliche Ernährungsmittel) Zu speziellen Hausmitteln äußerte sich bei der offenen Frage eine in der achten Woche befindliche Schwangere mit den Worten: „Weiß noch nicht was es da so alles gibt.“ Eine andere meinte: „Die zu denen mir die Hebamme raten wird.“ Konkreter wurde von anderen Schwangeren Bauchwickel, Kirschkern-/Dinkel-/Moorkissen und, wie bereits erwähnt, die eher homöopathisch einzustufenden, Schüsslersalze genannt 4.3.1.2 Variable „Alternativmedizinnutzung während Geburt“ Es wurden, hinsichtlich der Vorhaben zur Anwendung von alternativer Medizin während der Geburt, die Mittelwerte der neun aufgelisteten alternativen und komplementären Verfahren der Teilnehmerinnen ermittelt. Anhand der neu gebildeten Variable „Alternativmedizin während Geburt“ konnte die Verteilung der Schwangeren aufgezeigt werden wobei ein Mittelwert von „1“ der Ausprägung „auf gar keinen Fall und von „5“ der Ausprägung „auf jeden Fall“ entsprach (Abbildung 6). Abb. 6: Balkendiagramm „Generell geplante Nutzung von Alternativmedizin während der Geburt“, n=200 14 2 1 2 1 3 5 3 4 13 10 7 13 9 9 11 1516 23 10 9 4 4 1 2 1 1 1 2 1 1 1 1 0 5 10 15 20 25 au f g ar k ei ne n Fa ll… 1, 22 1, 44 1, 67 1, 89 2, 11 2, 33 2, 56 2, 78 w ei ß ic h no ch n ic ht 3, 22 3, 44 3, 67 3, 89 4, 11 4, 33 4, 56 4, 78 au f j ed en F al l Anzahl der Schwangeren Alternativmedizinnutzung während Geburt (Mittelwert der 9 Verfahren) 35 4.3.2 Fragestellung 2 b) Häufung der „weiß ich noch nicht“-Aussagen, Vergleich einzelner Kollektive Bei der statistischen Erhebung war eine deutliche Häufung der Antwort „weiß ich noch nicht“ erkennbar, mit einem Minimum von 33% und einem Maximum von 49,5%. Daraufhin wurden verschiedene Gruppen innerhalb des Gesamtkollektivs (n=200) der Schwangeren gebildet nämlich Erstgebärende (n=114), Frauen mit vorherigen Geburten (n=86), subjektiv Risikoschwangere (n=94), Besucherinnen eines Geburtsvorberei- tungskurses (n=106) und Frauen, die in der 36. oder späteren Schwangerschaftswoche waren (n=46). Der graphische Vergleich der durchschnittlichen prozentualen „weiß ich noch nicht“-Aussagen der Kollektive zeigt, dass Schwangere in höheren Schwangerschaftswochen sich schon deutlicher eine Meinung gebildet hatten und weniger unentschlossen bezüglich einer Alternativmedizinnutzung während der Geburt waren, als Geburtsvorbereitungskursteilnehmerinnen und Erstgebärende (Abbildung 7). Abb. 7 Gruppiertes Balkendiagramm „Unentschlossenheit der Kollektive, „weiß ich noch nicht“-Aussagen im Vergleich“ (Gb-Kurs=Geburtsvorbereitungskurs- teilnahme, SSW= Schwangerschaftswoche) 0 10 20 30 40 50 60 ≥36. SSW n=46 Gb-Kurs n=106 Erstgebärende n=114 "weiß ich noch nicht"-Aussagen % 36 4.3.3 Fragestellung 2 c) 4.3.3.1 Mittelwerte alternativer Verfahrensnutzung während Schwangerschaft und Geburt im Vergleich Bei der statistischen Auswertung der eigenen Einschätzung der befragten Schwangeren, bezüglich der wahrscheinlichen Anwendung alternativer und komplementärer Medizin während der bevorstehenden Geburt, wurde ersichtlich, dass hier die Mittelwerte der einzelnen Ausprägung, im Schnitt um die Ausprägung 0,7, über denen der zum Zeitpunkt der Befragung vorherrschenden Nutzung von alternativen Methoden lagen, also hinsichtlich der Geburt ein höherer Zuspruch alternativer Methoden zu verzeichnen war. Einzige Ausnahme, und als Ausreißer nicht bei diesem Vergleich berücksichtigt, stellte die Verwendung von pflanzlichen Ernährungsmitteln dar, die im Mittelwert 0,36 Ausprägungsgrade niedriger war. 4.3.3.2 Zusammenhang zwischen Nutzungsschema und -plänen Die durchschnittliche Alternativmedizinnutzung während der Schwangerschaft und das Vorhaben solche Form von Medizin während der bevorstehenden Geburt zu nutzen, korrelierten positiv (Spearman-Korrelation, r=0,414; p<0,001). Diesen gleichsinnigen Zusammenhang veranschaulicht das nachfolgende Streudiagramm (Abbildung 8). 37 Abb. 8: Streudiagramm „Zusammenhang zwischen Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft und Nutzungsplänen Alternativmedizin während Geburt“, Spearman-Korrelation (r=0,414; p<0,001), n=200 4.4 Fragestellung 3 Determinanten für eine verstärkte Alternativ- medizinnutzung während der Schwangerschaft und der Geburt 4.4.1 Alter 30-jährige oder ältere Schwangere (n=102) unterschieden sich signifikant von den Schwangeren zwischen 18 und 29 Jahren (n=97) bei der Nutzung von speziellen Entspannungsübungen (U-Test, p=0,003; mittlerer Rang=109,81 zu 89,68), spezieller Ernährungstherapien (U-Test, p=0,005; mittlerer Rang=104,14 zu 95,64) und Akupunktur (U-Test, p=0,010; mittlerer Rang=107,17 zu 92,46) während der Schwangerschaft. Abbildung 9 veranschaulicht den Anstieg des Anteils der 30-jährigen und älteren Schwangeren mit zunehmender Anwendungshäufigkeit am Beispiel der Ernährungstherapien. 38 Abb. 9: Boxplot „Beziehung zwischen Ernährungstherapie während Schwangerschaft und Alter“, U-Test (p=0,005; mittlerer Rang=104,14 zu 95,64) 4.4.2 Bildungsgrad Der Bildungsgrad und die Anwendungshäufigkeit alternativer und komplementärer Verfahren korrelierte positiv (Spearman-Korrelation, r=0,194; p=0,006). Der Zusammenhang ist in Abbildung 10 dargestellt. Hinsichtlich spezieller alternativmedizinischer Anwendungen, traf oben genannte Konstellation auf Verfahren zur Beeinflussung des Wohlbefindens zu (Spearman-Korrelation, r=0,221; p=0,002). 39 Abb. 10: Boxplot „Zusammenhang zwischen Schul-/Hochschulabschluss und Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft“, Spearman-Korrelation (r=0,194; p=0,006) Je höher der Bildungsgrad der Schwangeren war, desto eher wollte sie Geburtshilfen, wie eine Sprossenwand oder einen Geburtsstuhl (Spearman-Korrelation, r=0,246; p<0,001) und Entspannungsübungen (Spearman-Korrelation, r=0,178; p=0,012) während der bevorstehenden Entbindung nutzen. Diesen Zusammenhang verdeutlicht, exemplarisch am Beispiel der Geburtshilfen, Abbildung 11. 40 Abb. 11: Boxplot „Zusammenhang zwischen Schul-/Hochschulabschluss und Geburtshilfen während Geburt“, Spearman-Korrelation (r=0,246; p<0,001) 4.4.3.1 Geburtsvorbereitungskursteilnahme Die Anwendungshäufigkeit von alternativer Medizin während der Schwangerschaft bei Teilnehmerinnen eines Geburtsvorbereitungskurses (n=106) und Frauen, die solche Kurse nicht besuchten (n=93), unterschied sich signifikant (U-Test, p<0,001; mittlerer Rang=114,18 zu 83,84) und ist in Abbildung 12 dargestellt. 