Kontrollierte klinische Studie über die Auswirkungen einer Infusion mit hypertoner Kochsalzlösung auf die Kreislaufsituation bei Kühen mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung
Lade...
Datum
Autor:innen
Betreuer/Gutachter
Weitere Beteiligte
Beteiligte Institutionen
Herausgeber
Zeitschriftentitel
ISSN der Zeitschrift
Bandtitel
Verlag
Lizenz
Zitierlink
Zusammenfassung
Ziel dieser Studie war die Prüfung der Effektivität einer Infusion mit hypertoner Kochsalzlösung im Vergleich zu einer solchen mit isotoner Natriumchloridlösung im Hinblick auf die Stabilisierung der Kreislaufsituation bei Kühen mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung. Hierzu wurden insgesamt 60 Kühe der Rassen Deutsche Holsteins (n = 56) und Deutsches Fleckvieh (n = 4) im Alter von zwei bis elf Jahren, welche mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung in die Klinik eingeliefert wurden, auf die Versuchs- (n = 30) und Kontrollgruppe (n = 30) randomisiert. Die Infusionsbehandlung erfolgte entweder als intravenöse Kurzinfusion (Sturzinfusion) mit zwei Litern 7,2%iger hypertoner Kochsalzlösung und einer anschließenden Dauertropfinfusion mit zehn Litern physiologischer Kochsalzlösung nach operativer Reposition des Labmagens (Versuchsgruppe) oder mittels einer sofort angelegten Dauertropfinfusion mit insgesamt 26 Litern 0,9%iger isotoner Kochsalzlösung (Kontrollgruppe). Zur Beurteilung der Effektivität dieser Infusionsregime wurden folgende Hauptzielkriterien erfasst (innerhalb der ersten Stunde nach Infusionsbeginn in zehnminütigen Abständen, danach jeweils 3, 6, 12, 24, 48 und 72 Stunden nach Infusionsbeginn): Entwicklung des Volumendefizits (ermittelt anhand der Hämatokritänderung), Herzfrequenz, zentraler Venendruck und Base Excess. Zusätzlich wurde der Verlauf folgender Parameter (Nebenzielkriterien) ermittelt: pH-Wert des venösen Blutes, Plasmaosmolalität, Hämatokrit, Konzentrationen an Bicarbonat, Natrium, Kalium und Kalzium im Blut sowie diejenigen an Chlorid-, Magnesium-, Phosphat-, Harnstoff-, Kreatinin- und Gesamteiweißkonzentration im Serum. Darüber hinaus bestimmt wurden die Plasmavolumenänderung (berechnet anhand der Serum-Gesamteiweißkonzentration) sowie Dichte, Osmolalität und pH-Wert des Harns, außerdem Körperinnentemperatur, Atemfrequenz, Hautturgor, Lage der Bulbi, kapillare Rückfüllzeit und Hauttemperatur. Der Vergleich der beiden Infusionsverfahren ergab folgende Ergebnisse: Die Infusion mit hypertoner Kochsalzlösung führte zu einer signifikant rascheren Verminderung des eingangs bestehenden Volumendefizits (Reduktion bis zum Zeitpunkt 60 Minuten: von 5,9 ± 4,8 auf 2,1 ± 4,4 l/100 kg vs. von 7,0 ± 4,5 auf 4,9 ± 3,8 l/100 kg in der Kontrollgruppe; angegeben sind jeweils ± s). Gleichzeitig stieg innerhalb von 30 Minuten nach Infusionsbeginn die Herzfrequenz in der Versuchsgruppe signifikant von 81,3 ± 16,0 auf 87,1 ± 14,2 Schläge/min, in der Kontrollgruppe verminderte sie sich leicht von 85,4 ± 17,6 auf 83,9 ± 16,0 Schläge/min. Ebenso war der zentrale Venendruck bei den Probanden der Versuchsgruppe bereits innerhalb der ersten 10 Minuten von 7,3 ± 3,5 auf 10,8 ± 3,4 cm H2O angestiegen. In der Kontrollgruppe kam es demgegenüber zu einem nur sehr protrahierten Anstieg des zentralen Venendrucks (Ausgangswert: 8,1 ± 2,3 cm H2O), und selbst 60 Minuten nach Infusionsbeginn lag dieser noch signifikant unter dem der Versuchsgruppe (9,5 ± 2,1 vs. 10,3 ± 3,3 cm H2O). Der Basenüberschuss verminderte sich in der mit hypertoner Lösung infundierten Versuchsgruppe innerhalb der ersten Stunde nach Infusionsbeginn von 5,5 ± 6,9 auf 4,7 ± 6,2 mmol/l, in der Kontrollgruppe kam es demgegenüber in diesem Zeitraum zu einem Anstieg des Base Excess von 5,6 ± 5,7 auf 6,8 ± 5,4 mmol/l. Diese Befunde deuten darauf hin, dass eine Infusionsbehandlung mit hypertoner Natriumchloridlösung die hämodynamischen Verhältnisse und damit die gesamte Kreislaufsituation bei Kühen mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung wesentlich rascher und effektiver verbessert, als dies bei einer Dauertropfinfusion mit isotoner Kochsalzlösung der Fall ist. Die schnelle Infusion von zwei Litern einer solchen hypertonen Lösung erwies sich als gut verträglich, Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Zudem ist eine solche Kurzinfusion vor allem in der ambulanten Außenpraxis wesentlich praktikabler durchführbar als eine Dauertropfinfusion mit großen Mengen einer isotonen Lösung.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
