Über die Mineralstoff-Konzentrationen von Winterfutter 'auf dem Halm' liegen für mitteleuropäische Verhältnisse kaum Erkenntnisse vor. Allerdings wird insbesondere bei einer winterlichen Beweidung weltweit das Auftreten von Krankheiten als Folge einer Mineralstoffunterversorgung oder einer -imbalance bei Mutterkühen und Fleischrindern beobachtet. Daher war es Ziel dieser Arbeit, Informationen über die Mineralstoff-Konzentrationen (P, K, Na, Mg, Ca) und -Muster (Ca/P-, K/(Ca+Mg)-Quotienten) von Winterweideaufwüchsen etablierter Festuco- bzw. Lolio-Cynosureten (= Faktor Pflanzengesellschaft) sowie Reinsaaten von Festuca arundinacea bzw. Lolium perenne (= Faktor Art) unter variierenden pflanzenbaulichen Maßnahmen zu erlangen. Grundlage bildeten drei Freilandversuchskomplexe in Höhenlagen von 320 bis 460 m ü. NN (Versuch 'Pflanzengesellschaft') und 160 m ü. NN (Versuche 'Hauptbestandsbildner', 'N-Düngung'), wobei abhängig vom jeweiligen Versuch der Effekt der Faktoren Standort (= sechs Standorte im Lahn-Dill-Bergland und Westerwald), Vornutzung (= Schonungsgrad ab Juni, Juli), Erntetermin im Winter (November bzw. Dezember, Dezember bzw. Januar, Januar bzw. Februar) und N-Menge (= 0, 50, 100, 150 kg ha-1a-1) jeweils über drei Jahre geprüft wurde.
Der Erntetermin im Winter hatte versuchs- und standortunabhängig den größten Effekt auf die Mineralstoff-Konzentrationen im Winter. Abgesehen von Ca nahmen die Konzentrationen mit späterem Nutzungszeitpunkt im Winter ab. Dabei wurden offenbar insbesondere die in der Pflanze in leicht löslicher Form vorliegenden Elemente K und Na maßgeblich von Auswaschungsprozessen beeinflusst. Die Dauer der Schonung der Bestände (= Faktor Vornutzung) blieb ohne Bedeutung. Zwischen den P-, K-, Na-, Mg- und Ca-Konzentrationen der beiden Weidegesellschaften Festuco- und Lolio-Cynosuretum bestanden im Winter im Gegensatz zur Vegetationsperiode keine relevanten Unterschiede. Die wintergrüne Art Festuca arundinacea erreichte zu Winterbeginn höhere Mg-Konzentrationen als Lolium perenne, gleichzeitig wirkten aber die höheren Zuwachsraten von Festuca arundinacea verdünnend auf die P- und Ca-Konzentrationen. Abgestufte N-Gaben im Juli führten nicht zu einer futterwirtschaftlich relevanten Erhöhung der Mineralstoff-Konzentrationen von Festuca arundinacea. Aus Sicht der Tiergesundheit beurteilt können die K-Konzentrationen (= 0,46 bis 2,56 %) während des gesamten Winters, die Ca-Konzentrationen (= 0,22 bis 0,74 %) bis zum Jahresende, als ausreichend eingestuft werden. Dagegen liefern die Winterweideaufwüchse bezogen auf P (= 0,12 bis 0,49 %), Na ( 0,01 bis 0,30 %) und meist auch Mg ( 0,11 bis 0,25 %) schon zu Winterbeginn den Weidetieren kein adäquates Angebot. In Kombination mit extremen Witterungsbedingungen besteht offenbar besonders zu Winterbeginn eine erhöhte Gefahr des Auftretens von Weidetetanie. Aufgrund der geringen Ca-Konzentrationen im Januar bzw. Februar ist zudem die Gefahr der Gebärparese erhöht.
Unter dem Aspekt der Tiergesundheit beurteilt ergibt sich als Konsequenz, dass bei einer bis zum Jahresende ausgedehnten Weideperiode und der damit verbundenen Nutzung von kostengünstigem Winterfutter 'auf dem Halm' eine gezielte Supplementierung der defizitären Mineralstoffe notwendig ist, um die Gefahr des Auftretens von Krankheiten oder Stoffwechselstörungen bei den Weidetieren zu begrenzen.
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