Aus dem Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus Liebig Universität Gießen Sekretomanalyse von Pleurotus sapidus zum effizienten Aufschluss von Lignocellulosen Dissertation zur Erlangung des naturwissenschaftlichen Doktorgrades - Dr. rer. nat. - im Fachbereich Biologie und Chemie der Justus-Liebig-Universität Gießen vorgelegt von Dipl.-Ing. (FH) Ina Schüttmann Gießen, 2011 1. Gutachter: Prof. Dr. H. Zorn 2. Gutachter: Prof. Dr. S. Schnell Prüfer: Prof. Dr. A. M. Pingoud Prüfer: Prof. Dr. S. Schindler Ich erkläre hiermit: Ich habe die vorgelegte Dissertation selbständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe und nur mit den Hilfen angefertigt, die ich in der Dissertation angegeben habe. Alle Textstellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten Schriften entnommen sind, und alle Angaben, die auf mündlichen Auskünften beruhen, sind als solche kenntlich gemacht. Bei den von mir durchgeführten und in der Dissertation erwähnten Untersuchungen habe ich die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis, wie sie in der „Satzung der Justus- Liebig-Universität Gießen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ niedergelegt sind, eingehalten. Ina Schüttmann Danksagung Die vorliegende Arbeit wurde in der Zeit von Oktober 2007 bis November 2008 bei der AG Technische Biochemie der Universität Dortmund und in der Zeit von November 2008 bis August 2011 am Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Justus Liebig Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Zorn angefertigt. Meinem Doktorvater Prof. Dr. Holger Zorn danke ich recht herzlich für die Möglichkeit der Promotion und die wissenschaftliche Betreuung dieser Arbeit. Die stete Diskussionsbereitschaft, der gewährte Freiraum zur Bearbeitung des Themas und die hervorragenden Arbeitsbedingungen am Institut haben mir bei der Bewältigung der Arbeit sehr geholfen. An alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arbeitsgruppe Technische Biochemie der Universität Dortmund und des Instituts für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie der Universität Giessen: Ich danke Euch für die gute Zusammenarbeit, das freundschaftliche Verhältnis und die Unterstützung für die Bewältigung der verschiedensten Aufgaben. Ebenso bedanke ich mich bei unseren Projektpartnern Artes® Biotechnology GmbH, Langenfeld für die Produktion der Hansenula polymorpha Stämme und Protagen® AG, Dortmund für die 2D-Analysen und die Proteinidentifizierungen. Dem Analytischen Service des biochemischen Instituts der Justus-Liebig Universität danke ich für die Erstellung der Edmann-Sequenz und der Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die finanzielle Förderung (AZ 13199 und 13211). Bei meiner Familie möchte ich mich ganz herzlich für ihre Liebe und die mir immer gewährte Unterstützung bedanken. Zusammenfassung Mit einer polyvalenten Peroxidase wurde ein Schlüsselenzym des Lignocelluloseabbaus aus Kulturen des Basidiomyceten Pleurotus sapidus chromatographisch gereinigt. Nach einer dreistufigen Reinigung wurde das Enzym mit einem Reinigungsfaktor von 130 aus dem Überstand einer Submerskultur isoliert. Die Aktivitätsoptima wurden für die Substrate β,β-Carotin, ABTS, Syringol und Veratrylalkohol ebenso bestimmt wie die Wechselzahlen und katalytischen Konstanten. In Zusammenarbeit mit der Firma Artes Biotechnology GmbH wurde ein Hansenula polymorpha Stamm generiert, welcher die für die polyvalente Peroxidase aus Pleurotus sapidus kodierende cDNA enthielt. Das Enzym wurde heterolog exprimiert und die Aktivitätsoptima des rekombinanten Enzyms ermittelt. Anschließend wurde der Abbau der Substrate Rapsstroh und „Rückstand einer Biogasanlage“ durch den Basidiomyceten Pleurotus sapidus untersucht. Dazu wurde die Gesamtheit der sekretierten Enzyme (das Sekretom) von Pleurotus sapidus in Submers- und Emerskulturen analysiert. Photometrisch bestimmt wurden die Aktivitätsverläufe von Laccasen, Esterasen, Lipasen, Cellulasen, Xylanasen und Peroxidasen, insbesondere von Manganperoxidasen und polyvalenten Peroxidasen. Das Sekretom von Pleurotus sapidus wurde anschließend mittels zweidimensionaler Elektrophorese getrennt, massenspektrometrisch identifiziert und bioinformatisch ausgewertet. Verschiedene Substrate wurden mit gereinigten Enzympräparationen und Kulturüberständen von Pleurotus sapidus umgesetzt. Hierbei wurde die Umsetzung von Ligninmodellsubstanzen wie zum Beispiel Coniferyl- und Veratrylalkohol, aber auch von Lignin organosolv und feingemahlenem Rapsstroh durch die gereinigte polyvalente Peroxidase aus Pleurotus sapidus gezeigt. Ebenso wurde ein Umsatz von feingemahlenem Rapsstroh mit Pleurotus sapidus Submerskulturen nachgewiesen. Die Versuche wurden analytisch durch photometrische Bestimmungen (Glucose- und Phenolgehalt), Messung der Partikelgrößenverteilungen und HPLC-/HPSEC-Messungen ausgewertet. Schlagworte: Pleurotus sapidus, Lignocelluloseabbau, Sekretomanalytik, polyvalente Peroxidase, zellfreie Umsetzungen Abstract With a versatile peroxidase, a key enzyme of the degradation of lignocelluloses was purified by chromatographic methods from submers cultures of the basidiomycete Pleurotus sapidus. After three steps, the enzyme was isolated with a purification factor of 130. Optimal reaction conditions were determined together with turnover numbers and product formation rates for the substrates: β,β- carotene, ABTS, syringol, and veratryl alcohol. In cooperation with Artes® Biotochnology, a Hansenula polymorpha strain was generated containing the cDNA encoding the versatile peroxidase of Pleurotus sapidus. The enzyme was expressed heterologously, and pH and temperature optima were determined for the recombinant enzyme. The degradation of the lignocelluloses rape straw and residues from a biogas plant by Pleurotus sapidus were studied. Therefore, the entirety of enzymes (“the secretome“) secreted by Pleurotus sapidus in submerged and surface cultures were analysed. The activities of laccases, esterases, lipases, cellulases, xylanases, and peroxidases, in particular manganese peroxidases and versatile peroxidases were calculated by photometric assays. The secretome of Pleurotus sapidus was separated by two-dimensional electrophoresis and identified by mass spectrometry. A bioinformatic analysis of the data was performed. In-vitro digestions of various substrates were carried out with the isolated versatile peroxidase and culture supernatants of Pleurotus sapidus. The conversion of various low molecular weight lignin model substances like coniferyl alcohol or veratryl alcohol, finely ground rape straw and lignin organosolv were investigated. The conversion of finely ground rape straw was demonstrated with submerged cultures of Pleurotus sapidus. The product analysis was performed by photometric assays, determination of particle size distribution, and HPLC- /HPSEC analysis. Keywords: Pleurotus sapidus, degradation of lignocellulose, secretome analysis, versatile peroxidase, in-vitro digestion Abkürzungsverzeichnis % (v/v) Volumenprozent % (w/v) Gewichtsprozent 2D zweidimensional ABTS 2,2´-Azino-di-(3-ethylbenzthiazolin)-6-sulfonsäure AEBSF 4-(2-Aminoethyl)-benzensulfonylfluorid APS Ammoniumpersulfat ATP Adenosintriphosphat BLAST Basic Local Alignment Search Tool BSA Rinderserumalbumin BTX Stoffgemisch: Benzol, Toluol, Xylol bzw Beziehungsweise CBB – G250 CoomassieBrilliant Blau G250 cDNA komplementäre DNA CHAPS 3-[(3-Cholamidopropyl)dimethylamino]-1-propansulfonathydrat d Durchmesser DAD Diode Array Detection DEAE Diethylaminoethyl DNS Desoxyribonukleinsäure DSMZ Deutsche Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen DTT 1,4-Dithiothreitol DyP Dyedecoulorising Peroxidase ΔE Extinktionsdifferenz εx nm Extinktionskoeffizient bei der Wellenlänge x nm E64 trans-Epoxysucciny-L-leucyl-amido(4-guanidino)-butan EC Enzymkomission EDTA Ethylendiamintetraessigsäure eV Elektronenvolt F Verdünnungsfaktor FAD Flavin-Adenin-Dinukleotid FE Flächeneinheit FPLC Fast Protein Liquid Chromatography g Erdbeschleunigung GC Gaschromatographie GFC Gelfiltrationschromatographie h Stunde H6 sechs Histidinreste ha Hektar [Flächeneinhait] HIC hydrophobe Interaktionschromatographie HMF Hydroxymethylfurfural HPLC Hochleistungsflüssigkeitschromatographie HPSEC High-performance sizeexclusionchromatography ID Innendurchmesser IEF Isoelektrische Fokussierung IEX Ionenaustauschchromatographie IPG Immobilisierter pH-Gradient kDa Kilodalton kPa Kilopascal kVh Kilovoltstunden λ Wellenlänge [nm] L Liter LC Liquid Chromatography LIFT® Beschleunigungsmodul in der TOF-Detektion http://guiltinanlab.cas.psu.edu/Publications/SBE/Yao-FACE2005.pdf LRET Long rangeelectrontransfer M Molar mA Milliampere MALDI Matrix-unterstützte Laser-Desorption/Ionisation min Minute Mio. Million Mox oxidiertes Methionin mRNA Messenger Ribonukleinsäure MS/MS Massenspektrometrie-Kopplung MW Molekulargewicht NADP Nicotinamid-adenin-dinukleotid-phosphat NCBI National Center for Biotechnology Information NEB New England Biolabs NIST National Institute of Standards and Technology nor. Spotvolumen normalisiertes Spotvolumen o- ortho- Ω Wiederstand p- para- p.a. pro analysi [für analytische Zwecke] PEG2000 Polyethylenglycol 2000 PFAM Protein Families Datenbank PFF Peptid-Fragmentierungs-Fingerabdruckspektrum pI isoelektrischer Punkt PMF Peptid-Massen-Fingerabdruckspektrum PMSF Phenylmethylsulfonylfluorid pNPP para-Nitrophenolpalmitat PVDF Polyvinylidenfluorid ρ Dichte RNA Ribonukleinsäure RP reversephase [Umkehrphase] rpm Umdrehungen pro Minute RT-PCR Real-time Polymerasekettenreaktion S Leitfähigkeit [Siemens] SDS-PAGE Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gelelektrophorese SNL Standardnährlösung sp. Spezies TCA Trichloressigsäure TEMED Tetramethylethylendiamin TOF Time-of-flight Detektion TRIS Tris(hydroxymethyl)-aminomethan U Unit UF Ultrafiltration UV Ultraviolett V Volt VIS Visible : sichtbares Licht VP polyvalente Peroxidase VProbe/Kulturüberstand Volumen der Probe bzw. Kulturüberstand W Watt wt Wildtyp YNB Yeast Nitrogen Based YP Yeast Peptone Die Aminosäuren wurden nach dem internationalen Ein- beziehungsweise Drei- Buchstabencode abgekürzt. Die Zahl an der Bezeichnung kennzeichnet die Position der Aminosäure im Protein. Die Bezeichnungen der Mikroorganismen wurden nach dem Species 2000 & ITIS Catalogue of Life: 2011 Annual Checklist benannt (Bisby et al. 2011). www.catalogueoflife.org/annual-checklist/2011/. Zugriff: 30. Juni 2011 S e i t e | 1 1 Einleitung .................................................................................... 5 1.1 Hintergrund .............................................................................................. 5 1.2 Zielsetzung ............................................................................................ 11 2 Ergebnisse ................................................................................ 12 2.1 Polyvalente Peroxidase ......................................................................... 12 2.1.1 Wildtypenzym aus Pleurotus sapidus .............................................. 12 2.1.1.1 Induktion der polyvalenten Peroxidase ..................................... 12 2.1.1.2 Reinigung einer polyvalenten Peroxidase ................................. 13 2.1.1.3 Biochemische Charakterisierung .............................................. 20 2.1.1.4 Zellfreie Umsetzungen von Substraten ..................................... 25 2.1.2 Rekombinantes Enzym aus Hansenula polymorpha ....................... 30 2.1.2.1 Expression der polyvalenten Peroxidase .................................. 31 2.1.2.2 Biochemische Charakterisierung .............................................. 