Die Implantat-Prothetik gewinnt seit Jahren immer mehr an Bedeutung in der Zahnmedizin. Es gibt jedoch bisher nur wenige Studien, die sich sowohl mit der klinischen Bewährung von festsitzenden, als auch mit der klinischen Bewährung von herausnehmbaren implantatgetragenen Suprakonstruktionen unter patientenspezifischen Faktoren, sowie auftretenden prothetischen Komplikationen und dadurch anfallenden Nachsorgemaßnahmen über einen längeren Zeitraum befasst haben.Die vorliegende retrospektive Longitudinalstudie basiert auf Daten von 473 Patienten, welche im Zeitraum von Dezember 2003 bis Februar 2017 implantatgetragenen Zahnersatz in der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der JLU Gießen erhielten. Hierbei wurden außerdem Patienten mit einer die Mundhöhle betreffenden Tumorerkrankung in die Studie miteinbezogen. Dabei wurde randomisiert nur eine implantatgetragene Versorgung pro Patient ermittelt, sodass schließlich 320 festsitzende und 153 herausnehmbare implantatgetragene Versorgungen auf insgesamt 1499 Implantaten untersucht wurden. Die statistische Auswertung erfolgte unter anderem mittels der Kaplan-Meier-Analyse und Cox-Regression.Während der beobachteten Funktionsperioden mussten 31 (6,6%) von insgesamt 473 Versorgungen neuangefertigt werden. Betroffen waren 24 (7,5%) festsitzende Versorgungen und sieben (4,6%) herausnehmbare Versorgungen. Die kumulative 5- Jahres-Überlebensrate lag bei festsitzenden Konstruktionen bei 87,4% und bei herausnehmbaren bei 95,5%. Die kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit nach zehn Jahren in Funktion lag bei 69,6% bzw. bei 90,2%. Die 90%-ige- Überlebenswahrscheinlichkeit wurde bei festsitzenden Suprakonstruktionen nach 4,7 Jahren unterschritten, bei herausnehmbaren nach 11,4 Jahren.Als Gründe für notwendige Neuanfertigungen wurden vor allem Implantatverluste (8) und Verblendungsbrüche (7) dokumentiert. Weitere Gründe waren unter anderem ästhetische Mängel (3), Frakturen der Abutmentschrauben (2), der Verlust von Suprakonstruktionen (3), Friktionsverlust (1), u.a. (7).Hinsichtlich der einbezogenen patientenspezifischen Faktoren zeigte sich bei den festsitzenden Suprakonstruktionen ein signifikanter Einfluss in Abhängigkeit von der Gegenbezahnung (p=0,05), wobei sich eine kürzere Überlebensdauer bei Versorgungen mit ebenfalls implantatgetragenen Versorgungen im Gegenkiefer zeigte. Beim Patientenkollektiv mit herausnehmbaren implantatgetragenen Suprakonstruktionen erwies sich die regelmäßige Recallteilnahme als signifikante Variable (p<0,05). Patienten, die regelmäßig das Recallprogramm, sprich die Kontrolluntersuchungen in Anspruch nahmen, konnten eine signifikant längere Überlebenszeit des vorhandenen implantatgetragenen Zahnersatzes von 12 Jahren im Gegensatz zu 7,9 Jahren bei Nicht- teilnahme am Recallprogramm erzielen. Eine vorhandene Tumorerkrankung des Patienten erwies sich bei beiden Versorgungsarten als nicht signifikant hinsichtlich der Überlebensrate des implantatgestützten Zahnersatzes.Während der betrachteten Funktionsperiode mussten bei 53,1% der Patienten 661 prothetische Nachsorgemaßnahmen durchgeführt werden. Die Verweildauer bis zur ersten notwendigen prothetischen Nachsorgemaßnahme war bei den Patienten mit herausnehmbaren Versorgungen höchst signifikant kürzer als bei solchen mit festsitzenden Versorgungen (p<0,001). Im Vergleich lag die 5-Jahres-Verweildauer des herausnehmbaren implantatgetragenen Zahnersatzes (HIZE) bei 17,6% im Gegensatz zu 39,4% bei festsitzendem implantatgetragenem Zahnersatz (FIZE).Die häufigste Nachsorgemaßnahme bezogen auf HIZE war hierbei die Druckstellenentfernung (32,7%), gefolgt von Friktionsverbesserungen und Unterfütterungen (jeweils 13,6%). Bei FIZE war die mit Abstand häufigste prothetische Nachsorgemaßnahme das Rezementieren von Suprakonstruktionen (44,9%), gefolgt von Lockerungen der Verbindungsschrauben (18,3%) und Verschlusserneuerungen (14,8%).
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