Fibrosierende Lungenerkrankungen stellen aufgrund ihrer Häufigkeit und ihres oft therapierefraktären und progredienten Verlaufs ein besonderes Patientengut in der Pneumologie dar. Gerade im Fall der Idiopathischen Interstitiellen Pneumonien besteht derzeit weitgehende Unkenntnis der zugrunde liegenden molekularen Mechanismen. Seit kurzem ist bekannt, dass auch bei fibrosierenden Lungenerkrankungen weitreichende Änderungen des alveolären Gerinnungssystems, mit Hochregulation prothrombotischer und Suppression fibrinolytischer Prozesse, auftreten. Über die intermediäre Bildung profibrotisch wirkender Gerinnungsprodukte (z.B. Thrombin), über die Wechselwirkung mit pulmonalem Surfactant, über die 'Verklebung' atelektatischer Lungenbezirke und über die Suppression fibrinolytischer Faktoren könnten diese Veränderungen zur Entwicklung einer Fibrose beitragen.
Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Arbeit der Einfluss einer repetetiven inhalativen Verabreichung von Urokinase oder Heparin an einem tierexperimentellen Modell der Lungenfibrose untersucht. Hierzu wurde Kaninchen unter Narkose und mechanischer Beatmung 1,8U/kg KG Bleomycin als Aerosol verabreicht. In der Folge entwickelte sich zunächst ein ARDS-typisches Geschen, gefolgt von einer ausgeprägten Lungenfibrose. An diesem Modell wurde entweder in einer frühen (Tag 2, 4, 6, 8, 10, 12) oder einer späten Phase (Tag 14, 16, 18, 20, 22, 24) jeweils ~6000 U Urokinase oder ~3500 U Heparin repetitiv inhalativ unter Spontanatmung pulmonal deponiert
Durch die Verabreichung von Heparin und Urokinase (wobei die frühe Heparinbehandlung und die späte Urokinasetherapie am effektivsten waren) wurde ein fast komplette Unterdrückung der fibroproliverativen Antwort erreicht. Dieses beinhaltet eine weitgehende Normalisierung der statischen Compliance, eine weitgehende Reduktion des löslichen Kollagens in der bronchoalveolären Lavage und des Hydroxyprolinanteils im Trockengewicht der Lungen. Diese Ergebnisse konnten auch durch die Bildgebung mittels HRCT und Histologie untermauert werden.
Diese Untersuchungen stützen die Annahme, dass die Bildung von intraalveolärem Fibrin einen wichtigen Stellenwert bei der Entwicklung der Bleomycin-induzierten Lungenfibrose darstellt. Es kann gefolgert werden, dass die kompartimentalisierte Korrektur der alveolären Gerinnungsbalance durch inhalative Verabreichung antikoagulativer oder fibrinolytischer Agentien einen möglichen Therapieansatz zur Behandlung der Lungenfibrose darstellt.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen