Kurzberichte aus den G i e s s e n e r P a p y r u s - S a m m l u n a e n Nr 8 1959/1976 G i e s s e n e r P a p y r u s - S a m m l u n g e n i m neuen Raum von . H s n s Georg Gundel G i e s s e n 1 9 5 9 2 . A u f l a g e 1976 V o r b e m e r k u n g In diesem Nachdruck sind die Abbildungen nicht in den Text einge- blendet, sondern aus herstellungstechnischen Griinden anders ein- geordnet als in der 1. Auflage. Deshalb mußte auch die Seitenzählung geändert werden. Die ur- sprünglichen Seitenzahlen stehen unten. Zu ergänzen wäre lediglich, daB der Brief an den Strategen Apl- lonios von seiner Schwester und Gemahlin Mine geschrieben ist. Giessen, 10. Nov. 1976 H.G.G. im neuen Raum Von ~ r : H a n s G e o r g G u n d e l . Gießen Im Neubau der Gießener Universitätsbibliothek, dessen letzter Bauabschnitt mit der festlichen Ein- weihung des Lesesaalgebäudes am 1. Juli 1959 ab- gesddossen ist, haben auch die Gießener Papyrus- Sammlungen einen der Größe und Bedeutung dieser Sondersammlung entsprechenden eigenen Raum er- halten. Er befindet sich im zweiten Stockwerk des Verwaltungsbaus .der Universitätsbibliothek. Nahe- zu alle Anforderungen, die man für eine moderne Papyrothek grundsätzlich stellen kann, sind bei der Ausstattung des Gießener Papyrus-Raumes ver- wirklicht worden, wobei der überaus verständnis- vollen Förderung durch den derzeitigen Bibliotheks- direktor Dr. J. S c h a w.e besonders viel zu ver- danken ist. Da außerdem von dieser wohl wert- vollsten Sondersammlung der Gießener Universi- tätsbibliothek heute wieder vielseitige Anregungen zu wissenschaftlicher Arbeit ausgehen, sollen auch in dieser Festgabe einige Mitteilungen über die Gießener Papyrus-Sammlungen und ihre neue Auf- stellung, durch die eine lange Zeit völlig unzurei- chender Unterbringung abgesddossen ist, erfolgen. Man spricht von "Gießener Papyrus-Sammlungen', weil in der Universitätsbibliothek drei verschie- dene, im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts be- gründete Papyrus-Sammlungen aufbewahrt werden, die in der Wissenschaft bekanntgeworden sind unter ihren Publikations-Bezeichnungen .Papyri Gissemeso, ,Papyri bibliothecae universitatis Gis- sensis' und ,Papyri Iandanae'. Mit diesen drei Teil- s a d u n g e n besitzt die Gießener Bibliothek die stattliche Zahl von 2810 Papyri bzw. Papyrusfrag- menten. In dieser Zahl sind auch einige andere Schriftträger erfaßt wie Pergament, Leder, Leinen und Hadernpapier und ferner drei Wachstafeln, eine Bleitafel und verschiedene 'Palmblätter', die im Rahmen dieser Sammlungen inventarisiert sind. Der Sammlung der .Papyri Gissenses" ist angegliedert die Sammlung der ,Oslraca Gissensia', die 574 be- schriftete Keramik-Scherben (Ostraka) enthält. Alle diese Stücke gehören streng genommen zu den .Handschriftenn, weil die auf ihnen erhaltenen Texte oder Textfragmente - vorwiegend in grie- chischer Sprache - mit der Hand geschrieben sind. Sie bilden jedocta bibliothekarisdi und wissenschaft- lich insofern eine Sondergruppe, als sie in der über- wiegenden Mehrzahl aus dem Altertum stammen. Die Eigenart der Schriftträger und die gemeinsame Herkunft aus Agypten bringen es mit sich, daß auch die entsprechenden - in Gießen sehr wenigen - Stüdce aus dem frühen und hohen Mittelalter in die Sammlungen eingegliedert sind. Die GieBener Papyri und die soeben erwähnten anderen Originale stellen somit Quellen dar für die Zeit von etwa 250 V. Chr. bis in das 9. Jahrhundert n. Chr., vereinzelt - auchliir das 10. und 13. Jahrhundert n. Chr. Sie alle stammen aus Agyptei Ünd wurden zwischen 1901 und 1928 für die in Gießen vereinigten Samm- lungen erworben. Der Wert einer derartigen Sammlung richtet sidi nach dem Inhalt der durch sie bekanntgewordenen T e X t e . Man ist