Interindividuelle Unterschiede in Emotionsverarbeitung und -regulation: Familiäre emotionale Expressivität, habituelle Emotionsregulation und elektrokortikale Korrelate Kumulative Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doctor rerum naturalium (Dr. rer. nat.) vorgelegt von Raphaela Isabella Zimmer (geb. Zehtner), M. Sc. Psychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen Fachbereich 06: Psychologie und Sportwissenschaften Professur für Psychotherapie und Systemneurowissenschaften Otto-Behaghel-Straße 10 H 35394 Gießen Erstbetreuerin: PD Dr. Andrea Hermann Zweitbetreuer: Prof. Dr. Rudolf Stark Gießen, Oktober 2023 Inhaltsverzeichnis 1. Überblick ............................................................................................................................. 1 2. Theoretischer Hintergrund .................................................................................................. 2 2.1. Familiäre emotionale Expressivität ............................................................................. 2 2.2. Kognitive Emotionsregulation ..................................................................................... 4 2.2.1. Kurzfristige Effekte kognitiver Neubewertung .................................................... 5 2.2.2. Überdauernde Effekte kognitiver Neubewertung ................................................ 5 2.2.3. Zusammenhang kognitiver Neubewertung mit habitueller Emotionsregulation . 5 2.3. Zusammenspiel von familiärer emotionaler Expressivität und Emotionsregulation .......... 6 3. Fragestellungen ................................................................................................................... 7 4. Erfassung des Konstruktes familiäre emotionale Expressivität (Studie 1) ......................... 8 4.1. Methode ....................................................................................................................... 8 4.2. Ergebnisse .................................................................................................................... 9 4.3. Diskussion ................................................................................................................. 10 5. Untersuchung der kurzfristigen und überdauernden kognitiven Neubewertung sowie des Zusammenhanges mit habitueller Neubewertung (Studie 2) ................................................... 11 5.1. Methode ..................................................................................................................... 11 5.2. Ergebnisse .................................................................................................................. 13 5.3. Diskussion ................................................................................................................. 14 6. Abschließende Diskussion und Zusammenfassung .......................................................... 16 7. Literaturverzeichnis .......................................................................................................... 21 8. Anhang .............................................................................................................................. 29 9. Liste aller Publikationen ................................................................................................... 29 Erklärung .................................................................................................................................. 31 1 1. Überblick „Ich will nicht meinen Gefühlen ausgeliefert sein. Ich möchte sie benutzen, sie genießen und sie beherrschen“ (übersetzt aus Wilde, 2012, p. 138). – Wie wir unsere Gefühle ausdrücken, ob wir sie als hilfreich erleben und wie wir diese regulieren, erlernen wir während der Zeit des Aufwachsens. Dies stellt einen Lernprozess dar, der sich über die gesamte Lebensspanne er- streckt (Holodynski et al., 2013; Morris et al., 2007; Thomsen et al., 2017). Damit wird der Familie sowie nahen Bezugspersonen eine wichtige Rolle zuteil, indem sie das Familienklima z. B. über den Ausdruck von Emotionen und durch ihr Verhalten das Repertoire an Emotions- regulationsstrategien beeinflussen. Der Ausdruck von Gefühlen im familiären Kontext und die Emotionsregulationsfähigkeit sind dabei mit psychischer Gesundheit im Erwachsenalter asso- ziiert und spielen transdiagnostisch eine wichtige Rolle: So konnte beispielsweise gezeigt wer- den, dass höhere mütterliche negative Expressivität und Kontrolle, höhere Angst- und Depres- sionswerte bei Jugendlichen vorhersagen (z. B. Luebbe & Bell, 2014). Auch Diagnosesysteme zur Klassifikation psychischer Störungen weisen auf die Wichtigkeit von Emotionen und Emo- tionsregulation (ER) hin: So werden psychische Störungen nach DSM-5 definiert als klinisch bedeutsame Störungen in Kognitionen, ER und Verhalten (American Psychiatric Association, 2018). Für die ER konnte gezeigt werden, dass ein flexibler und adaptiver Einsatz von Emoti- onsregulationsstrategien mit Wohlbefinden und psychischer Gesundheit assoziiert ist (Brock- man et al., 2017; Gross & John, 2003). Insbesondere die kognitive ER in Form der kognitiven Neubewertung stellt dabei ein Vorgehen dar, das gerade in der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) als zentraler transdiagnostischer Bestandteil zur Modifikation dysfunktionaler Gedan- ken und Bewältigung belastender Emotionen (A. T. Beck, 1976; Clark & Beck, 2010) angese- hen wird. Dabei wurde die differentielle Wirksamkeit verschiedener Taktiken der kognitiven ER bisher nur wenig erforscht. Auch weitere Einflussfaktoren wie die habituelle ER oder die familiäre emotionale Expressivität (FEE) sind in Zusammenhang mit ER im Erwachsenenalter kaum untersucht. Im Rahmen dieser Dissertation wurden die Voraussetzungen geschaffen, die beiden Kon- strukte FEE und kognitive ER zu verbinden. Dazu wurde zunächst der deutsche Fragebogen zur Erfassung der familiären emotionalen Expressivität entwickelt und psychometrisch über- prüft (Fragestellung 1). Des Weiteren wurde das Paradigma zur Erfassung der unmittelbaren und überdauernden (differentiellen) Effekte der kognitiven Neubewertungstaktiken Reinterpre- tation und Distanzieren sowie der Einfluss der habituellen ER auf elektrokortikaler und subjek- tiver Ebene untersucht (Fragestellung 2). 2 2. Theoretischer Hintergrund 2.1. Familiäre emotionale Expressivität Nach dem dreigliedrigen Modell des familiären Einflusses auf die kindliche Emotionsregulierung und Anpassung (Tripartite Model of the Impact of the Family on Children’s Emotion Regulation and Adjustment; TMIF; Morris et al., 2007) wird die ER über drei Wege beeinflusst (siehe Abb. A1): nämlich über Beobachtungslernen, elterliche Erziehungspraktiken sowie das emotionale Klima. Das Mediationsmodell geht von einer wechselseitigen Beeinflussung zwischen elterlichen, kindlichen sowie familiären Kontextfaktoren aus, wobei postuliert wird, dass frühe Sozialisationspraktiken das Fundament für die spätere Sozialisation und Anpassunsleitstung des Kindes legen (Morris et al., 2007). Das Modell (Morris et al., 2007) sowie existierende Literatur weisen dabei der Familie beim Erlernen und Ausdrücken von Emotionen sowie deren Regulation eine zentrale Rolle zu (z. B. Are & Shaffer, 2016; Gao & Han, 2016; Liew et al., 2011; Petermann & Wiedebusch, 2016). Innerhalb des Familienklimas scheint die FEE von großer Bedeutung (Morris et al., 2007), welche definiert wird als ein beständiges Muster, wie verbal und nonverbal positive so- wie negative Gefühle innerhalb der Familie während der Zeit des Aufwachsens ausgedrückt werden (Halberstadt et al., 1995). Diese hängt wiederum eng mit dem elterlichen Erziehungs- verhalten zusammen: Eltern, die vermehrt positive Gefühle zum Ausdruck bringen, weisen mit höherer Wahrscheinlichkeit Erziehungsverhaltensweisen wie Wärme, Akzeptanz oder Unter- stützung auf und demonstrieren erfolgreicher, wie sie auf positive Weise ihre Gefühle bewälti- gen, was sich u. a. durch Beobachtungslernen positiv auf die Emotionsregulationsfähigkeit des Kindes auswirkt (Morris et al., 2007). Ein vermehrtes Zeigen negativer Gefühle hingegen er- höht feindliche und weniger reaktive Verhaltensweisen gegenüber dem Kind und vermittelt ein negatives Modell, mit Gefühlen umzugehen (Cummings et al., 2002; Halberstadt et al., 1999; Morris et al., 2007). Eine Vielzahl an Studien demonstriert, dass eine höhere positive FEE mit positiven Out- comes wie stärker ausgeprägter sozialer Kompetenz (Cumberland-Li et al., 2003), emotionalem Verständnis und emotionaler Kompetenz (Denham et al., 1997) oder erhöhtem Selbstwertge- fühl (Halberstadt et al., 1999) assoziiert ist. Weniger konsistent erscheinen die Ergebnisse be- züglich negativer Expressivität (Morris et al., 2007): Einige Studien deuten auf eine negative Beeinflussung hin, indem höhere negative FEE mit einer geringeren Verwendung adaptiver Emotionsregulationsstrategien (Thomsen et al., 2017), verminderter Selbstregulation (Haskett et al., 2012; Milojevich & Haskett, 2018) oder internalisierenden Problemen (Chen et al., 2022) 3 einhergeht. Die inkonsistenten Befunde könnten auf einen kurvilinearen Zusammenhang zwi- schen negativer FEE und der sozio-emotionalen Entwicklung des Kindes hinweisen (Morris et al., 2007). Während ein niedrigeres bis mittleres Ausmaß Kinder eher darin fördert, die Band- breite aller Emotionen zu erleben und ihre Emotionen zu regulieren, ist ein hohes Ausmaß mit erhöhtem Distress und weniger erfolgreicher ER assoziiert (Halberstadt, 1986; Halberstadt et al., 1999). Auch wird in Bezug auf die FEE keine Unterscheidung in die Art der Emotion vor- genommen (z. B. Trauer vs. Wut) und meist nicht erhoben gegenüber wem die Emotion, wie intensiv oder wie häufig ausgedrückt wird. Damit ist die Art und Weise, wie das Konstrukt der FEE gemessen wird, von zentraler Bedeutung. Auf Fragebogenebene wird die FEE meist mit dem „Familiy Expressiveness Question- naire“ (FEQ; Halberstadt, 1983, 1986) erfasst, ein Fragebogen, für welchen bislang keine deut- sche psychometrisch überprüfte Übersetzung vorlag. In diesem Fragebogen werden Ausfül- lende gebeten, die Häufigkeit von vorgegebenen Szenarien während der Zeit des Aufwachsens auf einer 9-stufigen Likert-Skala von gar nicht häufig (not at all frequently) bis sehr häufig (very frequently) einzuschätzen. Während für das englischsprachige Original vier theoretisch abgeleitete Dimensionen postuliert wurden (Halberstadt, 1986), welche sich aus der Kreuzung von Valenz (positiv, negativ) und Dominanz (submissiv, dominant) ergeben, finden im For- schungskontext häufig nur die Valenzfaktoren des Fragebogens Verwendung (z. B. Halberstadt et al., 2011; Suveg et al., 2014). Des Weiteren wird zusätzlich eine 3-faktorielle Lösung einge- setzt, nämlich positive, negativ-submissive und negativ-dominante FEE (z. B. Baker & Crnic, 2005; Jones et al., 1998). Auch ein unterschiedliches Ausmaß an Expressivität über verschie- dene Kulturkreise (Are & Shaffer, 2016; Consedine & Magai, 2002) hinweg sowie über die Zeit (Keller & Lamm, 2005; Rogoff, 2003) macht eine psychometrische Überprüfung notwen- dig: Während Individuen aus kollektivistischer geprägten Kulturen eher dazu tendieren, ihren emotionalen Ausdruck zu unterdrücken (Morelen et al., 2013; Wu & Chao, 2016), wird in in- dividualistischer geprägten Kulturen eine stärkere emotionale Expressivität gefördert (Gao & Han, 2016; Halberstadt & Lozada, 2011; Ramzan & Amjad, 2017; Rychlowska et al., 2015). Nach Hofstede (2009) stellen Individualismus (I) und Kollektivismus (K) die beiden Enden eines Kontinuums dar, wodurch sich ein Ausprägungsgrad mittels des I-C-Wertes (Range 100 – 0; Hofstede, 2009) angeben lässt. Dabei liegt Deutschland in der oberen Hälfte (Hofstede’s I- C: 67), die Vereinigten Staaten am oberen Ende des Kontinuums (Hofstede’s I-C: 91) Richtung Individualismus. Dies weist folglich auch auf kulturelle Unterschiede in der FEE hin und un- terstreicht die Wichtigkeit der psychometrischen Überprüfung des Konstruktes in einer deut- schen Stichprobe. Zudem ist in der deutschen Geschichte eine Zunahme an Individualisierung 4 ab der Mitte der 1980er beobachtbar (U. Beck, 1986) und damit einhergehend auch ein verän- dertes Wertesystem, welches z. B. emotionalen Ausdruck von Unterstützung, Lob oder Wärme stärker fokussierte (Keller & Lamm, 2005). Verhaltensweisen, die insbesondere über die Skala positive FEE abgedeckt werden. Eine Bedeutungsveränderung der Iteminhalte über die Zeit lässt sich daher nicht ausschließen und deutet einmal mehr auf die Wichtigkeit der psychome- trischen Überprüfung einer deutschen Übersetzung des FEQ hin. 2.2. Kognitive Emotionsregulation Wie durch das TMIF-Modell (Morris et al., 2007) dargelegt, hat die FEE einen großen Ein- fluss auf die Entwicklung der (kindlichen) ER. Im Generellen bezieht sich ER darauf, eine emotionale Antwort durch regulatorische Prozesse bewusst oder unbewusst zu initiieren oder zu verändern (Gross, 1998; Gross & Thompson, 2007; Ochsner et al., 2012). Dabei ist ein fle- xibler Gebrauch verschiedener Regulationsstrategien wichtig, um auf (Umwelt-)Anforderun- gen zu reagieren (Webb et al., 2012) und es ist mitentscheidend, in welchem Kontext Emoti- onsregulationsstrategien als adaptiv oder maladaptiv gelten (Aldao & Nolen-Hoeksema, 2012). Eine Emotionsregulationsstrategie, die im Allgemeinen zu den adaptiven Strategien zählt, stellt die kognitive Neubewertung dar, welche eine gedankliche Umbewertung eines Stimulus oder einer Situation umfasst, sodass diese als weniger emotional beeinflussend wahrgenommen wird (Ochsner et al., 2012). Die kognitive Neubewertung schließt dabei unterschiedliche Taktiken ein, wie Reinterpretation oder Distanzieren (Ochsner et al., 2012). Während Reinterpretation impliziert, die Bedeutung eines Stimulus oder einer Situation zu verändern, z. B. durch die Vorstellung, dass eine Situation ein gutes Ende nimmt, wird bei der Taktik Distanzieren die persönliche Beziehung zu oder Distanz von einem Stimulus oder einer Situation verändert, z. B. durch die Vorstellung ein unbeteiligter, objektiver Beobachter einer Situation zu sein (Ochsner et al., 2012; Shiota & Levenson, 2012). Insbesondere in der KVT werden Patient*innen unter Rückgriff auf die kognitive Neube- wertung dazu ermutigt, mehr adaptive und positivere Bewertungen bezüglich belastender Si- tuationen zu finden und diese in ihren Alltag zu integrieren (A. T. Beck, 1976; Clark & Beck, 2010), wodurch die Wichtigkeit ein besseres Verständnis dieser Emotionsregulationstaktiken zu erlangen sowie deren überdauernde Wirksamkeit zu untersuchen betont wird. Dabei sind vor allem differentielle Effekte zwischen Reinterpretation und Distanzieren sowie deren überdau- ernde Wirksamkeit in gesunden als auch klinischen Stichproben in Bezug auf biologische Kor- relate wie ereigniskorrelierte Potentialen (EKPs) in der Elektroenzephalografie (EEG) kaum untersucht. 5 2.2.1. Kurzfristige Effekte kognitiver Neubewertung Durch das Anwenden der kognitiven Neubewertung in Bezug auf negative Bilder zeigte sich auf subjektiver Ebene eine Reduzierung negativer Emotionen (z. B. Hermann et al., 2017; Hermann et al., 2021) und des Erregungsniveaus sowie eine Zunahme der Valenz (Qi et al., 2017; Thiruchselvam et al., 2011; für eine Metaanalyse siehe Webb et al., 2012). Auf elektrokortikaler Ebene zeigte sich eine Reduktion der Amplitude des Late Positive Potentials (LPP), das als ein Maß des Erregungsniveaus sensitiv auf kognitive Regulation re- agiert (Krompinger et al., 2008; Moran et al., 2013; für Reviews siehe: Hajcak & Foti, 2020; Hajcak et al., 2010). Auch getrennt betrachtet, führte sowohl die Anwendung von Reinterpre- tation (Qi et al., 2017; Willroth & Hilimire, 2016) als auch von Distanzieren (Qi et al., 2017) zu einer Amplitudenreduktion im LPP (beides verglichen mit dem Betrachten aversiver Bilder) und deutet so auf eine erfolgreiche ER durch beide Taktiken hin. Distanzieren reduzierte die Amplitude im Vergleich zu Reinterpretation früher im Zeitverlauf (Qi et al., 2017). 2.2.2. Überdauernde Effekte kognitiver Neubewertung Bei erneuter Betrachtung von aversiven Bildern, die zuvor neubewertet wurden, zeigte sich ein überdauernder Effekt auf das Erleben negativer Gefühle, welcher über eine halbe Stunde (z. B. Qi et al., 2017; Thiruchselvam et al., 2011) bis zu einer Woche messbar war (Hermann et al., 2021). Differentiell zeigte sich, dass vorherige Reinterpretation beim erneuten Betrachten überdauernd die Valenz erhöhte, vorheriges Distanzieren hingegen das Erregungsniveau redu- zierte (Qi et al., 2017). Auf elektrokortikaler Ebene sind die überdauernden Effekte kognitiver Neubewertung we- niger gut untersucht. Ohne die beiden Taktiken zu unterscheiden, zeigte sich bei erneuter Bild- betrachtung nach einer halben Stunde eine stärkere Reduktion der Amplitude im LPP bei Bil- dern, die zuvor neubewertet wurden im Vergleich zu Bildern, die zuvor nur betrachtet wurden (Thiruchselvam et al., 2011). In einer weiteren Studie wurde ein überdauernder Effekt von Di- stanzieren berichtet, nicht jedoch für zuvor reinterpretierte Bilder (beides verglichen mit vor- herigem Betrachten aversiver Bilder; Qi et al., 2017). 