31 2.2 Sekretomanalyse von Pleurotus sapidus ............................................... 35 2.2.1 Erfassung von Enzymaktivitäten als Summenparameter ................ 35 2.2.1.1 Anwendbarkeit der kombinierten Laccase/Peroxidasemessung mittels ABTS ............................................................................. 35 2.2.1.2 Oberflächenkulturen auf dem Rückstand einer Biogasanlage .. 40 2.2.1.3 Oberflächenkulturen auf Rapsstroh .......................................... 46 2.2.1.4 Submerskulturen mit dem Rückstand einer Biogasanlage ....... 52 2.2.1.5 Submerskulturen mit Rapsstroh ................................................ 58 2.2.1.6 Zellfreie Umsetzung von Rapsstroh .......................................... 63 2.2.2 Zweidimensionale elektrophoretische Analyse des Sekretoms ....... 67 2.2.2.1 Optimierung der Probenvorbereitung und Visualisierung von Proteinmustern ......................................................................... 67 2.2.2.2 Übersichtsanalyse von Oberflächenkulturen auf Rapsstroh ..... 71 2.2.2.3 Übersichtsanalyse von Submerskulturen mit Rapsstroh ........... 72 2.2.2.4 Kinetische Analyse von Submerskulturen mit Rapsstroh .......... 78 3 Diskussion ................................................................................ 98 3.1 Polyvalente Peroxidase ....................................................................... 101 3.1.1 Wildtypenzym aus Pleurotus sapidus ............................................ 102 3.1.2 Charakterisierung der Enzympräparation ...................................... 102 3.1.3 Zellfreie Umsetzungen von Substraten mit dem Wildtypenzym .... 108 S e i t e | 2 3.1.4 Heterologe polyvalente Peroxidase aus Hansenula polymorpha .. 109 3.2 Sekretomanalyse von Pleurotus sapidus ............................................. 111 3.2.1 Erfassung von Enzymaktivitäten als Summenparameter............... 111 3.2.1 Zellfreie Umsetzungen von Substraten .......................................... 125 3.2.2 Zweidimensionale elektrophoretische Analyse des Sekretoms ..... 126 3.2.3 Kinetische Analyse von Submerskulturen mit Rapsstroh............... 128 3.3 Fazit und Ausblick ................................................................................ 133 4 Experimenteller Teil ............................................................... 135 4.1 Verwendete Mikroorganismen .............................................................. 135 4.2 Verwendete Geräte .............................................................................. 135 4.3 Verwendete Chemikalien ..................................................................... 136 4.4 Verwendete Ultrafiltrationseinheiten ..................................................... 139 4.5 Verwendete Gase für die Gaschromatographie ................................... 139 4.6 Mikrobiologie ........................................................................................ 139 4.6.1 Kultivierung von Basidiomyceten ................................................... 139 4.6.1.1 Standardnährlösung-(SNL)-Medium ....................................... 139 4.6.1.2 Hauptkulturmedium ................................................................. 140 4.6.1.3 Spurenelementlösung ............................................................. 140 4.6.1.4 Extraktionspuffer ..................................................................... 140 4.6.1.5 Peptidaseinhibitor.................................................................... 140 4.6.1.6 Stammhaltung ......................................................................... 140 4.6.1.7 Vorkultur .................................................................................. 141 4.6.1.8 Submerskultur (Hauptkultur) ................................................... 141 4.6.1.9 Submerskultur (Volumenvergrößerung) .................................. 141 4.6.1.10 Ernte der Submerskulturen..................................................... 141 4.6.1.11 Emerskultur (Hauptkultur)....................................................... 141 4.6.1.12 Ernte der Emerskulturen ........................................................ 142 4.6.2 Kultivierung von Hansenula polymorpha ....................................... 142 4.6.2.1 Wachstumsmedium (YNB-Medium) ........................................ 142 4.6.2.2 Stammhaltung ......................................................................... 142 4.6.2.3 Vorkultur .................................................................................. 142 4.6.2.4 Hauptkultur .............................................................................. 143 4.6.2.5 Ernte der Submerskulturen ..................................................... 143 S e i t e | 3 4.7 Proteinanalytik ..................................................................................... 143 4.7.1 Enzymaktivitäten ........................................................................... 143 4.7.1.1 ABTS -Assay – Bestimmung von Laccase- und Peroxidaseaktivität .................................................................. 144 4.7.1.2 Manganperoxidase-Aktivität.................................................... 145 4.7.1.3 β,β-Carotin-Assay ................................................................... 146 4.7.1.4 Esterase-Aktivität .................................................................... 147 4.7.1.5 Peptidase-Aktivität .................................................................. 148 4.7.1.6 Cellulase-Aktivität ................................................................... 149 4.7.1.7 Xylanase-Aktivität ................................................................... 149 4.7.1.8 Lipase-Aktivität ....................................................................... 150 4.7.1.9 Phenolgehalt ........................................................................... 151 4.7.1.10 Wasserstoffperoxidgehalt ....................................................... 151 4.7.1.11 Proteingehalt .......................................................................... 152 4.7.1.12 Glucosegehalt ........................................................................ 152 4.7.2 SDS-Polyacrylamid-Gelelktrophorese (SDS-PAGE) ..................... 153 4.7.3 Western Blot .................................................................................. 156 4.7.4 Isoelektrische Fokussierung (IEF) ................................................. 156 4.7.5 Zweidimensionale Elektrophorese................................................. 157 4.7.5.1 Fällung mit Trichloressigsäure ................................................ 157 4.7.5.2 Probenaufarbeitung für die zweidimensionale Elektrophorese 157 4.7.5.3 verwendete Stammlösungen .................................................. 158 4.7.5.4 Erste Dimension: Isoelektrische Fokussierung mit immobilisierten pH-Gradienten ............................................... 160 4.7.5.5 Zweite Dimension: SDS-Gelelektrophorese............................ 161 4.7.6 Färbungen für elektrophoretische Methoden ................................. 162 4.7.6.1 Färbung mit colloidalem Coomassie Brilliant Blau (CBB) ....... 162 4.7.6.2 Silberfärbung .......................................................................... 163 4.7.7 Biochemische Charakterisierung der gereinigten/ heterolog exprimierten polyvalenten Peroxidase ........................................... 164 4.7.7.1 Bestimmung des Molekulargewichts ....................................... 164 4.7.7.2 Bestimmung der optimalen Reaktionsbedingungen ................ 164 4.7.7.3 Bestimmung der kinetischen Konstanten Km und kcat ............. 164 S e i t e | 4 4.8 Chromatographie ................................................................................. 165 4.8.1 Fast Protein Liquid Chromatographie (FPLC) ................................ 165 4.8.1.1 Hydrophobe Interaktionschromatographie (HIC) ..................... 165 4.8.1.2 Ionenaustauschchromatographie (IEX) ................................... 166 4.8.1.3 Gelfiltrationschromatographie (GFC) ...................................... 167 4.8.2 Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) ....................... 168 4.8.2.1 HPLC Analytik mit einer Umkehrphasen-Säule ....................... 168 4.8.2.2 HPLC Analytik zur Molekulargewichtsverteilung mit einer linearen Säule (HPSEC) ......................................................... 168 4.8.3 Gaschromatographie (GC) ............................................................ 168 4.8.3.1 Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektor (GC-FID) . ................................................................................................ 168 4.8.3.2 Gaschromatographie mit massenspektrometrischem Detektor (GC-MS) .................................................................................. 169 4.9 Zellfreie (in-vitro) Umsetzungen ........................................................... 169 4.9.1 In-vitro Umsetzungen mit der gereinigten Enzympräparation aus Pleurotus sapidus .......................................................................... 169 4.9.1.1 Modellsubstrate ....................................................................... 169 4.9.1.2 Lignin organosolv .................................................................... 169 4.9.2 In-vitro Umsetzungen mit Überständen von Pleurotus sapidus Submerskulturen ........................................................................... 170 4.9.2.1 Stroh ....................................................................................... 170 4.9.3 Probenvorbereitung für die HPLC .................................................. 171 4.9.4 Probenvorbereitung für die HPSEC ............................................... 171 4.9.5 Probenvorbereitung für die GC-FID / GC-MS ................................ 171 5 Literaturverzeichnis ............................................................... 172 6 Anhang ................................................................................... 191 6.1 Massenspektrometrische Identifizierung der gereinigten polyvalenten Peroxidase ........................................................................................... 191 6.2 Heterologe polyvalente Peroxidase aus Hansenula polymorpha ......... 193 6.3 Peptiddaten der Übersichtsanalyse ...................................................... 194 6.4 Peptiddaten der kinetischen Sekretomanalyse .................................... 200 S e i t e | 5 1 Einleitung 1.1 Hintergrund Bereits 1902 entstand die Idee, Weißfäulepilze zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit von pflanzlichen Abfällen einzusetzen (Falck 1902). Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Forschungsarbeiten am Abbau von pflanzlichem Material durch Mikroorganismen intensiviert. Die Arbeiten wurden auf mögliche Anwendung lignolytischer Systeme in der Papierindustrie, zur Gewinnung nützlicher Produkte und in der Abfallaufbereitung fokussiert. Heute bezeichnet man pflanzliches Material als nachwachsende Rohstoffe. Diese besitzen ein großes energetisches und chemisches Potential. Die Hauptkomponenten pflanzlichen Materials sind Cellulose, Hemicellulose und Lignin, das zweithäufigste Biopolymer der Erde. Das Makromolekül Lignin ist aus den aromatischen Grundeinheiten Coniferyl-, Sinapyl- und Cumarylalkohol (Sarkanen et al. 1971, Adler 1977) aufgebaut. Die Phenylpropangrundeinheiten, die teilweise am Phenylring methoxyliert und am Propanrest hydroxyliert sind, werden durch Ether- und C-C-Bindungen auf unterschiedliche Weise miteinander verknüpft. So entsteht ein komplexes dreidimensionales Netzwerk, in welchem Cellulose und Hemicellulose eingebunden sind. Zur Isolierung einzelner Bestandteile, Kohlenhydrate und aromatischer Verbindungen, muss das Lignocellulosegerüst aufgeschlossen werden. Das Netzwerk ist chemisch nur schwer angreifbar, benötigt werden hohe Temperaturen und hoher Druck (Ohgren et al. 2006, Ruiz et al. 2008) oder auch ein niedriger pH-Wert (Guo et al. 2008). Auch für einen Großteil der Mikroorganismen stellt das Lignocellulosenetzwerk ein großes Hindernis dar. Die effektivsten Lignocellulose-abbauenden Mikroorganismen finden sich unter den filamentösen Pilzen. Asco- und Basidiomyceten (Schlauch- und Ständerpilze) leben saprophytisch und beziehen den zum Wachstum benötigten Kohlenstoff aus ihrer Umgebung (Kendrick 2000). Sie sind neben den Bakterien die wichtigsten Destruenten der Lignocellulose und deshalb von fundamentaler Bedeutung für den Kohlenstoffkreislauf der Erde. Der Lignocelluloseabbau durch Mikroorganismen kann dabei in drei Gruppen eingeteilt werden (Huckfeldt et al. 2006). Bei der Moderfäule („soft rot“) wird das Holz oberflächlich durch Pilze, S e i t e | 6 überwiegend Ascomyceten und fungi imperfecti, angegriffen. Bei hoher Feuchtigkeit werden die Zellwände des Holzes abgebaut und somit dessen Festigkeit herabgesetzt (Daniel et al. 1992, Blanchette 1995). Bei der Braunfäule („brown rot“) bauen die Mikroorganismen vorwiegend Cellulose ab. Das verbleibende Lignin färbt das Holz schwarzbraun (Abbildung 1a) (Eriksson et al. 1990, Blanchette 1995). Bei der Weißfäule („white rot“) wird zunächst und überwiegend Lignin abgebaut und das Holz dadurch entfärbt (Abbildung 1a) (Eriksson et al. 1990, Blanchette 1995). Der biologische Ligninabbau verläuft in zwei Stufen: Bereits gelöste Ligninfragmente können von Bakterien, wie zum Beispiel durch Vertreter der Familie Streptomycetaceae (Crawford und Crawford 1980, Berrocal et al. 1997) oder Pseudomonadaceae (Zimmermann 1990) verwertet werden. Der direkte enzymatische Abbau des Holzes wird überwiegend von Weißfäulepilzen katalysiert. Einige wichtige Vertreter der Weißfäulepilze sind die Trameten aus der Familie der Porlingsartigen, die Seitlingsartigen (Pleurotaceae) (Abbildung 1b) und die Holzkeulenartigen (Xylariaceae) (Hlasek 2009) (Abbildung 1c). Abbildung 1: a: Holzstück mit der Braunfäule im oberen und der Weißfäule in unteren Bildteil (Rüpke und Fiedler 2010); b: Fruchtkörper des Weißfäulepilzes Pleurotus sapidus in einer Oberflächenkultur nach 8 Wochen, c: Fruchtkörper des Weißfäulepilzes Xylaria polymorpha (Hlasek 2009) Sie nutzen eine komplexe, einzigartige Ausstattung an extrazellulären Biokatalysatoren, Sekretom genannt, die ihnen den Aufschluss von lignifizierten Biopolymeren ermöglicht. Diese extrazellulären Enzyme lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst die Enzyme, welche die Kohlenhydrate Cellulose und Hemicellulose und das Lignin direkt umsetzen. Dazu gehören unter anderem Cellulasen und Xylanasen (Baldrian et al. 2005), Phenoloxidasen für den Ligninabbau und Dioxygenasen (Hofrichter und Ullrich 2006, Scheibner et al. 2008, Liers et al. 2010). Die Enzyme der zweiten Gruppe S e i t e | 7 katalysieren den Ligninabbau nur indirekt; dazu gehören Superoxid-Dismutasen (Gralla und Kosman 1992). In einer dritten Gruppe werden die Enzyme zusammengefasst, die unterschiedliche Metabolismen miteinander verknüpfen. Diese Gruppe enthält unter anderem Glyoxaloxidase, Arylalkoholoxidasen, Glucoseoxidasen, Pyranoseoxidasen und Cellobiosedehydrogenasen (Kersten et al. 1995, Varela et al. 2000, Zamocky et al. 2006). In vorangegangenen Arbeiten zum Holzabbau durch Basidiomyceten lag der Fokus vorwiegend auf der Charakterisierung der unmittelbar am Ligninabbau beteiligten Oxidoreduktasen und der Entschlüsselung der beteiligten Reaktionsmechanismen (Abbildung 2). Zahlreiche Manganperoxidasen, Ligninperoxidasen und Laccasen wurden biochemisch charakterisiert und ihre Sequenzen in Gendatenbanken hinterlegt (http://srs6.ebi.ac.uk/ 30.06.2011). Auch Peroxidasen vom Dye-Decoulorising-Typ (DyP) und polyvalente Peroxidasen wurden bislang für unterschiedliche Weißfäulepilze beschrieben (Hofrichter et al. 1999, Scheibner et al. 2008). Abbildung 2: Schematische Darstellung des Ligninkreislaufs in holzzersetzenden Basidiomyceten, modifiziert nach (Hofrichter et al. 2001b) Das Sekretom von Basidiomyceten enthält neben den typischen lignolytischen und Wasserstoffperoxid-produzierenden Enzymen auch zahlreiche Glycosidasen http://srs6.ebi.ac.uk/ S e i t e | 8 und Esterasen/Lipasen. Des Weiteren wurden unterschiedliche Peptidasen in Kulturen von Pleurotus sapidus (Zorn et al. 2005a), Pleurotus ostreatus (Faraco et al. 2005) und Phanerodontia chrysosporium (Wymelenberg et al. 2005) detektiert. Darüber hinaus wiesen Untersuchungen von Xylaria Spezies auf die Bildung spezieller Esterasen, die am Holzabbau beteiligt sind (Liers et al. 2006) hin. Zur Charakterisierung der Sekretome von Basidiomyceten sind umfangreiche Informationen über die Art, den Umfang, die Induktion und die kinetischen Parameter der beteiligten Enzyme notwendig. Diese Informationen sind am besten aus hochauflösenden zweidimensionalen Gelelektrophoresen und anschließender massenspektrometrischer Identifizierung der beteiligten Proteine zu gewinnen. Die zweidimensionale Gelelektrophorese kombiniert die Trennung von Proteinen nach ihrem isoelektrischem Punkt (erste Dimension) und nach ihrem Molekulargewicht (zweite Dimension). Dieses Trennverfahren für komplexe Proteingemische wurde von O´Farrell (1975) und Klose (1975) unabhängig voneinander entwickelt. Die heutige Technik erlaubt die Ausführung im Hochdurchsatzverfahren, bei dem bis zu 12 Proben gleichzeitig analysiert werden können. Moderne Auswertesoftware ermöglicht den quantitativen Vergleich einzelner Proteine untereinander oder die Auswertung kinetischer Parameter einzelner Proteine in komplexen Gemischen (Bandow et al. 2008). Unter statischen Bedingungen wurden Sekretome einzelner Basidiomyceten bereits untersucht. Von Phanerodontia chrysosporium wurden Sekretomanalysen auf Weichholz (21 Tage statischer Kultur, Ravalason et al. 2008), und auf Eichenholz (21 Tage statischer Kultur, Abbas et al. 2005) durchgeführt. Das Sekretom von Pleurotus sapidus wurde auf den Substraten Erdnussschalen und Glaswolle/Glucose (2 - 7 Tage, statisch-dynamische Kultur, Zorn et al. 2005b) untersucht. Die Entschlüsselung des extrazellulären Enzymsystems von holzzersetzenden Mikroorganismen soll zukünftig zu einer besseren stofflichen Nutzung des Rohstoffs Lignocellulose führen. Nach Schätzungen beträgt die jährliche globale Biomasseproduktion derzeit etwa 200 Milliarden Tonnen (Strasburger et al. 2002). Verholzte Pflanzen besitzen einen Anteil von 15 – 30% Lignin (50 - 60 S e i t e | 9 Milliarden Tonnen pro Jahr), sowie eine Anteil an aromatischen Strukturen von ca. 40% im Lignin. Bereits heute wird Lignin aus Nebenströmen der Industrie, wie zum Beispiel die „Schwarzlauge“ aus der Papierindustrie, als Energielieferant eingesetzt. Die Schwarzlauge besitzt einen hohen Heizwert, der den Bedarf einer Papierfabrik zu ~80% deckt (Kamm et al. 2006). Auch Lignosulfonate aus dem Sulfitverfahren werden bereits als Dispergier- und Bindemittel, zum Beispiel in Beton, Lacken oder Düngemitteln, eingesetzt. Genutzt werden hier die polyelektrolytischen Eigenschaften, die Adsorptionswirkung, die geringe Viskosität und die dunkle Farbe der Ligninsulfonate (Faix 1992). Lignin kann ebenfalls als Biowerkstoff eingesetzt werden. So besteht zum Beispiel ARBOFORM®, ein Biowerkstoff der Firma Tecnaro GmbH, hauptsächlich aus Lignin und Cellulose. Er ist thermoplastisch verformbar und kann mit etablierten Kunstoffverarbeitungsverfahren bearbeitet werden. Arboform® kann daher eine Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen aus der Petrochemie sein. Die zukünftigen Verwendungsmöglichkeiten des nachwachsenden Rohstoffs Lignocellulose lassen sich in drei Bereiche gliedern: Energie, Makromoleküle und Aromaten bzw. Feinchemikalien. Eine Bioraffinerie nach dem Prinzip der ganzheitlichen Nutzung von Biomasse (Abbildung 3) steht derzeit im Interesse der Forschung. Abbildung 3: schematische Darstellung einer Bioraffinerie, modifiziert nach (Holladay et al. 2007) S e i t e | 10 Ein Praxisbeispiel ist die Grüne-Bioraffinerie-Demonstrationsanlage in Utzenaich. In der 2009 in Betrieb gegangenen Anlage werden aus Grassilage Milchsäure und Aminosäuren gewonnen. In künftig entstehenden Bioraffinerien könnten aus dem nachwachsenden Rohstoff Lignocellulose Makromoleküle und Feinchemikalien entstehen (Abbildung 4, Holladay et al. 2007). Somit könnten Teile der petrochemischen Produkte ersetzt werden. Die dabei freigesetzten Kohlenhydrate könnten zudem große Mengen Biokraftstoffe liefern oder zur Papierherstellung genutzt werden. Abbildung 4: schematische Darstellung der Produktmöglichkeiten aus dem Rohstoff Lignin, modifiziert nach (Holladay et al. 2009) Wenn es in der Zukunft möglich wäre, einen Teil des Papierbedarfs aus strohähnlichen Materialien zu decken, könnten große Einsparungen beim Energie- und Prozesswasserverbrauch erzielt werden. Darüber hinaus könnte auf bis zu 40% der für die Bleichung notwenigen aggressiven Chemikalien (z. B. ClO2) verzichtet werden. aromatenreiche Pyrolyseöle gemischte organische/ Aromatische Säuren gemischte Phenole gemischte benzolische Aldehyde verschiedene Chinone kostengünstige Füllstoffe Kohlenstoff- Fasern Makromoleküle Polyurethane und hitzestabile Polyurethane thermoplastische Elastomere feste Copolymere Copolymere in Polyestern Copolymere mit HMF (hohe Festigkeit und Hitzestabilität) flüssiger Treibstoff (BTX Typ) S e i t e | 11 1.2 Zielsetzung In dieser Arbeit sollte ein Schlüsselenzym des Lignocelluloseabbaus, die polyvalente Peroxidase aus Pleurotus sapidus chromatographisch gereinigt und biochemisch charakterisiert werden. Das gereinigte Wildtypenzym und das in Hansenula polymorpha heterolog exprimierte Enzym sollten in zellfreien Umsetzungen von Ligninmodellsubstraten eingesetzt werden. In Erweiterung dieser Arbeiten sollte der Basidiomycet Pleurotus sapidus submers (Flüssigkultur) und emers (Oberflächenkultur) auf Rapsstroh kultiviert und die extrazellulären Enzymaktivitäten über den Kulturverlauf hinweg qualitativ und quantitativ erfasst werden. Als ein weiteres lignocellulosehaltiges Substrat sollte der Rückstand einer Biogasanlage eingesetzt werden. Die zeitaufgelöste Analyse umfasste photometrische Methoden und hochauflösende, zweidimensionale elektrophoretische Trennungen. Schlüsselenzyme aus dem Sekretom von Pleurotus sapidus sollten massenspektrometrisch identifiziert und die Kinetik der Enzymexpression bioinformatisch ausgewertet werden. Zellfreie Umsetzungen sollten mit den Überständen der Pleurotus sapidus Kulturen mit unterschiedlichen Ligninmodellsubstraten durchgeführt werden. S e i t e | 12 2 Ergebnisse 2.1 Polyvalente Peroxidase Für die zellfreie Umsetzung von Ligninmodellsubstraten und Lignocellulose wurde die Sekretion einer polyvalenten Peroxidase aus Pleurotus sapidus zunächst induziert. Das Wildtypenzym wurde chromatographisch gereinigt und biochemisch charakterisiert. 