Unter den verschiedenen Antigenen des Hepatitis B Virus (HBV) führt das Hepatitis B Core Antigen (HBcAg) zur stärksten Immunreaktion. So kommt es im Rahmen einer Hepatitis B in den allermeisten Fällen zur Bildung von Antikörpern gegen HBcAg (anti-HBc).Unter 3309 Hepatitis B Surface Antigen (HbsAg) positiven Seren wurden durch einen kommerziell erhältlichen (Mikropartikel)-Enzym-Immunoassy (M / EIA) 34 Proben von 22 Patienten anti-HBc negativ getestet. Bei der Suche nach möglichen Ursachen für das Fehlen von anti-HBc bei diesen Patienten zeigte sich, dass neun Patienten immunsuppremiert waren bzw. bei ihnen eine HIV-Koinfektion vorlag. Bei 13 Patienten, fünf davon wurden perinatal infiziert, war allerdings keine Immunsuppression bekannt. Das HBc-Gen konnte bei sieben Patienten sequenziert werden. Dabei fanden sich keine Mutationen, die das negative Ergebnis im anti-HBc-Test erklären könnten.Zur Reevaluation der Seren wurde ein neuer anti-HBc-Test entwickelt: Die im Serum enthaltenen Antikörper wurden dabei an Protein G beschichtete magentische Kügelchen gebunden und anti-HBc über 32P-markiertes rekombinantes HBcAg nachgewiesen. Die radioaktive Markierung erfolgte durch carboxyterminale Phosphorylierung des HBcAg, wie sie auch Teil des natürlichen Replikationszyklus von HBV ist. Da rekombinant hergestellte Capside keine Proteinkinase enthalten wurde Proteinkinase C zu dissoziierten Capsiden zugefügt. So konnten die Core Proteine radioaktiv phosphoryliert werden. Anschließend wurden die Capside rekonstituiert. Die Spezifität der Immunpräzipitation (IP) konnte durch Kompetition mit unmarkiertem HBcAg kontrolliert werden. Um die Sensitivität zu überprüfen wurden Verdünnungsreihen parallel mittels IP und MEIA getestet. Dabei war die IP bei anti-HBe positiven Seren 1,8fach (1,3 - 2,9) sensitiver als der MEIA, während sie bei anti-HBe negativen Seren von chronisch Infizierten 6,5fach (5,8 - 7,4) sensitiver war.Von den 34 HbsAg positiven, anti-HBc negativen Seren war von 27 ausreichend Volumen für die IP vorhanden. IP testete davon sieben Seren positiv, vier unspezifisch und 16 ebenfalls negativ. Auch mit der sensitiveren IP blieben Seren negativ. Ein negativer anti-HBc-Titer allein reicht damit nicht aus um eine Hepatitis B auszuschließen, weitere Tests (z.B. HBV-DNA) sind hierzu notwendig.
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