2.2.3. Zusammenhang kognitiver Neubewertung mit habitueller Emotionsregulation Wie bereits erwähnt, ist ein verstärkter Einsatz adaptiver Emotionsregulationsstrategien (wie z. B. Neubewertung) mit höherem Wohlbefinden und psychischer Gesundheit assoziiert (z. B. Brockman et al., 2017; Gross & John, 2003), die häufigere Anwendung maladaptiver 6 Strategien (wie z. B. Grübeln) hingegen mit stärker ausgeprägter Psychopathologie (z. B. Gross & Muñoz, 1995; Sloan et al., 2017). Daher ist es von großer Wichtigkeit zu untersuchen, wie Individuen habituell ihre Gefühle regulieren. Inwieweit die habituelle Anwendung insbeson- dere von Neubewertung auch mit Veränderungen in EKPs während der Implementierung dieser Strategie zusammenhängt, ist in gesunden Stichproben kaum untersucht. Im Selbstbericht war eine stärkere habituelle Neubewertung mit einem stärkeren Rückgang negativer Gefühle durch Neubewertung verbunden (McRae et al., 2012). Auf elektrokortikaler Ebene demonstrierten erste Studien, dass Individuen, die habituell häufiger Neubewertung an- wandten, eine verringerte Amplitude beim Betrachten aversiver Bilder (im Vergleich zu neu- tralen) aufwiesen (Harrison & Chassy, 2019). Ebenso war eine höhere habituelle Neubewertung mit einer stärkeren Reduktion der Amplitude im LPP durch Reinterpretation negativer Bilder assoziiert (Moser et al., 2014). Diese Studien schließen damit eine Lücke zwischen habitueller Anwendung spezifischer Emotionsregulationsstrategien im Alltag und der unmittelbaren im Labor. Es bleiben jedoch die Fragen unbeantwortet, wie die differentielle Betrachtung von Di- stanzieren und Reinterpretation sowie deren überdauernde Effekte im Zusammenhang mit der habituellen Emotionsregulation stehen. Auch weitere Zusammenhänge etwa zwischen der ko- gnitiven Neubewertung und der familiären emotionalen Expressivität sind bisher kaum unter- sucht. 2.3. Zusammenspiel von familiärer emotionaler Expressivität und Emotionsregulation Für das Kindesalter konnte gezeigt werden, dass sich mütterliche positive FEE positiv auf die Emotionsregulationsfähigkeit des Kindes auswirkt, ein höheres Ausmaß an negativer FEE hing dagegen mit geringerer kindlicher Emotionsregulationsfähigkeit zusammen (Are & Shaf- fer, 2016; Eisenberg et al., 2001). In einer longitudinalen Studie zeigte sich beispielsweise, dass ein negatives familiäres Klima, welches negative FEE einschließt, Depressionssymptome bei Jugendlichen vorhersagte (Ogbaselase et al., 2022). Dieser Zusammenhang war zusätzlich durch die habituelle kognitive Neubewertung und Unterdrückung von Emotionen der Jugend- lichen selbst mediiert (Ogbaselase et al., 2022). Für ein positives familiäres Klima in der Jugend konnte eine Assoziation mit einer größeren Bindungssicherheit mit dem Partner über 60 Jahre später aufgezeigt werden (Waldinger & Schulz, 2016). Dabei war die Korrelation durch die ER im Erwachsenenalter beeinflusst, indem sie mitentscheidend war, ob eine Bindung gestärkt wurde oder nicht (Waldinger & Schulz, 2016). Auch eine transgenerationale Weitergabe des Familienklimas (Brenning et al., 2020) erfordert diesem Konstrukt besondere Beachtung zu schenken: Brenning et al. (2020) zeigten, dass das rückwirkend eingeschätzte Kontrollverhalten 7 der eigenen Eltern, welches mit negativer FEE assoziiert ist, mit dem Ausmaß des eigenen Kontrollverhaltens im Umgang mit dem Kind positiv assoziiert war und diese Beziehung durch die mütterliche ER mediiert war. Bisherige Studien konzentrieren sich dabei auf die Untersuchung der FEE im Kindes- und Jugendalter (z. B. Eisenberg et al., 2001; Morris et al., 2007; Ramsden & Hubbard, 2002), obwohl einige wenige Studien eine Beeinflussung bis ins (hohe) Erwachsenenalter zeigen (Denham et al., 1997; Eisenberg et al., 2001; Halberstadt et al., 1995; Waldinger & Schulz, 2016). Der Zusammenhang zwischen den beiden Konstrukten FEE und adulter ER ist jedoch nicht erforscht. Ebenso ausstehend ist die Erforschung biologischer Korrelate von unmittelbarer sowie überdauernder kognitiver Neubewertung, wie dem LPP, und der FEE sowie dem Einwir- ken weitere individueller Einflussfaktoren, beispielsweise durch die eigene habituelle Emoti- onsregulation. Um diesen Fragen nachgehen zu können, wurden im Rahmen dieser Dissertation die Voraussetzungen geschaffen. 3. Fragestellungen Im Rahmen dieser Dissertation wurden zwei Fragestellungen untersucht: Fragestellung 1: Die FEE während der Zeit des Aufwachsens ist Teil des Fundamentes für den späteren Ausdruck und die Regulation von Gefühlen (Morris et al., 2007) und beeinflusst viele wichtige Faktoren, die zur Salutogene oder Pathogenese von Individuen beitragen (z. B. Kyeong et al., 2021; Luebbe & Bell, 2014). Der in der Forschung am häufigsten eingesetzte Fragebogen, um die FEE zu erfassen, der FEQ (Halberstadt, 1983, 1986), liegt jedoch nicht in einer deutschen psychometrisch überprüften Fassung vor. Auch die Einflüsse von Zeit (z. B. Keller & Lamm, 2005) und Kultur (z. B. Gao & Han, 2016) sowie ein inkonsistenter Einsatz verschiedener Fak- torlösungen des FEQ im Forschungskontext unterstreichen die Wichtigkeit einer aktuellen psychometrischen Überprüfung. Daher wurde zunächst untersucht, welche bisher existierende Faktorenstruktur die deut- sche Übersetzung des FEQ, den FEQ-GR, wiederspiegelt. Auch die Frage nach der Überprü- fung weiterer psychometrischer Kennwerte wie der Reliabilität und der Validität sollte nachge- gangen werden. Dies sollte in Fragestellung 1 (Zehtner et al., 2021) untersucht werden. Fragestellung 2: Auch die Anwendung von Emotionsregulationsstrategien hängt mit Psychopathologie und Wohlbefinden zusammen (z. B. Brockman et al., 2017). Im Kontext von Therapieeffekten und 8 deren langfristiger Wirkung sind dabei insbesondere überdauernde Effekte der Anwendung von Emotionsregulationsstrategien von Interesse. Obwohl die Forschung auf eine unterschiedliche Wirkweise und Wirksamkeit verschiedener Neubewertungstaktiken auf subjektiver wie auf elektrokortikaler Ebene hinweist, sind insbesondere differentielle Effekte der Taktiken Rein- terpretation und Distanzieren kaum untersucht (z. B. Qi et al., 2017; Willroth & Hilimire, 2016). Auch überdauernde Effekte sowie weitere Einflussfaktoren (z. B. habituelle Neubewertung), die eine Lücke zwischen Laborforschung und Alltagsanwendung schließen könnten, sind bisher nahezu unbeantwortet. In Fragestellung 2 (Zehtner et al., 2023) wurden daher folgende Punkte adressiert: Welche kurzfristigen und überdauernden (differentiellen) Effekte finden sich auf elektrokortikaler sowie subjektiver Ebene für die beiden Taktiken Reinterpretation und Distan- zieren? Wie hängen diese Effekte mit der habituellen Anwendung von kognitiver Neubewer- tung zusammen? 4. Erfassung des Konstruktes familiäre emotionale Expressivität (Studie 1) 4.1. Methode Um eine deutsche Version des FEQ (Halberstadt, 1983, 1986) zu entwickeln, den FEQ- GR, wurde das Instrument zunächst von zwei bilingualen Muttersprachlern übersetzt und rück- übersetzt sowie anschließend Abweichungen der Übersetzung zusätzlich mit Psycholog*innen diskutiert und angepasst. Anders als im Original wurde ein absoluter Nullpunkt eingeführt (überhaupt nicht anstelle von not at all frequently). Zusätzlich wurden zwei Items ausgeschlos- sen: Item 19 (Expressing sorrow when a pet dies. / Trauer zeigen, wenn ein Haustier stirbt.), da es nicht auf alle Ausfüllenden zutrifft sowie Item 28 (Expressing concern for the success of family members. / Sorge über den Erfolg anderer Familienmitglieder ausdrücken.) aufgrund von Übersetzungsschwierigkeiten. Während das Wort concern im Englischen in diesem Zu- sammenhang eine positive Konnotation aufweist und der positiven Skala zugeschrieben wurde, besitzt die gewählte deutsche Übersetzung Sorge eine eindeutig negative Konnotation. Zunächst wurde die Faktorstruktur der deutschen Übersetzung aufgrund eines inkonsisten- ten Gebrauchs einer im Original postulierten 4-Faktorlösung sowie einer 2- und 3-Faktorlösung in der Anwendung im englischen Sprachraum mittels einer Stichprobe von 650 Personen über- prüft. Die Itemzuordnung zu den Faktoren erfolgte entsprechend Halberstadt (1986). In der 2- Faktorlösung finden die beiden Valenz-Skalen Verwendung, i. e. positive und negative FEE, in der 3-Faktorlösung wird die negative FEE in submissiv (NS) und dominant (ND) aufgeteilt, während die positive FEE (P) eine eigenständige Skala bildet. Die Stichprobe wurde zufällig in zwei Hälften geteilt, wobei mit der ersten Hälfte konfirmatorische Faktorenanalysen für die 9 existierenden Lösungen durchgeführt wurden. Dabei wurden Items mit zu geringer Ladung ent- fernt (Worthington & Whittaker, 2006). Anschließend wurden die Lösungen miteinander ver- glichen und die Lösung mit der besten Modellpassung anhand der zweiten Hälfte der Stichprobe erneut überprüft. In einer zweiten unabhängigen Stichprobe (N = 225) wurde die Konstruktva- lidität mittels Korrelationen von konstruktnahen und -fernen Instrumenten untersucht. Konver- gente Validität sollte insbesondere unterstützt werden durch hohe Korrelationen zwischen den Skalen des FEQ-GR und dem erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten (gemessen durch den Fragebogen zum erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten, FEEV; Schumacher et al., 1999) sowie der adaptiven emotionalen Expressivität (gemessen durch den Emotionale-Kompetenz- Fragebogen, EKF; Rindermann, 2009). In den Instrumenten FEEV und EKF wurden die Ra- tings getrennt für Mütter und Väter erhoben. Dabei sollten die Skala P des FEQ-GR und emo- tionale Wärme (FEEV) hoch positiv korreliert sein, da diese Konstrukte eine inhaltliche Über- einstimmung zeigen. Entsprechend sollte vor allem die Skala ND, welche Verhaltensweisen wie Anschuldigungen, Missachtung oder Streit beinhaltet, hoch positiv mit der Skala Zurück- weisung und Strafe und in einem geringeren Ausmaß mit Kontrolle und Überbehütung (FEEV) assoziiert sein. Eigene Schüchternheit (gemessen durch die Skala zur Schüchternheit; Czeschlik & Nuerk, 1995) sowie eigene nonverbale Expressivität (gemessen durch den Fragebogen zum expressiven Verhalten, FEX; Traue, 1998) sollte nur gering mit FEE zusammenhängen und so die diskriminante Validität unterstreichen. Deskriptive Statistiken wurden mittels SPSS 26 (IBM Corporation, Armonk, NY, USA), die weiteren Analysen mittels R (Version 4.0.4, R Core Team, 2019 R) durchgeführt. 