Untersuchungen zur humoralen Immunantwort gegen das Hitze-Schock-Protein 60 von Chlamydia pneumoniae bei Koronarer Herzkrankheit

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Die Atherosklerose und ihre Manifestationsformen wie Koronare Herzkrankheit mit möglichem Myokardinfarkt, zerebrovaskuläre Verschlusskrankheit und gegebenenfalls nachfolgendem Apoplex oder auch periphere arterielle Verschlusskrankheit stellen die Ursache von ca. 50 % der Gesamtmortalität in Europa, Japan und den USA dar. Die entscheidende Rolle der bekannten klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren - wie beispielsweise Hyperlipoproteinämie, Nikotinabusus oder arterielle Hypertonie im Rahmen der Atherogenese - ist unbestritten. Seit Ende der 80-er Jahre wird jedoch die Hypothese, dass möglicherweise ein infektiöses Geschehen mitverursachend oder sogar die Hauptursache im Rahmen der Pathogenese der Atherosklerose sein könnte, zunehmend diskutiert. Insbesondere steht hierbei Chlamydia (C.) pneumoniae, ein gram-negatives, obligat intrazelluläres Bakterium, welches als Erreger respiratorischer Infektionen bekannt ist, als möglicher verursachender Mikroorganismus im Vordergrund der Diskussion. Um den möglichen Zusammenhang zwischen der Atherosklerose und einer Infektion durch C. pneumoniae näher zu untersuchen, wurden in der vorliegenden Studie Seren von insgesamt 752 Patienten untersucht, bei denen eine invasive Abklärung (Koronarangiographie) hinsichtlich des Vorliegens einer Koronaren Herzkrankheit durchgeführt worden war. Es erfolgte die Analyse, inwieweit der Nachweis positiver serologischer Marker einer C. pneumoniae-Infektion mit dem Vorliegen einer Koronaren Herzkrankheit korrelierte. Die Seren aller Patienten wurden zunächst mit Hilfe eines Enzymimmunoassays, welcher Antikörper gegen ein genusspezifisches chlamydiales Lipopolysaccharid nachweist, einer Analyse unterzogen, um Patienten mit einer durchgemachten chlamydialen Infektion von denen ohne eine solche Infektion zu unterscheiden. Hierbei gelang bei insgesamt 451 Patienten (60 %) der Nachweis von Antikörpern gegen chlamydiales Lipopolysaccharid. Allerdings wurden mit dem Enzymimmunoassay auch Patienten mit einer durchgemachten Infektion durch C. trachomatis oder C. psittaci erfasst. Um eine weitere Differenzierunghinsichtlich einer speziell durch C. pneumoniae verursachten Infektion durchzuführen, erfolgte die weitere Untersuchung nur der im Enzymimmunoassay als positiv getesteten Seren mit dem sog. Mikroimmunfluoreszenztest. Dieser erlaubt den speziesspezifischen Nachweis von Antikörpern gegen C. pneumoniae. Bei insgesamt 428 (57 %) der getesteten Patientenseren fiel er positiv aus. Es wurde anschließend untersucht, ob eine Korrelation zwischen dem Nachweis von C. pneumoniae Antikörpern und einer angiographisch nachgewiesenen Koronaren Herzkrankheit vorlag. Tatsächlich gelang es, solch eine signifikante Korrelation zu finden: Es wurde bei 292 (68 %) von insgesamt 428 Patienten, die im Mikroimmunfluoreszenztest einen IgG-Titer von = 1:16 aufwiesen, eine Koronare Herzkrankheit (KHK) mit einer = 50 %-igen Stenose nachgewiesen. Demgegenüber standen 136 Patienten (32 %) ohne nachgewiesene KHK (= 50 % Stenose) und einem positiven IgG-Mikroimmunfluoreszenztest (p = 0,007).Ein weiterer Teil der vorliegenden Arbeit hatte zum Ziel, mittels Immunoblot-Analyse Reaktionsbandenmuster zu identifizieren, die möglicherweise in typischer Weise bei an Koronarer Herzkrankeit erkrankten Patienten zu beobachten sind. Es konnte hierbei eine große Vielfalt von Reaktionsbanden im Bereich der Proteingrößen 17-100 kDa nachgewiesen werden - jedoch ohne signifikante Korrelation eines spezifischen Musters