2.1.1 Wildtypenzym aus Pleurotus sapidus 2.1.1.1 Induktion der polyvalenten Peroxidase Zur Induktion der polyvalenten Peroxidase wurde der Basidiomycet Pleurotus sapidus submers in einem Minimalmedium (4.6.1.2), im 200 mL-Maßstab kultiviert. Als Kohlenstoffquelle wurden unterschiedliche lignin-haltige Substrate (20 g L-1) eingesetzt: Rapsstroh (Durchmesser 3 mm und ~15 mm), der Rückstand einer Biogasanlage, Kakaoschalen (ganz und gemörsert) und Lignin organosolv bei unterschiedlichen pH-Werten des Mediums (pH-Wert 6,0 und 8,0). Die Enzymaktivität wurde täglich bestimmt (4.7.1.3). Die Kombination aus Minimalmedium (4.6.1.2) und dem Rückstand einer Biogasanlage als Kohlenstoffquelle zeigte nach acht Kulturtagen die höchste Enzymaktivität mit 0,2 U mg-1 (Abbildung 5). S e i t e | 13 Abbildung 5: Vergleich der Aktivitäten der polyvalenten Peroxidase in Submerskulturen von Pleurotus sapidus auf unterschiedlichen Substraten; Kakaoschale 3 mm (schwarz), Rückstand Biogasanlage (schraffiert, absteigend), Lignin organosolv pH 6,0 (dunkelgrau), Lignin organosolv pH 8,0 (gepunktet), Rapsstroh 3 mm (grau), Rapsstroh 10-20 mm (schraffiert, aufsteigend), Rapsstroh 10-20 mm mit Hefeextrakt (hellgrau) und Rückstand Biogasanlage mit Hefeextrakt (gekreuzt) 2.1.1.2 Reinigung einer polyvalenten Peroxidase Die Reinigung erfolgte nach einer modifizierten Methode von Langhoff (2002). Die Kulturüberstände von Pleurotus sapidus wurden mittels Ultrafiltration (10 kDa Ausschluss, Macrosep®) um den Faktor 10 konzentriert und auf den Startpuffer (4.8.1.1 bis 4.8.1.3) der jeweiligen Reinigungsstufe umgepuffert. a) Hydrophobe Interaktionschromatographie Das Zielprotein wurde bei einem pH von 3,5 und einer Salzkonzentration von 1 mol L-1 Natriumchlorid an eine hochsubstituierte Phenyl-Sepharose-Matrix gebunden (4.8.1.1). Die Elution erfolgte mit einem Puffer abnehmender Ionenstärke. Die proteinhaltigen Fraktionen wurden auf ihre Aktivität hin untersucht. Aktivität wurde in den Fraktionen 35-37 detektiert (Abbildung 6). Bei einer Wiederfindung von 66% wurde ein Reinigungsfaktor von 10,8, bezogen auf die spezifische Aktivität, erzielt (Tabelle 1). 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 2 4 6 8 10 12 14 E nz ym ak tiv itä t [ U m g-1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 14 Abbildung 6: Hydrophobe Interaktionschromatographie an einer hochsubstituierten Phenyl- Sepharose-Matrix; blau: Extinktion (λ = 280 nm); rot: Leitfähigkeit [mS]; schwarz: Enzymaktivität [U L-1] gemessen mittels β,β-Carotin Assay Tabelle 1: Bilanzierung der Reinigung an einer Phenyl-Sepharose-Matrix mit einem Natriumchloridgradienten Aktivität [U L-1] Spezifische Aktivität [U mg-1] Gesamt- aktivität [mU] Wieder- findung [%] Reinigungs- faktor Kulturüberstand 0,2 ± 0,02 0,005 ± 0,0006 2 nach Konzentrierung 0,41 ± 0,03 0,012 ± 0,001 1,81 91 2,4 nach HIC 0,18 ± 0,02 0,054 ± 0,008 1,32 66 10,8 b) Ionenaustausch Chromatographie Für die Ionenaustauschchromatographie wurde ein schwacher Anionenaustauscher (DEAE Sepharose) eingesetzt. Das Zielprotein wurde bei einem pH-Wert von 4,5 an die Matrix gebunden und mit einem Shift zu pH 3,0 eluiert (4.8.1.2). Aktivität wurde in drei Fraktionen detektiert (Abbildung 7), 71% der eingesetzten Aktivität wurden von der Säule eluiert. 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 0,30 En zy m ak tiv itä t[ U L -1 ] Le itf äh ig ke it [m S] Ex tin kt io n [2 80 n m ] Elutionszeit [h:min:s] Fraktion: S e i t e | 15 Abbildung 7: Ionenaustauschromatographie an einem schwachen Anionentauscher (DEAE- Sepharose); blau: Extinktion (λ = 280 nm); schwarz: Enzymaktivität [U L-1] gemessen mittels β,β- Carotin Assay c) Gelfiltrationschromatographie Für die Gelfiltrationschromatographie (4.8.1.3) wurde eine analytische Sephadexsäule eingesetzt. Das Zielprotein wurde bei einem pH-Wert von 4,5 und Zusätzen an Eisen-, Mangan-, Zink- und Kupfersalzen zur Vermeidung von Aktivitätsverlusten eluiert. Aktivität wurde in insgesamt zwei Fraktionen detektiert (Abbildung 8). 72% der eingesetzten Gesamtaktivität wurden von der Säule eluiert. 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 En zy m ak tiv itä t[ U L -1 ] Elutionszeit [h:min:s] Ex tin kt io n [2 80 n m ] Elutionszeit [h:min:s] S e i t e | 16 Abbildung 8: Gelfiltrationschromatographie an einer analytische Sephadexsäule; blau: Extinktion (λ = 280 nm); schwarz: Enzymaktivität [U L-1] gemessen mittels β,β-Carotin Assay d) Kombinierte Reinigung Der Kulturüberstand von Pleurotus sapidus wurde mittels tagentialer Ultrafiltration konzentriert und die hydrophobe Interaktionschromatographie als ersten Reinigungsschritt genutzt. Die aktiven Fraktionen mehrerer Läufe wurden gepoolt und in der zweiten Reinigungsstufe (DEAE) eingesetzt. Die aktiven Fraktionen mehrerer Läufe wurden wiederum gepoolt, mittels Ultrafiltration (10 kDa Ausschluss, Macrosep®) konzentriert und der Gelfiltration zugeführt. Das erhaltene Enzympräparat besaß eine spezifische Aktivität von 1,3 U mg-1 und wurde mit einer Ausbeute von 12% aus Submerskulturen von Pleurotus sapidus gereinigt. Der Reinigungsfaktor betrug, bezogen auf die spezifische Aktivität, 130 (Tabelle 2). E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Fraktion: E xt in kt io n [2 80 n m ] 00:30:0000:00:00 01:00:00 0.0035 0.0005 0.0010 0.0015 0.0020 0.0025 0.0030 Elutionszeit [h:min:s] 01:30:00 0.0045 0.0040 1 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 105 110 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 1 4 7 10 13 16 19 22 25 28 31 34 37 40 43 46 49 52 55 58 61 64 67 70 73 76 79 82 85 88 91 94 97 10 0 10 3 10 6 10 9 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 1 4 7 10 13 16 19 22 25 28 31 34 37 40 43 46 49 52 55 58 61 64 67 70 73 76 79 82 85 88 91 94 97 10 0 10 3 10 6 10 9 S e i t e | 17 Tabelle 2: Bilanzierung der Reinigung einer polyvalenten Peroxidase aus Pleurotus sapidus Aktivität [U L-1] Spezifische Aktivität [U mg-1] Gesamt- aktivität [U] Ausbeute [%] Reinigungs- faktor vor Reinigung 2,3 ± 0,06 0,01 ± 0,001 8,50 ± 0,5 nach HIC 1,7 ± 0,01 0,04 ± 0,001 5,08 ± 0,06 60 4 nach DEAE 2,1 ± 0,05 0,27 ± 0,01 2,3 ± 0,03 28 27 nach Gelfiltration 1,0 ± 0,001 1,3 ± 0,001 1,0 ± 0,002 12 130 e) Charakterisierung der Enzympräparation Nach erfolgter chromatographischer Reinigung über drei Stufen wurde eine Trennung mittels SDS-PAGE (4.7.2) durchgeführt und mittels Colloidal Coomassie (4.7.6.1) gefärbt. Der Reinigungseffekt wurde über die gesamte Reinigung dokumentiert (Abbildung 9 links). Nach der Gelfiltrations- chromatographie wurden zwei Hauptbanden mit abgeschätzten Molekulargewichten von 26 und 38 kDa detektiert. Es wurde ebenso eine isoelektrische Fokussierung (4.7.4) mit anschließender Färbung (4.7.6.1) durchgeführt. Dabei wurden zwei Banden mit pI-Werten von 3,6 und 3,7 detektiert (Abbildung 9 rechts). Die zwei Hauptbanden mit abgeschätzten Molekulargewichten von 26 und 38 kDa wurden aus dem SDS-Gel ausgeschnitten. Die Sequenzierung der ausgeschnittenen Banden erfolgte nach tryptischem Verdau und anschließender Analyse mittels MALDI-MS/MS (Tabelle 3, Massenspektren s. Anhang a1). Die Proteinidentifizierung wurde anhand von Peptidsequenz-Datenbankrecherchen (Protein Blast NCBI, Altschul et al. 1997) durchgeführt. Für die Peptide zwei bis vier der 26kDa-Bande wurden keine Homologien gefunden. Für die Peptide eins bis drei der 38 kDa-Bande und für Peptid eins der 26 kDa-Bande wurde eine Homologie von jeweils 100% zu einer polyvalenten Peroxidase aus Pleurotus sapidus (Zugriffsnummer CAJ01576) gefunden. Zudem ergab die Datenbankrecherche für die Peptide eine Homologie von 94% zu polyvalenten Peroxidasen aus Pleurotus eryngii (Zugriffsnummern Q9UR19.1 und o94753.1) S e i t e | 18 und eine 80%ige Homologie zu einer polyvalenten Peroxidase aus Bjerkandera adusta (Zugriffsnummer ABQ44529.1). In der Aminosäuresequenz des Proteins wurde die mutmaßliche Lage der Peptidsequenzen bestimmt (Abbildung 10). Abbildung 9: links: SDS-PAGE (Gradientengel (Serva) 8-16%ig) der einzelnen Reinigungsstufen der β,β-Carotin-abbauenden Enzyme aus P. sapidus 1: konz. Kulturüberstand, 30 μL; 2: konz. HIC-Fraktionen, 30 μL; 3: konz. DEAE-Fraktionen, 30 μL; 4: konz. GFC-Fraktion , 30 μL; rechts: IEF-Gel (pH 3-10) der konz. GFC-Fraktion, 10 μL Tabelle 3: Peptidsequenzen durch ESI-MS/MS- Sequenzierung und Edmann-Abbau; L = I oder L, K = Q oder K und F = F oder Mox 38 kDa-Bande 26 kDa-Bande Edmann-Sequenz GEVQSPLQGEIR LFPGTPDNKGEVQSPLQGEIR AT(C)ADGGTTA LFPGTPDNKGEVQSPLQGEIR RAAQLAGFPAPR LQSDHLLAR TAFPISGGFYSIR PLSGGFYSLNSEHPR pI 3,5 4,2 4,5 5,2 5,3 6,0 6,9 7,4 7,8 8,0 8,3 9,5 10,7 pI 3,6 pI 3,7 kDa 250 130 100 70 55 35 25 15 1 2 3 4 38 kDa 26 kDa kDa S e i t e | 19 Abbildung 10: Vergleich der Aminosäuresequenz einer polyvalenten Peroxidase aus Pleurotus sapidus (Zugriffsnummer CAJ01576) mit dem N-Terminus des reifen Proteins (grau unterlegt) und den de novo bestimmten Peptidsequenzen aus Tabelle 3 S e i t e | 20 Der N-Terminus des gereinigten Enzyms wurde nach einem Westernblot (4.7.3) mittels Edman-Abbau (Analytischer Service des biochemischen Institutes, Justus-Liebig-Universität Giessen) ansequenziert. Die ersten zehn Aminosäuren des reifen Proteins wurden bestimmt: NH2 – AT(C)ADGGTTA (Abbildung 10) und anhand von Peptidsequenz-Datenbankrecherchen (Protein Blast NCBI, Altschul et al. 1997) identifiziert. Für das N-terminale Peptid wurden Homologien von 90% zu polyvalenten Peroxidasen aus Pleurotus sapidus (Zugriffsnummer CAJ01576) und Pleurotus eryngii (Zugriffsnummer Q9UR19.1) und zu Manganperoxidasen aus weiteren Pleurotus sp. gefunden. 2.1.1.3 Biochemische Charakterisierung Die Enzympräparation aus der kombinierten Reinigung wurde konzentriert, die Konzentration mittels Bradford-Assay bestimmt (4.7.1.11) und biochemisch charakterisiert. Hierzu wurden die optimalen Reaktionsbedingungen (4.7.7.2) und die kinetischen Konstanten (4.7.7.3) für verschiedene Substrate bestimmt. a) Optimierung der Reaktionsbedingungen Für die Optimierung der Reaktionsbedigungen wurden in jedem Ansatz 0,1 nMol des gereinigten Enzyms eingesetzt. Zur Bestimmung des optimalen pH-Wertes wurde das gereinigte Enzym mit einem 50 mM Natriumacetatpuffer versetzt und der β,β-Carotin Aktivitätsassay bei 30 °C durchgeführt (4.7.1.3). Der optimale pH- Wert betrug 4,5 (Abbildung 11), daher wurden alle weiteren Messungen bei diesem pH-Wert durchgeführt. Bei der Bestimmung des Temperaturoptimums wurden alle verwendeten Lösungen jeweils fünf Minuten bei der gewünschten Temperatur vorinkubiert, die Enzympräparation zugefügt und die Aktivität bestimmt. Die optimale Reaktionstemperatur betrug 30 °C (Abbildung 12). Diese Temperatur wurde für alle weiteren Messungen verwendet. Um den Einfluss der Wasserstoffperoxidkonzentration zu bestimmen, wurden Konzentrationen von 0,05 bis 4 mM im Aktivitätstest eingesetzt. Die optimale Konzentration lag bei 2 mM (Abbildung 13) und wurde in weiteren Versuchen eingesetzt. S e i t e | 21 Abbildung 11: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit vom pH-Wert des 50 mM Natriumacetatpuffers Abbildung 12: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit von der Reaktionstemperatur Abbildung 13: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit von der Wasserstoffperoxidkonzentration 0 20 40 60 80 100 120 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] pH-Wert 0 20 40 60 80 100 120 0,05 0,1 0,2 0,5 1,0 2,0 4,0re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Wasserstoffperoxidkonzentration [mM] S e i t e | 22 Zur Steigerung der Enzymaktivität wurden Mangansulfat und Coniferylalkohol zugesetzt. Die optimalen Konzentrationen betrugen hier 0,2 mM Mangansulfat (Abbildung 14 oben) beziehungsweise 5 µM Coniferylalkohol (Abbildung 14 unten). Ein Vergleich der Standardassaybedingungen (4.7.1.3) mit den optimierten Assaybedingungen erbrachte eine Aktivitätssteigerung um 150% bezogen auf die Standardbedingungen (Abbildung 15). Abbildung 14: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit von der Mangansulfatkonzentration (oben), der Coniferylalkoholkonzentration (unten) 0 20 40 60 80 100 120 0 0,05 0,1 0,2 0,5 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Mangansulfatkonzentration [mM] 0 20 40 60 80 100 120 0 1 2 5 10 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Coniferylalkoholkonzentration [µM] S e i t e | 23 Abbildung 15: relative Enzymaktivität der polyvalenten Peroxidase: Vergleich der Standardassaybedingungen (50 mM Natriumacetatpuffer pH 3,5, 30 °C und 0,35 mM Wasserstoffperoxid) mit den optimierten Bedingungen (50 mM Natriumacetatpuffer pH 4,5, 30 °C, 2 mM Wasserstoffperoxid, 0,2 mM Mangansulfat und 5 µM Coniferylalkohol) b) Bestimmung der kinetischen Konstanten der Enzympräparation Zur Bestimmung der kinetischen Konstanten (4.7.7.3) wurde die Reaktionsgeschwindigkeit so eingestellt, dass sie während der ersten fünf Minuten im linearen Bereich lag. Die Proteinkonzentrationen der verwendeten Enzymlösung wurde mittels Bradfordassay (4.7.1.11) bestimmt. Für das Substrat Syringol wurden 0,01 nMol Enzym und für die restlichen Substrate wurden 0,025 nMol Enzym für die Messungen verwendet. Das Cosubstrat Wasserstoffperoxid lag in allen Reaktionen mit 2 mM gegenüber Substratkonzentrationen von 0,01 bis 0,5 mM im Überschuss vor. Die Reaktionsgeschwindigkeiten wurden in Abhängigkeit der unterschiedlichen Substratkonzentrationen bestimmt und im Lineweaver-Burk-Diagrammm aufgetragen (Abbildung 16). In Abhängigkeit vom Substrat wurden Wechselzahlen von 993 bis 54471 s-1 bestimmt (Tabelle 4). Die katalytischen Konstanten betrugen 0,13 bis 3,95 108 M-1 s-1. 