Kriterien und Prädiktoren prognoserelevanter Inflammationsreaktion nach aortokoronarer Bypass-Operation bei Patienten mit oder ohne akuten Myokardinfarkt

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https://doi.org/10.22029/jlupub-21023

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Ziel: Nach herzchirurgischen CABG Eingriffen ist vermehrt mit einer überschießenden inflammatorisch-vasoplegischen Reaktion zu rechnen. Bisher werden in der Literatur die beiden Krankheitsbilder des SIRS und des vasoplegischen Syndroms getrennt betrachtet. Aus klinischer Erfahrung scheint der postoperative Krankheitsverlauf jedoch eher eine Überschneidung aufzuweisen. Zahlreiche Studien versuchen mithilfe von Prädiktoren und Risikofaktoren, peri- sowie postoperative Maßnahmen und Therapieoptionen zu detektieren und somit zu verbessern, um folglich die erhöhte Mortalitätsrate zu senken. Mithilfe einer neuen Kriterienkombination sollen die beiden Krankheitsbilder zu einem neuen definiert werden, Inflammatorisch-vasoplegische Reaktion (IVR). Material und Methodik: Diese Arbeit untersucht im Rahmen einer retrospektiven Analyse Daten von 200 Patient*innen, die sich im Zeitraum von 2008-2016 einer CABG-OP unterziehen mussten. Rund die Hälfte dieser Patient*innen erlitten kurz vor dem operativen Eingriff einen Myokardinfarkt, die andere Hälfte nicht. Mithilfe eines kombinierten Endpunkts war es das Ziel, beide Krankheitsbilder, vasoplegisches Syndrom und SIRS, in einem prognoserelevantem schlechten Outcome kombinieren. Mit diesem Outcome wurden in einer univariaten Analyse signifikante Prädiktoren ermittelt. Anschließend wurden die Prädiktoren anhand klinischer Relevanz und vorbestehender Evidenz kombiniert, um deren unabhängigen Einfluss auf die Zielvariable in einer multivariaten logistischen Regressionsanalyse zu bestimmen. Basierend auf den signifikant assoziierten Risikofaktoren wurde eine ROC-Analyse durchgeführt, um Cut-off-Werte hinsichtlich ihrer diagnostischen Trennschärfe zu identifizieren. Die drei aussagekräftigsten Variablen wurden zu einer neuen Arbeitsdefinition zusammengefügt, deren diskriminative Leistungsfähigkeit in einer weiteren ROC-Analyse überprüft wurde. Ergebnisse: Die aus der multivariaten Analyse hervorgehenden unabhängigen Risikofaktoren zeigten eine signifikante Assoziation zwischen dem schlechten Outcome und dem Serumlaktat 12h post-OP (OR 1,15 [1,02;1,31] p=0,024), dem CRP-Wert 1d post-OP (0,99 [0.98;1.00] p=0,010) und der Reintubation/ fehlenden Extubation (OR 12,81[4,05;40,52] p<0,001). Prädiktoren aus der univariaten Analyse, wie die HLM-Zeit, GFR 3d post-OP oder präoperatives VHF, konnten ihren signifikanten Zusammenhang in der multivariaten Analyse nicht beibehalten. Die in der ROC-Analyse ermittelten Cut-off-Werte ergaben für das Serumlaktat einen Wert von >1,5 mmol/L und das CRP >67,4 mg/dl. Der AUC-Wert für das Serumlaktat zeigte eine etwas stärkere Prädiktivität von 0,686 im Vergleich zum CRP; AUC=0,643. Für die ROC-Analyse der kombinierten Variablen der neuen Arbeitsdefinition lag der Schwellenwert nach Youden bei 0,125, die Sensitivität lag bei 93,3% und die Spezifität bei 21,3%. Die Bedingungen der neuen IVR-Definition wurden von 171 Patient*innen erfüllt, darunter erlitten 112 (65%) Patient*innen präoperativ einen Myokardinfarkt. Schlussfolgerung: Um die beiden Krankheitsbilder, vasoplegisches Syndrom und SIRS zu vereinen, sind erste Fortschritte erzielt worden. Die neue IVR-Arbeitsdefinition zeigt in der ROC-Analyse eine gute Diskriminierungsfähigkeit. Detektierte Risikofaktoren stimmten in weiten Teilen mit vorbestehender Evidenz überein. Diese Übereinstimmung bezieht sich auf das vasoplegische Syndrom oder das SIRS, da bisher keine Veröffentlichung mit Kombination beider Entitäten vorliegt. Auffällig war der hohe Anteil an Patient*innen, die präoperativ einen Myokardinfarkt erlitten und eine IVR aufwiesen. Die neue IVR-Definition bietet eine gute Basis, um weitere Studien und Untersuchungen anzuschließen, auch wenn IVR und die Bestimmung des schlechten Outcomes weiterentwickelt werden dürfen.

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