41 Abb. 12: Boxplot „Beziehung zwischen Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft“, U-Test (p<0,001; mittlerer Rang=114,18 zu 83,84) Teilnehmerinnen eines Geburtsvorbereitungskurses (n=106) unterschieden sich von Nichtteilnehmerinnen (n=93) in dem Vorhaben alternative Medizin während der bevorstehenden Entbindung zu nutzen (U-Test, p<0,001; mittlerer Rang=114,98 zu 82,92) dargestellt in Abbildung 13. Bis auf pflanzliche Kräutermedikamente und Hausmittel wollten Besucherinnen eines Geburtsvorbereitungskurses durchweg alle alternativmedizinischen Verfahren oder Präparate eher anwenden als Nichtteilnehmerinnen. Besonders zu nennen sind Akupunktur (U-Test, p<0,001; mittlerer Rang=114,75 zu 83,19) und Geburtshilfen (U-Test, p<0,001; mittlerer Rang=114,47 zu 83,51). 42 Abb. 13: Boxplot „Beziehung zwischen Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Nutzungsvorhaben Alternativmedizin während Geburt“, U-Test (p<0,001; mittlerer Rang=114,98 zu 82,92) 4.4.3.2 Beziehung zwischen Geburtsvorbereitungskursteilnahme und Alternativmedizinnutzung konfundiert mit Bildungsgrad? Da bereits gezeigt wurde, dass der Bildungsgrad mit der Alternativmedizinnutzung positiv korreliert, allerdings auch in der Erhebung ein Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad und einer vermehrten Geburtsvorbereitungskursteilnahme (U-Test, p=0,003; mittlerer Rang=110,92 zu 87,55; siehe Abbildung 21 im Anhang) festgestellt wurde, erfolgte eine Überprüfung der ermittelten Beziehung zwischen einer Geburtsvorbereitungskursteilnahme und der Nutzung von alternativer Medizin mit Berücksichtigung der Drittvariablen „Bildungsgrad“. Mittels einer Partialkorrelation wurde so ersichtlich, dass ein Zusammenhang zwischen einer Geburtsvorbereitungs- kursteilnahme und einer vermehrten Alternativmedizinnutzung (r= 0,256; p<0,001) 43 auch unter der Berücksichtigung des Bildungsgrades bestehen bleibt (r=0,225; p=0,001). Gleiches gilt hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen einer Geburtsvorbereitungskursteilnahme und der geplanten Alternativmedizinnutzung während der Geburt von r=0,280 mit einer Signifikanz von p<0,001. Auch hier bleibt dieser mit Einbezug der möglichen Störvariable „Bildungsgrad“ bestehen (r=0,262; p<0,001). 4.4.4 Fehlgeburt Werdende Mütter, die ein oder mehr Fehlgeburten hatten (n=45), unterschieden sich von den Schwangeren, die noch keinerlei solcher Erfahrungen machen mussten (n=85), signifikant in der Anwendung von Aromatherapien (U-Test, p=0,015; mittlerer Rang=73,72 zu 61,15), veranschaulicht im folgenden Diagramm (Abbildung 14). Abb. 14: Boxplot „Beziehung zwischen Aromatherapie während Schwangerschaft und Fehlgeburten“, U-Test (p=0,015; mittlerer Rang=73,72 zu 61,15) 44 4.4.5 Erstgebärende Schwangere, welche schon mindestens ein Kind geboren hatten (n=86), nutzten im Vergleich zu Erstgebärenden (n=114) signifikant häufiger Akupunktur während der Schwangerschaft (U-Test, p=0,001; mittlerer Rang=111,38 zu 92,29). Erstgebärende hingegen unterschieden sich von Frauen, die bereits Geburten erlebt hatten, hinsichtlich des Vorhabens zur Anwendung alternativer Methoden und Präparate während der Geburt (U-Test, p=0,017; mittlerer Rang=108,95 zu 89,30). Bei gleich vier alternativen Verfahren erzielten erstere im Mittel höhere Ausprägungen: Geburtshilfen (U-Test, p=0,003; mittlerer