Malassezia furfur gehört zur residenten Mikroflora der menschlichen Haut (Roberts 1969). Das Vorhandensein dieses obligat-lipophilen Pilzes ist aber auch mit der Erkrankung Pityriasis versicolor ("Kleienflechte") assoziiert (Eichstedt 1846). Eine Form dieser Hautmykose ist die Pityriasis versicolor alba, bei der sich Depigmentierungen der Haut zeigen, auf denen sich trotz UV-Provokation kaum ein Sonnenbrand ausbildet (Lewis 1936). Ein von Malassezia furfur gebildeter potenter UV-Filter konnte bereits vorgestellt werden (Mayser 2002). Jetzt wurde in vitro die Frage untersucht, welche Bedeutung der Tryptophan-abhängige Sekundärmetabolismus von Malassezia furfur und die damit verbundene Produktion des Pityriacitrins für die Hefe selbst und auch für andere der Hautflora zugehörige Mikroorganismen haben könnte; ob Pityriacitrin toxisch wirkt und sich Malassezia furfur somit einen Vorteil in der gemeinsamen ökologischen Nische erarbeiten könnte oder ob es auch bei Candida albicans oder Staphylokokken UV-protektiv wirken könnte.
Vorliegende Ergebnisse zeigen, dass bei Malassezia furfur eine vermehrte Anreicherung mit Tryptophan im Nährmedium nicht zu einem beliebig steigerbarem UV-Schutz führt. Selbst geringe Mengen an Tryptophan gewährleisten die Ausbildung eines UV-Filters, was in Anlehnung an die möglicherweise auf der Haut vorhandenen Tryptophankonzentrationen zu sehen ist.
Eine Steigerung der Konzentration von exogen zugeführtem Pityriacitrin führt bei bestrahlten Zellen zu vermehrter UV-Toleranz. Ab ca. 11mmol ist Malassezia furfur schon bei hohen UVB-Dosen ausreichend geschützt, ab ca 13mmol sogar so gut, dass keine nennenswerten Wachstumseinbußen zu erkennen sind.
Zur Überprüfung der Wirkung auf andere Mikroorganismen wurde Candida albicans einmal mit (11mmol) und einmal ohne Pityriacitrin auf Kimmigagar inokuliert, verschiedenen UVB-Dosen (0,100, 500, 1000, 1500, 2000mJ/ cm2) ausgesetzt und inkubiert. Ab einer UVB-Dosis von 1J/cm2 wuchsen die Pilze ohne Pityriacitrin nicht mehr, wohingegen bei jenen mit Pityriacitrin kein wachstumshemmender Effekt der UVB-Bestrahlung zu verzeichnen war.
Im Plattendiffusionstest mit Staphylococcus aureus und epidermidis konnte keine Toxizität von Pityriacitrin festgestellt werden. Darauf aufbauend wurden die Staphylokokken wieder auf Blutagarplatten ausgestrichen und eine Platte mit 10µl Pityriacitrin à 11mmol überimpft, eine mit 10µl Pityriacitrin à 22mmol, eine mit 10µl reinem DMSO und eine ohne Zusatz. Die Platten mit Pityriacitrin und mit reinem DMSO wurden einer UVB-Bestrahlung von 1000mJ/ cm² ausgesetzt. Anschließend wurden die Platten inkubiert und nach 12, 24 und 48 Stunden visuell beurteilt. Es zeigte sich, dass bei den Platten mit reinem DSMO nur sehr schlechtes oder fast kein Wachstum der Staphylokokken erfolgte. Im Vergleich dazu waren bei den zusätzlich mit Pityriacitrin präparierten Platten deutliche Unterschiede zu verzeichnen: es war mehr Wachstum zu sehen.
Zur Testung einer UVB-Filterwirkung wurden Quarzküvetten mit Staphylokokken in Flüssigmedium (BHI) mit und ohne Pityriacitrin (30µmol) einmalig 1000mJ/cm² UVB ausgesetzt und inkubiert. Die Bakterien mit Pityriacitrin zeigten ein etwa gleich gutes Wachstum wie die unbestrahlte Kontrolle.
Pityriacitrin kann als UV-Filter bei Candida albicans und Staphylokokken wirken und zeigt keine Toxizität.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen