Ziel der Studie ist es Daten bezüglich Eigenschaften, Stoffwechseleinstellung, den Prävalenzen von Neuropathien und Komplikationen bei Patienten mit Diabetes mellitus in Tansania zu sammeln.Im Kilimanjaro Christian Medical Centre werden 96 - Typ 1 und Typ 2 - Diabetiker im Alter von 13 bis 95 Jahren untersucht. Der HbA1c- Wert wird gemessen und anhand des Neuropathy Symptome Score (NSS) und Neuropathy Deficit Score (NDS) der Neuropathiegrad bestimmt. Ergebnis: Die mittlere Diabetesdauer der Studienteilnehmer beträgt 9,2 Jahre, 12% haben eine Diabetesdauer von mehr als 21 Jahren. Viele der Patienten leiden an Übergewicht: 60,9% der Typ 2 Diabetiker sind mindestens präadipös. Einen BMI von mehr als 25kg/m² haben 58% der gesamten Studienpopulation. Dies zeigt sich auch im Bauchumfang: 57,3% haben einen Bauchumfang, der auf einen hohen abdominalen Fettanteil hindeutet. 14,9% der Diabetiker leiden am metabolischen Syndrom.Die Hypertonie ist dagegen in Studienpopulation nicht sehr ausgeprägt: 78% haben einen Blutdruck von weniger als 140/90 mmHg. Patienten unter Insulintherapie haben einen um 5mmHg systolischen und um 3mmHg niedrigeren diastolischen Blutdruck, als Patienten unter Oralen Antidiabetika (OAD). Mehr als die Hälfte der Patienten (53,1%) haben einen HbA1c- Wert größer als 9,1% und nur 16,7% eine gute Stoffwechseleinstellung (HbA1c- Wert <7,5%). Eine Monotherapie erhalten 74% der Patienten, bei 43,8% der Patienten besteht die Therapie aus Insulin und bei 30,2% aus einem OAD. Ein Patient wird angehalten sich diätetisch zu ernähren. Die wenigsten Patienten erhalten eine Kombination aus Insulin und einem OAD (3,1%). Gemäß dem NSS haben mehr als 80% der untersuchten Patienten eine schwere und 7,3% keine Neuropathie. Gemäß NDS haben 47,9% keine nachweisbare Neuropathie, 16,7% eine leichte, 11,5% eine mäßige und 24% eine schwere Neuropathie. Diskussion:Ein negativer Zusammenhang besteht zwischen Patientenalter und HbA1c- Wert: je älter der Patient, desto besser ist auch sein HbA1c- Wert. Die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang ist nicht einfach, da die Studienlage bezüglich des Zusammenhanges uneinheitlich ist. Im Vergleich zu norwegischen Patienten sind die tansanischen Patienten häufiger übergewichtig. Ältere Patienten haben in der vorliegenden Studie eine kürzere mittlere Diabetesdauer als jüngere Typ 2- Diabetiker und eine entsprechend bessere Stoffwechseleinstellung. Bei Patienten über 50 Jahren ist deshalb ein Zusammenhang zwischen Stoffwechseleinstellung und mittlere Diabetesdauer nachweisbar. Patienten mit einer Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und einem OAD haben mit 6,6 Jahren die kürzeste mittlere Diabetesdauer, während Patienten mit einer Insulin- Monotherapie eine mittlere Diabetesdauer von 14,1 Jahren aufweisen. Eigentlich ist das Gegenteil zu erwarten, da die Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und OAD eine im Krankheitsverlauf sehr späte Therapieoption darstellt. Ältere Patienten haben eine bessere metabolische Einstellung: die kurze mittlere Diabetesdauer und eine Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und OAD mögen dazu beitragen. In Brasilien und in den VAE liegen die Prävalenzraten für Hypertonie deutlich höher. Einschränkend ist, dass die vorliegenden Daten sich auf eine einmalige Messung beziehen. Auf diese Weise würde die im Vergleich schon niedrige Hypertonieprävalenz noch niedriger als bei 22% liegen. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen BMI und Blutdruckwerten ist nachweisbar. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Stoffwechseleinstellung und einer Neuropathie findet sich in der vorliegenden Studie nicht. Dies liegt zum einen an der niedrigen Patientenzahl, zum anderen an der Methode nach der die Neuropathie diagnostiziert wird. Sehr stark stellt der NSS und wesentlich geringer der NDS subjektive klinische Kriterien in den Vordergrund. Die Neuropathie wird nach einem Punktewert, der die Wahrnehmungen des Patienten erfragt, diagnostiziert und ist somit sehr subjektiv, was Differenzen zwischen erwarteter und tatsächlicher Neuropathie erklären könnte. Die Messung der NLG schließt die Subjektivität von Patient und Untersucher weitgehend aus, ist aber für den klinischen Alltag in einer Klinik der 3. Welt unerheblich.Konsequenz: Die Studie zeigt, dass viele der untersuchten Diabetiker eine sehr schlechte Stoffwechseleinstellung haben. Das übergeordnete Ziel einer besseren Patientenversorgung muss also eine bessere Stoffwechseleinstellung sein. Ein Großteil der vorhandenen Komplikationen resultiert aus dieser schlechten Stoffwechseleinstellung. Sicherlich sind Übergewicht, Neuropathien, Ulzerationen, Infektionen und Amputationen die schwerwiegendsten Probleme und anscheinend ist die arterielle Hypertonie ein untergeordnetes Problem.
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