Einleitung : In dieser Arbeit untersuchten wir den Einfluss verschiedener nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien auf die In- vitro- Chemotaxis menschlicher Blutmonozyten nach Stimulation mit dem Lockstoff fMLP (N- formyl- Methionyl- leucyl- phenylalanin). Wir untersuchten jeweils drei Relaxanzien aus der Aminosteroidgruppe (Pancuronium, Vecuronium und Rocuronium) und aus der Benzylisochinolongruppe (Atracurium, Cisatracurium und Mivacurium).Methodik : Die Medikamente wurden in drei unterschiedlichen Konzentrationen getestet. Die mittlere Konzentration entsprach einem nach intravenöser Injektion therapeutischen Plasmaspiegel im Blut, die hohe Konzentration lag eine Zehnerpotenz darüber, die niedrige Konzentration eine Zehnerpotenz darunter, um klinischen Situationen wie verminderter Elimination oder gesteigertem Abbau Rechnung zu tragen. Zur Messung der Chemotaxis bedienten wir uns der von Martinet et al. modifizierten Methode von Boyden und benutzten eine 48-well Chemotaxis Chamber.Ergebnisse : Die Messungen für Pancuronium und Vecuronium ergaben bei keiner Konzentration eine signifikante Hemmung der Monozytenchemotaxis in vitro (p < 0,001). Rocuronium, Mivacurium und Cisatracurium führten bei der hohen Konzentration zu einer signifikanten Hemmung der Monozytenchemotaxis in vitro (p < 0,001). Atracurium führte bei der hohen und der mittleren Konzentration zu einer signifikanten Hemmung der Monozytenchemotaxis in vitro (p < 0,001). Keines der getesteten Medikamente führte zu einer statistisch signifikanten Steigerung der in vitro gemessenen Monozytenchemotaxis.Diskussion : Die vermehrte Konfrontation mit immunkompromitierten Patienten auch im klinischen Alltag unterstreicht die Notwendigkeit, den immunmodulierenden Einfluss von Arzneimitteln zu untersuchen. Hierbei ist die Chemotaxis von Blutmonozyten ein Teilaspekt der Immunregulation, von dem jedoch nicht auf die Gesamtheit der Immunitätslage geschlossen werden kann.Die vorliegende Studie legt aber nahe, dass Atracurium möglicherweise in anästhesiologisch relevanter Konzentration in vivo einen immunologisch ungünstigen Einfluss haben könnte. Diese Annahme bedarf natürlich einer Überprüfung durch klinische Untersuchungen, bevor praktische Konsequenzen gezogen werden dürfen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen