Seit der Abgrenzung der Schizophrenie von anderen psychiatrischen Krankheitsbildern vor über 100 Jahren ist diese Erkrankung das Objekt intensiver Forschungsbemühungen verschiedener Forschungsbereiche. Dabei stehen in den letzten Jahren kognitive Störungen, die als ein Symptom der Erkrankung auftreten können, im Zentrum des Interesses. Es ist bekannt, daß schizophrene Patienten in den meisten kognitiven Tests eine schlechtere Performance zeigen als gesunde Probanden - wobei noch keine Übereinstimmung besteht, ob dies auf eine globale Störung oder selektiv gestörte kognitive Funktionen zurückzuführen ist. Sollte es sich um eine Störung in bestimmten kognitiven Bereichen handeln, so müssten Funktionen beeinträchtigt sein, die in zahlreichen Aufgaben beansprucht werden und somit auch eine globale Störung vortäuschen könnten. Diese Anforderung wird u.a. von den Arbeitsgedächtnisprozessen erfüllt, jedoch auch von den s.g. elementaren Teilprozessen, welche die Basis der Informationsverarbeitung darstellen und bereits in die Lösung von Wahlreaktionsaufgaben involviert sind. Störungen der Arbeitsgedächtnisfunktionen bei schizophrenen Patienten werden häufig in der Literatur beschrieben. Einer der zahlreichen verschiedenen Untersuchungsansätze, der sich in der letzten Zeit einer recht grosser Popularität erfreut, ist das n-back Paradigma. Unter Anwendung von bildgebenden Verfahren und der Einbeziehung von Verhaltensvariablen während der Lösung von n-back Aufgaben lieferten verschiedene Forschungsgruppen jedoch widersprüchliche Ergebnisse bezüglich der Hirnaktivierung unter Arbeitsgedächtnisbelastung. Dies ist vermutlich auf die Anwendung von zwei verschiedenen Typen von n-back Aufgaben zurückzuführen: der Continuous delayed response task (CDRT) und der Continuous matching task (CMT).
In der vorliegenden Arbeit konnte durch die Integration dieser beiden Typen von n-back Aufgaben in ein Reaktionszeitzerlegungs-Paradigma nach dem traditionellen Donders´schen Ansatz (1868) gezeigt werden, dass sich die beiden Aufgabentypen in der Beanspruchung kognitiver Funktionen unterscheiden. Die Defizite, die im Verhalten ersterkrankter schizophrener Patienten in n-back-Aufgaben sowohl in der Qualität wie im Zeitbedarf nachgewiesen werden konnten, lassen sich dabei vermutlich nicht primär auf Störungen des Arbeitsgedächtnisses zurückführen. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass die Beeinträchtigungen in CMT-Aufgaben durch Dysfunktionen elementarer kognitver Prozesse erklärt werden können. In CDRT lassen sie sich dagegen vermutlich auf den Einsatz unterschiedlicher Verarbeitungsstrategien bei gesunden und schizophren erkrankten Personen zurückführen, wobei offen bleibt, inwieweit die Ursache für den Einsatz einer zeitaufwendigeren und fehleranfälligeren Strategie bei den Patienten in einer Dysfunktion oder einem fehlerhaften Einsatz des kognitiven Verarbeitungsapparates liegt.
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