0 20 40 60 80 100 120 Standardassay opt. Bedingungen re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] S e i t e | 24 Abbildung 16: Lineweaver-Burk-Diagramm des gereinigten Enzyms aus Pleurotus sapidus mit verschiedenen Substratkonzentrationen an ABTS (oben) und Veratrylalkohol (unten) Tabelle 4: Michaelis-Menten-Konstante (Km), Wechselzahl (kcat) und katalytische Konstante (kcat Km -1) der Enzympräparation aus Pleurotus sapidus Km [mM] kcat [s-1] kcat Km -1 [108 M-1 s-1] Syringol 0,138 ± 0,02 54471 ± 2926 3,95 ± 0,22 ABTS 0,177 ± 0,08 12334 ± 1330 0,70 ± 0,07 β,β-Carotin 0,050 ± 0,00 993 ± 90 0,20 ± 0,02 Veratrylalkohol 0,166 ± 0,01 1537 ± 173 0,13 ± 0,02 y = 0,0118x + 0,0622 R² = 0,9981 -0,05 0 0,05 0,1 0,15 0,2 0,25 -10 -5 0 5 10 15 1 / R ea kt io ns ge sc hw in di gk ei t [(∆ E m in -1 )-1 ] 1 / Substratkonzentration [(mM)-1] y = 0,0475x + 0,4049 R² = 0,9972 -0,2 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 -15 -10 -5 0 5 10 15 1 / R ea kt io ns ge sc hw in di gk ei t [(Δ E m in -1 )-1 ] 1 / Substratkonzentration [(mM)-1] S e i t e | 25 2.1.1.4 Zellfreie Umsetzungen von Substraten Die gereinigte Enzympräparation aus Pleurotus sapidus besaß optimale katalytische Eigenschaften bei einem pH-Wert von 4,5, einer Temperatur von 30 °C und einer Wasserstoffperoxidkonzentration von 2 mM. Mit diesen Bedingungen wurden Umsetzungen mit verschiedenen Ligninmodellsubstraten durchgeführt (4.9.1.1). Das Edukt Veratrylalkohol wurde durch die polyvalente Peroxidase umgesetzt (Abbildung 17), wobei ein neues Produkt entstand. Die Anfangskonzentration des Veratrylalkohols wurde innerhalb von 12 Stunden bis auf 1% ab- (Abbildung 18) und quantitativ zum Produkt umgebaut. Zur Identifizierung des Reaktionsproduktes wurden die Proben mittels Mikroextraktion mit Pentan/Diethylether und mittels GC-MS untersucht (4.8.3.2). Über einen Datenbankvergleich wurde das Produkt als Veratrumaldehyd (Abbildung 19 unten) identifiziert. Essigsäure war im eingesetzten Puffersystem (4.9.1.1) vorhanden. S e i t e | 26 Abbildung 17: HPLC-DAD Chromatogramm einer in-vitro Umsetzung von Veratrylalkohol mit gereinigter polyvalenter Peroxidase aus Pleurotus sapidus, gestrichelte Linie: Blindprobe, graue Linie: Umsatz nach 24 h Abbildung 18: In-vitro Umsetzung von Veratrylalkohol mit gereinigter polyvalenter Peroxidase aus Pleurotus sapidus, dunkelgrau: Edukt Veratrylalkohol, hellgrau: Produkt Veratrumaldehyd 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 0 2 4 6 8 10 12 14 E xt in kt io n [2 30 n m ] Retentionszeit [min] 0 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1 0,12 0 120 240 720 S ub st ra tk on ze nt ra tio n [g L -1 ] Inkubationszeit [min] S e i t e | 27 Abbildung 19: GC-MS Chromatogramme der Umsetzung von Veratrylalkohol; Blindprobe (oben) und aktive Probe nach 48 h (unten) S e i t e | 28 In einer weiteren Modellreaktion wurde das Edukt Coniferylalkkohol durch die gereinigte polyvalente Peroxidase umgesetzt. Nach einer Reaktionszeit von 1,5 Stunden entstanden drei neue Produkte (Abbildung 20), die im Laufe der fortschreitenden Reaktion weiter umgesetzt wurden (Abbildung 21). Es entstand ein unlösliches Produkt. Abbildung 20: HPLC-DAD Chromatogramm, Umsetzung von Coniferylalkohol mit einer gereinigten Enzympräparation aus Pleurotus sapidus, gestrichelte Linie: Blindprobe, hellgraue Linie: Reaktion nach 1,5 h, schwarze Linie: Reaktion nach 3,5 h -0,02 0 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1 0 2 4 6 8 10 12 14 E xt in kt io n [2 70 n m ] Retentionszeit [min] S e i t e | 29 Abbildung 21: Abnahme der Eduktkonzentration in einer in-vitro Umsetzung von Coniferylalkohol mit gereinigter polyvalenter Peroxidase aus Pleurotus sapidus, dunkelgrau: Edukt Lignin organosolv wurde unter Zusatz von 10% Ethanol als Suspension eingesetzt (4.9.1.2). Während der Umsetzung wurde die Partikelgrößenverteilung in der Suspension gemessen. Die Partikelgrößen in der Blindprobe wiesen zwei Bereiche 0,1 bis 1 µm und 10 bis 400 µm (Abbildung 22 oben) auf. In der aktiven Probe war bereits nach 5 Stunden eine Verschiebung des Maximums von 100 auf 20 bis 30 µm zu detektieren (Abbildung 22 oben). Nach einer Inkubationszeit von 240 Stunden wurden mehr kleinere Partikel (0,1 bis 1 µm) detektiert. Die Menge der größeren Partikel von 200 µm war geringer, während die Anzahl der mittleren Partikel mit einem Durchmesser von 5 bis 40 µm anstieg (Abbildung 22 unten). 0 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1 0,12 0 15 30 45 60 90 S ub st ra tk on ze nt ra tio n [g L -1 ] Inkubationszeit [min] S e i t e | 30 Abbildung 22: Partikelgrößenverteilung des Lignin organosolv (371017, Sigma) nach in-vitro- Umsetzung: rot/grün: aktives Enzym in Doppelbestimmung, blau: inaktives Enzym; oben: nach 5 h Reaktionszeit und unten: nach 240 h Reaktionszeit 2.1.2 Rekombinantes Enzym aus Hansenula polymorpha Für die technische Umsetzung von Modellsubstraten wurden große Mengen (~ 10 bis 15 Units pro Ansatz) der polyvalenten Peroxidase benötigt. Aus Pleurotus sapidus wurden nur geringe Mengen des Wildtypenzyms isoliert (2.1.1.2). Ausgehend von der bekannten Aminosäuresequenz der polyvalenten Peroxidase aus Pleurotus sapidus wurden in Kooperation mit der Firma Artes® Biotechnology GmbH, Langenfeld rekombinante Hansenula polymorpha Stämme generiert (6.2). Diese wurden für die Expression und biochemische Charakterisierung zur Verfügung gestellt. S e i t e | 31 2.1.2.1 Expression der polyvalenten Peroxidase Für die Maßstabsvergrößerung der Enzymproduktion wurde je Konstrukt ein Stamm in 200 mL Submerskultur überführt (4.6.2.4). Die Derepression wurde in zwei unterschiedlichen Medien durchgeführt. Im YNB ungepuffert/ Glucose/Glycerol-Medium wurde nur für einen rekombinanten Hansenula polymorpha Stamm eine Peroxidaseaktiviät (0,18 U L-1) nachgewiesen (Abbildung 23). Im YNB ungepuffert/Glycerol-Medium wurden Aktivitäten von 0,07 U L-1 in zwei rekombinanten Hansenula polymorpha Stämmen detektiert. Abbildung 23: Enzymaktivität einer rekombinanten polyvalenten Peroxidase, verwendet wurden unterschiedliche Derepressionsmedien: dunkel: YNB/Glucose/Glycerol; hell: YNB/Glycerol 2.1.2.2 Biochemische Charakterisierung Für die Charakterisierung wurden die Kulturüberstände von Hansenula polymorpha mittels Ultrafiltration konzentriert und zweimal mit Reinstwasser gewaschen (4.6.2.5). Zur Bestimmung des optimalen pH-Wertes wurde der Kulturüberstand mit Natriumacetatpuffer (50 mM) versetzt und mittels β,β-Carotin Aktivitätsassay analysiert. Der optimale pH-Wert betrug 2,8 (Abbildung 24 oben). Für die Untersuchung niedrigerer pH-Werte musste das Puffersystem gewechselt werden. Mit einem 100 mM Glycin/Salzsäurepuffer konnten pH-Werte bis 1,2 0 0,02 0,04 0,06 0,08 0,1 0,12 0,14 0,16 0,18 0,2 MFaE-VP(331)-H6 MFaE-VP(339)-H6 MFaE-RB11-H6 E nz ym ak tiv itä t ( A B TS ) [U L -1 ] MFαE-VP(331)-H6 MFαE-VP(339)-H6 MFαE-RB11-H6 S e i t e | 32 untersucht werden. In diesem Puffer wurde bei pH 1,2 die höchste Aktivität detektiert, daher wurden alle weiteren Messungen bei diesem pH-Wert durchgeführt (Abbildung 24 unten). Bei der Bestimmung des Temperaturoptimums wurden alle verwendeten Lösungen jeweils fünf Minuten bei der gewünschten Temperatur vorinkubiert, Kulturüberstand zugefügt und die Aktivität bestimmt. Die optimale Reaktionstemperatur betrug 30 °C (Abbildung 25). Diese Temperatur wurde für alle weiteren Messungen verwendet. Um den Einfluss der Wasserstoffperoxidkonzentration zu bestimmen, wurden Konzentrationen von 0,05 bis 4 mM im Aktivitätstest eingesetzt. Höhere Konzentrationen führten zu stark erhöhten Blindwerten und wurden daher nicht weiter untersucht. Die optimale Konzentration betrug im genannten Messbereich 4 mM (Abbildung 26 oben) und wurde in weiteren Versuchen eingesetzt. Eine Abhängigkeit der Enzymaktivität von Mangan wurde untersucht. Dem Reaktionsansatz wurde Mangansulfat zugesetzt und eine Steigerung der Aktivität wurde detektiert. Die optimale Konzentration betrug 0,05 mM (Abbildung 26 unten). Ein Vergleich der Standardassaybedingungen (4.7.1.3) mit den optimierten Assaybedingungen (4.7.7.2) ergab eine Aktivitätssteigerung um den Faktor 25 (Abbildung 27). S e i t e | 33 Abbildung 24: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit vom pH-Wert des 50 mM Natriumacetatpuffers (oben) beziehungsweise vom pH-Wert des 100 mM Tris-Glycin-Puffers (unten) Abbildung 25: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit von der Temperatur 0 20 40 60 80 100 120 2,8 3,5 4,0 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] pH-Wert 0 20 40 60 80 100 120 Na-Ac. 2,8 1,2 1,5 2 2,3 2,6 2,9 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] pH-Wert 0 20 40 60 80 100 120 25 30 35 40 45 50 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Temperatur [°C] S e i t e | 34 Abbildung 26: relative Enzymaktivität in Abhängigkeit von der Wasserstoffperoxidkonzentration (oben) und der Mangansulfatkonzentration (unten) Abbildung 27: relative Enzymaktivität im Vergleich die Standardassaybedingungen mit den optimierten Bedingungen 0 20 40 60 80 100 120 0 0,2 0,5 1,0 2,0 4,0 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Wasserstoffperoxidkonzentration [mM] 0 20 40 60 80 100 120 0 0,05 0,1 0,2 0,35 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] Mangansulfatkonzentration [mM] 0 20 40 60 80 100 120 optimiert f. wt optimierte Bedingungen re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] S e i t e | 35 Mittels SDS-PAGE (4.7.2) wurden heterolog exprimierte Proteine mit Molekulargewichten von 58 und 44 kDa bestimmt (Abbildung 28). Abbildung 28: SDS-PAGE der Hansenula polymorpha Überstände, konzentriert und gewaschen: 1: Negativkontrollstamm, 2: MFα E-VP(331)-H6, 3: MFα E-VP(339)-H6, M: Proteinstandard (Fermentas) 2.2 Sekretomanalyse von Pleurotus sapidus Pleurotus sapidus wurde im Weiteren auf Schlüsselenzyme des Lignocelluloseabbaus hin untersucht. Dazu wurde der Basidiomycet submers und emers auf lignocellulosehaltigen Substraten kultiviert und die sekretierten Enzyme über den Kulturverlauf bestimmt. 2.2.1 Erfassung von Enzymaktivitäten als Summenparameter Geführt wurden jeweils drei Kulturreihen mit je drei unabhängigen biologischen Proben. Die Messung der Enzymaktivitäten erfolgte in Dreifachbestimmungen. Rapsstroh und der Rückstand einer Biogasanlage wurden als Substrate verwendet. Die Ernte (4.6.1.12) der Oberflächenkulturen (4.6.1.11) erfolgte nach 28, 42, 56, 84 und 112 Tagen, die Ernte (4.6.1.10) der Flüssigkulturen (4.6.1.8) erfolgte nach 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16 und 18 Tagen. 