Die Thematik Qualitätsmanagement gewinnt vor allem im Bereich von Dienstleistungen zunehmendan Bedeutung. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen existiert ein gesteige rtesBedürfnis aus Kundensicht, die vom Dienstleister erbrachten Leistungen erfassen und bewertenzu können, zum anderen führt der immer stärker werdende Verdrängungswettbewerbauf den Märkten dazu, dass die Anbieter nach neuen, effektiven Möglichkeiten suchen müssen,ihre eigene Leistung der Öffentlichkeit darzulegen. Als dritter Aspekt ist sicherlich auchder gestiegene Kostendruck zu nennen, der vor allem Effizienz und Effektivität fordert. Auchdie Ernährungsberatung kann sich diesen Entwicklungen nicht entziehen und ist als Institutionaufgefordert, professionelle Vorschläge und Lösungen für ein umfassendes Qualitätsmanagementzu unterbreiten. Dazu existieren verschiedene Ausarbeitungen, zum Teil aus der Praxisentstanden, zum Teil mit wissenschaftlichem Hintergrund.
In der vorliegenden Arbeit werden jedoch nicht nur die bisherigen Veröffentlichungen zumThema Qualitätsmanagement der Ernährungsberatung untersucht, vielmehr werden artverwandteDisziplinen auf ihre Eignung für eine mögliche Übertragung des Qualitätsmanagementauf die Ernährungsberatung hin überprüft und dort, wo es realisierbar ist, entsprechendtransformiert.
Um dies mit der notwendigen wissenschaftlichen Sorgfalt ausführen zu können, ist es une rlässlichdie Thematik von der Basis her aufzurollen, d.h. zunächst müssen die wissenschaftlichenGrundlagen zum Thema Qualität, Qualitätsmanagement, Dienstleistung und Beratunguntersucht und systematisiert werden. Diese wissenschaftliche Literaturanalyse hat folgendesBild ergeben: Die Thematik Qualität ist stark betriebswirtschaftlichen Aspekten zuzuordnen,was auch für die Institution Ernährungsberatung von Bedeutung ist. Auch wird ersichtlich,dass es fast unmöglich erscheint, die Qualität im Zusammenhang mit Kundenanforderungenund -wünschen zu formulieren. Eine genauere Betrachtung macht deutlich, dass es sich hie rbeium Qualitätsmerkmale handelt, die individuell unterschiedliche Gewichtung erfahren.Alle Maßnahmen, die zur Gewährleistung einer definierten Qualität herangezogen werdenfallen unter den Begriff Qualitätsmanagement. Die Bearbeitung der entsprechenden Literaturmacht deutlich, dass die Entwicklung sowohl des nationalen als auch internationalen Qualitätsmanagementsauf das Wirken einiger bedeutender Persönlichkeiten des QM zurückgeht,was in einer stark persönlichen Prägung der einzelnen Konzepte zum Ausdruck kommt. Demgegenübersteht die Normenreihe der DIN ISO 9000-9004, die Anbieter, Hersteller undEntwickler unterstützt, wie man managt, wie man sich organisiert, damit bestimmte Unter-nehmensanforderungen erfüllt werden. Einen erweiterten Ansatz bieten das sogenannte TotalQuality Management (TQM), welches mit seiner ganzheitlichen, den Menschen mit einbeziehendenSichtweise eine Weiterentwicklung der klassischen Managementsysteme darstellt.
Die Ernährungsberatung definiert sich als personenbezogene,soziale Dienstleistung und ist in diesem Zusammenhang ausreichend definiert und systematisiert.Hingegen existieren bis dato keine einheitlichen Beratungsrichtlinien, was vor allembei der interdisziplinären Literaturanalyse ersichtlich wird. Es gibt jedoch Teilbereiche ausder Pädagogik, der Psychologie, der Betriebswirtschaftslehre und der Medizin, die sichdurchaus übertragen lassen. Dies gilt vo r allem für die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.
Die Notwendigkeit eines Qualitätsmanagementsystems für die Ernährungsberatung wird vorallem unter Berücksichtigung der momentanen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischenSituation deutlich. In dieser Arbeit geht es in erster Linie um die Sicherstellung der Existenzfreiberuflich tätiger Ernährungsberater, was die Einbeziehung wirtschaftlicher Überlegungenunumgänglich macht. Unter Berücksichtung aller für die Ernährungsberatung in Frage kommendenFaktoren der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, auch unter Einbeziehung vonTQM-Elementen, ergibt sich folgender Vorschlag einer QM-Konzeption:Die Komponenten von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität müssen, soweit sinnvoll undmöglich, standardisiert werden. Dies erfolgt im Rahmen eine Einteilung in betriebsbezogene,mitarbeiterbezogene und kundenbezogene Kriterien und Maßnahmen. Konkrete Vorschlägezur Standardisierung der einzelnen Komponenten werden im Rahmen dieser Arbeit vorgeschlagen.
Ein maßgeblicher Faktor für die erfolgreiche Umsetzung einer QM-Konzeption isteine professionelle Evaluation sowie die Bereitschaft aller am Prozesse Beteiligter, die Vo rgabenund Normen auch in der Praxis umzusetzen. Hierbei kommt vor allem der Bildung vonkollegialen Netzwerken eine bedeutende Rolle zu.
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