Die Bestimmung des Antikörpertiters nach der Tollwutimpfung ist für den Import von Hunden, Katzen und Frettchen aus bestimmten Ländern in die EU erforderlich. Trotz ordnungsgemäßer Impfung erreicht ein beträchtlicher Anteil der Tiere den Grenzwert von 0,5 IU/ml nicht, welcher international dafür anerkannt ist, Schutz vor Erkrankung anzuzeigen.In einer retrospektiven epidemiologischen Studie wurden die Daten von 1850 Hunden und 91 Katzen ausgewertet, um Risikofaktoren für Titer unterhalb des Grenzwertes zu identifizieren. Die Daten wurden anhand eines Fragebogens erhoben, mit dem detaillierte Angaben zur Impfgeschichte und begleitender Medikation erfragt wurden. Zusätzlich wurden die Daten aller während des Studienzeitraums in der Routinediagnostik gegen Tollwutantikörper untersuchten Hunde, Katzen und Frettchen ausgewertet.Ein geringes Alter, Einfachimpfung und eine lange Zeitspanne zwischen der Impfung und der Blutentnahme erhöhten das Risiko für nicht ausreichende Titer bei Hunden. Als weiterer Faktor, der einen signifikanten Einfluss auf das Testergebnis ausübt, wurde der zur Immunisierung eingesetzte Impfstoff identifiziert. Unterschiede zwischen Impfstoffen blieben auch nach Wiederholungsimpfungen nachweisbar. Die gleichen Risikofaktoren wurden auch in mehrfach geimpften und in älteren Hunden identifiziert. Kein relevanter Einfluss wurde für die zeitgleiche Verabreichung anderer Medikamente, die Rasse und Kastration nachweisbar. Hunde in Deutschland hatten ein signifikant höheres Risiko für Titer unterhalb des Grenzwertes als Hunde aus anderen Ländern.Katzen hatten im Vergleich zu Hunden ein signifikant niedrigeres Risiko für nicht ausreichende Titer. Im Allgemeinen waren die Titer von Katzen höher als die von Hunden. Ein geringes Alter, Einfachimpfung und eine lange Zeitspanne zwischen der Impfung und der Blutentnahme wurden als Risikofaktoren für Titer unterhalb des Grenzwertes ermittelt. Unterschiede zwischen Impfstoffen konnten für Katzen nicht identifiziert werden, vermutlich aufgrund der geringen Fallzahlen.Die rechtlichen Anforderungen des Ziellandes waren bei 17,5% der Tiere nicht erfüllt. Bei 26,9% der Fragebögen wurden Abweichungen zu den vorher bei Einsendung der Blutproben gemachten Angaben festgestellt.In prospektiven Impfstudien wurde der Verlauf des Antikörpertiters nach der Erstimpfung und nach Wiederholungsimpfungen gegen Tollwut mit Standardimpfstoffen bei Hunden, Katzen und Frettchen untersucht. Die Risikofaktoren für nicht ausreichende Titer, die anhand der epidemiologischen Untersuchungen für Hunde und Katzen identifiziert worden waren, konnten in diesen Impfversuchen bestätigt werden. Bei Frettchen konnte kein negativer Einfluss einer zeitgleichen Impfung gegen Staupe und Tollwut auf die Antikörperantworten festgestellt werden.Zuletzt wurde der Einfluss des Testsystems auf die Titerhöhe untersucht. Jedes Serum wurde im FAVN-Test gegen das zum jeweiligen Impfstamm homologe Virus getestet. Die Ergebnisse wurden mit den im Standardprotokoll, d.h. mit dem heterologen CVS-Stamm erzielten Werten verglichen. Es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen dem heterologen und dem homologen Testsystem beobachtet. Somit ergibt sich kein Hinweis auf eine systematische Benachteiligung einzelner Impfstämme. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz homologer Virusstämme den Anteil nicht ausreichender Testergebnisse nicht signifikant verringern würde. Die Testparameter für sich allein erklären nicht das erhöhte Risiko für Ergebnisse unterhalb des Grenzwertes, welches für einige Impfstoffgruppen beobachtet wurde. Interessanterweise wurden keine durchgängig besseren Ergebnisse im homologen Testsystem erzielt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der CVS-Stamm für den Einsatz im FAVN-Test geeignet ist.Hauptziel der Untersuchung war eine Verbesserung der aktuellen Impfempfehlungen im Hinblick auf die internationalen Reisebestimmungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Grundimmunisierung gegen Tollwut bei Hunden aus zwei Impfungen bestehen sollte. Vor der Antikörperbestimmung und vor dem Verbringen von Hunden und Katzen zwischen Gebieten mit unterschiedlichem Tollwutrisiko sollten die Tiere mindestens zwei Mal gegen Tollwut geimpft worden sein.
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