Zwischen autochthonen Muttersprachen und allochthonen Bildungssprachen - Sprachpolitische Dynamiken in Mosambik und seinem Hochschulwesen
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Zusammenfassung
Obwohl Portugiesisch laut offiziellen Angaben (2017) von mehr als der Hälfte der Bevölkerung Mosambiks nicht verstanden wird, ist es dennoch die verfassungsgemäß einzige Amtssprache des Landes und damit das wichtigste Kommunikationsmittel und unangefochtene Vermittlungsziel des nationalen Bildungswesens (SNE). Das Potenzial der „línguas maternas“, die von über 80 Prozent Mosambikanerinnen und Mosambikanern gesprochen werden, bleibt hingegen für den institutionellen Bildungserwerb weitgehend unberücksichtigt – neben Portugiesisch haben hier andere allochthone Bildungssprachen, allen voran die Schulfremdsprachen Englisch und Französisch, ein wesentlich größeres Gewicht; sie verfügen darüber hinaus über ein ungleich höheres gesellschaftliches Prestige. Zugleich aber beeinflusst der „bantuphone“ Grundton des multilingualen Landes den Gebrauch der Amtssprache massiv, wodurch ihre schulische Vermittlung gemäß dem offiziell geltenden Standard (Português Europeu) zusätzlich vor große Herausforderungen gestellt wird. Mit der Einführung des Ensino Bilingue 2004 wurde nun erstmals die streng exoglossische Sprachpolitik des Landes aufgebrochen. Seither wird der Standardisierungsprozess der offiziell als „línguas nacionais“ bezeichneten Bantusprachen vorangetrieben; zudem stehen Studiengänge zu ihrer Linguistik und Didaktik an staatlichen Hochschulen zur Auswahl. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Gründe für die, gewissermaßen, kolonial anmutende Handhabung der Sprachpolitik in Mosambik zu erläutern sowie ihre Folgen insbesondere für das Bildungswesen darzustellen. Anhand der Auswertung von Aussagen von Studierenden, Dozenten und Führungsverantwortlichen im staatlichen Hochschulwesen sowie von Experten für das Ensino Bilingue, die im Rahmen einer umfassenden Datenerhebung getroffen wurden, soll darüber hinaus verdeutlicht werden, wie überkommene Wahrnehmungsschemata zumindest im urbanen, akademisch gebildeten Milieu die Bewertung von Amtssprache, National- sowie den universitär vermittelten Fremdsprachen zu beeinflussen vermögen, aber auch, dass die geltende Sprachpolitik mit dem Ensino Bilingue eine neue Dynamik zugunsten der Bantusprachen erfährt – wobei freilich offen bleibt, inwieweit die ohnehin von Haushaltssorgen geplagten mosambikanischen Hochschulen in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit ihnen eine notwendige Aufgabe für sich erkennen können, wenn die Standardisierung und der Einsatz der Bantusprachen im SNE derzeit ohnehin nur darauf zielt, den Erwerb der Amtssprache an ländlichen Grundschulen zu verbessern.