Vorläufer der psychiatrischen Genetik : die psychiatrische Erblichkeitsforschung in der deutschsprachigen Psychiatrie im Spiegel der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie, 1844 bis 1911

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Im Zentrum der psychiatriegeschichtlichen Forschungen stand in den letzten beiden Jahrzehnten auch die Psychiatrie zur Zeit des Nationalsozialismus mit ihren rassenhygienischen Maßnahmen, die in der Ermordung zehntausender Psychiatriekranker gipfelte. Den Einschnitt zur unmittelbaren Vorgeschichte markierte das Jahr 1911, als Ernst Rüdin in der Zeit des Nationalsozialismus ein zentraler Akteur sowohl in der Psychiatrie als auch in der Erbgesundheitspolitik sein Programm einer eugenisch motivierten psychiatrischen Genetik in dem Aufsatz Einige Wege und Ziele der Familienforschung mit Rücksicht auf die Psychiatrie vorstellte. Bisher weniger beachtet wurden die frühen Vorläufer dieser psychiatrischen Genetik, nämlich die bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Versuche, Erblichkeit bei psychischen Störungen nachzuweisen. Die aus Frankreich stammende Idee der Heredität psychischer Störungen begann ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts, auch im deutschsprachigen Raum Fuß zu fassen, als seit der Gründung der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie (AZP) im Jahre 1844 erstmals eine fachpublizistische Plattform bestand, die den nötigen Raum für Veröffentlichungen und Diskussionen der Forschungsergebnisse zur Erblichkeit von Geistesstörungen bot.Die vorliegende Arbeit stellt die Methoden der psychiatrischen Erblichkeitsforschung im deutschen Bund bzw. späteren Deutschen Reich im Spiegel der AZP für den Zeitraum 1844 bis 1911 dar. Basierend auf einer Literaturrecherche sämtlicher Bände der Zeitschrift dieser Jahre wird zunächst ein quantitativer Überblick über die damals angewandten Untersuchungsmethoden gegeben, um dann die Entwicklungen spezifischer Verfahren darzustellen, mit denen versucht wurde, die Erblichkeit psychischer Erkrankungen zu erfassen. Dazu zählten 1.) die Massenstatistische Methode, 2.) die genalogische Stammbaumforschung und 3.) die Kasuistiken. Bei den Psychiatern des 19. Jahrhunderts weckte die massenstatistische Methode anfänglich große Hoffnungen, die sie allerdings wegen des Nachteils, eine unüberschaubare Menge von schwer vergleichbaren Daten zu liefern, nicht einzulösen vermochte. Sie wurde daher durch genealogische Arbeits¬methoden abgelöst, die sich mehr einem einzelnen Fall bzw. einer einzelnen Familie zuwandten. Daneben ermöglichten Kasuistiken, Erblichkeitsvorstellungen durch klinisch relevante Fallbeispiele zu illustrieren. Anhand von drei exemplarisch ausgewählten historischen Zeitschriftenartikeln soll mit der zeitgenössischen Terminologie vertraut gemacht werden. Anschließend werden die Vor- und Nachteile der entsprechenden Methoden beleuchtet. Ein Schwerpunkt wird darauf gelegt, die historischen Akteure nicht aus heutiger Sicht zu beurteilen, sondern zu zeigen, vor welchem wissenschaftlichen Horizont die historischen Diskussionen der Zeitgenossen geführt wurden. Die diskutierten Probleme der Erblichkeitsforschung gaben wichtige Impulse für das junge Fach Psychiatrie, auch grundsätzliche Fragen schärfer zu fassen. So zeigte sich in den Diskussionen der Mangel an einer allgemein verbindlichen Nosologie und die Notwendigkeit der Vereinheitlichung der Forschungskonzepte.Es kann somit herausgearbeitet werden, wie die Erblichkeitsforschungen die Entwicklung der Selbstständigkeit des Faches Psychiatrie förderten und welche expliziten Wirkungen von diesem Forschungsbereich ausgingen. Von besonderem Interesse ist dabei, wie das gegen Ende des 19. Jahrhunderts neu entstehende Konzept der Eugenik auf der Basis der bereits seit längerem existierenden Degenerationstheorie auf die Erblichkeitsforschungen zurückgriff und diese nutzte.

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