Untersuchung zum Blutgas- und Säure-Basen-Status beim neugeborenen Fohlen mittels netzunabhängiger Messmethode unter Berücksichtigung des Giessener Vorsorgeprogramms
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Zusammenfassung
Die genaue Überwachung der kritischen Umstellungsphase von der passiven intrauterinen Entwicklung des Fohlens zum aktiven Dasein erfordert eine besondere Vorgehensweise. Im Rahmen vorheriger Untersuchungen beschrieben BOSTEDT und BELLINGHAUSEN (1985) ein Sistieren der pH-Entwicklung im engen postnatalen Abschnitt. Der Zeitraum der nachgewiesenen, scheinbar physiologischen Stagnation des pH-Wertes ließ sich damals aber durch die großen Blutentnahmeintervalle zeitlich nicht genau festlegen. Ziel dieser Arbeit war daher die differenzierte Darstellung des Blutgas- und Säure-Basen-Status beim Fohlen in den ersten 96 Lebensstunden durch enge Blutentnahmeintervalle. Zusätzlich erfolgte unmittelbar post natum eine klinische Vitalitätsbewertung der Tiere mit dem Giessener Vorsorgeprogramm 1 und 2. Im Rahmen eines Vorversuches wurde der Vergleich zwischen einem erprobten, stationären Blutgasanalysegerät (Gerät 1) und einem in der Veterinärmedizin noch kaum eingesetzten, netzunabhängigen Blutgasanalysegerät (Gerät 2) durchgeführt. Diese Vergleichsmessung ergab eine gute Übereinstimmung der Werte. Für die Untersuchung standen insgesamt 41 equine Neonaten des Lewitzer Warmblutgestütes zur Verfügung. Nach ungestörtem Graviditätsverlauf wurden alle Probanden per vias naturales entwickelt. Vom Zeitpunkt 0 bis 96 Stunden post natum wurden pro Fohlen insgesamt 11 Blutproben aus der ungestauten Vena jugularis gewonnen und der pH-Wert, der Kohlendioxidpartialdruck sowie die aktuelle Basenabweichung mit Hilfe der netzunabhängigen Messeinheit, dem OPTI 1, bestimmt. Die klinische Einteilung der Probanden erfolgte in die Gruppe der vitalen Fohlen und in die Gruppe der Fohlen, die leichte Einschränkungen in den Vitalfunktionen aufwiesen. Lebensfrische Fohlen wurden nach einer Gestationszeit von 336 +/- 8,2 Tagen geboren. Fohlen, deren Vitalität unmittelbar post natum eingeschränkt war, kamen nach 329 +/- 12,5 Tagen zur Welt (p & #61603; 0,05). Diese Untersuchung hat die Stagnation des pH-Wertes, des Kohlendioxidpartialdruckes und der aktuellen Basenabweichung besonders berücksichtigt. Auffallend ist, dass nur 9 Fohlen (22%) einen kontinuierlichen Anstieg des pH-Wertes zeigten. Die Mehrzahl der Fohlen (78%) unterlagen dem von BOSTEDT und BELLINGHAUSEN (1995) beschriebenen Phänomen der vorrübergehenden Stauchung der pH-Kurve im Sinne einer Depression. Hervorzuheben ist hierbei, dass diese Stagnation des pH-Wertes zu unterschiedlichen Zeiten auftritt. Der Verlauf des Kohlendioxidpartialdruckes, einschließlich des Ansteigens der pCO2-Konzentration zu einer kritischen Periode wurde ebenso untersucht wie die einzelnen ABE-Werte der neugeborenen Fohlen; hierbei konnte die Parallelität zum pH-Wert einschließlich seiner Stagnation festgestellt werden. Es konnte somit im Rahmen dieser Untersuchung differenziert an einer großen Population unter einheitlichen Ernährungs- und Haltungsbedingungen nachgewiesen werden, dass es bei einem Großteil der equinen Neonaten zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb der ersten Adaptationsperiode zu einer Depression im Blutgas- und Säure-Basen-Haushalt kommt. Es besteht eine Übereinstimmung zwischen den klinisch zu erhebenden kardiorespiratorischen Befunden und dem Blutgas- respektive Säure-Basen-Status. Die klinische Erfassung der Vitalparameter mit dem Giessener Vorsorgeprogramm 1 und 2 und die Beurteilung des Säure-Basen-Status stellen gemeinsam ein wichtiges Kriterium zur Erfassung und Überwachung der Vitalsituation des neugeborenen Fohlens dar. Weiterführende Untersuchungen auf der Grundlage dieser Ergebnisse sind erstrebenswert, damit die für das neugeborene Fohlen kritische Phase immer mehr eingeschränkt werden kann.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen: http://www.dvg.net/ DVG Service, 2004