Rang=110,59 zu 87,12), pflanzliche Salben und Öle (U-Test, p=0,005; mittlerer Rang=109,78 zu 88,20), pflanzliche Ernährungsmittel (U-Test, p=0,009; mittlerer Rang=109,47 zu 88,75) und pflanzliche Kräutermedikamente (U- Test, p=0,015; mittlerer Rang=108,64 zu 89,72). Abbildung 15 veranschaulicht exemplarisch die Beziehung zwischen den Merkmalen „Erstgebärende“ und „Alternativmedizinnutzung während der Geburt“. Abb. 15: Boxplot „Beziehung zwischen Erstgebärenden und Nutzungsvorhaben Alternativmedizin während Geburt“, U-Test (p=0,017; mittlerer Rang=108,95 zu 89,30) 45 4.4.6 Risikoschwangerschaft Frauen, die glaubten eine Risikoschwangerschaft zu haben (n=94), unterschieden sich von Frauen mit einer nach ihrem Befinden risikofreien Schwangerschaft (n=106) hinsichtlich der Ausprägung der Alternativmedizinnutzung (U-Test, p<0,001; mittlerer Rang=115,64 zu 87,08), veranschaulicht in Abbildung 16. Abb. 16: Boxplot „Beziehung zwischen subjektiver Risikoschwangerschaft und Alternativmedizinnutzung während Schwangerschaft“, U-Test (p<0,001; mittlerer Rang=115,64 zu 87,08) 4.4.7 Vorherige Anwendung von Alternativmedizin Etwa drei Viertel der befragten Frauen gaben an, während früherer Schwangerschaften oder Geburten keine Methoden aus dem Bereich der komplementären und alternativen Medizin genutzt zu haben (n=86). Von diesen 64 Frauen bedienten sich lediglich sechs auch während der zum Zeitpunkt der Befragung bestehenden Schwangerschaft keiner 46 alternativmedizinischen Verfahren. Demnach bestand in Bezug auf die Alternativmedizinnutzung kein Unterschied zwischen der Population, die früher Altnativmedizin nutzte und der Population, die dies nicht tat (U-Test, p=0,509; mittlerer Rang=46,52 zu 42,46). 4.4.8 Erinnerung an vorherige Entbindung Eine gute Erinnerung an die letzte Entbindung korrelierte positiv mit dem Wunsch Entspannungsübungen während der bevorstehenden Geburt auszuüben (Spearman- Korrelation, r=0,401; p<0,001). Den Zusammenhang veranschaulicht Abbildung 17. Abb. 17: Boxplot „Zusammenhang zwischen Erinnerung an vorherige Entbindung und Entspannungsübungen während Geburt“, Spearman-Korrelation (r=0,401; p<0,001) 47 4.5 Fragestellung 4 Motivationsstruktur und Einstellungen werdender Mütter Der GS-CAM V.10310 hatte mit seinen 101 als Aussagen verfassten Items das Ziel, die Motivationsstruktur der Frauen bezüglich der Nutzung von Alternativ- bzw. Schulmedizin sowie ihre Einstellungen zur Schwangerschaft und Geburt heraus zu filtern. Mittels einer fünfstufigen bipolaren Ratingskala mit den Eckpunkten „trifft gar nicht zu“ und „trifft vollkommen zu“, konnten sie ihre persönliche Auffassung, ob die Aussage für sie zutreffe oder nicht, kundtun. Den Ausprägungen wurden natürliche Zahlen zugeordnet, so dass die Mittelwerte dementsprechend, im Extremfall von -2 bis +2 gehen konnten. 