vielleicht überrascht, wenn man hört, daß die nunmehr ein halbes Jahrhundert währende wissenschaftliche Bearbeitung der Gie- ßener Papyri bisher zur Publikation von nur etwa 400 vorwiegend griechischen Texten geführt hat; man darf dabei aber nicht die grundsätzlichen Schwierigkeiten papyrologischer Arbeit und den entsagungsvolllen Zeitaufwand der Gelehrten über- sehen, der nicht nur der paläographisch oft sehr schweren Ermittlung der Texte selbst gilt, sondern auch deren philologischer Ergänzung und sachlicher Kommentierung. Trotzdem haben die bis jetzt publi- zierten Texte die Gießener Sammlungen in die be- deutenderen Papyrus-Sammlungen Deutschlands eingereiht und ihnen in der internationalen Papyro- -1ogie unter den genannten Spezialbezeichnungen ihre feste Stellung erworben. Hinsichtlich ihres Um- fangs werden sie, wenn nlan von der Berliner , Sammlung absieht, in Deutschland nur von der Hei- delberger Sammlung etwas übertroffen. Für das Zustandekommen der Gießener Sammlun- gen und ihre Auswertung haben sich viele Gießener Professoren eingesetzt. Es muß hier genügen hinzu- weisen auf die Althistoriker Ernst K o r n e m a n n (in Gießen: 1898-1902) und Richard L a q U e U r (1912-1929), auf die Altphilologen Alfred K ö r t e (19061914), Otto I m m i s C h (1907-1913), Rudolf H e r z o g (1914-1936) und vor allem Karl K a 1 b - f 1 e i s C h (1913-1934 [bzw. nach seiner Emeritie- rung bis 1944]), unter dem die Gießener Papyrologie ihren Höhepunkt erreicht hat, auf den Germanisten Karl H e 1 m (1904-1919) und den Juristen Otto E g e r (1905--1908; 1918-1949). Außer diesen Ge- lehrten haben zahlreiche ihrer Schüler und darüber hinaus viele auswärtige Papyrologen an der Edition Cießener Papyri bis 1945 mitgearbeitet. Um einen Eindruck zu vermitteln, wie sehr die Gießener Texte, die nicht nur historisch, philolo- gisch, juristisch, wirtschaftlich und allgemein kul- turell interessante Stücke geliefert haben, auch in das Alltagsleben der Antike einführen können, soll hier zunächst die deutsche Ubersetzung des auf P. Giss. 19 (= Inv. Nr. 33) erhaltenen, wahrscheinlich im Jahre 118 n. Chr. geschriebenen B r i e f e s ge- geben werden. Dieser spricht menschlich unmittel- bar an, weil er die Sorgen und Gedanken der Brief- schreiberin Aline vermittelt; sie schreibt an ihren Gemahl, den Strategen (Verwaltungschef) Apollo- nios, der sich in einer Zeit allgemeiner schwerer Unruhen von ihr getrennt in seinem Verwaltungs- bezirk aufhält: ,Schwere Sorge mache ich mir um Dich wegen der augenblicklich umlaufenden Gerüchte und weil Du so plötzlich von mir abgereist bist. Weder an Trank noch an Speise mag ich herangehen, sondern in beständiger Schlaflosigkeit bei Tag und Nacht habe ich überhaupt nur die eine Sorge, die um Dein Wohlergehen. Nur die rüh- rend sorgende Liebe meines Vaters gibt mir Auftrieb, und am Neujahrstag wäre ich - bei Deinem Wohle - zu Bett gegangen, ohne etwas zu mir zu nehmen, wenn nicht mein Vater zu mir hereingekommen wäre und mich gezwungen hätte, etwas zu essen. Ich bitte Dich nun, behüte Dich selbst in rechter Sicherheit und nimm nicht allein ohne Bedeckung die Gefahr auf Dich, son- dern - vvje auch der hiesige Verwaltungschef seinen Verwaltungsbeamten die Last aufbürdet - so tu auch Du dasselbe.. ." Der weitere griechische Text dieses Papyrus ist so fragmentiert, daß auf einen Ubersetzungsversuch verzichtet wird. Den bisher noch nicht abgebildeten Papyrus sehen wir in Abb. 1. Es handelt sich um ein Iängliches Stück Papyrus (21x12 cm), das zu- gleich als Durchschnittsbeispiel für Größe und Be- saiaffenheit der Gießener Papyri dienen kann. Der Inhalt des Briefes spricht für sich mit seinen mensch- lich, allzu mensblichen AuBerungen und dem feinen Humor des abschlieDenden