Einsatz von Deslorelin beim männlichen Kaninchen sowie Versuche zur Quetschung des Samenstranges zur Ausschaltung der Hodenfunktion
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Zusammenfassung
Die Unterbindung der Fortpflanzung ist beim männlichen Kaninchen auf die chirurgische Entfernung der Gonaden beschränkt. In Abhängigkeit vom Gesundheitszustand des Tieres ist diese Operation jedoch mit einem hohen Narkoserisiko verbunden. Weiterhin kann es zum Auftreten von postoperativen Komplikationen, wie zum Beispiel Wundheilungsstörungen, kommen. Die Frage nach einer Alternative zur chirurgischen Kastration ist aus diesem Grund aktuell.Beim Wiederkäuer ist die unblutige Kastration von männlichen Jungtieren durch Abquetschen der Samenstränge und der hodenversorgenden Gefäße und Nerven eine etablierte Methode zur Unterdrückung der Fortpflanzungsfunktion. Neuere Untersuchungen am Rüden zeigten, dass diese Technik auch für diese Tierart ohne Probleme eingesetzt werden kann.Eine weitere Alternative zur der chirurgischen Kastration bietet die reversible Downregulation der hypophysären GnRH-Rezeptoren durch Verabreichung eines GnRH-Langzeitpräparates und die dadurch verursachte Hemmung der LH- und FSH-Freisetzung. Die hormonelle Ausschaltung durch Downregulation der Hodenfunktion ist für den Rüden zugelassen und hat sich in der Praxis auch bei anderen Tierarten, wie zum Beispiel Frettchen, Katzen und Schweinen, bewährt. Den eigenen Untersuchungen lag die Fragestellung zugrunde, eine unblutige Kastrationsmethode beim männlichen Kaninchen zu entwickeln, die auf dem Prinzip der Unterbrechung der Blutzufuhr der Testes beruht und die Möglichkeit zu testen, die operative Kastration durch die Gabe eines GnRH-Depotpräparates zu ersetzen. Hierzu wurden 35 männliche Kaninchen unterschiedlicher Rassen mit einem Alter von 4,8 Monaten in fünf Gruppen mit unterschiedlichen Behandlungen gelost. Die Gruppen 1 und 4 bestand aus zehn Tieren, in den Gruppen 2 und 3 befanden sich jeweils vier Tiere. Die Gruppe 5 bestand aus sieben Kaninchen. In den Gruppen 1, 2 und 3 wurden, orientierend an der Kastrationsmethode nach Burdizzo, die Samenstränge und die zu- und abführenden Gefäße mit verschiedenen chirurgischen Instrumenten (Arterienklemme nach Pean- Gruppe 1 und 3, Darmklemme nach Doyen- Gruppe 2), an Tag 1 abgeklemmt. In den Gruppen 1 und 2 wurden die Instrumente jeweils für drei Minuten auf dem Samenstrang belassen, in Gruppe 3 wurden für den Abklemmvorgang zehn Minuten angesetzt. Gruppe 4 bestand aus zehn Tieren, denen am Tag 1 ein slow-release GnRH-Agonist Implantat (Suprelorin& #61666;, 4,7 mg Deslorelinacetat pro Implantat, Firma Virbac, Bad Oldesloe) zwischen den Schulterblättern unter die Haut eingesetzt wurde. Die Tiere der Gruppe 5 dienten als Kontrollgruppe und wurden an Tag 1 bedeckt kastriert.In den folgenden sieben Tagen, an Tag 14 und an Tag 90 nach der Behandlung, wurden die Kaninchen klinisch allgemein und speziell andrologisch untersucht. Ebenfalls wurde bei allen Tieren eine Blutprobe an Tag 1 vor und an Tag 90 nach der Behandlung zur Bestimmung der Testosteronkonzentration entnommen. Nach Ablauf der Untersuchung wurden die Tiere der Gruppen 1, 2, 3 und 4 an Tag 90 chirurgisch kastriert und die Hoden histologisch untersucht.Die statistische Auswertung der gewonnenen Daten erfolgte mit dem Statistikprogramm BMDP/ Dynamic Release 8.1 (Statistical Solutions Ltd., Irland).Folgende relevante Ergebnisse konnten erhoben werden: In jeder Gruppe wurde eine signifikant positive Gewichtsentwicklung über die Zeit dokumentiert (p< 0,0001). Die Tiere in den Gruppen 1 (nach Quetschung) und 4 (nach Implantation) waren signifikant schwerer als die Tiere in den restlichen Gruppen (p = 0,046). Die rektale Körperinnentemperatur lag bei allen Gruppen an allen Untersuchungszeitpunkten im physiologischen Bereich, es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden (p = 0,26). Auffällig war eine signifikante Zunahme der Körperinnentemperatur an Tag 90 (p < 0,0001). Die Untersuchung des Haarkleides und der Hautoberfläche der Hoden der Gruppen 1, 2 und 3 (nach Quetschung) ergab verschiedene Veränderungen im Bereich der Quetschstelle (Ödeme, Läsionen, Schorf- und Krustenbildung sowie Granulationsgewebsbildung). Die Hoden der Kaninchen wiesen zu allen Untersuchungszeitpunkten eine physiologische, spindelförmige Form auf. Die Länge des linken und des rechten Hodens nahm über den Untersuchungszeitraum signifikant zu (p jeweils < 0,0001), wohingegen die Breite keine signifikanten Unterschiede im Untersuchungszeitraum zeigte (linker Hoden p = 0,35; rechter Hoden p = 0,14). Zwischen den einzelnen Gruppen konnten bei der Betrachtung der oben genannten Parameter keine signifikanten Unterschiede dokumentiert werden (links: p = 0,12; p = 0,35; rechts: p = 0,13; p = 0,76). Die mittlere Hodenfläche und das mittlere Hodenvolumen des linken und des rechten Hodens nahmen über den Untersuchungszeitraum hoch signifikant zu (links und rechts jeweils p < 0,0001; p < 0,0001). Die mittlere Testosteronkonzentration unterschied sich hoch signifikant zwischen den Gruppen 1 4 und der Gruppe 5 (p = 0,0002). Es konnte kein signifikanter Unterschied der mittleren Testosteronkonzentrationen der Gruppen 1 4 bezogen auf die Zeit detektiert werden (p = 0,07). Es konnte keine signifikante Korrelation zwischen der mittleren Testosteronkonzentration im Blut an den Tagen 1 und 90 und der mittleren Hodengröße gefunden werden (r = -0,224; p = 0,25). Die histologisch-morphologische Auswertung der Hodenpräparate der Kaninchen in den Gruppen 1 4 ergab im direkten Vergleich mit den Präparaten der Gruppe 5 (Kontrollgruppe) eine ungestörte Spermatogenese. In Hoden und Nebenhoden konnten Spermatozoen nachgewiesen werden. Die Ergebnisse dieser experimentellen Untersuchungen konnten zeigen, dass sich weder die mechanische Unterbindung der Blutzufuhr des Hoden durch Quetschung, noch die hormonelle Unterdrückung der Fortpflanzung durch das slow-release GnRH Implantat Suprelorin® als Alternative zur chirurgischen Kastration beim männlichen Kaninchen eignen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
