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Item type:Item, Expression von Sirtuinen in Fett-abgeleiteten Stammzellen weiblicher Patienten unterschiedlichen Lebensalters und deren Bedeutung bei der Adipogenese(2026) Jamil, AlanDas fortschreitende Lebensalter ist ein komplizierter und unumkehrbarer Prozess, der alle Organisationsebenen eines Organismus (Körper, Organ, Gewebe, Zelle) erfasst. Dieser Prozess führt dazu, dass Zellen progredient ihre Funktionsfähigkeit verlieren und letztendlich in die Apoptose einmünden, was bei einem Organismus den Tod bedeutet. In engem Zusammenhang mit dem Altern stehen Veränderungen von Stoffwechselprozessen, zunehmender oxidativer Stress, und ein abnehmendes Differenzierungspotenzial von residenten Stammzellen. Sirtuine (SIRTs) fungieren in mehreren biochemischen und epigenetischen Ebenen als Schlüsselfaktoren und sind in einer Vielzahl von Studien mit lebensverlängernden Prozessen, wie z.B. der kalorischen Restriktion in Verbindung gebracht worden. Sie greifen regulierend in den Stoffwechsel ein, erhöhen die anti-oxidative Kapazität und tragen möglicherweise zum Erhalt der Stammzellfunktion bei. Stammzellen des Fettgewebes (ADSCs = Adipose-derived stem cells) stellen für Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Altersforschung ein wichtiges menschliches Untersuchungsmaterial dar, denn die ADSCs sind als mesenchymale Stammzellen leicht in der plastischen Chirurgie zu gewinnen, haben die Fähigkeit sich in unterschiedliche Zelllinien zu differenzieren und können autolog in regenerativen Therapien eingesetzt werden, um Alters-und Krankheits-bedingten Zell und Gewebeverlust auszugleichen und die physiologische Funktion wieder herzustellen. Im Rahmen dieser Arbeit wurde untersucht, wie sich die Proliferationsfähigkeit und die Expression relevanter Sirtuine mit zunehmendem Lebensalter von weiblichen Stammzellspendern ändern. Weibliche Stammzellspender wurden zum einen wegen der besseren Verfügbarkeit von Fettgewebe, zum anderen wegen der im Vergleich zu Männern unterschiedlichen hormonellen Eigenschaften des Fettgewebes ausgewählt. Es wurde in weiteren Experimenten erforscht, inwieweit eine pharmakologische Modulation der Sirtuinexpression die Expression von Stammzellmarkern und das adipogene Differenzierungspotenzial der ADSCs beeinflusst. Die vorgelegten Experimente zeigten, dass die Proliferationsgeschwindigkeit der Stammzellen mit zunehmendem Lebensalter der Stammzell-Spenderinnen abnahm. Mittels Western Blot Verfahren konnte eine signifikante Reduktion der SIRT1 Expression mit zunehmendem Lebensalter festgestellt werden. Die SIRT3 Expression war in Patientinnen fortgeschrittenen Lebensalters niederiger als in den jungen Patientinnen, jedoch wurde keine statistische Signifikanz erreicht. Bezüglich SIRT2 und SIRT5 wurden keine Unterschiede in den Patientinnengruppen festgestellt. Mit zunehmendem Lebensalter der Patientinnen nahm die NO Generierung in den ADSCs ab. Der SIRT1/2 Aktivator YK-3-327 steigerte die Fähigkeit von ADSCs zur Adipogenese und die Expression des Adipogenese-assoziierten Proteins Adiponektin. Das in-vitro-Modell der pharmakologischen Sirtuinmodulation und Adipogenese von ADSCs kann in Zukunft als Grundlage für Forschungsprojekte in Zusammenhang mit Lebensalters-abhängiger Stammzell-Differenzierung und Regeneration sowie Patienten-spezifischer Therapieansätze genutzt werden.Item type:Item, Neural and perceptual correlates of individual gaze behavior in complex scenes(2026) Kollenda, DianaDie Wahrnehmung von Szenen ist keine passive Registrierung visueller Reize, sondern ein aktiver, selektiver Prozess, durch den Beobachter komplexe visuelle Umgebungen erkunden und interpretieren. Interessanterweise unterscheiden sich Personen systematisch darin, wohin sie blicken, wenn sie dieselbe Szene betrachten. So fixieren manche Personen beispielsweise Gesichter doppelt so häufig wie andere, während wiederum andere deutlich häufiger auf Text schauen. Diese Dissertation untersucht, wie solche systematischen individuellen Unterschiede während der Szenenbetrachtung mit der neuronalen Organisation im ventralen visuellen Verarbeitungspfad und mit perzeptuellen Konsequenzen zusammenhängen. In zwei Studien zeigen wir, dass individuelle Unterschiede in der Tendenz, Gesichter und Text zu fixieren, systematisch