Rates; er macht aber auch deutlich, daß mit derartigen Texten eine bis- her unbekannte, weil nicht in die große Literatur eingegangene Seite des antiken Lebens faßbar wird. Dieser Gießener Papyrus liegt zwischen zwei GI a s p l a t t e n , die an ihren Rändern durch schmale Papierstreifen eingefaßt und zusarnmenge- I halten sowie durch einen Lacküberzug luftdicht ab- 1 geschlossen sind. Dies ist die übliche Art der Auf- bewahrung wertvoller Papyri. Die Konservierung T und Verglasung aller Gießener Papyri ist ein Werk des weltbekannten Papyruskonservators Dr. Hugo I I b s C h e r in Berlin gewesen, der daran bis um 1930 gearbeitet hat. Leider waren in früheren Zeiten die Geldmittel für die Verglasung aller Gießener Papyri nicht vorhanden, so daß viele Stüdre un- I I verglast zwischen Fließpapierlagen aufbewahrt wer- den mußten. Diese noch nicht unter Glas liegenden Papyri haben im Frühjahr 1945 an ihrem Auslage- rungsort durch Grundwassereinbrudi schwersten Schaden gelitten, der in den meisten Fällen un- gleich geringer gewesen wäre, wenn die Papyri in I der üblichen Weise verglast gewesen wären. Ab 1946 wurden nahezu alle bereits montierten Papyri I I neu verglast, weil sie gereinigt und getrodinet werden mußten; dabei haben sich die Gießener Buchbindermeister Hugo S a n n (T 1953) und Wil- helm S C h n e i d e r besonders verdient gemacht. Zur Aufbewahrung der zwischen Glas liegenden Papyri sind besondere S C h r ä n k e erforderlich. Für die Gießener Sammlungen waren drei Schränke angefertigt worden. Für die Neuaufstellung sind sie - in ihrem äußeren Zustand überholt worden und haben in ihrer Inneneinrichtung vor allem wieder die senkrechte Fächerung durch Sperrholzplatten erhalten, die in den Wirren des Jahres 1945 stark beschädigt bzw. (beim Schrank der Sammlung Janda) zerstört worden waren. Der großte vorhan- dene Schrank (2,19 m hoch, 1,43 m breit, 51 cm tief) beherbergt die Sammlung der Papyri Iandanae - vgl. Abb. 2. Seine Inneneinrichtung weist drei hori- zontale Standflächen für die Papyri auf, so daß zweimal eine lichte Weite von 51 cin und oben eine solche von 2.55 cm vorhanden ist. Auf diesen Stanrl- 7 flächen sind die schon erwähnten vertikalen Trenn- wände angebracht, die jeweils unten nahezu an der Kante der Standfläche beginnen, dann aber mach oben rückwärts zurückspringen, um ein bequemes Herausnehmen der Glasplatten zu ermöglichen. Auf jeder Standfläche sind durch die Sperrholzfrenn- wände 60 Fächer und ein etwas schmaleres Mittel- fach, insgesamt also 180 (183) Fächer eingeteilt, vgl. Abb. 3. Diese Anzahl würde nicht ausreichen für die unter Glas liegenden 700 Papyri Iandanae, selbst wenn man berücksichtigt, daß in sehr vielen Fällen mehrere Papyrusfragrnente nebeneinander zwischen zwei Glasplatten liegen. Deshalb müssen in zahl- reiche Fächer mehrere Glasplatten eingesboben werden. Außerdem gibt es unter jeder der drei Standflächen eine jeweils 4,5 cm hohe horizontale Einteilung, die wiederum zweigeteilt ist, so daß sechs Ca. 64 cm breite und 43 cm tiefe Aufliege- flächen entstehen. Hier können Papyri größeren Formates aufbewahrt werden; es Biegen hier ein Stück bemalter Papyruskartonage (P. Giss. Inv. Nr. 1080), Modellstücke, Wachstafeln, die Bleitafel und die Holzblättchen. Unterhalb dieser Innenein- rihtung hat der Schrank noch zwei geräumige Schubladen. Dieser Spezialsd-irank war auf Anwei- sung von Karl Kalbfleisch angefertigt worden; er hat sich in vollem Umfang als zweckentsprechend erwiesen. Für die Sammlungen der Papyri Gissenses und der Papyri bibliothecae universitalis Gissensis existiert ein doppelpultartiger Spezialschrank, der in der Mitte 120 cm hoch ist. Er ist von den beiden Längs- seiten aus zugänglich. Jeweils in seinem unteren Teil (ca. 95 cm hoch, 