4.5.1 Fragestellung 4 a) Faktorenanalyse des GS-CAM V.10310 Eine Faktorenanalyse dieses Erhebungsbogens sollte zum einen die Konstruktvalidität des Messverfahrens prüfen und zum anderen mittels der Datenreduktion und künstlichen Erzeugung von Variablen die Grundlage zur weiteren Datenanalyse der gefundenen Faktoren hinsichtlich einer eventuell assoziierten Alternativmedizinnutzung bilden. Die Güte und Eignung der Daten wurden mit der Determinante, die 2.225-29 beträgt und dem Kaiser-Meyer-Olkin-Index, der 0,55 beträgt, mit einer Bartlett’s Test Signifikanz von p<0,001, getestet. Bei einer Durchführung der Komponentenanalyse unter Anwendung des Kaiser- Kriteriums zur Bestimmung der optimalen Zahl an Konstrukten würden 33 Komponenten extrahiert, die über 70% der Gesamtvarianz aufklärten. Da das Ziel eine deutliche Datenreduktion war und bekannt ist, dass das Kaiserkriterium tendenziell zu viele Konstrukte herausfiltert, wurde von diesem abgesehen. Stattdessen sind explorativ einige verschiedene Lösungen durchgespielt und analysiert worden. Die aufgeklärte Varianz war dann jedoch zu klein, z.B. 42% bei der 10-Faktor-Lösung oder 24% bei der Scree Plot suggerierten 4-Faktor-Lösung. Die Abbildung 18 veranschaulicht den entsprechenden Scree Plot. 48 Abb. 18: Scree Plot Faktorenanalyse GS-CAM V.10310 Eine Rotation der Faktorladungen war nur durch eine Erhöhung der maximalen Iterationskonvergenz möglich. Die Grundeinstellung von 25 Iterationen in SPSS war in den Tests durchgängig nicht ausreichend. Immer wieder wurden Items einem gemeinsamen Faktor zugeordnet, obwohl diese inhaltlich nicht passen, was eine Interpretation der Faktoren und eine Benennung dieser unmöglich macht. Weiter sind sehr viele Faktorladungen deutlich zu klein. So erreichen nur 38 der 100 Items eine Faktorladung von mindestens |0,5| in der 10-Faktor-Lösung. Auf Grundlage der geschilderten Probleme erschien eine Faktorenanalyse nicht geeignet, um eine sinnvolle und stabile Reduzierung der Variablenzahl zu erreichen, sodass von dieser Abstand genommen wurde. 49 4.5.2 Fragestellung 4 b) Korrelation der Aussagen mit der Alternativmedizinnutzung Um der Frage nach Zusammenhängen zwischen Motivationsfaktoren und Alternativmedizinnutzung nachzugehen wurde neben den Mittelwerten der einzelnen Items die jeweiligen Korrelationen nach Spearman erhoben und tabellarisch aufgelistet (siehe Tabelle 10 im Anhang). Dem Problem der Alphafehlerkumulierung wurde mit der Bonferroni-Korrektur nach Holm begegnet. Der Abbruch geschah auf dem Rangplatz 16 mit einem Signifikanzniveau von α‘=0,00058. Anhand dieser adjustierten Korrelationen, konnten insgesamt 15 Items isoliert werden, die einen signifikant geringen Zusammenhang (r≤0,5) zwischen den Ausprägungen einzelner Meinungen und dem Grad der Alternativmedizinnutzung aufzeigten. So ließ sich mit der Studie festhalten, dass Schwangere mit einer ausgeprägteren Alternativmedizinnutzung eher meinten: - von einer höheren Macht gelenkt zu werden - dass nur die Kombination von Schulmedizin und alternativen Methoden in der Schwangerschaft und bei der Geburt einen Sinn machen würde - dass in der heutigen Zeit zu wenig auf eine natürliche Geburtsunterstützung geachtet werde - dass es ihnen wichtig sei, neben der Schulmedizin auch alternative Verfahren im Rahmen der Schwangerschaft anzuwenden - dass im Krankenhaus nur deshalb kaum alternativmedizinische Verfahren angeboten würden, da die meisten Ärzte nichts von ihnen hielten - über eigene wirksame Entspannungstechniken zu verfügen - schon einige natürliche Mittel für sich und das Kind nach der Entbindung zu Hause bereitgestellt zu haben - dass