Hintergrund: In der Diagnostik des AMI sind die cTnI und cTnT etabliert. Trotz der hs-cTn-Tests wird für Diagnostik und Prognoseeinschätzung eine Multimarker-Strategie vorgeschlagen. Experimentelle Studien zeigten, dass nicht nur eine erhöhte Ventrikelwandspannung, sondern auch die myokardiale Ischämie zur Freisetzung von natriuretische Peptiden führt. Die serielle Messung von NT-proBNP könnte deshalb zur Identifizierung von Risikopatienten mit ACS bedeutsam sein. Ein humanes Infarktmodell wurde genutzt, um die Freisetzungskinetik von NT-proBNP aufzuzeigen und mit hs-cTn zu vergleichen. Patienten und Methoden: Es wurden die NT-proBNP-Konzentrationen von 18 Patienten untersucht, die mit einer HOCM diagnostiziert und einer TASH unterzogen wurden. Als Baseline-Wert erfolgte eine erste Blutentnahme vor und dann jeweils nach 15, 30, 45, 60, 75, 90, 105 Minuten sowie zwei, 4, 8 und 24 Stunden nach der Alkoholinjektion.Ergebnisse: Aufgrund der HOCM hatten 14 der Patienten (77,8%) bereits bei der Baseline-Messung erhöhte NT-proBNP-Werte [min-max: 255,5-8737,0 ng/l; Median: 925,7 ng/l (IQR 480,4 2068,0 ng/l)]. Die NT-proBNP-Konzentrationen zeigten einen stetigen Anstieg bis 75 Minuten nach einem AMI, mit dem ersten signifikanten Anstieg nach 15 Minuten [Prozentänderung min-max: 101,9-120,9%; Median: 978,8 ng/l (IQR 483,8 2167,9 ng/l)]. Alle Patienten zeigten einen signifikanten Anstieg nach 45 Minuten [Prozentänderung min-max: 103,8-145,3%; Absolutanstieg min-max: 23,5-304,0 ng/l]. Bis zur 8. Stunde fielen die Konzentrationen wieder unter die Baseline-Werte. Das hs-cTnT zeigte einen signifikanten Anstieg bereits nach 15 Minuten und stieg über den gesamten Messzeitraum stetig an.Schlussfolgerung: Unsere Arbeit bestätigt die Hypothese, dass die Ischämie als Freisetzungsstimulus für NT-proBNP fungiert. In der Diagnostikphase des AMI hat NT-proBNP keinen zusätzlichen Nutzen zum hs-cTnT. Den relativ schnellen Abfall des NT-proBNP im Vergleich zum hs-cTnT kann man sich bei der Risikostratifizierung zu Nutze machen. Eine NT-proBNP-Messung kann bereits acht Stunden nach Infarkt sinnvoll sein. Nicht die absoluten, aber die prozentualen NT-proBNP-Änderungen könnten auf die klinische Population der Patienten nach dem AMI übertragen werden.
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