oder des gehäuften Nachweises einer spezifischen Bande mit der Koronaren Herzkrankeit. Im Falle einer Involvierung von C. pneumoniae in die Pathogenese der Atherosklerose stellt sich ferner die Frage nach dem zu Grunde liegenden Pathomechanismus. Es werden vor allem die sog. Hitze-Schock-Proteine als 'Verbindungsglieder' diskutiert. Sie sind in der Natur weit verbreitet und werden von (pro- und eukaryontischen) Zellen im Falle von Stresssituationen (mechanische Irritationen, Hitze, Infektionen etc.) vermehrt produziert. Die entscheidende Eigenschaft, aufgrund derer eine Involvierung im Rahmen der Pathogenese der Atherosklerose diskutiert wird, ist die große Sequenzhomologie (> 50 %) zwischen den Hitze-Schock-Proteinen menschlicher, pflanzlicher, tierischer und bakterieller Organismen. Hierdurch wird ein Pathomechanismus in Form einer Autoimmunreaktion denkbar: Eine ursprünglich gegen das pathogeneAgens gerichtete humorale oder zelluläre Immunreaktion richtet sich im Verlauf als Kreuzreaktion fälschlicherweise gegen körpereigene Epitope. Diskutiert wird als möglicher Auslöser einer autoimmunologischen Ursache der Atherosklerose vor allem das von C. pneumoniae stammende Hitze-Schock-Protein 60. Seine mögliche Korrelation mit der Koronaren Herzkrankheit war ein weiterer wesentlicher Aspekt der vorliegenden Studie. Es wurde analysiert, ob der angiographische Nachweis einer koronaren Atherosklerose signifikant mit dem Nachweis von Antikörpern gegen das chlamydiale Hitze-Schock-Protein 60 korreliert. Hierzu wurden alle Patientenseren, die im Mikroimmunfluoreszenztest als positiv bewertet worden waren, mittels Immunoblotanalyse und Enzymimmunoassay auf eine Reaktion gegen gereinigtes, rekombinantes, chlamydiales Hitze-Schock-Protein 60 getestet. Es konnte allerdings keine signifikante Korrelation gefunden werden: So gelang bei 29 % der an Koronarer Herzkrankheit erkrankten und bei 30 % der koronargesunden Patienten der Nachweis von Antikörpern gegen chlamydiales Hitze-Schock-Protein 60 (p = 0,751). Darüber hinaus wurde eine Analyse bezüglich des Schweregrades der Koronaren Herzkrankheit (Ein-, Zwei-, Dreigefäßerkrankung) und dem gleichzeitigen Vorhandensein von Antikörpern gegenüber dem Hitze-Schock-Protein 60 von C. pneumoniae angefertigt. Auch hierbei war keine signifikante Korrelation nachweisbar. Schließlich konnte ebenso kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem positiven Nachweis von Antikörpern gegenüber dem Hitze-Schock-Protein 60 von C. pneumoniae und einem früheren Myokardinfarkt festgestellt werden (p = 0,458), wie sich auch ferner kein Anhalt für eine Korrelation zwischen der Antikörperkonzentration und dem Schweregrad der Koronaren Herzkrankheit finden ließ. Insgesamt scheint aufgrund der Ergebnisse der vorliegenden Studie ein Zusammenhang einer Infektion mit C. pneumoniae und der Atherosklerose möglich gelang doch bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit der signifikant häufigere Nachweis von Antikörpern gegen C. pneumoniae. Es muss jedoch diskutiert werden, inwieweit der alleinige Nachweis von Antikörpern ein 'echter' Hinweis für einen kausalen Zusammenhang ist. Denn so belegt eine signifikante Korrelation zwischen Koronarer Herzkrankheit und nachgewiesenenserologischen Merkmalen einer C. pneumoniae-Infektion keinesfalls einen ätiologischen Zusammenhang, erlaubt also nicht die Unterscheidung zwischen der Rolle von C. pneumoniae als Ursache oder als Epiphänomen.Die fehlende Assoziation zwischen der serologischen Immunantwort gegen das HSP-60 und der Koronaren Herzkrankheit spricht gegen eine mögliche Beteiligung des HSP-60 an der Atherogenese.

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