2.2.1.1 Anwendbarkeit der kombinierten Laccase/Peroxidasemessung mittels ABTS Bevor die Sekretomanalysen begonnen wurden, wurde untersucht, ob sekretierte Laccasen oder Peroxidasen durch Wasserstoffperoxid inhibiert werden. Der optimale pH-Wert der Reaktion wurde ebenfalls bestimmt. S e i t e | 36 Hierzu wurde eine Laccase aus Trametes versicolor (Fluka, 53739) und eine Peroxidase aus Mycetinis scorodonius (DSM, MaxiBrightTM) bekannter Aktivität mit unterschiedlichen Konzentrationen an Wasserstoffperoxid versetzt und ein ABTS-Assay (Abbildung 29 oben) durchgeführt. Bereits nach einer Zugabe von 0,25 mM Wasserstoffperoxid wurde eine um 10% geminderte Laccaseaktivität detektiert, bei einer schrittweisen Erhöhung der Konzentration an Wasserstoffperoxid wurde eine weitere Hemmung der Laccaseaktivität beobachtet (Abbildung 29 oben). Das Maximum der Peroxidaseaktivität wurde bei einer Wasserstoffperoxidkonzentration von 0,35 mM beobachtet. Mit weiter steigender Wasserstoffperoxidkonzentration fiel die Aktivität auf <70% der Ausgangsaktivität ab (Abbildung 29 unten). In den weiteren Bestimmungen der Peroxidaseaktivität wurde die optimale Wasserstoffperoxidkonzentration von 0,35 mM verwendet. 0 50 100 150 200 250 300 350 0 0,25 0,5 0,75 1 1,25 1,5 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Wasserstoffperoxidkonzentration [mM] S e i t e | 37 Abbildung 29: Abhängigkeit der Laccaseaktivität von verschiedenen Wasserstoffperoxidkonzentrationen (oben) und Abhängigkeit der Peroxidaseaktivität von verschiedenen Wasserstoffperoxidkonzentrationen (unten) In einer kombinierten Messung von Laccase und Peroxidase musste im Fall der Laccasebestimmung sichergestellt sein, dass kein Wasserstoffperoxid in der Reaktion enthalten war. Aus diesem Grund wurde eine Laccase aus Trametes versicolor (Fluka, 53739) bekannter Aktivität mit unterschiedlichen Konzentrationen an Catalase versetzt und ein ABTS-Assay (4.7.1.1) durchgeführt. Bei einem Catalasegehalt von 300 U pro Reaktionsansatz wurde keine Hemmung der Laccase festgestellt. Höhere Catalasegehalte führten zu einem Abfall der Laccaseaktivität (Abbildung 30 oben). In einem weiteren Versuch wurde die Wirksamkeit der Catalase mit Hilfe einer Peroxidase aus Mycetinis scorodonius (DSM, MaxiBrightTM) bekannter Aktivität überprüft. Verschiedene Wasserstoffperoxidkonzentrationen (0,15 bis 1 mM) wurden mit 300 U Catalase versetzt und 2 Minuten inkubiert. Eine Peroxidase bekannter Aktivität wurde zugefügt und ein ABTS-Assay durchgeführt (Abbildung 30 unten). 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 0 0,15 0,25 0,35 0,5 0,75 1 1,25 1,5 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Wasserstoffperoxidkonzentration [mM] S e i t e | 38 Abbildung 30: Abhängigkeit der Laccaseaktivität von verschiedenen Catalasegehalten (oben) und Bestimmung der Peroxidaseaktivität unter Verwendung von 300 U Catalase pro Ansatz und verschiedenen Wasserstoffperoxidkonzentrationen (unten) 0 50 100 150 200 250 0 300 450 900 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Catalasegehalt pro Assay [U] 0 20 40 60 80 100 120 140 0 0 0,15 0,35 0,5 0,65 0,85 1 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Wasserstoffperoxidkonzentration [mM] keine Catalase 0,35 mM H2O2 S e i t e | 39 Zur Bestimmung des optimalen pH Werts der Reaktion wurde Kulturüberstand von Submerskulturen mit unterschiedlichen Substraten im ABTS Assay eingesetzt. Verwendet wurden verschieden Natriumacetatpuffer mit einer Molarität von 50 mM und den pH-Werten 3,0; 3,5; 4,0; 4,5 und 5,0. Für jeden Ansatz wurden 100 µL Puffer verwendet. Nach der Reaktion wurde der pH-Wert des Reaktionsansatzes bestimmt. Der optimale pH Wert im Assay betrug für die Peroxidaseaktivität pH 3,35, für die Laccase zwischen 3,28 und 3,35 (Abbildung 31). In den nachfolgenden Messungen wurde ein pH Wert von 3,3 eingestellt. Dies geschah durch die Zugabe von 100 µL 50 mM Natriumacetatpuffer pH 3,5 pro Messansatz. 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 3,28 3,35 3,79 4,18 4,76 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] pH Wert im Assay S e i t e | 40 Abbildung 31: Abhängigkeit der Laccase- und Peroxidaseaktivitätaktivität von verschiedenen pH- Werten des 50 mM Natriumacetat-Puffers; Submerskulturen mit den Substraten Rückstand Biogasanlage (oben) und Rapsstroh (unten); schwarz: Laccaseaktivität, grau: Peroxidaseaktivität 2.2.1.2 Oberflächenkulturen auf dem Rückstand einer Biogasanlage Bei der Kultivierung von Pleurotus sapidus auf dem Rückstand einer Biogasanlage wurden bereits nach 14 Tagen die ersten Ansätze zur Fruchtkörperbildung beobachtet (Abbildung 32 a). Während der weiteren Kulturdauer wurde kontinuierlich die Bildung neuer Fruchtkörper beobachtet (Abbildung 32 b und c). Abbildung 32: Pleurotus sapidus in Emerskultur mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; a: nach 14 Tagen, b: nach 28 Tagen und c: nach 56 Tagen 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 3,28 3,35 3,79 4,18 4,76 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] pH Wert im Assay S e i t e | 41 Nach 28 Tagen wurde ein Proteingehalt (4.7.1.11) von 50 mg L-1 und während der restlichen Kulturdauer durchgehend ein Proteingehalt von ~ 40 mg L-1 detektiert (Abbildung 33). Abbildung 33: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Proteinkonzentration während des Kulturverlaufs Nach 28 Tagen wurde ein Wasserstoffperoxidgehalt (4.7.1.10) von 5 mg L-1 detektiert, der bis auf 9 mg L-1 (42 Kulturtage, Abbildung 34) anstieg. Im weiteren Kulturverlauf fiel der Wasserstoffperoxidgehalt kontinuierlich ab. Die Laccaseaktivität (4.7.1.1) betrug während der ersten 28 Kulturtage ~ 135 U L-1 und fiel im späteren Kulturverlauf ab (Abbildung 35). 35 40 45 50 55 60 28 42 56 84 112 P ro te in ko nz en tra tio n [m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 42 Abbildung 34: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Wasserstoffperoxidkonzentration während des Kulturverlaufs Abbildung 35: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Laccaseaktivität während des Kulturverlaufs 0 2 4 6 8 10 28 42 56 84 112 W as se rs to ffp er ox id ko nz en tra tio n [m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] 0 20 40 60 80 100 120 140 160 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 43 Nach 28 Kulturtagen wurde eine Peroxidaseaktivität (4.7.1.1) von ~ 6 U L1 detektiert. Während der nächsten 84 Tage war keine Peroxidaseaktivität mehr nachweisbar und nach 112 Kulturtagen wurde eine Aktivität von 2,5 U L-1 bestimmt (Abbildung 36 oben). Der Aktivitätsverlauf der gesondert vermessenen Manganperoxidasen (4.7.1.2) und der polyvalenten Peroxidasen (4.7.1.3) unterschieden sich deutlich vom Verlauf des Summenparameters. Die Aktivität der Manganperoxidasen wies einen wellenförmigen Verlauf mit zwei Maxima nach 28 (350 U L-1) und 56 Kulturtagen (160 U L-1) auf (Abbildung 36 Mitte). Die Aktivität der polyvalenten Peroxidasen wurde während den ersten 56 Kulturtagen mit einer Aktivität von ~0,75 bis 0,85 U L-1 bestimmt (Abbildung 36 unten). Im weiteren Kulturverlauf wurden Aktivitäten < 0,2 U L-1 detektiert. 0 1 2 3 4 5 6 7 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 44 Abbildung 36: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; oben: Peroxidaseaktivität als Summenparameter (ABTS); Mitte: Manganperoxidase- Aktivität und unten: polyvalente Peroxidase-Aktivität 0 50 100 150 200 250 300 350 400 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 45 Esteraseaktivität (4.7.1.4) wurde nach 84 Kulturtagen mit einem Maximum von 12 U L-1 und während der weiteren Kultivierung im Bereich von 7 bis zu 9 U L-1 bestimmt. Die höchste Lipaseaktivität (4.7.1.8) wurde am Kulturtag 28 (5 U L-1) detektiert (Abbildung 37). Im weiteren Kulturverlauf fiel die Lipaseaktivität ab. Abbildung 37: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Esteraseaktivität (grau) und Lipaseaktivität (schraffiert) Sowohl die Aktivitäten der Cellulasen (4.7.1.6), als auch die der Xylanasen (4.7.1.7) wurden mit nahezu gleichbleibender Aktivität detektiert. Die Cellulaseaktivitäten wurden zu 30 bis 40 U L-1 und die Xylanaseaktivität zu 120 bis 130 U L-1 bestimmt (Abbildung 38). 0 2 4 6 8 10 12 14 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 46 Abbildung 38: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Cellulase- (hellgrau) und Xylanaseaktivität (gekreuzt) 2.2.1.3 Oberflächenkulturen auf Rapsstroh Bei der Kultivierung von Pleurotus sapidus auf Rapsstroh wurden nach 28 Tagen die ersten Ansätze zur Fruchtkörperbildung beobachtet (Abbildung 39 a). Während der weiteren Kulturdauer wurde kontinuierlich das Entstehen neuer Fruchtkörper beobachtet (Abbildung 39 b und c). Abbildung 39: Pleurotus sapidus in Emerskultur mit Rapsstroh als Substrat; a: nach 28 Tagen, b: nach 56 Tagen und c: nach 84 Tagen 0 20 40 60 80 100 120 140 160 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 47 Der Proteingehalt der Extrakte (4.7.1.11) wurde während der ersten 84 Kulturtage zu ~60 mg L-1 bestimmt. Danach stieg die Proteinkonzentration innerhalb von 28 weiteren Tagen auf ~ 100 mg L-1 (Abbildung 40). Abbildung 40: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Proteinkonzentration der Kulturextrakte während des Kulturverlaufs Nach 28 Tagen wurde eine Wasserstoffperoxidkonzentration (4.7.1.10) von 9 mg L-1 detektiert. Ein weiteres Maximum wurde nach 56 Kulturtagen mit 5 mg L-1 (Abbildung 41) bestimmt. Im weiteren Kulturverlauf fiel der Wasserstoffperoxidgeahlt kontinuierlich ab. Das Maximum der Laccaseaktivität (23 U L-1, 4.7.1.1) wurde nach 28 Kulturtagen detektiert (Abbildung 42). 0 20 40 60 80 100 120 28 42 56 84 112 P ro te in ko nz en tra tio n [m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 48 Abbildung 41: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Wasserstoffperoxidkonzentration während des Kulturverlaufs Abbildung 42: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Laccaseaktivität während des Kulturverlaufs 0 2 4 6 8 10 28 42 56 84 112 W as se rs to ffp er ox id ko nz en tra tio n [m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] 0 5 10 15 20 25 30 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 49 Die höchste Peroxidaseaktivität (1,3 U L-1, 4.7.1.1) wurde nach 42 Kulturtagen, ein weiteres Maximum nach 84 Kulturtagen detektiert (0,7 U L-1, Abbildung 43 oben). Der Aktivitätsverlauf der gesondert vermessenen Manganperoxidase- (4.7.1.2) und polyvalenten Peroxidase-Aktivität (4.7.1.3) unterschied sich vom Verlauf des Summenparameters. Beide Peroxidase-Aktivitäten zeigten Maxima an den gleichen Kulturtagen (56 und 112). Manganperoxidase-Aktivität wurde während der Kultivierung zu ~5 - 9 U L-1 bestimmt (Abbildung 43 Mitte). Die maximale Aktivität der polyvalenten Peroxidasen wurde während der Kultivierung bei 0,4 und 0,7 U L-1 detektiert (Abbildung 43 unten). 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 50 Abbildung 43: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; oben: Peroxidaseaktivität als Summenparameter (ABTS); Mitte: Manganperoxidase-Aktivität und unten: polyvalente Peroxidase-Aktivität 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 51 Maxima der Esteraseaktivität (4.7.1.4) wurden an den Tagen 28 (18 U L-1) und 56 (20 U L-1) detektiert (Abbildung 44). Lipaseaktivität (4.7.1.8) wurde während der gesamten Kultivierung gleichbleibend mit ~ 2 U L-1 bestimmt (Abbildung 44). Während der gesamten Kulturdauer wurden Cellulaseaktivitäten (4.7.1.6) von ~ 25 U L-1 und Xylanaseaktivitäten (4.7.1.7) von ~ 110 U L-1 detektiert (Abbildung 45). Abbildung 44: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Esteraseaktivität (grau) und Lipaseaktivität (schraffiert) 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [ U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 52 Abbildung 45: Emerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Cellulase- (hellgrau) und Xylanaseaktivität (gekreuzt) 2.2.1.4 Submerskulturen mit dem Rückstand einer Biogasanlage Der pH-Wert stieg während des Kulturverlaufs an und erreichte ab dem zehnten Kulturtag ein Plateau bei einem pH-Wert von 6,7 (Abbildung 46). Der Wasserstoffperoxidgehalt (4.7.1.10) in den Kulturen fiel in den ersten sechs Tagen ab und erreichte an Tag zehn das Maximum mit 12 mg L-1 (Abbildung 46). Der Proteingehalt (4.7.1.11) der Kulturen stieg während der ersten vier Kulturtage auf 120 mg L-1. Das Maximum wurde mit 135 mg L-1 am zwölften Tag detektiert (Abbildung 47). 