150 cm breit, 60 Cm tief) hat er zwei Reihen der üblichen Vertikaleinteilung mit je 123 Fächern, vgl. Abb. 4. Dabei ist lediglich im Schrank der Papyri Gissenses ganz links die Ztvei- teilung aufgegeben zu Gunsten einer durchgehen- den einfachen Fächerung, in der besonders groß- formatige Glasplatten, darunter auch P. bibl. univ. Giss. Inv. Nr. 274 und 276, aufbewahrt werden. Auf diesen Schränken befinden sich zwei Vitrinen, deren Glasflächen (41 X 137 cm) oben pultartig abgeschrägt sind. Sie dienen zu Ausstellungszwecken in1 Papy- rusraum. Die noch nicht verglasten Gießerier Papyri aller drei Saniriilungen - es handelt sich urii runcl 1430 Stück - liegen zwisctien Fließpapierlagcn in Spezialkästen. Für die Aufbewahrung der 0 s t r a k a ist ein großes Spezialgestell vorhanden, das im Jahre 1958 nach den Angaben von Dr. Schawe neu hergestellt wor- den ist, weil sich der alte Ostraka-Schrank und die zu ihm gehörende Kommode als unzweckmäßig er- wiesen hatte für die Aufstellung im neuen Papyrus- raum. Es hat eine Höhe von Ca. 2 rn, eine Breite von 3,26 m und eine Tiefe von 35 cm, s. Abb. 5. In ihm befinden sich in jeweils gesonderter Fächerung insgesamt 408 Zugkästen (je 24 cm breit, 34 cm tief, 4 cm hoch), die völlig herausnehmbar sind und nach vorn durdi eine am Gestell befestigte Fallklappe (10x25 cm) abgeschlossen werden, Abb. 6. Auf der Fallklappe eines jeden Kastens ist links die Kasten- Nr. angegeben und daneben die Inventar-Bezeich- nung der in dem Kasten aufbewahrten Ostraka. In jedem Kasten liegen mehrere Ostraka - irn Durch- schnitt drei -, die durch vertikale Pappen getrennt sind, so daß ein Wbereinanderrutschen der Originale unmöglich ist. Die beiden letzten senkrechten Reihen des Gestells werden für die Ostraka Gisscn- sia nicht benötigt. Sie sind vorgeseherr-für die Auf- nahme der niöglicherweise einmal wieder auftau- chenden 53 Ostrucu lundana, einer Privatsammlung Kalbfleischs, über deren Verbleib bisher Sicheres noch nicht hat ausgemacht werden können, und die- nen überdies der Unterbringung der hochinteres- santen Keilschrifttäfelchen aus dem Besitz des OrientaIischen Seminars der Universität Gießen. Ebenfalls neu eingerichtet ist die der Fensterfront des Raumes gegenüberliegende Wand, an der ge- / nügend Stellraum vorhanden ist zur Aufnahme der- 9 , lO papyrologischen S p e z i a l b ü C li e r e i . Diese hat zwar bei weitem noch nicht wieder den Stand der Fachliteratur erreicht, die vor der Katastrophe der Gießener Universitätsbibliothek vorhanden gewesen ist, verfügt aber doch bereits wieder über einige grundlegende und für die Editionsarbeit unabding- liche Werke. Ihr weiterer Ausbau wird eine vor- dringliche Aufgabe der folgenden Jahre darstellen. In der Mitte des Raumes steht eine moderne P h o - t o t h e k (89 cm hoch, 175 cm breit, 73 cm tief), deren Oberfläche in bester Weise als Auslegetisch dienen kann, vgl. Abb. 2. In den Kästen (24X35X9 cm) werden die bereits vorhandenen Photographien der Papyri aufbewahrt sowie die Negative; es ist zugleich der nötige Platz vorgesehen für die Rück- vergrößerungen, die später einmal von allen Gie- ßener Papyri angefertigt und hier aufbewahrt wer- den sollen. Die Geschicke der Gießener Sammlungen unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg haben zur Genüge die Notwendigkeit von photographischen Aufnahmen aller Originale erwiesen. Die verglasten Papyri sind in den Jahren 1951 und 1952 von der Firma L e i t z - Wetzlar photographiert worden. Zahlreiche Ruckvergrößerungen aus diesem Arbeits- gang sind bereits in der Photothek vorhanden. Die Gießener Papyrus-Sammlungen sind in ihren1 neuen Raum wieder vollständig der wissenschaft- lichen Auswertung zugänglich. Seit 1950 ist in der B e a r b e i t U n y ein neuer Abschnitt zu verzeidi- nen. Der Initiative des Gießener Honosarprofessors Dr. Fritz H e i C h e 1 h e i rn in Toronto ist es zu ver- danken, daß durch den Präsidenten der Universität Toronto, Sidney S m i t h , einerseits und diirch den Bibliotheksdirektor Dr. J. S C h a W e andererseits eine deutsch-kanadische Gemeiiischaftsarbeit zur Edition noch nicht publizierter Gienener Texte ins Leben gerufen werden konnte. Es ist eine papyro- thekarische Selbstverständlichkeit, daß die -Papyri selbst eus Gießen nicht verliehen werden können.