mit kategorieselektiven Hirnrepräsentationen sowie mit der Art und Weise zusammenhängen, wie Versuchspersonen Szenen beschreiben. Die erste Studie untersucht den Zusammenhang zwischen individuellen Fixationspräferenzen für Gesichter und Text und kategorieselektiven Aktivitäten im ventralen Pfad. Wir zeigen, dass die individuellen Tendenzen, Gesichter und Text zu fixieren, mit der Distinktheit verteilter neuronaler Aktivitätsmuster für diese Kategorien zusammenhängen. Dieser Zusammenhang ist besonders ausgeprägt für Erstfixationen, die zudem mit der Größe gesichts- und wortselektiver Areale korrelieren. Darüber hinaus hängt die Distinktheit kategoriespezifischer neuronaler Aktivitätsmuster mit der Leistung in entsprechenden Verhaltensaufgaben zusammen. Diese Befunde legen nahe, dass aktives Sehen mit der Selektivität für bestimmte Kategories im ventralen Pfad verknüpft ist und bevorzugt auf Objektkategorien gerichtet ist, die im individuellen Gehirn besonders distinkt repräsentiert sind. Die zweite Studie untersucht, ob solche systematischen Unterschiede in Blickpräferenzen mit Unterschieden in der perzeptuellen Wahrnehmung einhergehen. Wir zeigen, dass Versuchspersonen mit ähnlichen Blickmustern auch dazu tendieren, ähnlichere Beschreibungen zu produzieren, insbesondere in ihrer Substantivverwendung. Dieser Zusammenhang generalisiert über unabhängige Szenen hinweg. Darüber hinaus korreliert die Tendenz, sich auf Personen oder Text zu konzentrieren, mit der Häufigkeit, mit der diese Kategorien in Beschreibungen erwähnt werden. Zudem zeigen sich negative Korrelationen in der Priorisierung von Personen versus Text sowohl im Blickverhalten als auch in den Beschreibungen. Diese Befunde sprechen für eine stabile Kopplung zwischen Blickverhalten und Szenenbeschreibung. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse eine systematische Kovariation zwischen aktivem Sehen, individueller neuronaler Organisation, Verhaltensleistung und perzeptuellen Interpretationen von Szenen. Idiosynkratische kategorieselektive Repräsentationen im ventralen Pfad gehen mit stabilen Blickprioritäten für sozial und kulturell relevante Kategorien wie Gesichter und Text einher, und diese scheinen mit der perzeptuellen Information zusammenzuhängen, die in Beschreibungen integriert wird. Diese Dissertation plädiert daher dafür, individuelle Variabilität nicht als Rauschen, sondern als bedeutungsvolles Signal zu betrachten, um ein umfassenderes Verständnis der menschlichen visuellen Verarbeitung und Wahrnehmung zu ermöglichen. English Summary Scene perception is not a passive registration of visual input but an active, selective process through which observers explore and make sense of complex visual environments. Interestingly, people differ systematically in where they look when viewing the same scene. For example, some people fixate faces twice as much as others, while others fixate text much more than others do. This thesis investigates how such systematic individual differences during scene viewing relate to neural organization in the ventral stream and to perceptual consequences. Across two studies, we show that individual differences in the tendency to prioritize faces and text are systematically linked to category-selective brain representations and how observers describe scenes. The first study examines how individual fixation preferences for faces and text relate to category-selective responses in the ventral stream. We show that individual tendencies to fixate faces and text are related to representational distinctiveness of distributed responses for these categories. This link is especially evident for first fixation tendencies, which also correlate with the size of face- and word-selective regions. Additionally, the distinctiveness of category-specific neural responses is linked to performance in corresponding behavioral tasks. These associations suggest that active vision is linked to category-selectivity in the ventral stream and preferentially targets object categories that are distinctively represented in the individual brain. The second study examines whether such gaze biases translate into systematic differences in perception. We find that observers who look more similar at scene elements also tend to produce more similar descriptions, especially in their noun