In vorliegender Untersuchung sollte der Einfluss von Zahnersatz auf die mundgesund-heitsbezogene Lebensqualität untersucht werden. Hierzu wurden 644 Patienten der prothetischen Abteilung des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Justus-Liebig-Universität in Gießen standardmäßig vor und nach einer prothetischen Behandlung zu ihrer mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt. Die durchgeführten 666 Versorgungen reichten von 346 festsitzenden Arbeiten wie Kronen und Brücken über 167 Total- und Modellgussprothesen, die zu herausnehmbarem Ersatz zusammengefasst wurden, bis hin zu 153 teleskopierenden, kombinierten Versionen. Die behandelnden Studenten ermittelten in persönlichen Gesprächen das Ausmaß einer möglichen Beeinträchtigung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität anhand des OHIP-G14 Fragebogens. Nicht vollständig ausgefüllte Fragebögen konnten ab 2 nichtbeantworteten Fragen in dieser Studie nicht berücksichtigt und die Daten dieser Patienten mussten aus der Untersuchung ausgeschlossen werden. Die sowohl auf funktionelle als auch psychosoziale Aspekte der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität abzielenden Fragen sollten anhand einer fünfstufigen Antwortskala beantwortet werden. Als Bezugszeitraum wurden die letzten vier Wochen gewählt. Die Antwortmöglichkeiten reichten von nie bis hin zu sehr oft und wurden im Anschluss mit Zahlen von eins bis fünf kodiert. Mit der Ermittlung eines Gesamtsummenwertes konnte die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität beurteilt werden und Werte von 0 bis 56 waren möglich. Hohe Werte standen dabei für eine starke Beeinträchtigung, niedrige Zahlenwerte hingegen für eine gute Lebensqualität. Die statistische Auswertung der Resultate ergab, dass zwischen Männern und Frauen kein signifikanter Unterschied erkennbar war (p=0,741), lediglich das Alter zeigte einen geringen Einfluss auf die Veränderung der Lebensqualität (p=0,042). So verschlechterte sich der Eindruck der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität mit zunehmenden Jahren. Des Weiteren konnte zum Zeitpunkt vor einer prothetischen Behandlung bei Patienten mit reduziertem Restzahnbestand eine stärkere Beeinträchtigung festgestellt werden (Anfangsbefund Herausnehmbar=14,63/ Anfangsbefund Kombiniert=8,19) als bei der vollständig oder fast vollständig bezahnten Vergleichsgruppe (Anfangsbefund Festsitzend=4,20). Die Analyse der Abschlussbefunde ergab, dass alle Zahnersatzarten die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant verbessern (p<0,012). Im Detail betrachtet war zu erkennen, dass in der festsitzenden Gruppe, die Kronen und Brücken umfasste, sogar eine hoch- signifikante Verbesserung zu verzeichnen war (p=0,001) und nach Abschluss der Behandlung eine nahezu optimale Lebensqualität vorlag (OHIP-Mittelwert=2,57). Die mit herausnehmbarem Zahnersatz versorgten Patienten erhielten entweder Totalprothesen oder im Falle eines Restzahnbestandes Modellgussprothesen. Im Gesamten betrachtet zeigten die herausnehmbaren Versorgungen eine signifikante Verbesserung (p=0,000) und ebenfalls die Teleskopprothesenträger gaben eine signifikant bessere mundgesundheitsbezogene Lebensqualität an (p=0,012). Die herausnehmbaren Arbeiten wurden in Modellgussprothesen, die keine signifikanten Differenzen erzielen konnten (p=0,671) und Totalprothesen unterschieden. Weiterführend konnte bei den Totalprothesen nochmals zwischen einer Immediatprothese und einer Neuanfertigung differenziert werden. Es zeigte sich, dass es durch Neuanfertigungen zu signifikanten Verbesserungen kam (p=0,003), wohingegen die unmittelbar nach einer Extraktion eingegliederten Immedi-atprothesen keine signifikante Verbesserung verzeichnen konnten (p=0,113). Auf Werkstoffebene wurde ebenfalls eine Veränderung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität geprüft und es stellte sich heraus, dass sowohl vollkeramische Restaura-tionen als auch vergleichbare metallische Versorgungen eine signifikante Verbesserung erzielen (p<0,048). Bei genauerer Betrachtung der metallischen Legierungen war aller-dings zwischen der hochgoldhaltigen und nicht-edelmetallischen Variante ein Unter-schied zu erkennen: Eine signifikante Verbesserung war nur bei den hochgoldhaltigen Kronen und Brücken zu erkennen (p<0,031).Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass es durch die Eingliederung von Zahnersatz zu einer Verbesserung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität kommt. Natürlich sind einige Faktoren wie Anzahl und Lokalisation der fehlenden Zähne oder die finanziellen Möglichkeiten der Patienten bei der Planung und Herstellung der Versorgungen mit zu berücksichtigen, sodass es innerhalb der grob zusammengefassten Gruppen durchaus zu unterschiedlichen Auswirkungen kommen kann. Zusammenfassend ist aber ein allgemeiner Benefit für die Patienten erkennbar.
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