4.2. Ergebnisse Da die 4-Faktorlösung keine sinnvolle Lösung ergab, wurden nur die 2- und 3-Faktorlö- sungen mittels des Vuong-Tests (Vuong, 1989) miteinander verglichen. Dabei wies die 3-Fak- torlösung eine signifikant bessere Passung auf. Zudem besaßen nur zwei Items in der 3-Faktor- lösung eine zu geringe Ladung, in der 2-Faktorlösung hingegen sechs Items. Die konfirmatori- sche Faktorenanalyse wurde anschließend erneut mit der zweiten Hälfte der ersten Stichprobe wiederholt. Die Passungsindizes waren nahe den vorab postulierten Schwellen. Die Reliabili- täten der Subskalen waren in einem akzeptablen bis exzellenten Bereich (Cronbach’s α = .73 – .95). In Stichprobe 2 zeigte sich, wie angenommen, für die Skala P des FEQ-GR eine negative Assoziation mit Zurückweisung und Strafe sowie Kontrolle und Überbehütung (FEEV). Gleichzeitig wies sie erwartungsgemäß eine mittlere bis hohe Korrelation mit den Konstrukten 10 Emotionale Expressivität (EKF) sowie mit der Skala Emotionale Wärme (FEEV) auf. Die Skala P war gering positiv mit eigener nonverbaler Expressivität korreliert (FEX) und hing gering negativ mit Schüchternheit zusammen. Die Skala ND wies einen gering negativen Zusammen- hang mit Emotionaler Expressivität (EKF) auf sowie einen mittleren negativen mit Emotionaler Wärme (FEEV). Positive Assoziationen zwischen der Skala ND des FEQ-GR zeigten sich er- neut erwartungskonform mit den Skalen Zurückweisung und Strafe sowie mit Kontrolle und Überbehütung im FEEV. Eine gering positive Korrelation ergab sich mit Schüchternheit und es zeigte sich kein Zusammenhang mit der eigenen nonverbalen Expressivität (FEX). Die Skala NS des FEQ-GR war nur für Mütter mit der Skala Emotionaler Expressivität (EKF) sowie Zu- rückweisung und Strafe (FEEV) gering positiv assoziiert, für Väter mit Kontrolle und Überbe- hütung (FEEV). 4.3. Diskussion Als erste Studie im deutschen Sprachraum wurden die Faktorstruktur, die Konstruktvali- dität sowie die internale Konsistenz für den FEQ-GR überprüft. Die 3-Faktorlösung mit den Skalen P, ND und NS zeigte sich im FEQ-GR, gegenüber der 4- sowie 2-Faktorlösung überle- gen. Aufgrund zu geringer Ladungen wurden zwei Items nach der Faktorenanalyse entfernt. Beide Items zeigten in einer modifizierten Version des FEQ (Self-Expressiveness in Family Questionnaire, SEFQ; Halberstadt et al., 1995), in dem das Ausmaß der eigenen Expressivität innerhalb der Familie eingeschätzt werden soll, ebenfalls eine unzureichende Ladung bzw. wie- sen Mehrfachladungen auf dem positiven und negativen Valenzfaktor auf (Halberstadt et al., 1995). Die Passungsindizes waren nahe der gesetzten Schwellen, ein Befund der nach Exper- tenmeinung nicht zu streng interpretiert werden sollte und selbst in etablierten Fragebogen in ähnlicher Weise zu finden ist (Hopwood & Donnellan, 2010; Kelley & Pornprasertmanit, 2016; Ribbat et al., 2021; Swami & Barron, 2019). Reliabilitässchätzungen waren in Stichprobe 1 und 2 in einem akzeptablen bis sehr guten Bereich. Zudem lagen diese für alle drei Subskalen in einem ähnlichen Bereich verglichenen mit einer englischen 3-Faktorlösung (Baker & Crnic, 2005; Jones et al., 1998). Trotz kultureller Unterschiede und einer möglichen Bedeutungsänderung der Items über die Zeit, behielten die ursprünglich konzipierten Skalen ihre inhaltliche Übereinstimmung mit dem FEQ, was für eine inhaltliche Vergleichbarkeit der deutschen und englischen Version spricht. Aufgrund unterschiedlicher Itemzahlen in beiden Versionen wird jedoch empfohlen die Skalenmittelwerte anstelle der Summenwerte heranzuziehen. Dabei ist darauf zu achten, dass 11 die deutsche Version entgegen der englischen einen absoluten Nullpunkt besitzt, wodurch das Ausmaß an FEE nicht direkt miteinander verglichen werden kann. Bezüglich der Konstruktvalidierung zeigte sich der erwartete Zusammenhang, d. h. eine hohe Korrelation zwischen den Subskalen des FEQ-GR und den konstruktnahen Skalen zum erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten sowie zur adaptiven emotionalen Expressivität. Ent- sprechend korrelierten die konstruktfernen Skalen zur eigenen nonverbalen Expressivität und zur Schüchternheit gering mit den Subskalen des FEQ-GR. Eine Limitation der Studie stellt ein hoher Frauenanteil in beiden Stichproben dar. Dabei wurde in der Literatur gezeigt, dass Mütter (verglichen mit Vätern) im Selbstbericht angaben, mehr emotionale Wärme zu zeigen, während Väter (verglichen mit Müttern) berichteten, häu- figer negative Expressivität zu zeigen (Halberstadt et al., 1995). Auch in anderen Studien gaben Frauen an mehr positive sowie internalisierende Gefühle auszudrücken, wie Sympathie oder Traurigkeit, Männer häufiger externalisierende Emotionen, wie Ärger (Chaplin & Aldao, 2013; Simon & Nath, 2004). Auch das durchschnittlich relative junge Alter sowie ein hohes Bildungs- niveau limitiert die Generalisierung der Ergebnisse auf die Gesamtpopulation. Dabei zeigte sich in Studien, dass ein höheres Ausbildungsniveau mit einem höheren sozioökonomische Status assoziiert ist, welcher wiederum Erziehungsverhalten und somit auch die FEE beeinflusst (E. Chen & Berdan, 2006; Hoff et al., 2002; Hosokawa & Katsura, 2017). Zusammenfassend kann der FEQ-GR zur Erfassung der FEE als ein reliables und vali- des Instrument betrachtet werden. Im Einklang mit einigen bisherigen Studien wurde eine 3- faktorielle Struktur bestätigt, nämlich positive, negativ-dominante sowie negativ-submissive FEE. 5. Untersuchung der kurzfristigen und überdauernden kognitiven Neubewertung sowie des Zusammenhanges mit habitueller Neubewertung (Studie 2) 5.1. Methode Um kurzfristige sowie überdauernde Effekte kognitiver Neubewertung auf elektrokorti- kaler und subjektiver Ebene zu untersuchen, wurden 57 Personen in der aktiven Emotionsregu- lationsphase gebeten, wiederholt Bilder für 6 s entweder zu betrachten oder Neubewertung (Reinterpretation, Distanzieren) anzuwenden. Etwa eine halbe Stunde später wurden diese Bil- der ohne Instruktion erneut 3 s präsentiert, wobei die Proband*innen gebeten wurden, diese nur zu betrachten (Abrufphase). Während beider Phasen wurde das EEG gemessen und Pro- band*innen gaben nach der Bildpräsentation an, wie stark sie gerade negative Gefühle empfan- den. Um den Zusammenhang mit der habituellen Anwendung von kognitiver Neubewertung zu 12 untersuchen, füllten die Proband*innen den Emotion Regulation Questionnaire (ERQ; Abler & Kessler, 2009) aus. An einem ersten Termin wurde ein strukturiertes klinisches Interview durchgeführt (Dia- gnostisches Interview bei psychischen Störungen; Margraf, Cwik, Pflug, & Scheider, 2017; Margraf, Cwik, Suppiger, & Schneider, 2017), um Proband*innen mit einer aktuellen oder früheren psychischen Erkrankung auszuschließen. Weitere Ausschlusskriterien waren eine frühere oder aktuelle psychotherapeutische Behandlung, die Einnahme von Psychopharmaka, ein Alter von < 18 Jahren oder > 65 Jahren, Linkshändigkeit, chronische oder schwere körper- liche oder neurologische Erkrankungen, Schwangerschaft, Verletzungen an der Kopfhaut und Schwierigkeiten im Verständnis der deutschen Sprache. Nach dem ersten Termin erhielten die Teilnehmenden einige Fragebogen, die sie zum zweiten Termin ausgefüllt mitbringen sollten. Am zweiten Termin erfolgte das Emotionsregulationsparadigma. Die aktive Emotionsre- gulationsphase bestand aus 96 Trials mit 24 Durchgängen pro Bedingung (4 Bedingungen: Reinterpretation, Distanzieren, Betrachten aversiv, Betrachten neutral). Jedes Bild wurde sechs Mal mit derselben Instruktion gepaart präsentiert, um, ähnlich zu Trainings- oder Therapieef- fekten, eine tiefere Einspeicherung ins Gedächtnis zu ermöglichen. Bei den Bedingungen der kognitiven Neubewertung wurden die Proband*innen explizit instruiert, ihre negativen Gefühle zu reduzieren, indem sie sich ein konkretes gutes oder besseres Ende vorstellen (Instruktion: Umdeuten; Reinterpretation) oder die Perspektive eines neutralen und sachlichen, außenstehen- den Beobachters einnehmen sollten (Instruktion: Distanzieren). Für die Kontrollbedingungen, nämlich dem Betrachten aversiver und neutraler Bilder (Instruktion: Betrachten), wurden die Teilnehmenden angeleitet, den Bildinhalt einfach zu betrachten und alle aufkommenden Ge- danken und Gefühle zuzulassen, ohne diese zu verändern. Nach einer etwa halbstündigen Pause, in der die Proband*innen gebeten wurden, einige Fragebogen auszufüllen, erfolgte die Abrufphase. In dieser wurden dieselben sowie acht neue Bilder präsentiert (4 neue neutrale, 4 neue aversive), wodurch sich 6 Bedingungen ergaben (zu- vor betrachten aversiv, zuvor betrachten neutral, zuvor reinterpretieren, zuvor distanzieren, be- trachten neu aversiv, betrachten neu neutral; die beiden zusätzlichen Bedingungen waren nicht Teil der Publikation). Die Abrufphase bestand aus 144 Trials mit 24 Durchgängen pro Bedin- gung. In beiden Phasen waren die Bedingungen pseudo-randomisiert, wobei dieselbe Bedin- gung nicht mehr als zweimal hintereinander präsentiert wurde. Die Zeitfenster wurden entsprechend anderer Studien (DeCicco et al., 2012; Krompinger et al., 2008; Liu et al., 2019) in Abschnitte eingeteilt: P300 (300 – 500 ms), frühes LPP (500 – 800 ms), mittleres LPP (800 – 1400 ms) und spätes LPP (1400 – 3000 ms). Aufgrund bisheriger 13 Studien (Hua et al., 2015; Moser et al., 2014; Parvaz et al., 2012; Paul et al., 2013) und der visuellen Inspektion der Daten wurde das LPP über die 5 Elektroden CPz, Pz, POz, O1, O2 gemittelt betrachtet. Die EEG-Daten wurden zunächst mittels BrainVision Analyser (BrainPro- ducts, Gilching, Germany, Version 2.2.0.7383) vorverarbeitet sowie die gemittelte Amplitude exportiert. Anschließend wurden alle statistischen Analysen mit IBM SPSS Statistics (Version 28) ausgewertet. Es wurden Varianzanalysen (ANOVA) mit Messwiederholung durchgeführt, wobei die Bedingung als Innersubjektfaktor aufgenommen wurde und der Mittelwert der Skala Neubewertung des ERQ als Kovariate (mittelwertszentriert). Analysen wurden getrennt für (überdauernde) emotionale Reaktivität ((zuvor) betrachten aversiv vs. (zuvor) betrachten neutral) sowie (überdauernde) ER durchgeführt. Die Ergebnisse der ANOVAs wurden Green- house-Geisser korrigiert, wenn die Spherizitätsannahme verletzt war. Anschließend wurden vorab geplante t-Tests für abhängige Stichproben Bonferroni-Holm korrigiert berechnet. Au- ßerdem wurde bei einer signifikanten Interaktion zwischen Bedingung und ERQ-Wert eine Korrelationsanalyse für folgende Differenzwerte durchgeführt: (zuvor) betrachten aversiv mi- nus (zuvor) betrachten neutral (für Effekte der (überdauernden) emotionalen Reaktivität) sowie (zuvor) betrachten aversiv minus (zuvor) reinterpretieren bzw. (zuvor) distanzieren (für die Ef- fekte der (überdauernden) ER). Alle Ergebnisse wurden zweiseitig auf einem Signifikanzniveau von α = .05, auf Trendlevel für α = .10 berichtet. 5.2. Ergebnisse Durch die Anwendung kognitiver Neubewertung wurden unmittelbar negative Gefühle verringert, wobei Reinterpretation (verglichen mit Distanzieren) zu einer stärkeren Reduktion führte. Dieser Effekt wurde nicht durch habituelle Neubewertung moderiert. Auf elektrokortikaler Ebene führte das Betrachten aversiver Bilder in allen Zeitfenstern zu einem höheren LPP als das Betrachten neutraler Bilder. Dabei war in der aktiven Emotionsre- gulationsphase eine höhere habituelle Neubewertung mit einer erhöhten P300 und einem stär- keren frühen LPP beim Betrachten aversiver im Vergleich zu neutralen Bildern assoziiert, nicht jedoch das mittlere und späte LPP. Reinterpretation (verglichen mit dem Betrachten aversiver Bilder) führte im frühen (Trend), mittleren (Trend) und späten Zeitfenster zu einer Reduktion der LPP-Amplitude (Bonferroni-Holm korrigiert), Distanzieren im mittleren (Trend) und spä- ten (Trend). Beide Taktiken unterschieden sich nicht signifikant voneinander. Die Effekte wur- den nicht durch habituelle Neubewertung moderiert. In der Abrufphase zeigte sich, dass das Betrachten von zuvor betrachteten aversiven Bil- dern (verglichen zu neutralen Bildern) zu einem stärkeren Erleben negativer Gefühle führte und 14 nicht durch habituelle Neubewertung moderiert war. Die Anwendung beider Taktiken in der aktiven Regulationsphase resultierte in einer überdauernden Reduktion negativer Gefühle beim erneuten Betrachten dieser Bilder in der Abrufphase (im Vergleich aversiven Bildern, die zuvor betrachtet wurden), wobei es keinen differentiellen Effekt gab. Auch lag kein Hinweis auf das Vorliegen einer Moderation durch habituelle kognitive Neubewertung vor. Auf elektrokortikaler Ebene wiesen die Amplituden der ERPs über alle Zeitfenster eine höhere P300 und ein höheres LPP beim erneuten Betrachten von aversiven im Vergleich zu neutralen Bildern auf. Es zeigten sich keine überdauernden Regulations- und Moderationsef- fekte für die ERPs. 5.3. Diskussion Im Einklang mit einer Vielzahl an Studien führte aversives Stimulusmaterial verglichen mit neutralem sowohl zu einem erhöhten Erleben negativer Gefühle (Hermann et al., 2021) als auch erhöhten Amplituden in der P300 und dem LPP (Hajcak et al., 2010; Hajcak & Nieuwen- huis, 2006; Paul et al., 2013; Qi et al., 2017; Thiruchselvam et al., 2011). Ein Effekt, der sich auf elektrokortikaler Ebene sowohl bei der Wiederholung der Bildpräsentation auf bis zu 60 Mal (Codispoti et al., 2006) und auch über die Zeit (Ferrari et al., 2020) als stabil erwies. Eben- falls konnte repliziert werden, dass die unmittelbare Anwendung beider Taktiken (im Vergleich zum Betrachten aversiver Bilder) negative Gefühle reduzierte (Hermann et al., 2021; Shiota & Levenson, 2012; Webb et al., 2012), wobei Reinterpretation dem Distanzieren überlegen war. Dieser differentielle Effekt auf das Erleben negativer Gefühle könnte darauf beruhen, dass Reinterpretation zu einer Erhöhung an positiven Gefühlen führt, während Distanzieren zu einer neutraleren Reaktion beiträgt (Hermann et al., 2021; Qi et al., 2017; Shiota & Levenson, 2012). Dazu passend scheint Distanzieren stärker das Rating des Erregungsniveaus zu reduzieren, Reinterpretation hingegen einen Anstieg der Valenz zu bewirken (Qi et al., 2017). Auf elektro- kortikaler Ebene führten beide Taktiken zu einer Abschwächung des frühen (nur Reinterpreta- tion), mittleren und späten LPP (verglichen mit dem Betrachten aversiver Bilder). Im Gegensatz zu einer anderen Studie, in der Distanzieren zu einer früheren und stärkeren Reduktion der LPP- Amplitude führte (Qi et al., 2017), zeigten sich in unserer Studie keine differentiellen Effekte. Dies könnte in unserer Studie durch eine wiederholte Bildpräsentation erklärt werden, wodurch es zu einer stärkeren Einspeicherung und zu einem schnelleren Abruf der alternativen Gedächt- nisrepräsentation kommen könnte. Auch überdauernd führte die erneute Bildpräsentation zu einem verminderten Erleben ne- gativer Gefühle. Dies ist im Einklang mit einer Studie, die dasselbe Bildmaterial nutzte und 15 diesen Effekt über den Zeitraum von einer Woche berichtete (Hermann et al., 2021). Auf elek- trokortikaler Ebene ergab sich kein Unterschied für zuvor neubewertete verglichen mit erneut betrachteten aversiven Bildern. Auch Qi et al. (2017) berichteten keinen überdauernden Effekt für Reinterpretation, jedoch für Distanzieren. Ein fehlender überdauernder Regulationseffekt in unserer Studie könnte darauf hinweisen, dass die wiederholte Bildpräsentation auch zu einer Abschwächung der LPP-Amplitude in der zuvor Betrachten aversiv Bedingung führte. In Ein- klang mit dieser Möglichkeit konnte gezeigt werden, dass dreimaliges verglichen mit einmali- gem Betrachten negativer Bilder eine reduzierte LPP-Amplitude evozierte (Paul et al., 2013). Eine andere Erklärung könnte von der Wirkung von Reinterpretation auf positive Gefühle stam- men, wodurch das Erregungsniveau steigen könnte und somit auch die LPP-Amplitude beim erneuten Betrachten. Anders als hypothetisiert (Harrison & Chassy, 2019) war ein häufigerer habitueller Einsatz von kognitiver Neubewertung in unserer Studie mit einer erhöhten emotionalen Reaktivität ver- bunden, gemessen an erhöhten Amplituden für die P300 und das frühe LPP beim Betrachten aversiver im Vergleich zu neutralen Bildern. Eine erhöhte P300 ist mit furcht- und selbstbezo- gener Verarbeitung assoziiert (Wang et al., 2021), wobei Aufmerksamkeit automatisch auf sa- liente Stimuli gezogen wird (Hajcak & Foti, 2020). Vor allem spätere Abschnitte der P300 werden in der Literatur mit Prozessen der Gedächtnisaktualisierung verknüpft (Polich, 2007). Eine gesteigerte Reaktivität könnte folglich auf eine erhöhte Bereitschaft zur Regulation auf saliente Stimuli hinweisen. Die Regulationseffekte wurden anders als in einer bisherigen Studie (Moser et al., 2014) nicht durch die habituelle Anwendung von Neubewertung moderiert. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich Individuen nur in ihrer spontanen Reaktion auf emotionale Stimuli unterscheiden, aber in der Lage sind zu regulieren, wenn dies erforderlich ist. Auch für überdauernde Effekte konnte kein Moderationseffekt aufgezeigt werden, wobei die wiederholte Bildpräsentation zu einer generellen Abschwächung des Erregungsniveaus über alle Bedingun- gen geführt haben könnte. Aufgrund nicht erfasster Valenz- und Erregungsniveau-Ratings kann die angenommene unterschiedliche Wirksamkeit der beiden Taktiken auf diesen Dimensionen nicht aufgeklärt werden. Unterschiede in der Effektivität der Anwendung beider Taktiken könnten auch darauf zurückgeführt werden, wie aversiv das Stimulusmaterial wahrgenommen wurde: Entsprechend scheinen Individuen kognitiv anstrengendere Strategien eher einzusetzen, wenn das Material als weniger aversiv erlebt wird (Sheppes & Levin, 2013). Da in der vorliegenden Studie nur vier Bildkategorien und die Bilder mehrmalig gezeigt wurden, könnte dies auch auf unser Sti- mulusmaterial zutreffen. 16 Ein direkter Vergleich von EEG-Studien zu kognitiver Neubewertung ist oftmals aus meh- reren Gründen erschwert: Zum einen unterscheiden sich Studien in ihrer Art der Instruktion der Taktiken, zum anderen in der Auswahl der untersuchten Elektroden sowie Zeitfenster (Hajcak et al., 2010; Hajcak & Nieuwenhuis, 2006; Moser et al., 2010). Insgesamt tragen die Ergebnisse dieser Studie zu einem verbesserten Verständnis von un- mittelbaren sowie überdauernden Effekten der beiden Neubewertungstaktiken Reinterpretation und Distanzieren bei. Die Assoziation zwischen erhöhter emotionaler Reaktivität bei Indivi- duen, die Neubewertung habituell häufiger nutzen, könnte auf eine erhöhte Bereitschaft zu re- gulieren hindeuten. Neubewertung zu trainieren, könnte folglich die spontane Reaktion auf Sti- muli verbessern. 6. Abschließende Diskussion und Zusammenfassung Interindividuelle Unterschiede in der Emotionsverarbeitung und der ER ergeben sich bereits früh durch Erfahrungen in der Kindheit, wie etwa durch ein unterschiedliches Ausmaß sowie die Art der FEE (Bariola et al., 2011; Morris et al., 2007) oder durch die elterliche ER (Calkins & Johnson, 1998; Diener & Mangelsdorf, 1999; Röll et al., 2012). Beide Konstrukte sind eng miteinander verknüpft (Morris et al., 2007) und beeinflussen bis ins hohe Erwachsenenalter (Denham et al., 1997; Eisenberg et al., 2001; Halberstadt et al., 1995; Waldinger & Schulz, 2016). Trotz dieser Beeinflussung wurde der Zusammenhang zwischen der FEE mit den Effek- ten der unmittelbaren und überdauernden ER sowie deren neuronalen Korrelaten bei Erwach- senen nicht untersucht. Im Rahmen dieser Dissertation sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, diese Lücke zu schließen, indem zunächst der Fragebogen zur Erhebung der FEE für den deutschen Sprachraum evaluiert wurde (Fragestellung 1) sowie das Paradigma zur Erfas- sung der (elektrokortikalen) Effekte der unmittelbaren und überdauernden ER (Fragstellung 2) untersucht wurde. Beide Fragestellungen sollen nun getrennt voneinander evaluiert werden: Im Rahmen der Überprüfung der psychometrischen Eigenschaften des FEQ-GR (Frage- stellung 1) ist das Hinzuziehen zweier bilingualer Muttersprachler sowie die Untersuchung der Faktorenstruktur in zwei voneinander unabhängigen Stichproben besonders hervorzuheben. Eine qualitativ sorgfältige Überprüfung von Fragebogenübersetzungen ist für den Vergleich von internationalen Forschungsergebnissen zentral (Ziegler & Bensch, 2013). Auch sorgt eine adäquate Überprüfung für eine bessere Definition des zu messenden Konstruktes und somit zu einer Abgrenzung zu anderen verwandten Konstrukten. Im Kontext der FEE sind hier beispiels- weise elterliches Erziehungsverhalten oder das Konzept der „Expressed Emotions“ zu nennen. 17 Unter „Expressed Emotions“ wird das Ausmaß an durch die Bezugspersonen ausgedrückter Kritik und übermäßiger emotionaler Beteiligung (Morris et al., 2007) verstanden, wobei sich eine inhaltlich hohe Überschneidung zu negativ-dominanter FEE zeigt, die in zukünftigen Stu- dien für eine weitergehende Überprüfung der Konstruktvalidität exploriert werden sollte. Posi- tiv hervorzuheben ist des Weiteren die Erhebung eines Fragebogens zur sozialen Er- wünschtheit, um zu untersuchen, ob Testausfüllende versuchen, ihre Familien in besserer oder schlechterer Weise darzustellen (Halberstadt, 1983). Die Durchführung eines solchen Instru- mentes kommt der GESIS-Empfehlung (Bogner & Landrock) zur Kontrolle von Antwortten- denzen in standardisierten Umfragen nach. In der vorliegenden Arbeit (Zehtner et al., 2021) wurde hierzu die Kurzskala Soziale Erwünschtheit-Gamma (KSE-G; Kemper et al., 2012) durchgeführt; die Subskalen wiesen nur eine geringe Korrelation mit den Subskalen des FEQ- GR auf, was darauf schließen lässt, dass Versuchspersonen eher nicht dazu tendierten sozial erwünscht zu antworten. Gleichwohl zeigten die Subskalen des KSE-G in der vorliegenden Stichprobe nur eine geringe internale Konsistenz und vor dem Hintergrund von hohen Korre- lationen zwischen Persönlichkeitsfaktoren und sozialer Erwünschtheit (Bensch et al., 2019) sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Um weitere Verzerrungseffekte in der vorliegenden Studie zu untersuchen, wurden sowohl Kontrollitems in die Umfrage eingestreut sowie Ausfüllende gebeten, anzugeben, auf wen sie ihre Antworten bezogen. Personen, die diese Items nicht hinreichend beantworten konnten, wurden von weiteren Analysen ausge- schlossen. Kritisch anzumerken ist eine fehlende Untersuchung der Messinvarianz zwischen interkul- turellen Stichproben (F. F. Chen, 2008), um eine optimale internationale Vergleichbarkeit der FEE zu gewährleisten. Aufgrund der bereits beschriebenen Anpassungen des FEQ-GR ist dies aber mit den vorliegenden Daten nicht möglich. Auch fehlen Untersuchungen zur Zeitstabilität des Konstruktes im deutschen Sprachraum. Für die 4-Faktorlösung wurde für den FEQ eine exzellente Retest-Reliabilität für einen Zeit- raum von 10 Tagen berichtet (Halberstadt, 1986). In longitudinalen Untersuchungen könnte künftig eine länger überdauernde Stabilität der erinnerten FEE untersucht werden sowie die FEE im Erwachsenenalter. Dabei konzentrierte sich die bisherige Forschung zur FEE auf das Kindesalter (z. B. Are & Shaffer, 2016; Ramsden & Hubbard, 2002). Insbesondere wurden die Mütter stellvertretend gebeten eine Einschätzung über ihre FEE in der aktuellen Familie zu treffen (z. B. Are & Shaffer, 2016; Eisenberg et al., 2001; Ramsden & Hubbard, 2002), wodurch eine einseitige Berichterstattung gegeben ist, welche zudem nicht zwingend dem Empfinden des Kindes entspricht. Auch das bereits erwähnte unterschiedliche Ausmaß der Elternteile im 18 Ausdrücken von Emotionen (z. B. Cassidy et al., 1992) könnte diesen Selbstbericht verzerren. Zukünftige Forschung könnte daher eine getrennte Untersuchung naher Bezugspersonen sowie eine Einschätzung der Gewichtung durch ein älteres bzw. erwachsenes Kind berücksichtigen. Dies wird weiterhin von dem Befund gestützt, dass die eigene emotionale Expressivität von Vätern nicht mit dem Copingverhalten des Kindes assoziiert war, jedoch eine höhere negative mütterliche emotionale Expressivität mit weniger konstruktivem Coping des Kindes zusam- menhing (Valiente et al., 2004). Auch in klinischen Populationen wurde die FEE bisher kaum untersucht, obgleich Studien auf einen Zusammenhang zwischen FEE und Depressivität- sowie Angstsymptome im Jugend- alter (z. B. Luebbe & Bell, 2014) hinweisen. In der zweiten Fragestellung dieser Dissertation wurde die differentielle kurzfristige und überdauernde Wirksamkeit von Reinterpretation und Distanzieren sowie deren Zusammenhang mit habitueller Neubewertung auf elektrokortikaler und subjektiver Ebene untersucht. Die Stu- die zeichnet sich insbesondere durch eine große Stichprobe (N = 57) aus; vergleichbare EEG- Studien zu überdauernden Effekten liegen deutlich darunter (z. B. Thiruchselvam et al., 2011: N = 19; Qi et al., 2017: N = 25), obwohl eine Poweranalyse mit G*Power (Faul et al., 2009; Faul et al., 2007) eine Stichprobengröße von mindestens 52 Personen nahelegte. Hervorzuheben ist außerdem die wiederholte Bilddarbietung in der vorliegenden Studie, um eine stärkere Gedächtniskonsolidierung zu bewirken und dadurch Trainings- bzw. Thera- pieeffekte zu simulieren und zu untersuchen. In einer fMRT-Studie konnten Denny et al. (2015) zeigen, dass wiederholte Neubewertung von Bildern (verglichen mit einmaliger Neubewertung, gleichhäufiger Betrachtung alter Bilder) zu einer überdauernden Verringerung der Amygdala- aktivität führte, als die Bilder nach einer Woche erneut präsentiert wurden. Die Autoren führten diesen Befund auf eine anhaltende