Vergleich von Zugschrauben gegenüber Miniplatten bei der Osteosynthese von Kieferwinkelfrakturen

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Der Unterkiefer des Menschen ist aufgrund seiner exponierten Position besonders häufig von traumatischen Ereignissen betroffen. So ist bei 70 75 % der Frakturer-eignisse im Gesichtsschädelbereich der Unterkiefer mit betroffen [9, 10]. Kam in frü-heren Zeiten lediglich eine konservative Frakturbehandlung in Betracht, so lässt sich mit Fortschreiten der operativen Frakturbehandlung und Verbesserung der Osteo-synthesematerialien ein enormer Wandel hin zur operativen Frakturbehandlung nachvollziehen [19]. Insbesondere die Frakturen im Bereich des Unterkieferwinkels stellen hohe Anforderungen an die Therapie. So ist in dieser Region häufig ein Zahn im Bruchspalt anzutreffen. Zudem kommen hier besondere statische und dynami-sche Gegebenheiten des Knochens resultierend aus dem Ansatz zweier großer Kaumuskeln zum Tragen. Ziel dieser Arbeit war es, zwei klinisch etablierte Verfahren zur Osteosynthese von Unterkieferwinkelfrakturen zu beleuchten und die Ergebnisse zu beurteilen. Diese Verfahren sind zum einen die Miniplattenosteosynthese mit Miniplatten entlang der Linea obliqua, wie sie von MICHELET propagiert wurde. Zum anderen die solitäre Zugschraube, in der Modifikation nach KRENKEL mit der bikonkaven Unterlegscheibe.Die Indikation beider Osteosynthesen unterscheidet sich nicht, bei der Durchführung ergeben sich jedoch Unterschiede. So kann es sein, dass für die korrekte Einbring-richtung der Zugschraube möglichst senkrecht zur Frakturlinie eine zusätzliche transbukkale Stichinzision durchgeführt werden muß. Die Auswertung wurde retrospektiv anhand der vorhandenen Patientenunterlagen und Röntgenbilder vorgenommen. Von 549 Patienten im Zeitraum von 1997-2006, die eine Fraktur des Unterkieferwinkels erlitten, wurden 45 Patienten selektiert, die eine isolierte Kieferwinkelfraktur aufwiesen und mit einem der beiden genannten Osteosyntheseverfahren therapiert wurden. Diese Untersuchung konnte zeigen, dass es sich bei beiden Verfahren um zuver-lässige Methoden zur Frakturversorgung handelt, deren Komplikationsraten gering sind. So heilten die Versorgungen mit der solitären Zugschraube in 86 % der Fälle komplikationslos aus. Im Falle der Versorgung mit eine Miniplatte entlang der Linea obliqua betrug diese Quote sogar 93 %. Wurde zur vermeintlichen Stabilisierung der Fraktur eine zweite Miniplatte weiter basal angebracht, so betrug die Quote der kom-plikationslosen Frakturheilung nur 60 %. Dies erklärt sich damit, dass diese basale Platte sich im Bereich einer Druckzone befindet, welche sich durch die Zuggurtung der Platte an der Linea obliqua durch Muskelzug spontan schließen soll. Die zusätzli-che Miniplatte behindert vermutlich diesen Mechanismus. Eine weitere Beobachtung liegt im grundsätzlichen Unterschied der Osteosynthe-sen. So handelt es sich bei der Zugschraube im Gegensatz zur Miniplatte um eine Kompressionsosteosynthese. Die Vermessung der prae- und postoperativen Rönt-genaufnahmen in zwei Ebenen konnte zeigen, dass die Verschmälerung des Frak-turspaltes mit Hilfe der Zugschraube deutlich stärker und gleichmäßiger über die ge-samte Ausdehnung des Frakturspaltes gelingt. So konnte durch die Zugschraube im Mittel eine Verschmälerung im OPG um 61 % im Vergleich zum praeoperativen Wert, mit Hilfe einer Miniplatte um 8 %, mit Hilfe von zwei Miniplatten um 14 % im Vergleich zum praeoperativen Wert erreicht werden. Zudem zeigte sich postoperativ bei Ver-wendung der Miniplatte eine Verbreiterung des Frakturspaltes nach kaudal hin, was eine nachteilige Auswirkung auf den Heilungsprozess haben kann. Zusammen betrachtet stellen beide Verfahren adäquate, patientenschonende und klinisch erprobte Methoden zur Osteosynthese der Kieferwinkelfraktur dar. Die Vor-teile der Miniplatte liegen in der etwas einfacheren Anwendung, der prinzipielle Vor-teil der Zugschraube liegt in ihrer Funktion als Kompressionsosteosynthese. Diese Studie liefert Hinweise darauf, dass die Anwendung der Zugschraube bei der Be-handlung von Kieferwinkelfrakturen vorteilhaft sein kann.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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