Vergleichende Untersuchungen zum ökologischen Status des konventionellen und des biologischen Baumwollanbaues in Ägypten (Governorat Fayoum), zur Stabilisierung der Erträge und zur Wirkung der Pheromon-Verwirrung bei Pectinophora gossypiella (Lep. Gelechiidae)

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Ägypten, das Land am Oberlauf des Nil, hat eine sehr lange landwirtschaftliche Geschichte. Die dort angebaute Baumwolle zähltgemessen an der Faserlänge und Qualität zu den Besten der Welt. Seit Jahrzehnten ist die Baumwolle die landwirtschaftliche Kultur mit dergrößten Bedeutung für den Export Ägyptens. Hohe Subventionen und fallende Weltmarktpreise haben jedoch in den letzten zehn Jahren zurAbnahme der Produktion geführt, die Alternative Anbaukonzepte notwendig machen. Seit 1990 wird Baumwolle in Ägypten auchbiologisch-dynamisch angebaut. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, sowohl alternative Anbaumethoden wissenschaftlich zu testen, alsauch einen Vergleich zwischen langjährig konventionellem und langjährig biologischen Anbauweisen, unter besonderer Berücksichtigungentomologischer Aspekte, durchzuführen. Es konnte gezeigt werden, dass der Streifenanbau mit Baumwolle und anderen Kulturen, wieBasilikum (Ocimum basilicum), Chili Pfeffer (Capsicum frutescens) und Zitronengras (Cymbopogon citratus), vor allem für biologischwirtschaftende Betriebe ökonomische und pflanzenbauliche Vorteile hervorbringt. Erlöse aus dem Streifenanbau sind durchaus mit denenaus reinem Baumwollanbau vergleichbar. Zusätzlich können während der langen Baumwollvegetationsperiode Zusatzkulturen geerntetwerden und somit für Liquidität der Bauern sorgen. Die Variante mit Chili Pfeffer schneidet dabei am schlechtesten ab. Beim sogenannten Öko-Monitoring der verschiedenen Betriebssysteme (konventionell und biologisch-dynamisch) ergaben sich beimVorkommen von Nützlingen nur zum Teil signifikante Unterschiede. Auf konventionellen Flächen fanden sich 124 Raubathropoden pro m 2mit einer Biomasse von 95 mg. Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen waren 107 Raubathropoden pro m 2 , mit einer Biomasse von102 mg zu finden. Auf Baumwollpflanzen fanden sich bei konventioneller Wirtschaft durchschnittlich 2,3 Nützlinge und 5,3 saugendeSchädlinge (Homoptera), bei ökologischer Wirtschaft war das Verhältnis umgekehrt: 3,2 Nützlinge und 2,3 Homoptera(Durchschnittswerte). Beim Vergleich der Ackerbegleitflora fanden sich auf konventionell bewirtschafteten Flächen durchschnittlich 6,55Begleitpflanzen pro m 2 , auf ökologischen bewirtschafteten Flächen waren es 7,30 pro m 2 (jeweils 10 Arten; Malvaceae als Unkräuterwaren sehr selten). Letztendlich konnte beim Vergleich der Erträge ein gleiches bzw. höheres Ertragsniveau bei biologischer Baumwollefestgestellt werden. Die durchgeführten Insektizidspritzungen im konventionellen Anbau haben dabei keine nennenswerte Reduzierung desSchädlingsdrucks herbeigeführt. Der fördernde Einfluss von N-Düngung, verspätete Aussaat und von Insektiziden auf den Schädlingsbefallwird herausgestellt. Ein durchgeführter Versuch mit dem Sexualpheromon der weiblichen Pectinophora gossypiella SAUND., angewendetals Verwirrungsmethode, zeigte, dass sich Populationen dieses Schlüsselschädlings in biologischen Anbausystemen kontrollieren lassen.Vergleichsweise dazu haben die durchgeführten Insektizidbehandlungen in konventioneller Baumwolle nicht den erwünschten Erfolggebracht. Die Verwirrungsmethode mit Pheromonen von P. gossypiella kann für biologisch wirtschaftende Bauern in Ägypten einwirkungsvolles Mittel zur Ertragssicherung der Baumwolle darstellen. Bei richtiger Dosierung und Anwendung, sowie günstigenProduktionsbedingungen ist die Verwendung von Pheromonen nicht teurer als konventionelle Spritzungen von Insektiziden, gegen diesenBaumwollkapselwurm. Der organische Baumwollanbau, wie er in Ägypten durchgeführt wird, stellt eine sinnvolle Alternative zum konventionellen Anbau dar, wobeier in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht aus dem Nischenmarkt herauswachen wird. Für biologische Baumwolle wird gegenwärtig einPreisaufschlag von ca. 20 % gegenüber konventioneller Baumwolle gezahlt, der solange möglich ist, wie die Nachfrage erhalten bzw.erweitert wird. Weite Fruchtfolgen und der Anbau von Baumwolle in Streifenkulturen können das Risiko, keinen Absatzmarkt zu finden,erheblich vermindern. Langfristig gesehen hat der organische Anbau, nicht nur von Baumwolle, zur Folge, dass sich Nützlingspopulationenaufbauen können und sich die Schädlingsproblematik vereinfacht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine gute landwirtschaftliche Praxisvernachlässigt werden soll, denn sowohl regelmäßige Kontrollen sowie gezielte Maßnahmen gegen vorkommende Schädlingspopulationensind genauso nötig, wie eine gute Beratung und weitere Forschung im Bereich des ökologischen Landbaus.

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