Vergleich der Anwendung des Premature Infant Pain Profile (PIPP) bei akuten Schmerzen in Abhängigkeit von dem Ausbildungsstand und der Berufserfahrung von Pflegepersonal

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EinführungNeugeborenen - vor allem Frühgeborenen - wurde lange die Fähigkeit abgesprochen überhaupt Schmerzen empfinden zu können. Wie man heute weiß, sind die neuroanatomischen Voraussetzungen dafür bei der Geburt bereits gegeben. Bei Frühgeborenen liegt die Schmerzschwelle sogar niedriger als bei Reifgeborenen und deren Schmerzäußerungen fallen verhaltener aus. Die frühen Schmerzerfahrungen - zum Beispiel im Rahmen eines Intensivaufenthaltes - können langfristige strukturelle und funktionelle Schäden zur Folge haben. Das grundsätzliche Problem in der Neonatologie und der intensivmedizinischen Behandlung von Früh- und Neugeborenen liegt in der Beurteilung der verbalen Äußerungen der Patienten und in ihrem Unvermögen ein Selbsturteil abzugeben. Zur Objektivierung der kindlichen Empfindungen und richtigen Dosierung von Analgetika wurden bereits zahlreiche, für verschiedene Situationen und Gestationsalter passende Schmerzmessinstrumente, entwickelt. Der Premature Infant Pain Profile (PIPP) setzt sich aus 7 Dimension zusammen. Er berücksichtigt das Gestationsalter, das Verhaltenslevel des Patienten und die Änderung der physiologischen Parameter und der Gesichtsausdrücke. Er gilt als sehr valide und reliabel und ist sowohl im Klinikalltag als auch in der Forschung geeignet. Nur wenn eine suffiziente Schmerzerfassung stattfindet, kann auch ein adäquates Schmerzmanagement inklusive Analgesie - erfolgen.FragestellungIm klinischen Alltag werden zunehmend Schüler bei der Versorgung von Patienten eingesetzt. Im Rahmen dieser Arbeit soll geklärt werden, ob Schüler und erfahrene Pflegekräfte zu den gleichen Ergebnissen bei dem Einsatz des PIPP zur Schmerzerfassung bei Neugeborenen kommen. Hat der Ausbildungsstand oder die Berufserfahrung einen Einfluss auf die Gesamtwerte des PIPP?MethodikDie Ermittlung der PIPP Werte erfolgte anhand von 10 Videosequenzen aus einer umfangreichen Videodatenbank. Dies ermöglichte die Erfassung der Gesamtwerte des PIPP von den gleichen 10 Patienten und eine bessere Vergleichbarkeit der Werte. Zur Datenerhebung wurden 44 Pflegeschüler der Krankenpflegeschule und 35 Personen des Pflegepersonals der Universitätsklinik Gießen rekrutiert. Im Rahmen einer Fortbildung zum Thema Schmerzen bei Früh- und Neugeborenen wurde der PIPP vorgestellt. Mit Hilfe des PIPP ermittelten die Teilnehmer anschließend die Gesamtwerte für die 10 Videosequenzen. Die subjektive Wahrnehmung des Schmerzes wurde durch eine zusätzliche Numerische Rating Skala (NRS) verzeichnet. Zur Meinungsabfrage und der Erfassung der Stichprobencharakteristika kam ein separater Fragebogen zum Einsatz. Die Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Datenanalyse und t-Test. ErgebnisseIm Gegensatz zur Anwendung von eindimensionalen Schmerzmessinstrumenten lassen sich bei der Anwendung des PIPP keine Unterschiede zwischen den Ausbildungsständen Schüler und erfahrene Pflegekräfte entdecken. Auch die Berufserfahrung mit Neugeborenen hat scheinbar keinen Einfluss auf die Gesamtwerte des PIPP. Die Genauigkeit des PIPP ist ebenfalls in den Gruppen mit mehr oder weniger als einem Jahr Berufserfahrung gleich. Die Mehrzahl (51,62%) der Probanden kommt zu korrekten Werten und 36,46% überschätzen den Schmerz im Vergleich zum Expertenscore. Generell zeigten sich eine mäßige Streuung der Werte und eine gewisse Ungenauigkeit in beiden Gruppen. Bei der subjektiven Einschätzung der Schmerzen mittels Numerischer Rating Skala (NRS) schätzen die Schüler den Schmerz geringer ein als die erfahrenen Pflegekräfte. Die Beurteilung der Einzelitems und die Äußerungen der Teilnehmer ergaben einige Schwierigkeiten bei dem Einsatz des PIPP. Diese wurden zum Teil im Rahmen des PIPP-Revised, einer überarbeiteten Version des PIPP, berücksichtigt.SchlussfolgerungDie Anwendung des PIPP durch Schüler ist der Anwendung durch erfahrene Pflegekräfte ebenbürtig. Auch die Berufserfahrung mit Neugeborenen in den beiden Gruppen hat scheinbar keinen Einfluss. Beide Gruppen zeigen eine mäßige Streuung der Gesamtwerte und die Neigung die Schmerzen zu überschätzen. Obwohl das Wissen über Schmerzmanagement bei Neugeborenen und mögliche Maßnahmen zur Analgesie umfangreich war, sollten zusätzliche Schulungen und ein Training zur Schmerzmessung in Erwägung bezogen werden. Durch zusätzliche Übung kann vermutlich die Genauigkeit in der Anwendung verbessert werden. Der Gebrauch von subjektiven Verfahren (NRS) zur Schmerzmessung sollte bei Schülern genauer beobachtet werden.

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