Alternative Landwirtschaft: Neuland für Geschlechterverhältnisse? Zur (Re)produktion und (De)stabilisierung vergeschlechtlich-ter Ungleichheiten durch alternative Agrarorganisationen

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Land- und Ernährungswirtschaft sind in besonderer Weise in sozial-ökologische Krisenhaftigkeiten eingebunden und ein Wandel wird von vielen Seiten gefordert, erprobt und gelebt (vgl. Rosol 2018). Landwirtschaftliche Praktiken und Versorgungsstrukturen in Deutschland, die gemeinwohlorientiertes und gemeinschaftliches Wirtschaften anstreben diversifizieren sich in den letzten 20 Jahren und gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig ist soziale Organisation von Landwirtschaft von Machtverhältnissen durchzogen und stellt diese her. Landwirtschaft ist vergeschlechtlicht und kann nur unter Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht verstanden werden (Oedl-Wieser, Schmitt 2016). Heteronormative Geschlechterverhältnisse prägen die Organisation von Ernährungs- und Landwirtschaft durch das Zusammenwirken materieller und symbolischer Ordnungen (vgl. Burandt, Mölders 2017; Oedl-Wieser, Schmitt 2016; Prügl 2004), was sich etwa an den Eigentumsverhältnissen, der Arbeitsteilung, der Zugänglichkeit zur Landwirtschaft und dem ungleichen Zugang zu Ressourcen der Nahrungsmittelproduktion ausdrückt (vgl. Pieper Janna-Luisa 2021). Den Menschen, die sich in der Landwirtschaft betätigen (wollen), werden geschlechtsspezifische Formen der Lebensführung strukturell nahegelegt, während andere systematisch erschwert werden (vgl. Allen, Sachs 2013; Little 2006; Pini et al. 2015a). Die Landwirtschaft in Deutschland lässt damit bis heute wenig Raum für plurale Lebensführung und geschlechtliche Vielfalt. An diesen beiden Ausgangspunkten setzt diese Arbeit an und untersucht explorativ den Zusammenhang von sozialen Innovationen im Transformationsprozess der Landwirtschaft als Teil von Ernährungsversorgung einerseits und Geschlechterverhältnissen andererseits. Wenn alternative Agrarorganisationen über Produktionsverfahren zunehmend soziale Ordnungen der Landwirtschaft verändern wollen, bleibt offen, inwiefern hier auch Geschlechterverhältnisse verändert werden. Angeleitet wird diese Arbeit daher von der Frage, wie innovative Ansätze gemeinwohlorientierter und gemeinschaftlicher Landwirtschaft in Deutschland Geschlechterverhältnisse in ihren Praktiken für eine Transformation der landwirtschaftlichen Versorgung (re)produzieren oder (de)stabilisieren. Diese Frage wird mit einem systemtheoretischen Theorierahmen anhand von Einzelfallstudien mit einer Inhaltsanalyse von Selbstbeschreibungen von Solidarischen Landwirtschaften, BioBoden Genossenschaft und Regionalwert AGs sowie Interviews mit Erzeuger*innen von zugehörigen Betrieben und Verantwortlichen der Organisationen nachgegangen. Es zeigt sich: Während die Arbeit alternativer Agrarorganisationen geschlechtsspezifisch strukturierte materielle Verhältnisse in der Landwirtschaft zwar destabilisieren kann, herrscht zugleich eine weitgehende Sprachlosigkeit sowohl hinsichtlich der Persistenz von Geschlechterverhältnissen als auch für Pluralität von Geschlecht und Sexualität. Mehr noch gibt es Anschlussfähigkeiten zu naturalisierenden und traditionellen Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen. Obwohl Zugänge zur Landwirtschaft und damit Lebensentwürfen in ländlichen Räumen ermöglicht werden, bleibt die Entstehung macht- und herrschaftskritischer symbolischer Ordnungen jedoch weitgehend aus.

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