Ziel dieser Arbeit war, Häufigkeit und Ausmaß von kognitiven Einschränkungen, Konzentrationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten von in den ersten beiden Lebensjahren herztransplantierten Kindern im Jugend- und jungen Erwachsenenalter zu ermitteln. Zudem sollte untersucht werden, welche Variablen Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit dieser Kinder haben. Zuletzt sollte die elterliche Einschätzung der Lebensqualität dieser Kinder und Jugendlicher erfasst werden. Zu diesem Zweck wurden 38 im Zeitraum von Oktober, 2008 Oktober, 2009 in den ersten beiden Lebensjahren im hiesigen Zentrum herztransplantierte Kinder und Jugendliche mit geeigneten testpsychologischen Untersuchungsverfahren im Alter von 10-21 Jahren umfassend nachuntersucht.38 von 40 überlebenden und kontaktierbaren Kindern (95%) wurden nachuntersucht. Zur Erfassung der intellektuellen Leistungsfähigkeit wurde der Culture-Fair Test 20R (CFT-20-R) verwendet. Der mediane IQ betrug 84 (Spannweite 63-111). 18 Patienten (47%) wiesen einen IQ im Normbereich (=85), 15 (39%) einen Wert im Bereich grenzwertiger Intelligenz (84-70) und 5 (13%) einen Wert im Bereich der leichten Intelligenzminderung (<70) auf. Die neurologische Untersuchung ergab ein funktionell relevantes Defizit bei 5 Kindern (13%). Die Erfassung des selektiven Aufmerksamkeit mittels d2 Test ergab bei 9 von 36 Kindern (25%) einen Wert unterhalb der 5. Perzentile und war somit klinisch relevant auffällig. Verhaltensmerkmale wurden mit Hilfe der Childhood Behavior Checklist (CBCL 4-18) erfasst. Hierbei fanden sich klinisch relevante externalisierende sowie internalisierende Probleme bei jeweils 6 Patienten (18%). Bei Dichtomosierung an einem IQ-Wert von 85 fand sich lediglich der Riskofaktor kardiopulmonale Reanimation statistisch relevant häufig bei Patienten mit einem IQ < 86 als bei solchen mit einem IQ oberhalb dieses Wertes. (p<.03). 68% der herztransplantierten Kinder besuchten die Regel- und 32% die Förderschule. 32% der Kinder wurden aber nicht so beschult, wie es anhand ihrer IQ-Werte zu erwarten gewesen wäre. Die Lebensqualität (Short-Form36-Health Survey) wurde bei 80% der Kinder als exzellent bis gut eingeschätzt.Diese Studie konnte zeigen, dass früh herztransplantierte Kinder bei guter Lebensqualität ein erhöhtes Risiko für kognitive und verhaltensbezogene Auffälligkeiten im Langzeitverlauf haben und sollten deshalb an langfristigen Nachsorgeprogrammen teilnehmen, um von angebotenen speziellen Förderprogrammen profitieren zu können.
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