Das im DFG-Sonderforschungsbereich 299 Landnutzungskonzepte für periphere Regionen entwickelte Landnutzungsmodell ProLand berechnet räumlich-explizit Kennzahlen landwirtschaftlicher Produktionsverfahren. ProLand quantifiziert Erträge, Leistungen, Kosten und Bodenrenten aktueller Landnutzungen und prognostiziert die zukünftige Verteilung von Landnutzungssystemen.Im Rahmen des Transferbereichs Integrierte Evaluierung Energiepflanzenanbau des SFB 299 erfolgt in Kooperation mit einem Projektpartner aus der Industrie die praxisnahe Anwendung des Modells zur Unterstützung privatwirtschaftlicher Investitionsentscheidungen im Bereich erneuerbarer Energien. Neben der Bestimmung der Auswirkungen einer vom Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) induzierten Nachfrage nach Bioenergiepflanzen auf die Landnutzung sowie auf die landwirtschaftliche Beschäftigung ist die Identifizierung optimaler Standorte zur Erzeugung erneuerbarer Energie aus Biomasse am Beispiel von Biogasanlagen relevant.Angesichts der Modellierungsanforderungen sind außer einer Anpassung auf die naturräumlichen Gegebenheiten des Untersuchungsraums Südhessen auch funktionale Erweiterungen von ProLand notwendig. Die Identifizierung von Standorten zur dezentralen Energieerzeugung erfordert die Interaktion mit dem neuentwickelten Standorteignungsmodell ProSite. ProSite weist geeignete Biogasanlagenstandorte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Faktoren aus. Das auf einem geographischen Informationssystem basierende Modell verwendet als Produktionsparzellen von Energiemais diejenigen Flächen, die ProLand als vorzüglich gegenüber alternativen Landnutzungen identifiziert. Die Kopplung beider Modelle eröffnet weitere Analyseoptionen, wie z.B. die Transportkostenberechnung des Landnutzungsverfahrens Energiemais, die Bestimmung von vorzüglichen Anbaugebieten sowie die Quantifizierung von Substratpotentialen innerhalb der Einzugsgebiete der Biogasanlagen. Somit kalkuliert ProLand die von den Standorten der Verarbeitungsindustrie abhängigen Bodenrenten unter Berücksichtigung von räumlich differenzierten Preisen.Die Ergebnisse der Landnutzungsprognosen verdeutlichen die Auswirkungen des EEG auf die Landnutzung und das landwirtschaftliche Einkommen in der Untersuchungsregion. Unter der Annahme einer stufenweisen Erhöhung der Maisnachfrage dehnt sich sowohl der Silomais- als auch der Körnermaisanteil aus, was mit einem Anstieg der Bodenrenten einhergeht. Das Standortbestimmungsmodell ProSite weist in der Untersuchungsregion zahlreiche geeignete Gebiete für unterschiedliche Biogasanlagentypen unter Berücksichtigung konkurrierender Landnutzungsoptionen aus. Am Beispiel eines sehr gut geeigneten Standorts für eine Direkteinspeisungsanlage erfolgt eine Bodenrentenberechnung mit ProLand sowie die anschließende Transportkostenanalyse mit ProSite. Zudem findet die Bewertung bereits existierender Biogasanlagenstandorte statt.Aufgrund der Modellerweiterungen und der implementieren Interaktionen der Modelle ProLand und ProSite entsteht ein multikriterielles, räumliches Entscheidungsunterstützungssystem, das auf unterschiedliche Anforderungen flexibel anpassbar ist und die Fragestellung nach optimalen Standorten zur Erzeugung von erneuerbarer Energie aus Biomasse transparent beantwortet.
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