Prävalenz von sexuell und nicht sexuell übertragbaren bakteriellen Erregern und ihre Assoziation mit verschiedenen Ejakulatparametern bei andrologischen Patienten

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Infektionen des Genitaltraktes zählen zu den häufigsten Ursachen männlicher Infertilität. Dabei können die Erreger selbst direkte Spermienschäden verursachen und/oder eine Entzündungsreaktion des Wirtsorganismus auslösen, so dass es zur Funktionsstörung der beteiligten Organe des Reproduktionstrakts oder strukturellen Schäden (Obstruktion der Samenwege) kommen kann. Ursächlich hierfür sind aszendierende Infektionen mit STI-Erregern oder typischen Uropathogenen, die sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch verlaufen können. Bei asymptomatischen Verläufen handelt es sich oft um einen Zufallsbefund, insbesondere bei der diagnostischen Abklärung der männlichen Fertilität. Die Auswirkungen der bakteriellen Erreger auf den männlichen Urogenitaltrakt, die Ejakulatqualität und damit auch die männliche Fertilität werden allerdings kontrovers beurteilt.Ziele der vorliegenden Arbeit sind daher die Ermittlung der Prävalenz von STI und nicht sexuell übertragbaren bakteriellen Erregern bei andrologischen Patienten sowie deren Einfluss auf verschiedene Ejakulatparameter und die Veränderung der Ejakulatparameter nach antibiotischer Therapie.Retrospektiv wurden alle Ejakulate im Zeitraum von Juni 2011 bis Juni 2014 hinsichtlich des Vorhandenseins der kompletten mikrobiologischen Diagnostik überprüft und 2080 Ejakulate von Patienten mit einem medianen Alter von 37 Jahren identifiziert. Dabei handelt es sich um verschiedene andrologische Patientenkollektive der Klinik und Poliklinik für Kinderurologie und Andrologie in Gießen, vorwiegend solche mit unerfülltem Kinderwunsch. Spermiogramme wurden standardisiert nach WHO 2010 erstellt und durch biochemische Parameter ergänzt. Die molekularbiologische Identifizierung der Erreger erfolgte mittels Spezies-spezifischer PCR-Analyse klassischer STI und des kulturellen Nachweises typischer Harnwegsinfektionserreger. Zusätzlich konnten 67 Patienten aus dem Gesamtpatientenkollektiv identifiziert werden, bei welchen vor und nach antibiotischer Behandlung bei positivem STI-PCR-Ergebnis ein Spermiogramm vorlag. Die pseudonymisierten Daten wurden in einer Excel-Tabelle zusammengefasst und mit dem Statistikprogramm SPSS (Statistics 22) ausgewertet. In 134 Fällen zeigte sich ein positiver Befund im STI-Panel (94 x U. urealyticum, 7 x N. gonorrhoeae, 6 x C. trachomatis, 19 x Mycoplasmen (M. hominis und M. genitalum), 8 x Mischinfektionen). Der Nachweis einer STI wirkte sich signifikant negativ (p < 0,01) auf die Spermienkonzentration und -gesamtzahl aus. Andere Spermien-, Entzündungs- (Leukozyten, Elastase) oder Sekretionsparameter (Fruktose, alpha-Glucosidase) blieben von einer STI unbeeinflusst. In den Erregerkulturen fanden sich 290 Kulturen mit pathogenen Bakterien (am häufigsten Enterococcus spp. (N = 192) und E. coli (N = 101)). Diese wirkten sich signifikant negativ (p < 0,01) auf das Volumen und die Fruktose-Konzentration aus. Posttherapeutisch zeigte sich im Follow-up in 65/68 Fällen eine erfolgreiche Eradikation der STI (> 95 %). Allerdings ergab sich kurzfristig keine signifikante Verbesserung der Ejakulatqualität nach antibiotischer Behandlung.Der negative Einfluss von STI auf die Spermienkonzentration und die damit verbundene Oligozoospermie bei asymptomatischen Patienten zeigt die klinische Relevanz dieser Erreger im Hinblick auf die männliche Fertilität. Eine Subgruppen-Analyse der verschiedenen STI-Erreger war aufgrund geringer Fallzahlen nicht möglich. Jedoch belegt der hohe Anteil an U. urealyticum (> 70 %) unter den STI den klinischen Stellenwert dieses Erregers, wenngleich ursächliche Schädigungsmechanismen nicht aus den vorliegenden Daten abgeleitet werden können. Der negative Einfluss uropathogener Bakterien auf Ejakulatvolumen und Fruktose-Konzentration ist möglicherweise auf eine Funktionseinschränkung der Bläschendrüsen oder postentzündliche Obstruktion der Samenwege zurückzuführen. Die antibiotische Therapie von STI zeigte sich in der Eradikation hoch effektiv. Die ausbleibende Verbesserung der Ejakulatqualität geht möglicherweise auf die Berücksichtigung nur einer frühzeitigen Follow-up-Untersuchung zurück.

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