In der vorliegenden Arbeit wurde die Rolle des atypischen Chemokinrezeptors CRAM bei der Chronischen lymphatischen Leukämie des Menschen untersucht. Die CLL ist eine hämatopoetische Erkrankung, die sowohl beim Mensch als auch beim Hund mit einer hohen Inzidenz auftritt. Sie ist gekennzeichnet durch das Auftreten reifer aber immunologisch inkompetenter B-Lymphozyten im Blut und deren Wanderung in sekundäre lymphatische Organe. Hierbei spielen unter anderem der klassische Chemokinrezeptor CCR7 und seine Liganden CCL19 und CCL21 eine bedeutende Rolle. Das homöostatische Chemokin CCL19 ist ein Ligand von CRAM. Als atypischer Chemokinrezeptor vermittelt CRAM nach Bindung von CCL19 keine klassischen Funktionen wie Migration oder Aktivierung intrazellulärer Signalkaskaden. Es wurde allerdings nachgewiesen, dass CRAM einen hemmenden Einfluss auf die CCR7-induzierten Antworten wie Chemotaxis, Calciumausschüttung und ERK-Phosphorylierung hat.Auf primären CLL-Patientenzellen wurde im Vergleich zu primären B-Lymphozyten gesunder Spender eine erhöhte CCR7- und CRAM-Expression nachgewiesen. Sowohl die Chemotaxis in Richtung CCL19 und CCL21, als auch die Phosphorylierung der MAPK ERK1/2 sind CCR7-induziert und konnten durch die Inhibition von CRAM verstärkt werden. Trotz der konstitutiven STAT3-Phosphorylierung am Serinest konnte nach Stimulation mit CCL19 im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle eine verstärkte Phosphorylierung induziert werden. Dieser Effekt wurde nach CRAM-Inhibition nochmals verstärkt. Daher hat CRAM bei CLL-Patientenzellen einen hemmenden Effekt auf die CCR7-induzierte Phosphorylierung von ERK1/2 und STAT3. Weder die Rezeptorexpressionen noch die chemotaktischen Indizes korrelierten mit dem Rai-Stadium der Patienten, einer klinischen Lymphadenopathie oder der ZAP-70-Expression. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass CRAM an der Adhäsion der CLL-Patientenzellen an Stromazellen beteiligt ist. Im Apoptose-Assay konnte der antiapoptotische Effekt von CCL19 und CCL21 gezeigt werden. Somit konnte in der vorliegenden Arbeit der hemmende Einfluss von CRAM auf CCR7- induzierte Antworten bei primären CLL-Patientenzellen bestätigt werden. Ebenso wurden erste Erkenntnisse über eine Beteiligung von CRAM an der Adhäsion von CLL-Patientenzellen an Stromazellen gewonnen
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