Diagnostische Aussagekraft der Kombination von Wachstumsfunktionen der Distorsionsprodukte otoakustischer Emissionen und kategorialer Lautheitsskalierung bezüglich der Differenzialdiagnose cochleärer und retrocochleärer Funktionsstörungen
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Zusammenfassung
Bisher gilt die Reintonaudiometrie als der Goldstandard in der audiologischen Diagnostik, welches jedoch bei Patienten, die nicht bei der Durchführung mitarbeiten wollen oder können, an seine Grenzen stößt. Das Ziel der vorliegenden Studie waren die Abhängigkeit der Steigungen der Kategorialen Lautheitsskalierung (KLS), Input/Output- Funktionen der distorsiv produzierten otoakustischen Emissionen (DPOAE I/O) sowie die Hörschwelle gegeneinander auf eine mögliche Ersetzbarkeit zu prüfen. Zusätzlich sollte die Größe der Einflussfaktoren Alter, Geschlecht und Ätiologie auf die drei Untersuchungsmethoden ermittelt werden. Bezüglich der DPOAE sollte der indifferenten Steigungsbereich s > 0,2 dB/dB bis ≤ 0,7 dB/dB verringert werden und die Einberechnung eines invaliden Werts mit einem Signal Rausch-Abstand (SNR) < 6 dB geprüft werden. In der vorliegenden Studie wurden bei pro 225 Ohren (n = 127 Patienten) jeweils ein Tonaudiogramm, vier KLS Lautheitsfunktionen (PTA4) und bis zu sechs DPOAE I/O gemessen. Die KLS wies hohe Korrelationen von ca. 0,6-0,7 mit der Hörschwelle auf, was für eine mögliche Ersetzbarkeit im klinischen Alltag spricht. Moderate Korrelationen von ca. 0,35 wurden zwischen dem Hörverlust und dem Mittelwert der DPOAE I/O-Steigungen und schwache bis moderate Korrelationen von bis zu 0,38 zwischen KLS- und DPOAE I/O-Steigungen ermittelt, was gegen eine Ersetzbarkeit spricht. Generalisiert ergab sich eine hochsignifikante Steigerung der Korrelation durch die Miteinberechnung eines Wertes mit SNR < 6 dB in der DPOAE I/O-Steigung. Im Tonaudiogramm bestand eine starke Altersabhängigkeit, das Geschlecht zeigte größtenteils gleichbleibende Verläufe und ätiologisch konnte nur zwischen Normalhörigen und Schwerhörigen signifikant unterschieden werden. Die Effektgrößen Alter und Ätiologie fielen bei der KLS schwächer aus als beim Tonaudiogramm, die Geschlechterabhängigkeit war mit der des Audiogramms vergleichbar. Bei den Steigungen der DPOAE-Wachstumsfunktionen waren Alter, Geschlecht und Ätiologie sehr geringe Effektgrößen, weshalb davon auszugehen ist, dass bisher unbekannte Faktoren den überwiegenden Anteil der Varianz verursachen. Der indifferente Bereich konnte mithilfe von Klassifikationsbäumen bei einer Frequenz von 4 kHz und ggf. 2 kHz eliminiert werden, wobei zwischen Grad 0 und 1 oder Grad 2 differenziert werden kann. Dabei konnten bis zu 89,8 % aller Fälle korrekt diagnostiziert werden, weshalb sich dieser Klassifikator bei Patienten, die nicht mitarbeiten können oder wollen, als hilfreiches Mittel im klinischen Alltag erweisen könnte.