- Die Mitarbeiter erhalten jedoch die Gießener Texte in hochwertigen Photographien, mit denen sie ihre mühevolle Arbeit beginnen können. Natürlich sind dann öfters Rüdcfragen am Platz, die in Gießen an* Hand der Originale z. T. schnell beantwortet wer- den kdnnen. Vor der abschließenden Bearbeitung besuchen jedoch die beteiligten Papyrologen in der Regel die Gießener Sammlungen, um die Papyri selbst nochmals genau zu studieren. Dafür bietet der neue Papyrusraum eine hervorragende Arbeits- stätte. Auch dadurch, daß die Gießener Papyrus- Sammlungen auf den letzten drei Internationalen Papyrologen-Kongressen vertreten werden konnten, ist es gelungen, bis jetzt die stattliche Zahl von 25 Gelehrten - in insgesamt 10 Staaten - zu ge- winnen, die sich der Editionsarbeit an Gießener Texten widmen. Mit besonderer Freude kann festgestellt werden, da14 nunmehr alle nichtgriechischeii Texte von Be- arbeitern übernommen und z. T. schon publiziert sind. Von größter Bedeutung ist dabei die in Cairo 1956 erschienene Bearbeitung der "Gießener Arabi- s&en Papyri" von Prof. Dr. A. G r o h m a n n (Innsbrudc-Cairo), deren abschließender zweiter Teil nunmehr in der Druckerei liegt. Vor dem Abschluß steht die Publikation der Gießener koptischen Texte durch Prof. Dr. R. J. W i 11 i a m s -Toronto, für die Pater Dr. Angelikus K r o p p - Wa1berberg:K.n seine Bearbeitung eines Gießener koptischen Zau- berbuches bereits abgeschlossen hat. Ein hierati- sches Stundenbuch hat Prof. R. 0. F a u l k n e r in Oxford soeben veröffentlicht. Die demotischen Texte werden in absehbarer Zeit von Prof. Dr. W. E r i C h s e n - Kopenhagen vorgelegt werden. Einige griechische Texte haben Prof. Dr. E. K i e B 1 i n g - Marburg und der Verfasser dieses Berichtes in- zwischen publiziert. Die Arbeitsgruppe Toronto hat zahlreiche griechische Texte auf Papyrus und vor aIlem die gesamten Ostraka übernommen, während sich andere Mitarbeiter um weitere griechische Texte bemühen. Die Auswertung der Gießener Papyrus-Sammlungen ist hiermit auf einer breiten internationalen Basis in die Wege geleitet von Ge- lehrten, die sich durch die arnicitia papyrologorum verbunden wissen. So vermitteln die wertvollen Gießener Papyrus- Sammlungen, die auch mit den nunmehr in Angriff genommenen Arbeiten durchaus noch nicht ausge- schöpft sein werden, noch immer und erneut wieder starke Impulse für philologische, historische und juristische Arbeiten auf dem Gebiet der Papyrolo- - gie und damit zugleich auf dem der Alterturns- wissenschaft. Abbildung 1 Privatbrief der Aline an Apollonios, um 118 n. Chr., griechisch (P. Giss. 19 = Inv. Nr. 33 . ) Abbildung 2 Blick in den Papyrusraum. Vorn die Photothek, dahinter der ge- schlossene Spezialschrank der Papyri Iandanae, hinten links ein Teil der Papyrusbücherei. Abbildung 3 Blick in den Schrank der Sammlung Ianda. Rechts daneben Teil der Ostraka-Sammlung. Abbildung 4 Die Papyrussammlung der Universitätsbibliothek. (Papyri bibliothecae universitatis Gissensis. ) Abbildung 5 1 Das neue Gestell für die Ostraca Gissensia. I I I Abbildung 6 I Teil der Ostraka-Sammlung mit einem teilweise herausgezo- genen Spezialkasten. Alle Aufnahmen: Universitätsbibliothek Gießen (Dr. Schawe).