Sportmedizinisches Leistungsprofil von Handballspielerinnen der nationalen und internationalen Spitzenklasse

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Alle Untersuchungen der Handballspielerinnen, vor allem die hier integrierte Entwicklungsstudie über den weiblichen Jugendhandball, haben bestätigt, daß die regelmäßige Teilnahme am Training und den Wettkämpfen für Mädchen und Frauen einen großen präventiv-medizinischen Gesundheitswert besitzt. Die vorliegende experimentelle Studie über den Frauenhandball basiert auf den Ergebnissen von leistungsmedizinischen Untersuchungen an insgesamt 353 Handballspielerinnen. 32 Probandinnen - 10 Spielerinnen des Bundesligakaders 1998/99, 7 Spielerinnen des Regionalligakaders 1998/99, 15 Spielerinnen aus der A-Jugend 1998/99 des TV Gießen - Lützellinden - wurden von mir persönlich getestet. Die Untersuchungen fanden im Zeitraum vom 30.07.1998 bis zum 18.01.1999 am Lehrstuhl für Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Paul E. Nowacki statt. Aktuell wurde zusätzlich noch der Zeitraum bis zum Ende der Saison 2003/2004 mit 93 Untersuchungen an 48 Spielerinnen mit einbezogen. 31 Probandinnen - allesamt Mitglieder des erfolgreichen Bundesligakaders der Spielzeiten 1989-1997 des TV Gießen-Lützellinden - wurden am Sport-medizinischen Institut Gießen untersucht und die Ergebnisse von mir retrospektiv ausgearbeitet. Im Zeitraum von 1979-1996 wurden 242 regional aktive Handballspielerinnen im Alter von 12 - 29 Jahren am Institut für Sportmedizin untersucht, die Ergebnisse ebenfalls von mir retrospektiv ausgewertet und als Entwicklungsstudie dargestellt. Sämtliche dieser ergometrischen Leistungstests fanden auf dem Fahrradergometer nach der 1 Watt / kg Körpergewichts-Methode statt. Aus dem Bundesligakader der Spielzeiten 1989-1997 wurden 19 Spielerinnen zusätzlich spiroergometrisch untersucht. 10 dieser 19 Spielerinnen wurden nach 3 verschiedenen Belastungmethoden - 0,5 Watt/kg KG Fahrrad-, 1Watt/kg KG Fahrrad- und 0,5 Watt/kg KG Laufbandspiroergo-metrie getestet, sodaß eine Analyse Fahrradergometrie vs Laufbandergometrie durchgeführt werden konnte.1:Schon sehr früh sind bei Mädchen (D-Jugend 10,0 11,9 Jahre) positive Effekte durch den Handballsport auf ihre körperliche und kardiozirkulatorische Leistungsfähigkeit, die als befriedigend trainiert beurteilt werden können, zu beobachten. Diese Entwicklung verstärkt sich über die C-, B- und A-Jugend bis zum Seniorenbereich mit einem gut und sehr gut trainierten Trainingszustand des Haltungs- und Bewegungsapparates, sowie des Kreislaufsystems. Einzelne erwachsene Handballspielerinnen des TV Gießen-Lützellinden, die gleichzeitig Nationalspielerinnen in Deutschland oder in ihren Heimatländern sind, erreichen durch ihr jahrelanges allgemeines und sportartspezifisches Training einen Hochleistungstrainingszustand mit 5 W/kg KG bei der schöpfenden Fahrradergometrie im Sitzen nach der Gießener 1 W/kg KG Methode. Dieses Belastungsverfahren eignet sich sehr gut zur Klassifizierung des Trainingszustandes im Mädchen- und Frauenhandball. 2: Schon die 10- bis 12-jährigen Handballspielerinnen haben die Leistungsfähigkeit einer erwachsenen untrainierten Frau erreicht. Ab der C-Jugend (12,0 bis 13,9 J) ist das körperliche und kardiorespiratorische Leistungsvermögen der Handballspielerinnen befriedigend bis gut trainiert und übertrifft dasjenige gesunder, untrainierter Frauen im 3. Lebensjahrzehnt.3:Die körperliche, kardiozirkulatorische und kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit der Handballspielerinnen aus den Bundesliga-Spitzenmannschaften des TV Gießen-Lützellinden von 1989 bis 2004 (Trainer: Orthopäde Dr. med. Hans Jürgen Gerlach; Mannschaftsarzt/Leistungsdiagnostiker: Internist Univ.-Prof. Dr. med. Paul E. Nowacki) kann mindestens mit gut (1' 4 W/kg KG), überwiegend mit sehr gut trainiert (2' 4 W/kg KG) beurteilt bzw. bei den Nationalspielerinnen dem Hochleistungszustand (1' bis 2' 5 W/kg KG) zugeordnet werden.4:Die erschöpfenden spiroergometrischen Untersuchungen der Handballspielerinnen auf dem Fahrradergometer im Sitzen (1 W/kg KG- und 0,5 W/kg KG-Methoden) und bei der Laufbandergometrie (0,5 W/kg KG-Methode) haben ganz allgemein die in der Literatur beschriebenen mindestens 10 % höheren kardiorespiratorischen Leistungsparameter auf dem Laufband bestätigt. Die statistisch hoch signifikanten Unterschiede beim Vergleich Fahrrad- vs. Laufbandspiroergometrie für die um 15 % bis 40 % höheren Maximalwerte des Atemminutenvolumens (AMV l BTPS), der absoluten und relativen Sauerstoffaufnahme (VO2 l min-1 und VO2 ml min-1 kg-1 STPD) sowie des Sauerstoffpulses (VO2/Hf ml min-1) bestätigen, dass die Gruppe der 10 Athletinnen sich auf dem Laufband stärker ausbelasten kann. 5:Das sportmedizinische Leistungsprofil der Handballspielerinnen vom Mädchen- bis zum Frauenbereich der in Deutschland in den letzten 15 Jahren erfolgreichsten Bundesligamannschaft des TV Gießen-Lützellinden liegt im befriedigend bis sehr gut trainierten, teilweise im Frauen-Hochleistungsbereich. Eine nochmalige Steigerung ist aber bei allen untersuchten Athletinnen bei einer weiteren Intensivierung und quantitativen Ausweitung des Trainings aus leistungsphysiologischer Sicht möglich. Eine Überforderungsreaktion des weiblichen Organismus (Übertrainingssyndrom nach ISRAEL) oder gesundheitliche Schäden wären dabei aus sportmedizinischer Sicht nicht zu befürchten. Somit ist das biologische Leistungsprofil der Handball spielenden Frauen auch im Spitzenbereich in der Bundesrepublik Deutschland auch Ende des Jahres 2004 noch nicht ausgeschöpft!

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