Der Hoden ist ein immunprivilegiertes Organ, d. h., dass die Neo-Autoantigene meiotischer und haploider Keimzellen vom Immunsystem toleriert werden. Dazu sind aller Voraussicht nach nicht ein, sondern eine Vielzahl an Mechanismen verantwortlich. Paradoxerweise ist der Hoden trotzdem zu Abwehrreaktionen gegen Mikroben sowie zu (auto)-inflammatorischen Prozessen fähig, die jeweils zu temporären oder dauerhaften Beeinträchtigungen der Fertilität führen können. Akkumulierte Daten weisen deutlich auf eine systemische, antiinflammatorische Rolle von Testosteron hin. Auch lokal konnte nachgewiesen werden, dass Testosteron den Lipopolysaccharid(LPS)- induzierten Anstieg der TNF-alpha Expression in Sertoli (SC) und peritubulären Zellen (PTC) supprimiert.Durch ihre überwiegend antiinflammatorischen Eigenschaften (M2-Phänotyp) sind testikuläre Makrophagen (TM) wichtige Mediatoren des testikulären Immunprivilegs. Unklar ist, ob Testosteron eine direkte Wirkung auf TM entfalten kann. Basierend auf den vorher beschriebenen immunsuppressiven Effekten von Testosteron auf SC und PTC, war es deshalb das Ziel dieser Arbeit, einen möglichen direkten Einfluss von Testosteron auf TM zu untersuchen.Für die Wirkungsvermittlung von Testosteron sind drei Signalwege bekannt: (i) der klassische Signalweg über den Androgen Rezeptor (AR) durch die Bindung an Androgen Response Elemente (ARE) im Nukleus, (ii) der nicht-klassische Kinasen-Signalweg durch die AR-vermittelte Phosphorylierung spezifischer Kinasen (ERK, CREB) und (iii) der nicht-klassische Ca2+-Influx-Signalweg durch den AR unabhängigen, intrazellulären Calciumanstieg. In dieser Arbeit wurde mittels Immunfluoreszenz (IF), Immunoblot (IB) und Polymerase Kettenreaktion (PCR) demonstriert, dass TM keinen AR exprimieren. Nach Stimulation mit Testosteron konnte in isolierten TM der Ratte keine Phosphorylierung von ERK 1/2 und CREB nachgewiesen werden. Auch der nicht-klassische Ca2+-Influx-Signalweg konnte in isolierten TM nach Stimulation mit Testosteron nicht dokumentiert werden. Abschließend wurde der Effekt einer Vorbehandlung mit 10, 100 und 1000 nM Testosteron auf die mRNA Produktion kostimulatorischer Moleküle (CD80, CD86) und inflammatorischer Mediatoren (MCP-1, IL-6 und IL-10) nach Induktion einer akuten Inflammation mittels LPS untersucht. Diese zeigte allerdings keinen Einfluss auf die LPS-induzierte mRNA-Expression von CD80, CD86, MCP-1, IL-6 und IL-10 in TM.Zusammenfassend zeigen die in der vorliegenden Arbeit präsentierten Daten, dass Testosteron unter den verwendeten experimentellen Bedingungen keinen direkten Einfluss über die bekannten Signalwege auf TM ausübt. Somit kann man TM weitgehend als direkte Zielzellen einer Testosteron-Wirkung ausschließen. Offensichtlich entfaltet Testosteron seine antiinflammatorische Wirkung über direkte Wirkung auf SC und PTC. Ob TM ggf. indirekt über androgen-abhängige antiinflammatorische Mediatoren aus diesen Zellen beeinflusst werden, ist Gegenstand zukünftiger Untersuchungen.
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