Veränderung der neuronalen Repräsentation der emotiona- len Stimulusbedeutung zurück (Denny et al., 2015). Zukünftige Studien könnten den Dosis- Wirkungszusammenhang in Abhängigkeit der Zeit genauer explorieren. Auch positiv anzumerken sind die Zusatzanalysen (Zehtner et al., 2023) zur expliziten Er- innerung der Kopplung zwischen Bild und Bedingung (Reinterpretation, Distanzieren, Betrach- ten) sowie zum unaufgeforderten Einsetzen der Taktiken in der Abrufphase, um differentielle Effekte von Reinterpretation und Distanzieren tiefergehend zu explorieren. In Einklang zu Stu- dien über Gedächtniseffekte von Reinterpretation und Distanzieren (z. B. Willroth & Hilimire, 2016) zeigte sich, dass sich Proband*innen häufiger richtig an die Instruktion Umdeuten als 19 Distanzieren und Betrachten erinnerten sowie die Taktik Reinterpretation häufiger unaufgefor- dert in der Abrufphase erneut einsetzten. Dies könnte für eine tiefere Elaboration des Bildin- haltes während Reinterpretation sprechen (Willroth & Hilimire, 2016), aber auch durch die Art der Instruktion beeinflusst sein: Reinterpretation wurde in der vorliegenden Studie spezifisch instruiert, d. h. Proband*innen wurden gebeten, sich ein konkretes gutes bzw. besseres Ende vorzustellen. Distanzieren wurde hingegen global angeleitet, d. h. Proband*innen sollten die Position eines unbeteiligten Beobachters einnehmen, wodurch eine Bedeutungsänderung über verschiedene Bildinhalte hinweg möglich ist und eine genauere Auseinandersetzung mit dem spezifischen Bildinhalt minimiert sein könnte. Zukünftige Studien könnten den Effekt der spe- zifischen bzw. globalen Instruktion systematisch untersuchen. Ob in diesem Zusammenhang unterschiedliche Aufmerksamkeitsprozesse beteiligt sind, könnte unter Hinzunahme anderer Parameter wie Eyetracking objektiv geprüft werden. Als Limitation der Studie ist die Zusammensetzung der Stichprobe als relativ jung und gebildet zu nennen, welche eine Generalisierung auf ein breites Altersspektrum sowie Bil- dungsniveau einschränkt. Neben den bereits genannten Limitationen (siehe 5.3 Diskussion; z. B. bzgl. Valenz- und Erregungsniveau-Ratings) ist auch das Laborsetting zu nennen, welches zwar zu einer hohen Standardisierung beiträgt, jedoch die Übertragbarkeit auf die alltägliche Emotionsregulation mit individuellen emotionalen Auslösern unterschiedlicher Natur ein- schränkt. Zukünftige Studien könnten daher individualisierte Stimuli nutzen, um die individu- elle Emotionsregulationsfähigkeit besser zu erfassen. Forschungsergebnisse geben Hinweise darauf, dass Personen auf elektrokortikaler Ebene (gemessen durch das LPP) stärker auf per- sönlich saliente Stimuli reagieren (Hajcak & Foti, 2020; Hajcak et al., 2010). Beispielsweise zeigten Personen mit der Diagnose einer Zwangsstörung eine erhöhte LPP-Amplitude auf mit ihrem Zwang assoziiertes verglichen mit aversivem Bildmaterial (Paul et al., 2016). Auch denk- bar wäre das Nutzen von mobilen Apps, die Personen z. B. nach Ansteigen physiologischer Parameter in Stresssituationen zur Situation und eingesetzter Emotionsregulationsstrategie be- fragen. Mobile EEG-Systeme würden außerdem die Untersuchung komplexerer Umweltinter- aktionen zulassen. Zusammenfassend zeigte sich der FEQ-GR als psychometrisch valides und reliables In- strument, um die FEE zu erfassen. Auch erwies sich das Emotionsregulationsparadigma als ein geeignetes Verfahren, Effekte der Neubewertung auf elektrokortikaler und subjektiver Ebene zu erfassen, wobei sich eine Beeinflussung durch habituelle ER auf die unmittelbare emotionale 20 Reaktivität zeigte. Die vorliegende Studie versucht unter Einbezug der habituellen Emotions- regulationsfähigkeit erste persönliche Einflussfaktoren von ER zu erfassen, die Untersuchung andere Einflussfaktoren wie z. B. die der FEE ist jedoch ausstehend. So liegt bisher weder in einer gesunden noch einer klinischen Stichprobe eine Studie zu unmittelbaren und überdauern- den Effekten der ER sowie deren elektrokortikalen Korrelaten in Zusammenhang mit der FEE im Erwachsenenalter vor. Aufgrund des Zusammenhanges beider Konstrukte mit psychischer Gesundheit stellen sie einen Ansatzpunkt für Präventionsprogramme dar (Ogbaselase et al., 2022; Speidel et al., 2020), welcher in zukünftigen Fragestellungen weiter erforscht werden könnte. Durch die vorliegende Dissertation wurden die Voraussetzungen geschaffen, diese an- schließenden Fragen tiefergehend zu beleuchten. Zusammenfassung Zur Überprüfung der psychometrischen Eigenschaften des FEQ-GR wurde zunächst in Fragestellung 1 die Faktorstruktur überprüft, wobei sich in Einklang mit einigen Befunden (Ba- ker & Crnic, 2005; Jones et al., 1998) eine 3-faktorielle Lösung bestätigte, nämlich positive, negativ-dominante sowie negativ-submissive FEE. Zusätzlich wurde die Konstruktvalidität an- hand von Fragebogen zu assoziierten und divergenten Komponenten überprüft, wie beispiels- weise des erinnerten elterlichen Erziehungsverhaltens oder der Schüchternheit. Auch die Relia- bilitätswerte gemessen anhand der internalen Konsistenz zeigten sich als zufriedenstellend bis sehr gut. Insgesamt ist der FEQ-GR als ein psychometrisch solides Instrument zur Erfassung der FEE während der Zeit des Aufwachsens zu beurteilen. Bei der Untersuchung der unmittelbaren Wirkung der Neubewertungstaktiken Reinterpre- tation und Distanzieren zeigte sich in Fragestellung 2, dass Versuchspersonen darin erfolgreich waren, ihre negativen Gefühle durch beide Taktiken zu verringern. Reinterpretation führte da- bei zu einer stärkeren Reduktion. Auch resultierte der Einsatz der beiden Taktiken in eine Ver- ringerung des LPP (verglichen mit dem Betrachten aversiver Bilder). Bei erneutem Betrachten der Bilder nach einer halben Stunde zeigte sich ein überdauernder Effekt auf subjektiver Ebene, nicht jedoch auf elektrokortikaler. Während der aktiven Emotionsregulationsphase war eine höhere habituelle Neubewertung mit höherer emotionaler Reaktivität in der P300 und dem frü- hen LPP verbunden. Dieser Befund wurde vor dem Hintergrund diskutiert, dass Individuen, die habituell häufiger Neubewertung anwenden, möglicherweise eine höhere Regulationsbereit- schaft aufweisen. 21 7. Literaturverzeichnis Abler, B., & Kessler, H. (2009). Emotion Regulation Questionnaire - Eine deutschsprachige Fassung des ERQ von Gross und John. Diagnostica, 55(3), 144–152. https://doi.org/10.1026/0012-1924.55.3.144 Aldao, A., & Nolen-Hoeksema, S. (2012). When are adaptive strategies most predictive of psychopathology? Journal of Abnormal Psychology, 121(1), 276–281. https://doi.org/10.1037/a0023598 American Psychiatric Association. (2018). 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Factor structure and psychometric properties of the German version of the family expressiveness ques- tionnaire (FEQ-GR). Psychological Test Adaptation and Development, 2(1), 111–123. https://doi.org/10.1027/2698-1866/a000015 Zehtner, R. I., Neudert, M. K., Schäfer, A., Fricke, S., Seinsche, R. J., Stark, R., & Her- mann, A. (2023). Weathering the storm of emotions: Immediate and lasting effects of reinterpretation and distancing on event-related potentials and their association with habitual use of cognitive reappraisal. Cognitive, Affective & Behavioral Neuroscience, 23(4), 1113–1128. https://doi.org/10.3758/s13415-023-01105-4 Ziegler, M., & Bensch, D. (2013). Lost in translation: Thoughts regarding the translation of existing psychological measures into other languages. European Journal of Psycholo- gical Assessment, 29(2), 81–83. https://doi.org/10.1027/1015-5759/a000167 29 8. Anhang Abbildung A1. Dreigliedriges Modell des familiären Einflusses auf die kindliche Emotionsregulierung und Anpassung (übersetzt nach Morris et al., 2007) 9. Liste aller Publikationen Artikel, Erstautorenschaften Zehtner, R. I., Baeurle, C. L., Walter, B., Stark, R., & Hermann, A. (2021). Factor structure and psychometric properties of the German version of the Family Expressiveness Ques- tionnaire (FEQ-GR). Psychological Test Adaptation and Development, 2(1), 111–123. https://doi.org/10.1027/2698-1866/a000015 Zehtner, R. I., Neudert, M. K., Schäfer, A., Fricke, S., Seinsche, R. J., Stark, R., & Hermann, A. (2023). Weathering the storm of emotions: Immediate and lasting effects of reinter- pretation and distancing on event-related potentials and their association with habitual use of cognitive reappraisal. Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience, 23(4), 1113–1128. https://doi.org/10.3758/s13415-023-01105-4 Artikel, Co-Autorenschaften Fricke, S., Seinsche, R. J., Neudert, M. K., Schäfer, A., Zehtner, R. I., Stark, R., & Hermann, A. (2023). Neural correlates of context-dependent extinction recall in social anxiety disorder: Relevance of intrusions in response to aversive social experiences. Psycho- logical Medicine, 1–10. https://doi.org/10.1017/S0033291723002179 Hermann, A., Neudert, M. K., Schäfer, A., Zehtner, R. I., Fricke, S., Seinsche, R. J., & Stark, R. (2021). Lasting effects of cognitive emotion regulation: Neural correlates of reinter- pretation and distancing. Social cognitive and affective neuroscience, 16(3), 268–279. https://doi.org/10.1093/scan/nsaa159 30 Neudert, M. K., Schäfer, A., Zehtner, R. I., Fricke, S., Seinsche, R. J., Kruse, O., ... & Her- mann, A. (2023). Behavioral pattern separation is associated with neural and electroder- mal correlates of context-dependent fear conditioning. Scientific Reports, 13(1), 5577. https://doi.org/10.1038/s41598-023-31504-z Neudert, M. K., Schäfer, A., Zehtner, R. I., Fricke, S., Seinsche, R. J., Stark, R., & Hermann, A. (2023). Decontextualized fear memories? Stronger conditioned fear responses during extinction learning and extinction recall in a safe context predict the development of long-term analog intrusions. Psychological Medicine, 1–10. https://doi.org/10.1017/S0033291723001125 Seinsche, R. J., Walter, B., Fricke, S., Neudert, M. K., Zehtner, R. I., Stark, R., & Hermann, A. (2022). Social phobic beliefs mediate the relationship between post-event processing regarding the worst socially aversive experience and fear of negative evaluation. Cur- rent Psychology, 1–10. https://doi.org/10.1007/s12144-022-02805-9 Seinsche, R., Fricke, S., Neudert, M. K., Zehtner, R. I., Walter, B., Stark, R. & Hermann, A. (2023). Memory representation of aversive social experiences in Social Anxiety Disor- der. Journal of Anxiety Disorders, 102669. https://doi.org/10.1016/j.janxdis.2023.102669 Seinsche, R. J., Fricke, S., Schäfer, A., Neudert, M. K., Zehtner, R. 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Ich ver- sichere, dass Dritte von mir weder unmittelbar noch mittelbar geldwerte Leistungen für Arbei- ten erhalten haben, die im Zusammenhang mit dem Inhalt der vorgelegten Dissertation stehen, und dass die vorgelegte Arbeit weder im Inland noch im Ausland in gleicher oder ähnlicher Form einer anderen Prüfungsbehörde zum Zweck einer Promotion oder eines anderen Prü- fungsverfahrens vorgelegt wurde. Alles aus anderen Quellen und von anderen Personen über- nommene Material, das in der Arbeit verwendet wurde oder auf das direkt Bezug genommen wird, wurde als solches kenntlich gemacht. Insbesondere wurden alle Personen genannt, die direkt und indirekt an der Entstehung der vorliegenden Arbeit beteiligt waren. Mit der Über- prüfung meiner Arbeit durch eine Plagiatserkennungssoftware bzw. ein internetbasiertes Soft- wareprogramm erkläre ich mich einverstanden.“ Gießen, den _____________________________________ 32 Danksagung Hiermit möchte ich mich herzlich bedanken bei … … PD Dr. Andrea Hermann für die Betreuung meiner Promotion, ihre Ansprechbarkeit in wirk- lich jeder Lebenslage, die vielen konstruktiven und wertvollen Gespräche und Rückmeldungen zu Problemen rund um die Studien, ihre uneingeschränkte Unterstützung, die Freiheit eigene Ideen umsetzen zu dürfen und ihre wertschätzende Art. … Prof. Dr. Rudolf Stark für die Möglichkeit in der Abteilung promovieren zu dürfen, für sein entgegengebrachtes Vertrauen in meine Arbeit und die anhaltende Unterstützung trotz der viele „Rückschläge“ im Labor sowie für sein hilfreiches Feedback sei es in Meetings oder beim Kommentieren der Artikel. … meinen Kolleg*innen in der Abteilung sowie der Ambulanz für ihre Unterstützung und den hilfreichen Austausch z. B. bei Mensaessen oder Spaziergängen, für jede Menge Spaß bei Dok- torand*innentreffen, Sommer-/Weihnachtsfeiern, Abteilungsessen, für das gemeinsame Über- brücken des Hackerangriffes und des Lockdowns durch Online-Meetings, -Kaffeepausen und -Spieleabende. Insbesondere möchte ich mich bei den Kollegen Dr. Axel Schäfer, Dr. Bertram Walter, Dr. Helge Gebhardt, Dr. Carlo Blecker und Dr. Ulrich Ott für die statistische Hilfe bei Auswertung und Fragen sowie Unterstützung rund um das Labor bedanken. Außerdem gilt ein großer Dank meinen Kolleg*innen der Arbeitsgruppe Marie Neudert, Susanne Fricke, Rosa Seinsche, Sebastian Palmer, Johanna Jengert-Stahl und Ann-Kathrin Noll für die vertrauens- volle und motivierende Zusammenarbeit, Spaß und Unterstützung bei Konferenzen sowie die hilfreichen Kommentare beim Korrekturlesen der Artikel. Auch herzlich danken möchte ich meinen „3L“-Bürokolleginnen in der Ambulanz Lena Krüger und Franziska Zinßer für ihre emotionale Unterstützung, ihr offenes Ohr und den sportlichen Ausgleich zur Arbeit. … Prof. Dr. Daniela Mier für die Begutachtung meines Kumulus und allen Personen der Prü- fungskommission für ihre aufgebrachte Mühe und Zeit. … Malte, der mir nicht nur tatkräftig zur Seite stand, etwa beim Waschschrank bauen in der Ambulanz, durch das Übernehmen des Essenkochens in stressigen Zeiten oder Tips beim Lay- outen von Postern, sondern der mir vor allem auch eine wertvolle emotionale Stütze war. … meiner Familie für ihre Unterstützung, ihren Glauben in mich und ihren Zuspruch, für das „Rundum-Sorglos-Paket“ bei Home-Office Tagen in Oberbayern. … allen Proband*innen, studentischen Hilfskräften und Praktikant*innen, die die Durch- führung der Studien ermöglicht haben. Original Article Factor Structure and Psychometric Properties of the German Version of the Family Expressiveness Questionnaire (FEQ-GR) Raphaela I. Zehtner1,2, Cosima L. Baeurle1,2, Bertram Walter1,2,3, Rudolf Stark1,2,3, and Andrea Hermann1,2,3 1Department of Psychotherapy and Systems Neuroscience, Justus Liebig University, Giessen, Germany 2Bender Institute of Neuroimaging, Justus Liebig University, Giessen, Germany 3Center for Mind, Brain and Behavior, Phillips University Marburg and Justus Liebig University, Giessen, Germany Abstract.Background: This study aimed to develop a German version of the Family Expressiveness Questionnaire (FEQ; Halberstadt, 1983, 1986), which investigates emotional expressiveness within the family context while growing up. While a theoretically derived four-factor structure was postulated, 2- and 3-scale versions have been applied in research.Methods: In Study 1 (N = 650), these existingmodels were tested against each other. A confirmatory factor analysis was conducted for the solution that best fitted the data with half of the sample, and results were cross- validated in the other half. Construct validation was investigated in Study 2 (N = 225). Results: An acceptable model fit for a three-factor solution was attained in Study 1. In Study 2, correlation patterns indicated a good convergent and discriminant validity. Reliability estimates in both studies were in an acceptable to excellent range. Conclusion: Findings suggest that the FEQ German version is a psychometrically sound instrument for assessing expressiveness within the family. Keywords: family expressiveness, assessment, factor structure, validation The family provides an important source in which children learn about emotions such as understanding, expressing, experiencing, and regulating them (Halberstadt et al., 1995; Petermann & Wiedebusch, 2016). This process is often referred to as emotional socialization (Eisenberg et al., 1998). An important factor of it is family expres- siveness. According to Halberstadt et al. (1995), family expressiveness refers to a persistent pattern in “exhibiting nonverbal and verbal expressions” (p. 93) within the family context. These expressions are mostly emotionally charged and assessed in terms of frequency of occurrence (Halberstadt et al., 1995). It is noteworthy that family expressiveness contributes to children’s development in many ways as it is linked to the individuals’ emotional experiences (Dunn & Brown, 1994; Nelson et al., 2012), self-expressiveness (Eisenberg et al., 2003; Halberstadt & Eaton, 2014; Halberstadt et al., 1999), emotion regulation (Are & Shaffer, 2016; Gao & Han, 2016; Liew et al., 2011; Morris et al., 2007; Ramsden & Hubbard, 2002), social functioning and competence (Cumberland-Li et al., 2003), and peer relations (Cassidy et al., 1992), as well as to self- esteem (Halberstadt et al., 1999). Even though children become more and more influenced by their peer social environment while growing up (Morris et al., 2007), effects of family expressiveness seem to persist from childhood throughout adulthood (Halberstadt et al., 1995, 1999). The extent to which emotions are expressed is highly cultural dependent (Are & Shaffer, 2016; Consedine & Magai, 2002) and so is family expressiveness. While individuals from collectivistic cultures tend to suppress their expres- sions, to avoid showing strong positive or negative emo- tions (Morelen et al., 2013; Wu & Chao, 2016), individuals from individualistic cultures emphasize the importance of individual emotional experiences as well as their expres- sion (Gao & Han, 2016; Halberstadt & Lozada, 2011; Ramzan & Amjad,