Das Wobbler-Syndrom (zervikale Spondylomyelopathie) beim Dobermann im Vergleich mit ausgewählten Rassen

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Die Arbeit gibt Überblick über das derzeitige Wissen zum Wobbler-Syndrom beim Hund. Dabei finden ätiologische, pathogenetische und pathophysiologische sowie therapeutische Gesichtspunkte besondere Beachtung. Durch die eigenen Untersuchungen werden anhand von Messungen an Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule bei Hunden der Rasse Dobermann (n=98) bei physiologischer und gehaltener Lagerung reproduzierbare Werte für die Zervikalwirbel beim Dobermann erarbeitet. Diese werden mit Patienten aus 6 Vergleichsgruppen (n=182) in Beziehung gesetzt. Durch unsere Untersuchungen konnten wir zeigen, dass das konventionelle Röntgen der Halswirbelsäule die anatomischen Strukturen in exaktem Verhältnis wiedergibt. Dies wurde durch den Vergleich von Röntgenbildern und entsprechend präparierten Halswirbelsäulen belegt. Die angewandte Röntgentechnik in physiologischer und definiert gehaltener Lagerung bietet bei der Auswertung umfassende Informationen über statische und dynamische Verhältnisse am Hals. Exakt gelagerte Röntgenaufnahmen haben sich für die meisten Patienten als ausreichend erwiesen. In Einzelfällen hat sich aber gezeigt, dass die Ergänzung durch weitere bildgebende Verfahren wie Computertomographie oder Magnetresonanztomographie die Diagnostik bei Patienten mit dem Verdacht auf Wobbler-Syndrom unterstützen kann. In jedem Fall muss die bildgebende Diagnostik am narkotisierten Patienten durchgeführt werden. Wir konnten durch unsere Untersuchungen feststellen, dass beim Dobermann anatomische Unterschiede im Vergleich zu den Rassen Dt. Dogge (Gruppe 2), Bracke, Mittelschnauzer, Cocker, Beagle, Pudel, Collie, Windhund, Bobtail, Austr. Shepherd (Gruppe 3), DSH, BSH, Hütehund, Riesenschnauzer (Gruppe 4), Dackel, Zwergschnauzer, JRT, Spitz, Shi-Tsu, Chihuahua (Gruppe 5), Stafford Terrier, Boxer, Rottweiler (Gruppe 6), Retriever, Münsterländer, Hovawart, Dalmatiner, Husky, Irish Setter und Picard (Gruppe 7) bestehen. Beim Dobermann ist der fünfte Halswirbel bereits länger als der vierte. Zusätzlich besteht eine breite Variabilität der Wirbelkörperlänge. Besonders das Verhältnis der dorsalen zur ventralen Wirbelkörperlänge zwischen C6 und C7 ist auffallend unterschiedlich angelegt. Eine besondere Rolle kommt dem siebten Halswirbel zu. Wir konnten für den Dobermann zeigen, dass dieser Wirbel kürzer angelegt ist als bei den untersuchten Vergleichsrassen. Der Dobermann zeichnet sich durch eine nach dorsal steife Halswirbelsäule im Bereich zwischen C3 und C7 aus. Besonders der Intervertebralspalt C6/7 ist beim Vergleich mit den Ergebnissen der übrigen Gruppen auffallend unbeweglich. Im Gegensatz dazu ist der Übergang zwischen C7/T1 bei dieser Rasse flexibler angelegt als bei allen anderen untersuchten Rassen. Bei Betrachtung der ventralen Beugungsfähigkeit der HWS sind ebenfalls Auffälligkeiten erkennbar. Der Dobermann besitzt eine nach ventral sehr bewegliche Halswirbelsäule, wobei die möglichen Winkel bei den einzelnen Tieren sehr unterschiedlich sind. Wir konnten neben der hohen Beweglichkeit der Halswirbelsäule beim Dobermann auch die große Schwankungsbreite zwischen möglichen Winkelungen an der kaudalen HWS feststellen. Aus unseren Ergebnissen kann der Schluss gezogen werden, dass der Dobermann durch die typische Wirbelmorphologie und erhöhte Beweglichkeit der Halswirbelsäule eine Prädisposition zur Entwicklung des Wobbler-Syndroms besitzt. Die Prädisposition kann radiologisch dargestellt werden. Extreme Abweichungen von der 'Norm' der Vergleichsgruppen erhöhen die Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung klinisch-neurologischer Ausfälle. Da kaum Unterschiede zwischen klinisch gesunden und erkrankten Hunden der Rasse Dobermann bestehen, muss davon ausgegangen werden, dass es sich um eine multifaktorielle Ätiologie handelt, wobei die Addition mehrerer ungünstiger Voraussetzungen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Wobbler-Syndroms erhöht. Dies entspricht auch dem bevorzugten Erkrankungsalter von 6 bis 7 Jahren. Wir konnten außer bei dorsaler Überstreckung der HWS keinen signifikanten Unterschied zwischen klinisch gesunden und am Wobbler-Syndrom erkrankten Hunden der Rasse Dobermann feststellen. In Verbindung mit den Abweichungen von der anatomischen Normalform der Halswirbel bei Hunden der Vergleichsgruppen muss davon ausgegangen werden, dass nicht nur einzelne Tiere, sondern die Rasse Dobermann in ihrer Gesamtheit für die Entstehung des Wobbler-Syndroms prädisponiert ist. Ob der Dobermann am Wobbler-Syndrom erkrankt, ist demnach nur abhängig von zusätzlichen negativen Einflüssen und damit prinzipiell eine Frage der Zeit.

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Erstpublikation in

Wettenberg : VVB Laufersweiler 2002

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