In den vorliegenden Untersuchungen wurden 130 S. uberis- und eine S. parauberis-Kultur, isoliert aus Kuhmilchproben von 59unterschiedlichen Betrieben aus verschiedenen Regionen Hessens (Deutschland), sowie vier Referenzstämme beider Speziesvergleichend kulturell, biochemisch und serologisch untersucht. Sowohl die S. uberis- als auch die S. parauberis-Kulturen zeigten imallgemeinen kein Wachstum auf Enterokokken-Selektivnährmedium und wuchsen auf Schafblutagar alpha- oder nicht hämolysierend. AlleS. uberis-Kulturen produzierten das Enzym beta-D-Glucuronidase, die S. parauberis-Kulturen waren b-D-Glucuronidase-negativ. Bei derserologischen Gruppenbestimmung zeigten 42 S. uberis-Kulturen und ein S. parauberis-Referenzstamm eine positive Reaktion mit demspezifischen Antiserum der Gruppe E, sowie einige Kulturen mit Antiseren der Gruppen P, U und A. Die meisten der S. uberis- und zweider S. parauberis-Kulturen konnten keiner Serogruppe zugeordnet werden. Einige der S. uberis-Kulturen agglutinierten mit dem Lektin vonHelix pomatia und zeigten eine CAMP-ähnliche Reaktion mit vollstandiger Hämolyse im Bereich des Staphylokokken-beta-Toxins. Die S.uberis- und S. parauberis-Kulturen wiesen überwiegend eine hydrophile Oberfläche auf. Dies konnte anhand der Wachstumseigenschaftenin Flüssigmedium und Soft-Agar sowie mittels Salz-Aggregationstests gezeigt werden. Antibiotische Resistenzen waren bei den meistenKulturen für Colistin, Sulphamethoxazol/Trimethoprim, Tetracyclin, Clindamycin, Erythromycin und Gentamicin nachweisbar. Alle Kulturenerwiesen sich als empfindlich gegenüber Penicillin-G.
Die S. uberis- und S. parauberis-Isolate konnten im weiteren mit Hilfe molekularer Methoden charakterisiert werden. Dies erfolgte durchAmplifizierung des 16S rRNA-Gens durch Polymerasekettenreaktion und anschließendem Restriktionsverdau des Amplikons mit denEnzymen RsaI und AvaII. Die Identifizierung konnte im weiteren durch Amplifizierung speziesspezifischer Abschnitte der 16s rRNA- und23S rRNA-Gene sowie der 16S-23S rDNA 'intergenic spacer'-Region bestätigt werden. Die Amplifizierung des cfu-Gens derCAMP-positiven S. uberis-Kulturen erfolgte unter Verwendung von zwei unterschiedlichen Primerpaaren. Zusätzlich konnte das Gen für denpotentiellen Virulenzfaktor Streptokinase, das skc/pauA-Gen, bei 128 der insgesamt 132 S. uberis- nicht jedoch bei den S.parauberis-Kulturen festgestellt werden.
Der Nachweis epidemiologischer Beziehungen ausgewählter S. uberis-Kulturen erfolgte durch Makrorestriktionsanalyse derchromosomalen DNA der Kulturen und anschließender Pulsfeldgelelektrophorese. Dieses 'DNA-Fingerprinting' ergab keine engeverwandschaftliche Beziehung zwischen den untersuchten Kulturen. Bei einigen Isolaten aus unterschiedlichen Vierteln einer Kuh, sowie beiIsolaten von verschiedenen Kühen eines Betriebes waren allerdings auch identische DNA-Muster feststellbar. Die überwiegend nichtübereinstimmenden DNA-Muster zeigten, dass S. uberis ein Mikroorganismus mit unterschiedlichsten Lebensräumen ist und dieInfektionen in der Regel von einer Vielzahl verschiedener Stämme hervorgerufen werden.
Die in den vorliegenden Untersuchungen benutzten konventionellen und molekularen Methoden erlaubten eine Identifizierung undweitergehende Charakterisierung von S. uberis und S. parauberis und könnten Aufklärung über die Bedeutung beider Spezies alsVerursacher boviner Mastitiden geben.
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