Eine der zentralen Errungenschaften der Public-Key-Kryptographie ist die Möglichkeit, digitale Signaturen zu realisieren. Diese werden heute einerseits als alleine stehendes Primitiv zur Authentifikation von Personen oder Nachrichten angewendet. Andererseits gibt es zahlreiche Vorschläge für komplexe kryptographische Anwendungen, wie z.B. elektronische Geldsysteme oder elektronische Wahlen, welche digitale Signaturen oder Varianten von digitalen Signaturen als Bausteine verwenden. Von besonderer Wichtigkeit, insbesondere für elektronische Geldsysteme, sind dabei die sogenannten blinden digitalen Signaturen. Diese sind digitale Signaturen mit der folgenden Zusatzeigenschaft: Der Signierer kann nach der Signaturerstellung nicht mehr feststellen, für wen er eine bestimmte Signatur ausgestellt hat. Die Idee zu blinden Signaturen geht auf David Chaum zurück und stammt aus dem Jahre 1982. Seitdem wurden zahlreiche weitere blinde Signaturen vorgestellt, die sich jedoch in der Umsetzung der Blindheitseigenschaft im Wesentlichen nach der Idee von Chaum richten, d.h. die Blindheitseigenschaft wird während des Signaturprozesses umgesetzt. Der zweite Bestandteil einer Signatur, der Verifikationsprozess, bleibt weitgehend unberücksichtigt.
In der vorliegenden Arbeit werden zunächst interaktive Signaturen vorgestellt. Eine interaktive Signatur enthält dabei, im Gegensatz zu einer digitalen Signatur, die Kommunikationsschritte zwischen dem Signierer, dem Empfänger und dem Verifizierer der Signatur. Somit stellen interaktive Signaturen eine Verallgemeinerung digitaler Signaturen dar. Darauf aufbauend wird das Konzept der blinden interaktiven Signaturen eingeführt. Es wird gezeigt, dass die Klasse der blinden Signaturen eine Unterklasse der blinden interaktiven Signaturen ist. Ferner gelingt es mithilfe dieser Verallgemeinerung, neue Mechanismen zur Umsetzung von blinden interaktiven Signaturen zu finden, die eine Umsetzung der Blindheitseigenschaft während des Verifikationsprozesses erlauben. Hier kommen im Wesentlichen Zero-Knowledge-Techniken zum Einsatz.
Ferner geht die Arbeit der Fragestellung nach praxisorientierten Umsetzungen von perfekt blinden Signaturen nach. Hier werden erstmals übergeordnete Schemata für die RSA- und die Schnorr-Signatur angegeben, die zunächst verschiedene Stufen der Blindheit erlauben, d.h. mithilfe dieser Schemata lassen sich jeweils verschiedene Varianten der genannten Signaturen beschreiben. Aufbauend auf diesen Verallgemeinerungen werden Bedingungen für die rechnerische bzw. perfekte Blindheit innerhalb der Schemata angegeben, die eine praxisorientierte Umsetzung zum Beispiel der blinden Chaum-Signatur erlauben.
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