0 20 40 60 80 100 120 28 42 56 84 112 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 53 Abbildung 46: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; pH-Wert und Wasserstoffperoxidkonzentration während des Kulturverlaufs Bis zum Maximum am achten Kulturtag stieg die Laccaseaktivität (1880 U L-1, 4.7.1.1) an und blieb für sechs Tage nahezu konstant. Danach fiel die Aktivität bis zum vierzehnten Kulturtag stark ab (920 U L-1), um im weiteren Kulturverlauf erneut anzusteigen (Abbildung 48). 0 2 4 6 8 10 12 14 6,20 6,30 6,40 6,50 6,60 6,70 6,80 6,90 7,00 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 W as se rs to ffp er ox id ko nz en tra tio n [m g L-1 ] pH -W er t Kulturdauer [Tage] S e i t e | 54 Abbildung 47: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Proteinkonzentration während des Kulturverlaufs Abbildung 48: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; Laccaseaktivität während des Kulturverlaufs 60 70 80 90 100 110 120 130 140 2 4 6 8 10 12 14 16 18 P ro te in ko nz en tra tio n [m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 55 Die höchste Peroxidaseaktivität (980 U L-1, 4.7.1.1) wurde am achtzehnten Kulturtag detektiert. Weitere Maxima wurde am zweiten und zwölften Tag (220 bzw. 470 U L-1) beobachtet (Abbildung 49 oben). Der Aktivitätsverlauf der gesondert vermessenen Manganperoxidasen (4.7.1.2) unterschied sich vom Verlauf des Summenparameters. Das Aktivitätsmaximum wurde am zweiten Kulturtag (160 U L-1) detektiert. Im weiteren Kulturverlauf fiel die Aktivität ab und zwei weitere Aktivitätsmaxima wurden mit 40 (Tag 14) und 30 U L-1 (Tag 18) bestimmt (Abbildung 49 Mitte). Die Aktivität der polyvalenten Peroxidasen (4.7.1.3) dagegen wies zwei Maxima auf: am achten Kulturtag mit 22 U L-1 und am sechzehnten Kulturtag mit 10 U L-1 (Abbildung 49 unten). 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 56 Abbildung 49: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat; oben: Peroxidaseaktivität als Summenparameter (ABTS), Mitte: Manganperoxidase- Aktivität und unten: polyvalente Peroxidase-Aktivität 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] 0 5 10 15 20 25 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 57 Die Esteraseaktivität (4.7.1.4) stieg während der ersten acht Kulturtage stark an und erreichte mit 100 U L-1 ein Maximum (Abbildung 50). Die Lipaseaktivität (4.7.1.8) stieg während der ersten zehn Kulturtage stark an und erreichte mit 170 U L-1 ein erstes Maximum. Abbildung 50: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat: Esteraseaktivität (grau) und Lipaseaktivität (schraffiert) Die Cellulaseaktivität (4.7.1.6) stieg während der ersten zehn Kulturtage bis zu einem Maximum von 170 U L-1 (Abbildung 51) stetig an. Xylanaseaktivität (4.7.1.7) wurde erst ab dem vierten Kulturtag detektiert (570 U L-1) (Abbildung 51). 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 58 Abbildung 51: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Rückstand einer Biogasanlage als Substrat: Cellulase- (hellgrau) und Xylanaseaktivität (gekreuzt) 2.2.1.5 Submerskulturen mit Rapsstroh Der pH-Wert stieg während des Kulturverlaufs an und erreichte ab dem zehnten Kulturtag ein Plateau bei einem pH-Wert von 6,8 (Abbildung 52). Der Wasserstoffperoxidgehalt (4.7.1.10) in der Kultur erreichte das Maximum an Tag zwölf mit 30 mg L-1. Während der weiteren Kultivierung wurden Konzentrationen von fünf bis zwölf mg L-1 Wasserstoffperoxid detektiert (Abbildung 52). Der Proteingehalt (4.7.1.11) der Kulturen stieg bis zum zehnten Kulturtag auf 120 mg L-1 an (Abbildung 53). 0 100 200 300 400 500 600 700 800 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 59 Abbildung 52: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; pH-Wert und Wasserstoffperoxidgehalt während des Kulturverlaufs Abbildung 53: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Proteinkonzentration während des Kulturverlaufs 0 5 10 15 20 25 30 35 5,80 6,00 6,20 6,40 6,60 6,80 7,00 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 W as se rs to ffp er ox id ge ha lt [m g L-1 ] pH -W er t Kulturdauer [Tage] 0 20 40 60 80 100 120 140 2 4 6 8 10 12 14 16 18 P ro te in ge ha lt [ m g L-1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 60 Das Maximum der Laccaseaktivität (4.7.1.1) wurde am zweiten Kulturtag mit 950 U L-1 detektiert. Danach fiel die Aktivität bis zum achten Kulturtag ab (230 U L-1) (Abbildung 54). Abbildung 54: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; Laccaseaktivität während des Kulturverlaufs Maximale Peroxidaseaktivität (4.7.1.1) wurde ebenfalls am zweiten Kulturtag mit 76 U L-1 detektiert (Abbildung 55 oben). Der Aktivitätsverlauf der gesondert vermessenen Manganperoxidasen (4.7.1.2) und polyvalenten Peroxidasen (4.7.1.3) unterschied sich vom Verlauf des Summenparameters. Die Manganperoxidaseaktivität war am zweiten Kulturtag (3,6 U L-1) und an den Tagen zehn bis vierzehn maximal (2,4 U L-1). Die Aktivität der polyvalenten Peroxidasen stieg während der ersten acht Kulturtage stetig (2,7 bis 8,2 U L-1) an (Abbildung 55 unten). 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 61 Abbildung 55: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat; oben: Peroxidaseaktivität als Summenparameter (ABTS); unten: Manganperoxidase-Aktivität (dunkelgrau) und polyvalente Peroxidase-Aktivität (gepunktet) während des Kulturverlaufs 0 10 20 30 40 50 60 70 80 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 6,0 7,0 8,0 9,0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 62 Die Esteraseaktivität (4.7.1.4) stieg während der ersten sechs Kulturtage stark an und erreichte mit 160 U L-1 am sechsten Kulturtag ein Maximum (Abbildung 56). Die Lipaseaktivität (4.7.1.8) stieg während der Kultivierung an und erreichte ihr Maximum am vierzehnten Kulturtag (93 U L-1) (Abbildung 56). Abbildung 56: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat: Esteraseaktivität (grau) und Lipaseaktivität (schraffiert) Das Maximum der Cellulaseaktivität (4.7.1.6) wurde an den Tagen sechs und acht (140 U L-1) (Abbildung 57) detektiert. Im weiteren Kulturverlauf lag die Aktivität bei 70 bis 120 U L-1. Xylanaseaktivität (4.7.1.7) wurde erst am vierten Kulturtag detektiert (750 U L-1) und stieg bis zum Maximum an Tag sechs an (1030 U L-1). Im weiteren Kulturverlauf fiel die Aktivität der Xylanasen kontinuierlich ab und wurde ab dem vierzehnten Kulturtag nicht mehr detektiert (Abbildung 57). 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 63 Abbildung 57: Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit Rapsstroh als Substrat: Cellulase- (hellgrau) und Xylanaseaktivität (gekreuzt) 2.2.1.6 Zellfreie Umsetzung von Rapsstroh Bei den Umsetzungen von Rapsstroh mit Überständen von Submerskulturen wurde die Glucosefreisetzung (4.7.1.12) als Indikator für den Abbau der Lignocellulose verwendet. In den eingesetzten Kulturüberständen wurde keine Glucose detektiert. Die optimale Reaktionstemperatur wurde bei 40 °C festgestellt (Abbildung 58). In weiteren zellfreien Umsetzungen wurden die Überstände in Laufe der Inkubationszeit gewechselt (dynamischer Ansatz, 4.9.2.1). Die größte Glucosemenge wurde bei einem Wechsel zwischen den Überständen der Tage 3, 6 und 9 detektiert (Abbildung 59). 0 200 400 600 800 1000 1200 2 4 6 8 10 12 14 16 18 E nz ym ak tiv itä t [U L -1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 64 Abbildung 58: Umsetzung von feingemahlenem Rapsstroh mit Überständen von Pleurotus sapidus, detektiert wurde die freigesetzte Glucose in Abhängigkeit von der Inkubationstemperatur Abbildung 59: Umsetzung von feingemahlenem Rapsstroh mit Überständen von Pleurotus sapidus, detektiert wurde die freigesetzte Glucose in Abhängigkeit von den verwendeten Überständen 0,00 0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 24 30 40 50 G lu co se ko nz en tra tio n pr o ei ng es et zt er P ro te in m en ge [m g µg -1 ] Inkubationstemperatur [°C] 0,00 0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 Tag 3 Tag 6 Tag 9 Tag 12 Tag 3 und 6 Tag 3, 6 und 9 Tag 3, 6, 9 und 12 G lu co se ko nz en tra tio n pr o ei ng es et zt er P ro te in m en ge [m g µg -1 ] verwendete Überstände S e i t e | 65 Nach viertägiger Inkubationsdauer (4.9.2.1) im dynamischen Ansatz wurde das Rapsstroh extrahiert (4.9.4). Die Extrakte wurden mittels HPSEC untersucht (4.8.2.2). Sowohl bei dem Extraktblindwert als auch bei der Umsetzung mit hitzeinaktiviertem Kulturüberstand wurden lösliche Fragmente im Bereich von neun bis elf Minuten beobachtet. Gemäß der durchgeführten Kalibrierung besaßen die gelösten Fragmente Größen von ~ 50 bis ~ 150 kDa (Abbildung 60). Bei aktiven Überständen waren geringe Mengen löslicher Fragmente bereits ab sechs Minuten zu detektieren. Auch die Konzentration der löslichen Fragmente war in den aktiven Proben höher (Abbildung 61 oben). In den Doppelbestimmungen zeigten beide aktiven Proben ein identisches HPSEC- Profil (Abbildung 61 unten). Abbildung 60: HPSEC-Chromatogramm von Polystyrolstandardsubstanzen, die Detektion erfolgte bei 280 nm S e i t e | 66 Abbildung 61: HPSEC-Elutionsprofil eines in-vitro Verdaus von Rapsstroh mit Kulturüberständen von Pleurotus sapidus; oben: hellgrau: Extraktionsblindwert, dunkelgrau: inaktive Überstände, gepunktet: aktive Überstände; unten: grau: Extraktionsblindwert, gepunktet/dunkelgrau: aktive Überstände (Doppelbestimmung) -0,02 -0,01 0 0,01 0,02 0,03 0,04 0 2 4 6 8 10 12 14 E xt in kt io n (λ = 22 0 nm ) Retentionszeit [min] -0,02 -0,01 0 0,01 0,02 0,03 0,04 0 2 4 6 8 10 12 14 E xt in kt io n (λ = 22 0n m ) Retentionszeit [min] S e i t e | 67 2.2.2 Zweidimensionale elektrophoretische Analyse des Sekretoms 2.2.2.1 Optimierung der Probenvorbereitung und Visualisierung von Proteinmustern Die Probenvorbereitung für eine elektrophoretische Trennung von Proteingemischen muss für jedes Kultursystem optimiert werden. Daher wurden zunächst drei verschiedene Parameter untersucht, um eine gleichbleibende Probenqualität zu gewährleisten. a) Degradation von Proteinen während der Probenvorbereitung Eine Degradation von Proteinen lässt sich auf Peptidaseaktivitäten zurückführen. Bei einer Kulturdauer von 30 Tagen wurde in Submerskulturen von Pleurotus sapidus Peptidaseaktivitäten von 30 bis 350 U L-1 bestimmt (4.7.1.5). Das Maximum der Aktivität wurde am sechsten Kulturtag detektiert (350 U L-1) (Abbildung 62). Abbildung 62: Peptidaseaktivität in Submerskulturen von Pleurotus sapidus mit dem Substrat Rapsstroh während des Kulturverlaufs 0 50 100 150 200 250 300 350 400 2 3 6 9 12 15 18 21 24 27 30 E nz ym ak tiv itä t [ U m L-1 ] Kulturdauer [Tage] S e i t e | 68 Mit einem komplexen Peptidaseinhibitorcocktail (Mix 1, 4.6.1.5) wurde die Peptidaseaktivität vollständig gehemmt (Abbildung 63). Eine Verdünnung des komplexen Inhibitors von 1:5 (Abbildung 63) reichte hierfür nicht mehr aus. Eine Wirkung von Pepstatin wurde nicht detektiert. Durch das Einsetzen verschiedener Inhibitorkonzentrationen und –kombinationen wurde der Mix weiter optimiert. Der optimale Peptidaseinhibitor (Mix 2, Abbildung 63, 4.6.1.5) wurde bei den Sekretomstudien durchgehend eingesetzt. Abbildung 63: relative Peptidaseaktivität bei Zusatz von verschiedenen Peptidaseinhibitoren bezogen auf die Aktivität ohne Inhibitoren und Vergleich verschiedener Konzentrationen an Peptidaseinhibitorgemischen (Mix 1, Mix 2 siehe 4.6.1.5) b) Konzentrierung der extrazellulären Proteine Zur Gewährleistung einer ausreichenden Proteinmenge wurden die extrazellulären Enzyme mittels Ultrafiltration (UF) konzentriert. Zwei zur Verfügung stehende Ultrafiltrationseinheiten (4.4) mit einem Größenausschluss von 10 kDa wurden auf ihre Effizienz getestet. Bei der Amicon® Ultrafiltrationseinheit wurde eine Filterkuchenbildung auf der Membran beobachtet. Dies führte zu einem Proteinverlust von 40%. Bei der Macrosep® Einheit wurde lediglich ein Verlust von 7% bestimmt (Tabelle 5). 