alternativmedizinische Anwendungen bei der Geburt und der Schwangerschaft in ihrer Familie eine lange Tradition hätten - dass es ihnen wichtig sei, dass ihre Hebammen sich gut in alternativen Anwendungen auskennen - dass es ihnen für ihre Schwangerschaft wichtig sei, dass ihre Frauenärzte ihnen gute alternativmedizinische Tipps geben können - durchaus mehr Geld für sinnvolle alternative Methoden während der Schwangerschaft 50 ausgeben zu wollen - sich schlicht einfach besser zu fühlen, wenn sie natürliche Methoden der Schulmedizin vorzögen Des Weiteren verneinten Schwangere mit einer höheren Alternativmedizinnutzung es eher bzw. bekundeten ihre Ablehnung: - zusätzliche alternativmedizinische Maßnahmen im Rahmen der Schwangerschaft als überflüssig zu bezeichnen - erst auf Schulmedizin zurückzugreifen, bevor man es mit alternativmedizinischen Anwendungen probiere - dass sie der ganze Kram mit den alternativen Methoden nicht interessiere und sie nur die Geburt möglichst schnell und unkompliziert hinter sich bringen wollten 4.6 Fragestellung 5 Ansichten und Wünsche Schwangerer zur Geburt Der Abschnitt Geb-Fra V1 des Erhebungsbogens bestand aus 23 Fragen zu den Vorstellungen der werdenden Mütter hinsichtlich der Geburt. Die Items waren als Aussagen formuliert und konnten mit einer vierstufigen Ratingskala beantwortet werden. Diese spiegelte die Intensität der Zustimmung oder Ablehnung, mit den Eckpunkten „trifft nicht zu“ und „trifft sehr zu“, wider. Den Ausprägungen wurden natürliche Zahlen von „0“ bis „3“ zugeordnet 4.6.1 Fragestellung 5 a) Faktoranalyse des Geb-Fra V1 Auch dieser selbstkonstruierte Teil des Erhebungsbogens sollte auf seine Konstruktvalidität getestet und die latenten Konstrukte, der dafür zum Einsatz kommenden Faktorenanalyse, zur weiteren Datenanalyse genutzt werden. Die Güte wurde durch die Bestimmung der Determinante (0,022), des Kaiser-Meyer- Olkin-Indexes (KOM= 0,669) und der Bartlett’s-Test Signifikanz (p<0,001) getestet. Der entsprechende Scree Plot ist in Abbildung 19 dargestellt. 51 Abb 19.: Scree Plot Faktoranalyse Geb-Fra V1 Von dem Scree Plot ausgehend, ergeben sich drei zu extrahierende Faktoren. Bei genauerer Betrachtung der auf diesen ladenden Items bleiben die beiden Faktoren mit den höchsten Eigenwerten über, bei denen eine Interpretation gelingt. Da diese allerdings lediglich 20% der Varimax rotierten kumulativen Varianz erklären würden, ist eine Faktoranalyse hier nicht zur sinnvollen Datenreduktion geeignet. Daher wird von der Faktorenanalyse abgesehen. 4.6.2 Fragestellung 5 b) Ansichten und Wünsche Schwangerer zur Geburt und Korrelation mit Alternativmedizinnutzung Mediane der Aussagen wurden zur Bestimmung genereller Ansichten und Wünsche werdender Mütter hinsichtlich der bevorstehenden Geburt genutzt. Im Rahmen der Auswertung wurde ersichtlich, dass der überwiegende Teil der Schwangeren großen Wert auf die Sicherheit ihrer Kinder und ihren eigenen Schutz 52 legte. So sollte die Hebamme besonders professionell sein, ein Arzt sich immer in der Nähe befinden und auch ein Team für einen eventuellen Notfallkaiserschnitt unbedingt bereitstehen. Bezüglich eines Kaiserschnitts wurde allerdings hauptsächlich angegeben, dass dieser nicht in Frage käme, solange