usage. This link generalizes across independent scene sets. Moreover, the tendency to dwell on people or text correlates with how often these categories are referenced in descriptions. We observed anti-correlations in the prioritization of people versus text in gaze behavior as well as in descriptions. These observations support a trait-like coupling between where individuals look and how they describe scenes. Taken together, our findings outline a systematic pattern of covariation between active vision, individual neural organization, behavioral task performance, and perceptual interpretations of scenes. Idiosyncratic category-selective representations in the ventral stream are associated with stable gaze priorities for socially and culturally relevant categories such as faces and text. These priorities appear to be related to the perceptual information that is ultimately sampled and included in descriptions. This thesis therefore proposes that treating individual variability as meaningful signal, rather than noise, is crucial for a more comprehensive understanding of human visual processing and perception.Item type:Item, Gendered Impacts of Agricultural Mechanisation on Women Involved in Paddy Farming: A Case Study of Gilan Province, Iran(2026) Eftekharian Jahromi, ElahehAgricultural mechanisation has become an important strategy for increasing agricultural productivity and profitability in many countries. Although mechanisation has improved farming efficiency, its impacts on individuals involved in the agricultural production process remain complex and not fully explored. Existing research in Iran has primarily focused on the economic and technical outcomes of mechanisation, with limited attention to its impacts on farmers and farmworkers, particularly women. This study aims to examine how agricultural mechanisation affects women who are engaged in rice farming in Gilan Province, Iran, focusing on their productive, reproductive and community roles, as well as their practical and strategic gender needs. This study adopted a qualitative case study design and data were collected through semi-structured interviews and a focus group discussion with women farmers, family farmworkers and wage farmworkers involved in rice farming. Moser's Gender Planning Framework guided the development of the interview guide and the thematic analysis of the data. Findings demonstrate the strong interconnectivity of women’s productive, reproductive, and community management roles as well as their gender needs. Agricultural mechanisation reshapes women’s productive roles, which transforms their reproductive and community roles along with their practical and strategic gender needs. Another finding indicates that the impacts of mechanisation differ according to women's socio-economic positions. While mechanisation reduced physical labour and saved time, enabling women farmers to undertake more managerial roles and diversify their income sources, wage farmworkers experienced declining employment opportunities, reduced income and greater livelihood insecurity. The effects on family farmworkers were more varied and depended on whether they worked exclusively on their family farms or also relied on wage labour. Women who worked only on family farms generally benefited from reduced labour and drudgery, whereas those who also engaged in wage labour did not benefit from mechanisation as they continued to work on both their own family farms and others' farms to supplement household income. The study also identifies gender-blind machinery design, limited access to mechanised technologies and training, and persistent socio-cultural norms as major barriers to women's equal participation in mechanised agriculture. The study concludes that agricultural mechanisation is not merely a technological intervention but a process that reshapes gender relations, employment opportunities and rural livelihoods. It highlights the need for gender-responsive mechanisation policies that promote inclusive technology design, equitable access to mechanised technologies and training, equal employment opportunities, and women's meaningful participation in mechanised agriculture.Item type:Item, Ökonomische und arbeitswirtschaftliche Auswirkungen einer Windauflage für gebeiztes Saatgut am Beispiel norddeutscher und hessischer Standorte(2025) Rabenau, PhilipÜber die ökologischen, arbeitswirtschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen der Einführung der Anwendungsbestimmung NH681 ("Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5 m/s.") liegen bis dato noch keine wissenschaftlichen Studien vor. Im Rahmen dieser Dissertation werden erstmals arbeitswirtschaftliche und ökonomischen Daten zu den Auswirkungen dieser neueingeführten Windauflage für ausgewählte Anbaukulturen und Stationen gewonnen und darüber hinaus das Risiko einer zeitgerechten Arbeitserledigung der Aussaat betrachtet. