Einleitung:
Das vorrangige Ziel der Erforschung des Diabetes mellitus Typ I (insulin dependent diabetes mellitus, IDDM) besteht in der Prävention der progredientzelldestruktiven Autoimmunerkrankung. Dazu bedarf es einer möglichst frühzeitigen Prädiktion, für die insbesondere der Nachweis von spezifischenAntikörpern im Serum geeignet ist. In der vorliegenden Untersuchung wurde der Stellenwert von Glutamat Decarboxylase Antikörpern (GAD Ak) im Vergleichzu den bereits etablierten Markern Inselzellantikörper (ICA) und Insulinautoantikörper (IAA) evaluiert. GAD Ak sind gerichtet gegen ein Inselzellprotein miteinem Molekulargewicht von ca. 64 KD, das als Glutamat Decarboxylase identifiziert wurde.
Fragestellungen:
1.) Vergleich zweier verschiedener Methoden zur Bestimmung von GAD Ak (Immunpräzipitationsassay und Radioimmunoassay (RIA)). 2.) Korrelation derGAD Ak zu den bekannten Markern ICA und IAA. 3.) Einfluss von Alter, Geschlecht und Zeitverlauf auf die Marker. 4.) Evaluierung der einzelnen Markerund Markerkombinationen bei Prädiabetikern hinsichtlich deren Prädiktion des IDDM.
Untersuchte Population:
75 Personen, die mehrheitlich im Rahmen der prospektiven Familienstudie Giessen - Bad Oeynhausen klinisch kontrolliert und deren Seren in halbjährlichenAbständen gewonnen worden waren. Davon entwickelten 8 Personen während des Beobachtungszeitraums einen IDDM.
Ergebnisse:
1.) Die Korrelation zwischen den GAD Ak-Bestimmungen im Immunpräzipitationsassay und im RIA war hoch signifikant. Im Gegensatz zumImmunpräzipitationsassay eignet sich der RIA für Screeninguntersuchungen aufgrund seiner einfacheren Durchführbarkeit, der Verwendung von rekombinanterGAD, einer geringeren Radioaktivitätsmenge, sowie der Quantifizierbarkeit der Ergebnisse. 2.) Die Korrelation von GAD Ak zu ICA war hoch, zu IAAsignifikant. 3.) Es bestand kein Zusammenhang zwischen Antikörper-Prävalenzraten und Alter oder Geschlecht. Weder ICA noch IAA konnten in sequentiellenSerumproben vor GAD Ak nachgewiesen werden. Hingegen wurden GAD Ak in 7,7 % (3/39) vor ICA und in 23,5 % (4/17) vor IAA gefunden. 4.) Bei den8 Prädiabetikern betrug die Prävalenz von GAD AK, ICA und IAA jeweils 75 % (6/8). Mit zunehmendem Erkrankungsrisiko, definiert durch Kategorisierungnach klinischen Kriterien und ICA-Befund, ergab sich ein statistisch hoch signifikanter Zusammenhang zur GAD Ak- bzw. IAA-Positivität.
Zusammenfassung:
Aus den Ergebnissen ist abzuleiten, dass GAD Ak wertvolle serologische Marker für die Identifizierung der prädiabetischen Phase des IDDM darstellen, da sieteilweise als einzige Marker des Prädiabetes oder mehrere Jahre vor ICA und IAA nachgewiesen werden konnten. Sie könnten damit als Entscheidungshilfe fürfrühzeitige therapeutische Interventionen und damit der potentiellen Verhinderung des Ausbruchs der Erkrankung dienen.
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