Die Implantation von Hüftgelenksendoprothesen zählt zu den häufigsten Operationen der Orthopädischen Chirurgie. Der Erfolg einer stabilen Verankerung zementfrei eingebrachter Prothesenschäfte ist maßgeblich von dem Ausmaß der Mikrorelativbewegungen an der Implantat-Knochen-Grenzfläche abhängig. Eine ausreichend vorhandene primäre Rotationsstabilität ist dabei ein wichtiger Prognosefaktor für eine erfolgreiche Osteointegration und Funktion. Ein epidemiologisch-demographisch bedingter Anstieg von Revisions- und Wechseloperationen führte in den vergangenen Jahren zu einer rasanten Weiterentwicklung und Nachfrage knochensparender Kurzschaftsysteme.Ziel dieses Forschungsprojektes ist es daher, aktuell verwendete Hüftkurzschaftendoprothesen experimentell auf ihre Primärstabilität zu prüfen, sowie den Einfluss einer von der Norm abweichenden valgischen Implantatstellung auf das jeweilige Verankerungsverhalten zu untersuchen.Drei Hüftkurzschaftsysteme (AIDA, Metha, MiniHip) wurden untersucht und dabei sowohl in neutraler als auch in valgischer Schaftposition nach einem standardisierten Protokoll in jeweils fünf Kunststoffemora implantiert. Anschließend erfolgte die Einleitung von rückwirkungsfreien Drehmomenten in stufenlosen Intervallen von ± 7Nm in die Implantate. Als zentrale statistische Methode wurden Varianzanalysen als gemischtes Modell bei einem auf p < 0,05 festgelegtem Signifikanzniveau angewand. Die Hauptverankerungszone frei von der Schaftposition befindet sich bei allen Kurzschaftmodellen im meta-/diaphysären Übergangsbereich. Dennoch besitzen die Prothesen ein vorrangig proximales Verankerungsverhalten. Eine die Osteointegration gefährdende Überschreitung des kritischen Grenzwertes der Mikrorelativbewegungen von 150 mikrometer im Prothesen-Knochen-Verbund zeigte lediglich das valgisch implantierte MiniHip-Kurzschaftsystem.Das Fehlen einer ausreichenden lateralen Schaftanlage in Verbindung mit einem ovalen Flächenquerschnitt verhindert eine suffiziente Primärstabilität. Bei der Weiterentwicklung von Kurzschaftsystemen sollte daher auf ein mehrkonisches, kurviertes Prothesendesign mit eher zirkulo-trapeziodalem Querschnitt und sich nach distal verjüngendem Schaft geachtet werden, um unphysiologisch hohe Bewegungen im distalen Prothesen-Knochenverbund zu verringern, und um eine von der Norm abweichende valgische Implantatstellung besser kompensieren zu können.
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