EinleitungSternuminstabilität ist eine der häufigsten Komplikationen nach Sternotomien. Diabetes mellitus, Osteoporose und Adipositas sind unter anderem Risikofaktoren, welche die Sternuminstabilität um mehr als 14% erhöhen können. In unserer Studie prüfen wir den Einfluss von Kollagenvlies auf die Sternuminstabilität, sowie seine Wirkung auf die Wund- und Knochenheilung nach medianer Sternotomie.MethodeEs handelt sich um eine retrospektive matched pair Studie, in welcher wir den Einfluss von Kollagenvlies (Tachosil®, Firma Takeda, Konstanz Deutschland) auf die Sternuminstabilität und Wund- und Knochenheilung nach medianer Sternotomie untersucht haben. Jeder Patient, bei dem Kollagenvlies an den Sternumhälften zur Blutstillung der Spongiosa nach medianer Sternotomie angewandt wurde, nahm an der Studie teil. Das Fibrin-Kollagen-Vlies wurde auf beiden Sternumhälften vor Verdrahtung des Sternums bei Patienten mit makroskopisch ausgedünnter spongiöser Knochenstruktur am Sternum eingesetzt. Sternumstabilität und Wundheilung wurden postoperativ im Verlauf beobachtet und notiert. Die Ergebnisse wurden mit einer Matched Pairs Kontrollgruppe verglichen. Die Kriterien zum Matchen waren: Geschlecht, Alter, Osteoporose bzw. makroskopisch ausgedünnter spongiöser Knochenstruktur am Sternum, Diabetes mellitus Typ 2, Nikotinkonsum, BMI und Operationsdatum. Die Gruppen wurden mit dem exakten Test nach Fischer auf Unterschiede überprüft und die Zielparameter- Sternuminstabilität, Wundheilung, Re-Operationsrate, sowie 30 Tage Mortalität- untersucht.ErgebnisVon 2006 bis 2011 wurde bei 25 Patienten Kollagenvlies zwischen den beiden Sternumhälften angelegt, 22 Patienten davon waren weiblich. Das mittlere Alter lag bei 72,2±10,2 Jahren. In den Grundcharakteristika gab es keine Unterschiede zwischen der Therapie- und Kontrollgruppe. Sternuminstabilität wurde postoperativ bei einem Patienten (4%) der Therapiegruppe und fünf Patienten (20%) in der Kontrollgruppe festgestellt, es lag jedoch keine statistische Signifikanz vor (p=0,189). Zu Wundheilungsstörungen kam es bei einem Patienten (4%) aus der Therapiegruppe und bei zwei Patienten (8%) aus der Kontrollgruppe (p=1,000). Zu Re-Operationen kam es bei vier Patienten (16%) aus der Therapiegruppe und bei sechs Patienten (24%) aus der Kontrollgruppe (p=0,725). Innerhalb von 30 Tagen nach der Operation verstarben vier Patienten (16%) aus der Therapiegruppe und zwei (8%) aus der Kontrollgruppe (p=0,349).SchlussfolgerungDer Gebrauch von Kollagenvlies an beiden Sternumhälften vermindert bei Osteoporosepatienten bzw. bei Patienten mit makroskopisch ausgedünnter spongiöser Knochenstruktur am Sternum die Häufigkeit von Sternuminstabilitäten. Aufgrund des Studiendesigns und der geringen Anzahl von Patienten haben die Ergebnisse unserer Untersuchung nur einen hypothesen-generierenden Effekt. Eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie ist notwendig, um den positiven Effekt von Kollagenvlies auf die Sternuminstabilität nach medianer Sternotomie zu beweisen.
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