0 20 40 60 80 100 120 re la tiv e E nz ym ak tiv itä t [ % ] S e i t e | 69 Tabelle 5: Vergleich zweier Ultrafiltrationsmodule an Hand des Protein- und Phenolgehaltes aufgearbeiteter Submerskulturüberstände Amicon Ultra® Macrosep® Proteinmenge [µg] Phenole [µg Gallussäure- equivalent] Proteinmenge [µg] Phenole [µg Gallussäure- equivalent] Ausgangs- menge 1150 µg 240 µg 1150 µg 240 µg Retentat der UF 687 µg 115 µg 1058 µg 208 µg Permeat der UF 3,4 µg 40 µg 5,8 µg 17 µg c) Proteinfällung Proteinextrakte, die wie unter 4.6.1.10 und 4.6.1.12 beschrieben erhalten wurden, wiesen eine tiefbraune Färbung auf. Zur Entfernung störender Substanzen wurden die Proteine zunächst gefällt. Zwei Fällungsmethoden wurden hierzu miteinander verglichen. Ein Extrakt einer Emerskultur nach vierzehn Tagen wurde aufgearbeitet (4.6.1.12) und die Proteine gefällt (4.7.5.1 und 4.7.5.2). Beide Präzipitate wiesen eine starke Braunfärbung auf. Nach der Trichloressigsäure-Fällung wurde im Elektropherogramm eine vertikale Schlierenbildung über den gesamten Molekülgrößenbereich im sauren pI-Bereich beobachtet (Abbildung 64). Bei der Methanol/Chlorform-Fällung wurden dagegen, neben einer geringen Schlierenbildung im oberen Molekülmassenbereich des sauren pI-Bereichs, zweidimensional getrennte Proteine detektiert (Abbildung 65). S e i t e | 70 Abbildung 64: zweidimensionales Elektropherogramm extrazellulärer Enzyme einer Pleurotus sapidus Emerskultur auf Rapsstroh, Extrakte nach 14 Kulturtagen, mit Silber gefärbt; nach Ultrafiltration und Trichloressigsäure-Fällung (4.7.5.1) Abbildung 65: zweidimensionales Elektropherogramm extrazellulärer Enzyme einer Pleurotus sapidus Emerskultur auf Rapsstroh: Extrakte nach 14 Kulturtagen, mit Silber gefärbt; nach Ultrafiltration und Methanol/Chloroform Fällung (4.7.5.2) kDa pI 3,0  6,0 200 119 66 43 29 kDa pI 3,0  6,0 200 119 66 43 29 S e i t e | 71 2.2.2.2 Übersichtsanalyse von Oberflächenkulturen auf Rapsstroh Die Emerskulturen von Pleurotus sapidus wurden am Erntetag extrahiert (4.6.1.12) und aufgearbeitet (4.7.5.2). Nach zwei Wochen Inkubationszeit, waren wenige Spots im niederen Molekulargewichtsbereich (~ 35 kDa) zu detektieren (Abbildung 66, oben links). Nach weiteren zwei Wochen waren zusätzliche Spots im mittleren (~ 50 kDa) und niederen Molekulargewichtsbereich (~ 29 kDa) zu detektieren. Im späteren Kulturverlauf (42 und 56 Tage) wurden insgesamt mehr Proteinspots nachgewiesen (Abbildung 66 unten). Die Schlierenbildung im gesamten Molekülgewichtsbereich des sauren pI-Bereichs wurde im Kulturverlauf stärker (Abbildung 66). Die Proteinspots waren im pI- Bereich von drei bis sechs zu finden und wiesen eine Größenverteilung von 30 bis 100 kDa (Tag 42) und 30 bis 60 kDa (Tag 56) auf. S e i t e | 72 Abbildung 66: zweidimensionale Elektropherogramme extrazellulärer Enzyme von Pleurotus sapidus: Extrakte nach 14, 28, 42 und 56 Kulturtagen, mit Colloidal-Coomassie gefärbt 2.2.2.3 Übersichtsanalyse von Submerskulturen mit Rapsstroh Bei der Kultivierung von Pleurotus sapidus in Schüttelkulturen mit Rapsstroh als Substrat wurde der neunte Kulturtag zur Übersichtsanalyse ausgewählt. Aus dem zweidimensionalen Elektropherogramm wurden insgesamt 30 Spots ausgewählt und diese mittels ESI-MS/MS partiell de novo sequenziert (Protagen AG, Abbildung 67). Von den 30 ausgewählten Proteinspots wurden 163 Peptidsequenzen generiert (siehe 6.3). Über Homologievergleiche (BLAST- Datenbank-Recherche) wurden Enzyme, die am Lignocelluloseabbau beteiligt sind, identifiziert. Die in der Übersichtsprobe enthaltenen Proteine gehörten zu den Proteinfamilien der Oxidoreduktasen, Peptidasen und Esterasen (Tabelle 6). S e i t e | 73 Abbildung 67: zweidimensionales Elektropherogramm extrazellulärer Enzyme von Pleurotus sapidus Submerskultur auf Rapsstroh, Extrakt nach 9 Kulturtagen, Auswahl von 30 Proteinspots zur massenspektrometrischen Analyse S e i t e | 74 Tabelle 6: Proteinidentifizierung anhand von Peptidsequenz-Datenbankrecherchen; (*)Protein Blast NCBI (Altschul et al. 1997) und MS Blast EMBL (Shevchenko et al. 2001); ≠: Peptide wurden Proteinen unbekannter Funktion zugeordnet; Sequenzdaten siehe 6.3 Spotnummer Identifizierte Proteine/Homologien Homologie 126-01* Laccase 2, P. sapidus 100% 126-02 Arylalkoholoxidase Vorläufer, P. eryngii 94% 126-03* Laccase 2, P. sapidus 92% 126-04 Xanthophyllester-Lipase Vorläufer, P. sapidus 88 - 100% 126-05 Serinprotease aus X. campestris 75 - 100% 126-06* Laccase Untereinheit POXA 3a/b, P. ostreatus 84 – 92% 126-07 ≠ ≠ 126-08 ≠ ≠ 126-09 Phosphatidylglycerol spezifische Phospholipase C, T. stipitatus 74% 126-10 Alkoholoxidase, P. glucozyma, P. trehalophila 75% 126-11 Peptidyl-Lysyl-Metallendopeptidase, P. ostreatus 93% 126-12 div. Peptidasen, V. vulnificus 77% 126-13 Methanoldehydrogenase, Acinetobacter sp. 66 – 85% 126-14 Serin/Threonin-Kinase, O. sativa 75 – 100% 126-15 ≠ ≠ 126-16 Laccase 2, P. sapidus 75 – 85% 126-17 Laccase, P. ostreatus 90 – 100% 126-18 ≠ ≠ 126-19* ≠ ≠ 126-20 Peroxidase, L. plantarum 100% 126-21 Laccase, P. ostreatus 75% 126-22 ≠ ≠ 126-23 ≠ ≠ 126-24 extrazelluläre Dioxygenase, A. flavus 74% 126-25* Aldehydreduktase II, A. fumigatus 100% 126-26 Glycosid Hydrolase Familie 72, L. bicolor 99% 126-27 Xanthophyllester-Lipase Precursor, L. bicolor 72% 126-28 ≠ ≠ 126-29* Laccase Untereinheit POXA 3a/b, P. ostreatus 70 – 90% 126-30* Aldehydreduktase II, A. fumigatus 88% S e i t e | 75 Zur qualitativen Beurteilung der Proteinexpression an unterschiedlichen Kulturtagen wurden zusätzlich zweidimensionale Elektrophoresen der Kulturtage 6 und 12 erstellt (Protagen AG) (Abbildung 68 und 69). Die 30 sequenzierten Spots (Abbildung 67) wurden hinsichtlich einer Intensitätsänderung von Tag 6 nach Tag 9 (Abbildung 68), sowie von Tag 9 nach Tag 12 (Abbildung 69), untersucht. Nur bei wenigen Proteinspots (~20%) wurde eindeutig eine Regulation beobachtet (Tabelle 7). Abbildung 68: zweidimensionale Elektropherogramme extrazellulärer Enzyme von Pleurotus sapidus Submerskulturen auf Rapsstroh: Extrakte nach 6 und 9 Kulturtagen S e i t e | 76 Abbildung 69: zweidimensionale Elektropherogramme extrazellulärer Enzyme von Pleurotus sapidus Submerskulturen auf Rapsstroh: Extrakte nach 9 und 12 Kulturtagen S e i t e | 77 Tabelle 7: Zuordnung der identifizierten Proteine zu den Spotintensitäten (Abbildung 68 und Abbildung 69); nd: nicht detektiert; ↑: vermehrte Proteinexpression; ↓: verminderte Proteinexpression; -: gleichbleibende Proteinexpression; ≠: Peptide konnten keinem bekannten Protein zugeordnet werden; Sequenzdaten siehe 6.3 Spotnummer ID Tag 6  Tag 9 Tag 9  Tag 12 126-01 Laccase 2 (100%), P. sapidus nd nd 126-02 Arylalkoholoxidase Vorläufer (94%), P. ostreatus nd ▬ 126-03 Laccase 2 (92%), P. sapidus ↑ ↑ 126-04 Carotinoidester Lipase Vorläufer (78%), P. sapidus ↓ ↑ 126-05 Serinprotease (75%), X. campestris ▬ ▬ 126-06 Laccase Untereinheit POXA 3a/b, P. ostreatus (83%) ▬ ▬ 126-07 ≠ ↓ ↑ 126-08 ≠ ▬ ▬ 126-09 Phosphotidylglycerol spezifische Phospholipase (74%), T. stipitatus ▬ ▬ 126-10 Alkoholoxidase (75%), P. glucozyma und P. trehalophila ↓ ↑ 126-11 Peptidyl-Lys Metalloendopeptidase (93%), P. ostreatus ▬ ▬ 126-12 Peptidasen (77%), V. vulnificus ↑ ▬ 126-13 Methanoldehydrogenase (66%), Acinobacter. sp. ▬ nd 126-14 Serin/Threonin-Kinase (75%), O. sativa ▬ ▬ 126-15 ≠ nd nd 126-16 Laccase 2 (76%) aus P. sapidus nd nd 126-17 Laccase (90%) aus P. sapidus ▬ ▬ 126-18 ≠ ↑ ▬ S e i t e | 78 126-19 ≠ ▬ ▬ 126-20 Peroxidase (100%), L. plantarum ▬ nd 126-21 Laccase 2 (85%) aus P. sapidus ▬ ▬ 126-22 ≠ ↓ ↑ 126-23 ≠ nd ↓ 126-24 extrazelluläre Dioxygenase (74%), A. flavus ▬ ↓ 126-25 Aldehydreduktase II (100%), A. fumigatus ▬ ▬ 126-26 Glycosid Hydrolase (83%), L. bicolor ▬ ↑ 126-27 Xanthophyllester-Lipase Vorläufer (72%), L. bicolor ▬ ▬ 126-28 ≠ ↑ ↓ 126-29 Laccase Untereinheit POXA 3a/b, (84%), P. ostreatus ▬ ▬ 126-30 Aldehydreduktase II (88%), A. fumigatus nd nd 2.2.2.4 Kinetische Analyse von Submerskulturen mit Rapsstroh Für die kinetischen und massenspektrometrischen Untersuchungen wurden Kulturüberstände aus Submerskulturen, wie unter (4.7.5.2) beschrieben, vorbereitet und dem Projektpartner Protagen AG zur Verfügung gestellt. Für jeden Projekttag wurden zweidimensionale Elektropherogramme der Proben angefertigt. Die isoelektrischen Punkte der Proteine an den verschiedenen Kulturtagen lagen in einem pI-Bereich von 4 ≤ pI ≤ 8 und einem Molekulargewichtsbereich von 10 – 170 kDa (Abbildung 70). Für die Identifizierung einzelner Proteine mittels Massenspektrometrie wurde eine Mischprobe der Einzelzeitpunkte erstellt, um alle vorkommenden Spots in S e i t e | 79 einem Gel zu detektieren (Abbildung 71). Aus der Mischprobe wurden insgesamt 214 Spots vermessen. Die erhaltenen Peptiddaten eines Proteinspots wurden zunächst mit dem nicht annotiertem Genom des Basidiomyceten Pleurotus ostreatus mittels BLAST- Analyse einem Protein zugeordnet. Danach wurden sämtliche Peptide eines Spots über ein Alignment dem gefundenen Protein zugeordnet. Das im Pleurotus ostreatus Genom gefundene Protein wurde parallel mittels Datenbanksuchen über NCBI BLAST (pBLAST Stand: 15.04.2010) und PFAM (http://pfam.sanger.ac.uk/; Stand: 15.04.2010) identifiziert. Die zugehörigen Peptiddaten sind im Anhang aufgelistet (6.4). http://pfam.sanger.ac.uk/ S e i t e | 80 Abbildung 70: zweidimensionale Elektropherogramme extrazellulärer Enzyme von Pleurotus sapidus Submerskulturen nach 3, 6, 9 und 12 Kulturtagen. pI4 10pI4 10 MW [kDA] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 pI4 10pI4 10 MW [kDA ] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 pI4 10pI4 10 MW [kDA] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 pI4 10pI4 10 MW [kDA] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 MW [kDa] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 MW [kDa] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 MW [kDa] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 MW [kDa] 170 130 100 72 55 40 33 24 17 11 104 pI 104 pI 104 pI 104 pI Tag 3 Tag 6 Tag 9 Tag 12 S e i t e | 81 Abbildung 71: Zweidimensionales Elektropherogramm mit allen mittels MALDI-MS/MS analysierten Proteinen. Insgesamt wurden 214 Proteinspots vermessen. S e i t e | 82 Nur ein kleiner Anteil (10%) der Proteine konnte so nicht identifiziert werden. Die in der Mischprobe enthaltenen Proteine gehörten zu 80% der Proteinfamilie der Glycosidasen an. Esterasen und Peptidasen waren mit je 3,4% und Lipasen und Oxidoreduktasen mit je 4,4% vertreten (Abbildung 72). Identifiziert wurden daneben Lyasen und zelluläre Hilfsenzyme wie zum Beispiel Ubiquitin oder Cyclophilin. Abbildung 72: schematische Darstellung der Zuordnung der identifizierten Proteine aus der 2D- Elektrophorese zu verschiedenen Proteinfamilien; hellgrau: Glycosidasen; k