Bis zum heutigen Zeitpunkt existieren kaum eingehende Untersuchungen zur privaten und beruflichen Lebensqualität von Zahnärzten, wobei über den Humanmediziner mittlerweile etwas mehr bekannt ist. Im Zuge der aktuellen Gesundheitsreform ist das Interesse an entsprechenden Ergebnissen immens gestiegen, da sich herausstellte, dass nicht nur Patienten unter den Veränderungen leiden, sondern in hohem Maße auch die Ärzteschaft.
Um den direkten Vergleich beider medizinischer Fachrichtungen zu ermöglichen, wurde im Sommer 2003 ein speziell entwickelter Fragebogen zur Lebensqualität von Zahnärztinnen und Zahnärzten (Jurkat & Reimer, 2003) an 124 berufstätige Zahnärzte im hessischen Raum versandt sowie ein vergleichbarer Fragebogen zur "Lebensqualität von Ärztinnen und Ärzten" (Reimer & Jurkat, 2003) an 253 berufstätige Humanmediziner.
Die detaillierte Auswertung der zurückgesendeten Fragebögen bestätigte die zuvor aufgestellten Arbeitshypothesen weitgehend: Zahnärzte sowie Humanmediziner sind in hohem Maße arbeitsunzufrieden, wobei festgestellt werden konnte, dass sich die immense berufliche Unzufriedenheit direkt auf das Privat- und Familienleben der Zahn- und Humanmediziner sowie auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirkt. Die momentane negative Stimmung der Ärzteschaft kommt in zahlreichen Zitaten zum Ausdruck, die auch Resignation und Pessimismus ausdrücken. Die Ergebnisse zeigen somit, dass es nicht verwunderlich ist, wenn deutsche Zahnärzte und Ärzte ein überproportionales Suchterkrankungsrisiko aufweisen. Einem glücklichen und ausgeglichenen Privatleben ist ein hoher Stellenwert bei der Suchtprävention zuzuschreiben. In diesem Zusammenhang werden die Brisanz der Ergebnisse und deren möglichen Auswirkungen deutlich, umso mehr, wenn man bedenkt, dass das Leiden der Ärzteschaft sich direkt und indirekt auf die Qualität der ärztlichen Versorgung in Deutschland auswirken könnte.
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