Die vorgelegte Arbeit beschreibt die spezielle Anatomie und Histologie des Verdauungstrakts von Thamnophis sirtalis sirtalis als Prototyp einer aktiv jagenden Schlange.Hierfür wurden 9 Strumpfbandnattern seziert und Material für licht- und elektronenmikroskopische Untersuchungen entnommen.Histologische Übersichtsfärbungen geben Aufschluß über die Ausstattung mit Drüsen und damit über die Verdauungsphysiologie dieser Schlangenart. Weiterhin eingesetzte immunhistochemische Verfahren und elektronenmikroskopische Untersuchungen sollen Aufschluss über die Innervation des Gastrointestinaltrakts geben.Die makroskopische Anatomie entspricht der in der Literatur beschriebenen.Die mikroskopische Anatomie zeigt die für Säugetiere typische Wandschichtung, wobei im Magen die Lamina muscularis zweischichtig ist, im Dickdarm hingegen ist sie nur schwach ausgeprägt. Das einschichtige Ösophagusepithel besteht vorwiegend aus Becherzellen und aus zilienbesetzten Epithelzellen. Die Becherzellen zeigen zwei morphologische Ausprägungen, die auf verschiedene Fütterungsstadien zurückzuführen sind. Das einschichtige, hochprismatische Magenepithel besteht aus Zellen, die eine basale, Alzianblau-PAS-negative Färbung und eine apikale, Alzianblau-PAS positive Schleimzone zeigen. Die Lamina propria besitzt im Fundus- und Pylorusbereich Magendrüsen, die im Fundus aus Drüsenhalszellen und Drüsenkörper, im Pylorus nur aus Drüsenhalszellen bestehen. Unter Alzianblau-PAS kann eine Füllung der Drüsenhalszellen mit sauren Mukopolysacchariden gezeigt werden. Die Drüsenkörper bestehen aus einem einzigen Zelltyp, was für Colubridae typisch ist. Die Muskelschichten des Magens sind deutlich ausgeprägt. In Dünn- und Dickdarm ist, trotz unterschiedlicher Ausprägung von Becherzellen des Ösophagus, ein homogener Epitheltyp mit Mikrovili-besetztem mehrreihigen Zylinderepithel vorhanden. Hier sind nur wenig Becherzellen vorhanden, deren Anzahl im Organverlauf von kranial nach kaudal ansteigt. Die Lamina muscularis mucosae ist deutlich ausgeprägt, ebenso die Tunica muscularis. Im Dickdarm ist ein weiterer Anstieg der Becherzellzahl im kraniokaudalen Organverlauf zu beobachten. Sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm kann eine Zunahme der neutralen Mukopolysaccharide enthaltenden Becherzellen beobachtet werden. Die Lamina muscularis mucosae ist hier schwach und nicht durchgängig ausgeprägt. Lichtmikroskopisch können Nervengewebe in Form von Auerbach- und Meissner- ähnlichen Plexus vor allem in Magen, Dünndarm und Dickdarm nachgewiesen werden. Elektronenmikroskopisch zeigen sich unmyelinisierte Nervenfasern und plexus mit Ausnahme des Epithels in allen histologischen Schichten. In der Lamina propria mucosae sind sie nahe den Becherzellen situiert. Es können deutlich dense core vesicles und clear vesicles als Hinweis für die Synthese von Neurotransmittern aufgezeigt werden. NADPH-diaphorase positive und damit NOS-exprimierende Nervenfasern zeigen sich in allen untersuchten Organen ebenfalls mit Ausnahme des Epithels in allen histologischen Schichten, vor allem über der Muskulatur und den Auerbach- und Meissner-Plexus. Die Endothelzellen der Tela submucosa zeigen ebenfalls Präzipitateinlagerungen, ebenfalls die Kapillare zwischen den Drüsenhalszellen des Magens. HNK-1-Epitope und Neurofilamente können mittels immunhistochemischer Methoden über den Nervenplexus aller Organe, sowie als feine Fasern vereinzelt über allen Muskelschichten, Lamina propria und Tela submucosa gezeigt werden. Im Gegensatz zu beschriebenen Studien an Vögeln und Säugetieren sind HNK-1-Epitope in nicht-embryonalen Altersstadien bzw. in adulten Individuen von Thamnophis sirtalis sirtalis zu finden.
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