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, durch die hier gewonnenen Daten zu den Kostensteigerungen der Aussaat und der Vorteilhaftigkeit von Mechanisierungsalternativen Rückschlüsse auf die durch die Windauflage induzierten Veränderungen anderer Standorte, Gebiete und Anbaukulturen ziehen zu können. Um dies zu erreichen, werden die Windgeschwindigkeiten aller Stationen und insbesondere der drei genauer untersuchten Stationen Gießen, Teterow und Boltenhagen untersucht. Darüber hinaus werden die Feldarbeitstage (FAT) und die FAT nach den Aussaatzeitspannen der Kulturen für alle Stationen mit und ohne Windauflage berechnet. Bei der ökonomischen und arbeitswirtschaftlichen Analyse wird sich auf die drei Stationen Gießen, Teterow und Boltenhagen beschränkt, da diese aufgrund ihrer Eigenschaften wie Klimazone und durchschnittlicher Windgeschwindigkeit gut geeignet sind, Rückschlüsse auf andere Standorte zuzulassen. Durch die Berechnung der Verfahrensumfänge ohne und mit Windauflage sowie die Betrachtung der Resilienz der Anbauverfahren gegenüber der Windauflage durch die Ordnung der Restriktionen und den Abstand zwischen Aussaat- und Verfahrensumfang werden die arbeitswirtschaftlichen Auswirkungen der Windauflage auf die Anbauverfahren und die landwirtschaftlichen Betriebe aufgezeigt. Durch die integrative Betrachtung der Arbeitsgänge innerhalb eines Anbauverfahrens und der Berechnung der möglichen Umfänge anhand eines linearen Programmierungstableaus (Arbeitstableau) wird darüber hinaus eine Methode zur Analyse der arbeitswirtschaftlichen Zusammenhänge entwickelt. Sie könnte zum Beispiel bei der Analyse der Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeitswirtschaft der Zukunft Anwendung finden. Mit der Berechnung des kostenminimalen Maschineneinsatzes ohne und mit Windauflage werden die erwartbaren Kostensteigerungen für die Aussaat der Anbauverfahren kalkuliert sowie der Einfluss der Windauflage auf das Verhältnis zwischen Maschinenanzahl und Ertragsverlusten aufgrund suboptimaler Saatbedingungen ermittelt. Die Risikoanalyse verdeutlicht die Veränderungen des optimalen Risikoverhaltens verschiedener ex-ante festgelegter Mechanisierungsalternativen durch die Windauflage und dient der Bestimmung der optimalen Risikoeinstellung anhand der Aussaatkosten und deren Veränderungen. Wie die Ergebnisse zeigen, entfallen durch die Windauflage in fast allen Stationen FAT zur Aussaat, was zu einem höheren kostenminimalen Maschineneinsatz für 1000 ha und geringeren direkt- und arbeitserledigungskostenfreien Leistungen führt. Die Ergebnisse zeigen zudem große Unterschiede zwischen Stationen, Betriebsgröße, Anbaukulturen und Anbauverfahren, sodass es bei Anpassungen und Abschätzungen durch die Windauflage einer spezifischen Analyse bedarf. Besonders deutlich wird die Diversität der Ergebnisse bei der Risikoanalyse, welche zu teils konträren Ergebnissen führt. Diese Dissertation hat durch die kombinierte Anwendung multipler Methoden einen ersten Beitrag zur Abschätzung der ökonomischen und arbeitswirtschaftlichen Auswirkungen der Windauflage geliefert. Die hier gewonnenen Daten zu den Kostensteigerungen der Aussaat und zur Vorteilhaftigkeit von Mechanisierungsalternativen können verwendet werden, um die durch die Windauflage induzierten Veränderungen auf andere Standorte, Gebiete und Anbaukulturen und deren Deckungsbeiträge detaillierter zu erfassen.Item type:Item, Schockraumindikation nach Unfallhergang in Korrelation zur Verletzungsschwere und korrekten Anwendung durch den Rettungsdienst(2025) Lange, Carl-Luis<b>Einleitung:</b> Die Patienten, die in Deutschland aufgrund der sechs Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) der S3-Leitlinie „Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ der DGU von 2016 in den Schockraum (SR) eingewiesen werden, scheinen in der klinischen Realität oft nicht schwerverletzt zu sein. Die Schockraumindikation nach Unfallhergang steht in Verdacht, für eine bedeutende Übertriage verantwortlich zu sein. <b>Material/Methoden:</b> In dieser Arbeit wird daher untersucht, ob die Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) effizient Schwerverletzte identifizieren und eine konsekutive SR-Indikation und -behandlung legitimieren. Darüber hinaus wird untersucht, ob die Unfallhergangs-Kriterien vom Rettungsdienst korrekt angewendet werden. Die retrospektive Datenauswertung umfasst alle Patienten (N= 694), die in den Jahren 2018 und 2019 aufgrund der Unfallhergangs-Kriterien in den SR des überregionalen Level 1 TraumaZentrums UKGM, Standort Gießen eingeliefert wurden. Die Daten wurden anhand der präklinischen und klinischen Dokumentation erhoben und die Verletzungsschwere jedes einzelnen Patienten mittels Abbreviated Injury Scale (AIS), Maximum Abbreviated Injury Scale (MAIS), Injury Severity Score (ISS) und New Injury Severity Score (NISS) bestimmt. Die statistische Analyse erfolgte mittels SPSS und die statistische Signifikanz wurde mit p <0,05 definiert. <b>Ergebnisse:</b> In dem großen Patientenkollektiv (N= 694) zeigt sich eine niedrige durchschnittliche Verletzungsschwere (MAIS: 1,5, ISS: 4,2, NISS: 5,7). Lediglich 42 Patienten (6,1%) der 694 sind schwerverletzt (ISS ≥16). Auffällig ist ein statistisch signifikanter (p <0,001) Zusammenhang zwischen zunehmendem Patientenalter und der Verletzungsschwere. Die retrospektive klinische Reevaluierung der SR-Indikation nach Unfallhergang zeigt, dass 532 (76,7%) der 694 Patienten korrekt nach den Unfallhergangs-Kriterien der S3-Leitlinie durch den Rettungsdienst in den SR eingewiesen wurden. Deren durchschnittliche Verletzungsschwere (MAIS-Mittelwert: 1,3, ISS-Mittelwert: 3,4, NISS-Mittelwert: 4,6) ist niedriger als die des Gesamtkollektivs. Lediglich 17 Patienten (3,2%) dieser Gruppe sind schwerverletzt. 162 Patienten (23,3%) der 694 wurden nicht korrekt nach den Unfallhergangs-Kriterien eingewiesen (MAIS-Mittelwert: 1,9, ISS-Mittelwert: 7,0, NISS-Mittelwert: 9,5). 25 Patienten (15,4%) dieser Gruppe waren schwerverletzt. Die Patienten, die nicht korrekt nach den Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) der S3-Leitlinie von 2016 in den Schockraum eingewiesen wurden, sind signifikant schwerer verletzt (p <0,001) als die korrekt Eingewiesenen. Auch die Anzahl der Schwerverletzten (ISS ≥16) in der Gruppe der nicht korrekt nach den Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) der S3-Leitlinie von 2016 in den Schockraum eingewiesenen Patienten ist signifikant höher (p <0,001) als in der Gruppe der korrekt eingewiesenen Patienten. <b>Schlussfolgerungen:</b> Die Daten legen nahe, dass die Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) der S3-Leitlinie von 2016, insbesondere und paradoxerweise dann, wenn korrekt durch den Rettungsdienst angewendet, kaum geeignet sind, Schwerverletzte zu identifizieren. Eine unreflektiert wortgetreue, d.h. eine die präklinische Kondition des Patienten unberücksichtigt lassende Anwendung der Unfallhergangs-Kriterien führt in den allermeisten Fällen zu einer nachgerade medizinisch nicht erforderlichen und nicht sinnvollen Schockraumaktivierung. Daher sollte die präklinisch isolierte Anwendung der Unfallhergangs-Kriterien keine Schockraumindikation und -behandlung mehr rechtfertigen, denn Schockraumaktivierungen binden viele personelle und apparative Ressourcen und stören die klinische Routine. Die Unfallhergangs-Kriterien (GoR B) sollten vielmehr in den nächsten „S3-Leitlinien Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ neu bewertet werden. Noch nicht definierte, scheinbar präklinisch medizinisch-intuitiv für eine Schockraumindikation utilisierte Kriterien, wie beispielsweise ein „Treppensturz mit einem Alter >64 Jahre“, scheinen Schwerverletzte effektiv identifizieren zu können. Kombinationen aus Unfallhergang/-mechanismus, dem wichtigen Faktor Patientenalter und (patho-) physiologischen/medikamentösen Begleitfaktoren könnten als potenziell neue Schockraumaktivierungskriterien zur Identifizierung schwerverletzter Patienten dienen. Dies sollte Gegenstand weiterführender Studien sein.