Molekulargenetische Untersuchung von Verlaufskontrollbiopsien beim Barrett-Ösophagus : Einfluss einer nicht standardisierten Probenentnahme auf die molekulare Analytik
Der Barrett-Ösophagus ist eine Veränderung des distalen Ösophagus, bei dem durch chronischen säure- und gallehaltigen Reflux aus dem Magen eine intestinale Metaplasie entsteht. Der Barrett-Ösophagus tritt vor allem bei männlichen Kaukasiern auf. Eigentlich ohne wesentliche klinische Relevanz, wird der Barrett-Ösophagus durch seine maligne Potenz überhaupt erst interessant. Patienten mit dieser Veränderung haben ein ca. 30- bis 125-fach erhöhtes Risiko, ein Adenokarzinom des Ösophagus zu entwickeln. Die Entwicklung der Metaplasie zu einem Adenokarzinom erfolgt in einem mehrstufigen Prozess. Zunächst treten niedriggradige Dysplasien, gefolgt von höhergradigen Dysplasien auf. Um Patienten mit einem Adenokarzinom rechtzeitig einer kurativen Therapie zu unterziehen, müssen diese prämalignen Läsionen in endoskopischen Überwachungsprogrammen beobachtet werden. Ein Streitpunkt in der aktuellen Literatur ist der zeitliche Rahmen dieser Kontrolluntersuchungen und auch die Frage, welche Patienten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit haben, ein Karzinom zu entwickeln. In vielen bisher veröffentlichten Arbeiten wurden nun verschiedenste so genannte Biomarker untersucht, die eine mögliche maligne Transformation der Barrett-Mucosa vorhersagen können. Bisher konnte sich noch keiner dieser Biomarker klinisch etablieren. Ziel unserer Studie war es genetische Veränderungen der für die Karzinogenese des Barrettkarzinoms relevanten Tumorsuppressorgene zu analysieren. Besonderes Augenmerk legten wir auf den zeitlichen Verlauf der genetischen Veränderungen im Rahmen der Kontrollendoskopien bei Patienten mit Barrett-Ösophagus. Hierzu griffen wir auf die in einem Zeitraum von bis zu 51 Monaten angefallen Präparate aus dem Archiv von PD Dr. Alles (Gießen) und dem Pathologischen Institut des Klinikum Kassel zurück. Insgesamt untersuchten wir 110 Proben von 26 Patienten. Die Zellen wurden mittels Laser-Mikrodissektion aus dem Gewebe gewonnen und nach einer PEP-PCR mit nachfolgender spezifischer Mikrosatelliten-PCR mittels einer Gelelektrophorese ausgewertet.Untersucht wurden die Mikrosatellitenmarker der Tumorsuppressorgene p53, p16, APC, DCC, DPC4 und Rb. Mögliche Ereignisse waren entweder ein Verlust der Heterozygotie (LOH), eine Mikrosatelliteninstabilität oder eine homozygote Deletion.Als Ergebnis unserer Studie war ein Anstieg der LOH-Kombinationen von APC und p53 sowie APC und p16 relativ früh in der neoplastischen Entwicklung des Barrettkarzinoms zu erkennen. Statistisch war dieser Anstieg ein Trend ohne Signifikanz.Als wichtigste Erkenntnis zeigt sich, dass vermutlich in bereits sehr vielen Studien ein mangelhaftes Untersuchungsprotokoll zu verfälschten Ergebnissen geführt hat. Hierdurch ließen sich die teilweise sehr divergierenden Ergebnisse mancher Studien erklären. In dem uns vorliegenden Material fanden wir in Verlaufsbiopsien nur in etwas weniger als der Hälfte der entnommenen Biopsien Barrett-Mucosa. Auch ältere Studien zeigen, dass das bisher benutzte Untersuchungsprotokoll nicht ausreicht, um die teilweise sehr kleinen high-grade-IEN oder Adenokarzinome in der Barrett-Mucosa zu entdecken.Auch wir empfehlen, zukünftig die Probenentnahme im Rahmen der Barrett-Kontrollendoskopien als eine Quadrantenbiopsie mit einem 1 cm-Intervall mit so genannten Jumbo -Forceps in der turn-and-suction -Technik durchzuführen. Zusätzlich sollten alle makroskopisch auffälligen Areale großzügig mitbiopsiert werden. Von anderen Autoren wird dieses Vorgehen als das Seattle-Protokoll bezeichnet.Nur auf diese Weise können zukünftige molekulargenetische oder histomorphologische Untersuchungen eine entsprechende Aussagekraft gewährleisten.
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