Die C-reaktives-Protein/Albumin-Ratio als Prädiktor für die intrahospitale Mortalität nach spontaner intrazerebraler Blutung

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Die CRP/Albumin-Ratio ist ein Serum-Biomarker, der sich bei interdisziplinär behandelten Intensivpatientinnen und -patienten als relevanter prognostischer Faktor bzgl. der intrahospitalen Mortalität erwiesen hat. Untersuchungen zu diesem Serum-Biomarker als prognostischer Faktor bei Patientinnen und Patienten mit spontaner intrazerebraler Blutung, die auf einer neurochirurgischen Intensivstation behandelt werden, liegen allerdings noch nicht vor. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, den Zusammenhang zwischen der bei Aufnahme bestimmten CRP/Albumin-Ratio und dem Risiko, nach einer intrazerebralen Blutung noch während des Krankenhausaufenthaltes zu versterben, zu untersuchen. Bei Nachweis eines signifikanten Zusammenhangs sollte zudem analysiert werden, ob sich durch die Kombination des ICH Score mit der CRP/Albumin-Ratio eine verbesserte Vorhersagegenauigkeit hinsichtlich der intrahospitalen Mortalität nach intrazerebraler Blutung erreichen lässt.
In die retrospektive Datenanalyse wurden Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die von Februar 2008 bis Dezember 2017 für mindestens 24 Stunden auf der neurochirurgischen Intensivstation des Universitätsklinikums Gießen behandelt und bei denen bei Aufnahme CRP und Albumin im Serum bestimmt worden waren.
Darüber hinaus wurden demografische und radiologische Daten sowie multiple weitere Serum-Biomarker bei Aufnahme ebenso wie intensivmedizinische Parameter innerhalb der ersten 24 Stunden ausgewertet und ihr prognostischer Wert hinsichtlich der intrahospitalen Mortalität analysiert. Der klinische Verlauf wurde anhand der mRS bewertet.
Insgesamt wurden 379 Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 68,2 ± 13,3 Jahren in die Studie eingeschlossen. Während des stationären Aufenthaltes verstarben hiervon 118 (31,1 %); 187 (49,3 %) überlebten mit einem schweren neurologischen Defizit (mRS 4, 5). Nicht mehr als 74 (19,6 %) wurden mit einem guten klinischen Outcome (mRS 1–3) verlegt oder entlassen.
In der multivariaten Regressionsanalyse erwiesen sich ein höheres Lebensalter, ein niedriger GCS Score, ein höherer APACHE II Score, das Vorliegen einer chronischen Herzinsuffizienz sowie das Fehlen von Vormedikation als unabhängige Prognoseparameter. Darüber hinaus zeigte sich, dass die initial gemessene CRP/Albumin-Ratio einen unabhängigen Prädiktor für die intrahospitale Mortalität darstellt (Odds Ratio (OR) = 1,66, 95%-Konfidenzintervall (KI) = 1.193–2.317, p = 0,003). Die multivariate Cox-Regressionsanalyse ergab, dass ein Anstieg der CRP/Albumin-Ratio um 1 das Risiko, nach einer intrazerebralen Blutung im Krankenhaus zu versterben, um 15,3 % erhöht (Hazard Ratio = 1,153, 95 % KI = 1,005–1,322, p = 0,42). Die ROC-Analyse konnte einen signifikanten Zusammenhang einer erhöhten intrahospitalen Mortalität und einer CRP/Albumin-Ratio > 1,22 nachweisen (Youden-Index: 0,19, Sensitivität: 28,3; Spezifität: 89,9; p = 0,007). Der ICH Score bei Aufnahme wurde zudem mit einem zusätzlichen Punkt bewertet, wenn die initiale CRP/Albumin-Ratio > 1,22 betrug. Für eine detaillierte Auswertung wurden Untergruppen von Betroffenen mit einem GCS ≤ 8 sowie von Patientinnen und Patienten mit intraventrikulärer Blutung analysiert. Die ROC-Analyse des ICH Score in Kombination mit der CRP/Albumin-Ratio ergab eine höhere AUC (AUC: 0,776, Cut-off: ≥ 3, Sensitivität: 0,907, Spezifität: 0,498, Youden-Index: 0,409) als der ICH Score allein (AUC: 0,761, Cut-off: ≥ 3, Sensitivität: 0,881, Spezifität: 0,479, Youden-Index: 0,402). Bei Patientinnen und Patienten mit einem initialen GCS ≤ 8 (n = 169) resultierte eine verbesserte Prognoseabschätzung der intrahospitalen Mortalität für den ICH-CRP-/Alb-Score (AUC: 0,719, Cut-off ICH Score ≥ 3, Sensitivität: 0,706, Spezifität: 0,322, Youden-Index: 0,384), verglichen mit dem ICH Score (AUC: 0,672; Cut-off ICH Score ≥ 3, Sensitivität: 0,588, Spezifität: 0,309, Youden-Index 0,279). Bei Betroffenen mit intraventrikulärer Blutung (n = 269) zeigte der ICH-CRP/Albumin-Score (AUC: 0,774, Cut-off ICH Score ≥ 4, Sensitivität: 0,687, Spezifität: 0,271, Youden-Index: 0,416) ebenfalls bessere prognostische Ergebnisse als der ICH Score allein (AUC: 0,747, Cut-off ICH Score ≥ 4, Sensitivität: 0,596, Spezifität: 0,235, Youden-Index: 0,361).
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit legen somit nahe, dass die CRP/Albumin-Ratio als ein neuer, zusätzlicher Parameter zur Abschätzung der Prognose bei Patientinnen und Patienten mit intrazerebraler Blutung angewendet werden kann. Der ICH Score in Kombination mit der CRP/Albumin-Ratio zeigte eine Verbesserung der Vorhersage der intrahospitalen Mortalität im Vergleich zum ursprünglichen ICH Score. Der größte Nutzen bei der Vorhersage der intrahospitalen Sterblichkeit wurde bei kritisch Kranken mit intraventrikulärer Blutung oder niedrigem GCS festgestellt.
Aufgrund der Limitationen der retrospektiven Datenanalyse sollte eine Validierung dieser Ergebnisse in einer prospektiven Studie durchgeführt werden – insbesondere um die Evidenz der Ergebnisse zu erhöhen. Ferner sollte untersucht werden, ob die zusätzliche Anwendung der CRP-/Albumin-Ratio mit bereits etablierten Prognose-Scores die Prädiktion der Morbidität sowie der Kurz- und Langzeitmortalität bei Patientinnen und Patienten mit intrazerebraler Blutung auf der neurochirurgischen Intensivstation erhöhen kann.

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