Angesichts fehlender Daten auf dem Gebiet der Fertilitätsstörungen und dem Stellenwert komplementärer Therapien, wurden im Rahmen dieser Studie Paare mit unerfülltem Kinderwunsch untersucht. Von 11/2005 bis 11/2006 wurde ein Fragebogen zu komplementären Therapien an Paare mit Fertilitätsstörungen verteilt und statistisch ausgewertet. Das Patientenkollektiv belief sich auf 225 untersuchte Paare. 35,5% der Befragten gaben an, bereits Komplementärmedizin in Anspruch genommen zu haben; Akupunktur und Homöopathie wurden am häufigsten genutzt. Die meisten Paare waren zufrieden bis sehr zufrieden mit den angewandten komplementären Verfahren. Die Inanspruchnehmer komplementärer Therapien waren signifikant weiblich, höher gebildet, kannten durchschnittlich 3 komplementäre Therapien mehr und zeigten ein besseres Gesundheitsverhalten als die Nicht-Inanspruchnehmer. Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie, als therapeutische Optionen bei unerfülltem Kinderwunsch, waren den meisten Paaren unbekannt. Dennoch zeigte sich eine große Bereitschaft diese komplementären Therapien bei Fertilitätsstörungen anzuwenden. Je höher das ermittelte Bildungsniveau der Befragten, desto größer waren die Kenntnis und Bereitschaft Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie bei unerfülltem Kinderwunsch zu nutzen. Insgesamt betrachtet wird die Anwendung komplementärer Verfahren von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch sehr positiv bewertet. Der behandelnde Arzt sollte deshalb über Vor- und Nachteile komplementärer Therapien informiert sein, damit er die Paare optimal beraten kann und in der Lage ist, ein auf die Bedürfnisse des Paares abgestimmtes Behandlungskonzept zu entwickeln.
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