Hintergrund: Durch Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit nach Herztransplantation (HTX) im Kindesalter bekommen Langzeitkomplikationen eine zunehmende Bedeutung. Die posttransplantationslymphoproliferative Erkrankung (PTLD) als potentiell lebensbedrohliche Erkrankung entsteht auf dem Boden der lebenslangen Immunsuppression und ist bei Kindern in den meisten Fällen mit dem Epstein- Barr- Virus (EBV) assoziiert. Als weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTLD werden junges Patientenalter bei Transplantation, Infektionen mit dem Cytomegalievirus (CMV), Abstoßungen und verschiedene immunsuppressive Medikamente diskutiert. Das Ziel dieser Arbeit war, die Häufigkeit, Lokalisation, Pathologie, EBV- Assoziation, Therapie der PTLD sowie das Outcome der Patienten zu definieren und orientierend Risikofaktoren für die Entwicklung einer PTLD in unserer Patientengruppe zu identifizieren.Methodik: Am Giessener Kinderherzzentrum wurden 133 Patienten nach HTX im Kindesalter, die nach HTX mindestens drei Monate überlebten, retrospektiv über einen Zeitraum von 26 Jahren (1988-2014) untersucht. Die Charakteristika der PTLD- Patienten wurden mit denen der Patienten ohne PTLD verglichen. Ausschlusskriterien waren Alter bei HTX über 18 Jahre, keine durchgehende Betreuung im Kinder- herzzentrum, Tod innerhalb der ersten drei Monate nach HTX oder ein Follow- up von weniger als drei Monaten.Ergebnisse: 16% der eingeschlossenen Patienten (21/133) entwickelten im Median nach 7,2 Jahren (0,5- 14,9 Jahren) im Alter von 8,3 Jahren (1,6- 25,8 Jahren) eine PTLD. PTLD- Patienten waren zum Zeitpunkt der HTX tendenziell (nicht signifikant) jünger als die Vergleichspatienten und zeigten häufiger eine EBV- und CMV- Seronegativität. Die mittlere Anzahl therapierter Abstoßungen und der Anteil der mit Antithymozytenglobulin (ATG) behandelten Patienten waren in der Gruppe der PTLD- Patienten nicht signifikant höher als in der Vergleichsgruppe.Als häufigste Lokalisation der PTLD stellte sich der Kopf- Hals- Bereich (ohne ZNS) dar, gefolgt vom Abdomen. Histologisch fanden sich zu jeweils einem Drittel (7/21) ein monomorphes diffus- großzelliges B- Zell- Lymphom (DLBCL) und eine polymorphe PTLD. Drei Patienten wiesen ein Hodgkin- Lymphom bzw. eine Hodgkin- like PTLD auf und jeweils zwei Patienten eine monomorphe B- Zell- PTLD vom Burkitt- Typ sowie eine monomorphe T- Zell- PTLD. EBV konnte bei 75% der Tumore mittels EBER- 1- in situ- Hybridisierung nachgewiesen werden, wobei ein EBV- Nachweis signifikant mitfrüherem Auftreten der PTLD nach HTX korrelierte. PTLD- Patienten hatten signifikant häufiger einen positiven EBV- Genom- Nachweis im Blut als Kontrollpatienten. Zum Zeitpunkt der PTLD- Diagnose lag bei 77% der Patienten eine hohe EBV- Viruslast vor. 38% der PTLD- Patienten entwickelten eine rekurrierende PTLD, bei der es sich in fünf von acht Fällen nicht um Rezidive, sondern um Zweittumore handelte. In der Gruppe der Rezidive und Zweittumore stellten DLBCL den häufigsten histologischen Subtyp dar (4/8), gefolgt von der Hodgkin- like PTLD (2/8). Neben der Reduktion der Immun- suppression umfasste die Therapie je nach PTLD- Subtyp, Lokalisation, Stadium und Ansprechen Rituximab, Chemotherapie, eine chirurgische Resektion, Bestrahlung und/ oder eine Immuntherapie mit EBV- spezifischen cytotoxischen T- Zellen (CTL). In der PTLD- Gruppe überlebten bis zum Ende des Studienzeitraums 71% der Patienten (15/21), in der Gruppe der Patienten ohne PTLD 93% (104/12).Schlussfolgerung: Bei der PTLD handelt es sich um eine histologisch heterogene Erkrankung. Das Langzeitüberleben nach PTLD ist trotz guter Therapieerfolge erheblich beeinträchtigt. Der zukünftige Fokus sollte neben der Entwicklung neuer Therapieoptionen auf der Prävention der Erkrankung und der genauen Definition von Risikofaktoren liegen.
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