er nicht unbedingt notwendig sei. Weiter mochten die Befragten während der Geburt nicht allein gelassen werden und wünschten sich den Beistand ihres Partners. Weiteren Beistand, durch die Familie oder die entsprechende Seelsorge, wurde von den Frauen allerdings nicht erbeten. Wichtig für die Schwangeren war auch, dass das Drumherum stimmte indem der jeweilige Arzt und die Hebamme den entbindenden Frauen sympathisch sein sollte und zur letzteren die Nochschwangere vollstes Vertrauen entwickeln konnte. Zusätzlich wurde eine Rangkorrelation nach Spearman bezüglich der jeweiligen Aussage und der Alternativmedizinnutzung durchgeführt (siehe Tabelle 11 im Anhang). Nach Adjustierung der Analyse hinsichtlich einer Alphafehlerinflation ergab sich eine signifikante Korrelation. Der Abbruch erfolgte auf Rang 2 mit einem korrigierten Signifikanzniveau von α‘=0,002. So lässt sich festhalten, dass je mehr und öfter die Teilnehmerinnen alternative und komplementäre Medizin während ihrer Schwanger- schaft anwandten, desto wichtiger war es ihnen, dass der Kreissaal, dessen Aussehen und Einrichtung generell sehr bedeutend war, über Geburtshilfen verfügte. 4.7 Fragestellung 6 Persönlichkeitsfaktoren und Nutzung alternativer Medizin – der Eysenck Personality Profiler Den Abschluss des Erhebungsbogens bildete die deutschsprachige Überarbeitung des Eysenck Personality Profilers mit 176 Items, welcher die Persönlichkeitsstrukturen der Teilnehmerinnen ermittelte. Die Fragen konnten jeweils mit „Ja“, „Nein“ oder „Weiß nicht“ beantwortet werden. Die Analyse erfolgte konform des Auswertungsmanuals, zur Bildung von altersgenormten Staninen, anhand derer die Interpretation der Subskalen erfolgen konnte. 53 4.7.1 Verteilung auf die Stanine In der Tabelle 5 ist die prozentuale Verteilung der 200 Teilnehmerinnen auf die einzelnen Stanine dargestellt. Tabelle 5: Verteilung der Teilnehmerinnen auf die Stanine in Prozent, n=200 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Extraversion aktiv 8 15,5 14 19,5 18 16,5 5 3,5 passiv kontaktfreudig 1,5 7 12 23,5 20 15 8,5 7,5 5 kontaktscheu selbstbewusst 5 5 11 18,5 17,5 20,5 12 7,5 3 schüchtern ehrgeizig 9 11,5 24,5 19 18 9 7,5 1 anspruchslos Emotionalität unsicher 9 9 18 12,5 18,5 20 11 2 sicher schwermütig 7 7,5 10 10 18 22 25,5 lebensfroh besorgt 10,5 11 17,5 18 16,5 13,5 9 4 gelassen pedantisch 24,5 14,5 20,5 18 15 5 2,5 ungezwungen Risikoneigung spontan 3 7 13,5 18,5 16 16 17,5 8,5 besonnen unzuverlässig 7 9,5 10,5 22 16,5 18,5 11 5 zuverlässig sensations- suchend 1,5 1 5 10,5 16,5 18,5 16,5 18 12,5 gefahrenmeidend widerstands- fähig 1,5 4 19 15,5 29 20 11 empfindsam handelnd 10,5 11,5 23,5 17 20 8 6 3 0,5 reflektierend Zusammenfassung hohe Offenheit 1 9,5 4 18 20,5 18,5 8,5 12,5 7,5 niedrige Offenheit Extraversion 6,5 11,5 12,5 23 17 17 9,5 2 1 Introversion hohe Emotionalität 13,5 15,5 10 17,5 17 16,5 8 2 niedrige Emotionalität hohe Abenteuerlust 1 3,5 5 13,5 18 20,5 19 12,5 7 niedrige Abenteuerlust Der Wert auf der Offenheitsskala unterstützt die Aussagekraft der Persönlichkeitsauswertung. Da Eysenck erklärte, dass Stanine-Werte von „9“ auf dieser Skala als nicht akzeptabel einzustufen wären und die Auswertung nicht durchgeführt 54 werden könnte, wurden