Um Aussagen über die Bestimmungsgründe und Entwicklungsmöglichkeiten kommunaler Weidegebiete in Zentral-Nord Namibia beurteilen zu können, wurden zeitgleich relevante Wirkungen zweier kommerzieller Weidemanagementsysteme und die kommunale Weidenutzungspraxis untersucht. Die Untersuchungen in den drei Untersuchungsgebieten bezogen sich bei den Dauerbeobachtungen (= Vegetationsmonitoring) auf die Deckungsgrade der Vegetation sowie edaphische Faktoren und waren auf die Erfassung der Weideerträge, die Qualität des verfügbaren Futters und die Besatzstärken ausgerichtet. Bei den Farmen - als Vertreter der beiden kommerziellen Weidemanagementsysteme, und zwar das Holistic Resource Management und das Controlled Selective Grazing - wurden Managementanalysen durchgeführt. Äquivalent dazu wurde im Kommunalgebiet eine Agrarsystemanalyse vorgenommen. Um Eindeutigkeit bei der Weidebeurteilung zu erreichen, wurden bestehende Weidebeurteilungsmethoden überprüft, bewertet und weiterentwickelt. Verallgemeinerungsfähige Ergebnisse wurden erzielt, in dem die Untersuchungen so geplant wurden, dass auch Informationen zu wichtigen Interaktionen, sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und zu der Umsetzung von Untersuchungsergebnissen (= Perzeption und Akzeptanz) bei den einzelnen Nutzergruppen anfielen. Die erzielten Resultate lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1. Mit der Punkttransekte konnten Daten über den aktuellen Weidezustand erhoben werden, die Rückschlüsse auf die Nutzungsintensität zuließen. Die Flächentransekte war mit der Einbeziehung edaphischer Faktoren aussagekräftiger und weniger zeitaufwendig und eignete sich daher für die Dauerbeobachtung (= Weidemonitoring).
2. Hohe Deckungsgrade unter hohem Nutzungsdruck nach HRM Kriterien wurden bei ausreichenden Niederschlägen (> 300mm) - nahe am ortsüblichen Mittel und einem überwiegenden Anteil perennierender Gräser erzielt. Bei unterdurchschnittlichen Niederschlägen und überwiegend annuellen Gräsern wurden höhere Deckungsgrade nur bei geringerem Beweidungsdruck erreicht.
3. Die Persistenz der Arten von Kommunalweiden zeigte sich darin, dass unter kontinuierlicher Beweidung die Deckungsgrade der Standorte mit geringerem Deckungsgrad in der Ausgangslage relativ weniger abnahmen als Standorte mit höherem Deckungsgrad in der Ausgangslage.
4. Die Elastizität der ariden- und semiariden Weideflächen stellte sich als größer dar, als den Berechnungen der konventionellen Weidemanagementpraxis (= Controlled Selective Grazing ) zugrunde gelegt wird.
5. Bei der geregelten Beweidung im kommerziellen Farmgebiet unter unterschiedlichen Managementsystemen hatten die Witterungseffekte den größeren Einfluss auf die Weideerträge. Ertragsrückgang und Artenverarmung im Kommunalgebiet waren jedoch auf die Wechselwirkungen zwischen der Variabilität der Niederschläge und der ungeregelten Beweidung zurückzuführen.
6. Das Holistic Resource Management war durch intensivere Nutzung der Weide produktiver als das System des Controlled Selective Grazing . Die intensive Nutzung blieb kurzfristig ohne erkennbare Beeinträchtigung der Weideerträge nachfolgender Vegetationsperioden.
7. Bei dem Methodenvergleich zur Bewertung der Weidefutterqualität wurde mit der enzymatischen Methode im Vergleich zur in-vitro Pansensaft Methode die Verdaulichkeit organischer Substanz um etwa 10 % unterschätzt. Die Ursache dafür liegt offenbar in dem hohen Ligningehalt des Futters bei ADF-Werten bis zu > 50 % und ADL Werten bis zu > 4%.
8. Die Futterqualitätsanalyse ergab, dass sich die Dynamik der Gerüstsubstanzen - ADF- und ADL-Konzentrationen - sowie die Rohproteinkonzentrationen als Indikatoren zur Bewertung der Intensität der Beweidung heranziehen lassen.
9. Die Relevanz des HRM für kommunale Weidegebiete wurde als relativ hoch eingestuft, da durch den holistischen Ansatz dieser Beweidungsform die Verringerung der Besatzdichten untergeordnete Bedeutung hatte und dadurch die traditionellen Zwänge der kommunalen Beweidungsform Berücksichtigung fanden.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen