Häufigkeit und Genetik einer besenstielartigen Femurkopf - Hals - Formation beim Deutschen Schäferhund im Vergleich zu anderen Rassen unter Berücksichtigung des Einflusses auf den Grad der Dysplasie Messungen zur Größe von Femurkopf und Acetabulum bei verschiedenen Röntgentechniken
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Zusammenfassung
Ziel der Untersuchungen war es, eine besondere Femurkopf-Hals-Form beim DSH auf ihre Häufigkeit und ihre Ursache hin zu untersuchen. Außerdem wurde überprüft, ob und welchen Einfluss sie auf die HD-Beurteilung nimmt und ob eine genetische Basis für ihr Auftreten vorliegt. Gleichzeitig liefert die Arbeit Referenzwerte für die Femurkopf- und die Acetabulumgröße beim deutschen Schäferhund auf Röntgenaufnahmen in Position I und II. Ausgewertet wurden Röntgenbilder von insgesamt 331 Hunden; davon handelte es sich bei 199 Hunden um Tiere der Rasse Deutscher Schäferhund. Eine Vorselektion wurde nicht durchgeführt. Die Hunde wurden in insgesamt 4 Gruppen eingeteilt: Hunde der Rasse DSH mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form (Gruppe 1), Hunde der Rasse DSH mit normalen Femurkopf-Hals-Formen (Gruppe 2), Hunde anderer Rassen mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form (Gruppe 3) und Hunde anderer Rassen mit normalen Femurkopf-Hals-Formen (Gruppe 4). Es wurde bei allen Hunden die Femurkopf- und Acetabulumgröße bestimmt. Dabei wurde jeweils für jeden Femurkopf und jedes Acetabulum ein Kreis, der annäherungsweise ihrer Größe entspricht, bestimmt, und die Fläche berechnet. Bei 294 Hunden (davon 180 DSH) wurde der Distraktionsindex jeweils für das rechte und linke Hüftgelenk bestimmt. An 333 Gelenken (190 vom DSH) konnte der Antetorsionswinkel berechnet werden. Die Untersuchungen dieser Studie haben gezeigt, dass die durchschnittliche Femurkopfgröße in Position I in Gruppe 1 bei 4,61 ± 0,58 cm2 lag, in Gruppe 2 lag sie bei 4,75 ± 0,64 cm2 auf. In Position II war die durchschnittliche Femurkopfgröße in Gruppe 1 5,54 ± 0,88 cm2 und in Gruppe 2 war sie 5,68 ± 0,63 cm2.Die durchschnittliche Acetabulumgröße in Position I lag für die Hunde der Gruppe 1 bei 6,48 ± 0,72 cm2, für die Hunde der Gruppe 2 lag sie bei 6,51 ± 0,78 cm2. In Position II lag die durchschnittliche Acetabulumgröße für Gruppe 2 bei 6,66 ± 0,97 cm2 und in Gruppe 2 bei 6,92 ± 0,74 cm2.Sowohl Femurkopfgröße als auch Acetabulumgröße wurden ebenfalls bei den Hunden der übrigen Rassen bestimmt. Da es sich aber um eine sehr heterogene Gruppe handelt, können die hier ermittelten Werte keine Referenzwerte für weitere Untersuchungen darstellen. Soweit dem Autor bekannt, gibt es bisher keine Untersuchungen über die Größe von Femurkopf oder Acetabulum beim Schäferhund. Es hat sich gezeigt, dass der Femurkopf bei den Schäferhunden mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form im Vergleich zu Schäferhunden mit normalen Femurkopf-Hals-Formen in Position I signifikant kleiner ist. Da kein signifikanter Unterschied zwischen den Antetorsionswinkeln dieser beiden Gruppen festgestellt wurde, muss davon ausgegangen werden, dass hier eine Femurkopfform vorliegt, die von der Form bei anderen Schäferhunden abweicht. Es konnte auch die Vermutung bestätigt werden, dass die Größenunterschiede in Position II nicht mehr signifikant sind, sondern sich hier in beiden Gruppen die Femurköpfe von vergleichbarer Größe darstellen. Widerlegt wurden Aussagen von RICHTER (1977) und NOLL (1998), die beim Schäferhund von einem nahezu halbkugelförmig Femurkopf sprechen, weil in beiden Gruppen eine deutliche Zunahme der Femurkopfgröße zwischen Position I und Position II zu verzeichnen ist. Neben der Verifizierung unserer Vermutung im Hinblick auf die Femurkopfgröße haben die Untersuchungen gezeigt, dass auch das Acetabulum in Position II bei Schäferhunden mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form und den Hunden mit normalen Femurkopf-Hals-Formen einen signifikanten Größenunterschied aufweist. Die Ursachen hierfür sind nicht ganz klar. Die Vermutung, dass, angepasst an die besondere Femurkopf-Hals-Form, auch eine besondere Acetabulumform vorliegt, liegt nahe. Nicht bestätigt hat sich die Theorie, dass sich besenstielartige Femurköpfe lockerer verhalten als normale Femurköpfe. Der Distraktionsindex wich in beiden Gruppen nicht signifikant voneinander ab. Er lag in Gruppe 1 bei 0,37 ± 0,13 und in Gruppe 2 bei 0, 38 ± 0,21.Ebenfalls nicht bestätigt hat sich die Vermutung, dass Hunde mit einer besenstielartigen Femurkopf-Hals-Form im Durchschnitt eine bessere HD-Beurteilung erhalten, da die kleineren Femurköpfe tiefer in der Pfanne sitzen als normal entwickelte Femurköpfe und dadurch bedingt u. a. der Norbergwinkel größer ist. Zuletzt konnte noch gezeigt werden, dass für diese besondere Femurkopf-Hals-Form eine genetische Basis vorliegt. Bedingt durch die zu geringe Tierzahl ist es allerdings nicht möglich gewesen, einen exakten Wert für die Heritabilität anzugeben. Weitere Forschungen sind notwendig, um auch für weitere Rassen Referenzwerte zu erhalten. Computertomographische Untersuchungen ermöglichen eine räumliche Darstellung von Femurkopf und Acetabulum und können damit dazu beitragen, die genaue Anatomie in diesem Bereich zu verstehen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2006
