Betreuung, Erziehung und Bildung von Anfang an! : Entwicklung eines Konzeptes über ein ganzheitliches Präventionsnetz zur Sicherung gelingender kindlicher Entwicklungsverläufe in den ersten zehn Lebensjahren
Ein Gelingen kindlicher Entwicklungsverläufe ist sowohl der Familie als auch der Gesellschaft ein besonderes Anliegen. In der vorliegenden Arbeit wird aus haushaltswissenschaftlicher Perspektive das wechselseitige Zusammenwirken von Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsprozessen bei Kindern in den ersten zehn Lebensjahren untersucht. Zusammenfassend ist festzustellen, dass gelingende Entwicklungsverläufe bei Kindern maßgeblich von der Herkunftsfamilie mit ihren Alltagskompetenzen, aber auch von den Sozialisationsbedingungen im sozialen Nahraum bestimmt werden. Die familiale Alltagsgestaltung stellt einen vielschichtigen Entwicklungsprozess dar, der sich durch die sozialen Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern im Spannungsfeld ihrer Lebenseinstellungen, verfügbarer Ressourcen und Handlungsalternativen im Familienhaushaltssystem ergibt, aber auch durch vielfältige Austauschbeziehungen der Fami-lienmitglieder mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld bestimmt wird. Der tief greifende Strukturwandel von Kindheit und Familie als Folge des Übergangs von der Industrie- zur wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft hat zu gestiegenen Anforderungen auf Seiten der Familienmitglieder geführt. Sie treffen heute auf vielfältige Schwierigkeiten, ihren Alltag verlässlich zu koordinieren und ihre sozialen Beziehungsnetze zu pflegen. Familie ist folglich zu einer zeitintensiven komplexen Herstellungsleistung geworden, so dass passgenaue familienunterstützende und -begleitende Angebote in ihrem Umfeld einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren. Im Rahmen dieser Arbeit wird die in der wissenschaftlichen Diskussion bisher weitgehend unberücksichtigt gebliebene haushaltsbezogene Perspektive von Familien ins Blickfeld gerückt: Der Dreiklang aus Betreuung, Erziehung und Bildung stellt im Lebensverlauf der Familie ganz unterschiedliche Anforderungen an die Eltern. Sie darauf vorzubereiten und im Familienalltag angemessen zu begleiten ist notwendig, um Überforderung zu vermeiden und gedeihliche kindliche Entwicklungsprozesse zu fördern. So kann Bildung nur gelingen, wenn ein Kind zufrieden stellend betreut und erzogen ist. Diese Einsicht gilt es bei allen gesellschaftlichen Akteuren zu etablieren.Von daher greift auch eine kindzentrierte und ausschließlich risikoentschlüsselnde Herangehensweise an die Sicherung kindlicher Entwicklungsverläufe zu kurz. Die Stärkung des Empowerments jeder Familie und eine Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Familie, Kindergarten und Grundschule ist ebenso notwendig wie die individuelle Begleitung der Familien, um die Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten. Folglich ist das Leitbild Das ganzheitliche Präventionsnetz - Ihr Partner allen beteiligten Akteuren nahe zu bringen. Dazu werden am Beispiel der Stadt Gießen abschließend konzeptionelle Umsetzungsstrategien im Rahmen der Entwicklung eines ganzheitlichen Präventionsnetzes vorgestellt.
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